Erstes Kapitel

Die Einführungsparty für Michail Weizbinder

Die derzeitigen Einwohner des Webbhauses hatten einige Instruktionen erhalten über den zu erwartenden neuen Gast, Michail Weizbinder, aber ja nicht zu viele! Der Geist soll sich ja allein bilden. Dale Noomey war auch eingeladen, damit sich nicht alles zu sehr um den Neuen, den einzigen Auswärtigen, drehen sollte, was es dann aber wohl doch tat. Ich deutete nur an, dass er einige für uns als Christen interessante Ansichten habe, und dazu als Russe frisch von der jetzt, in den frühen Neunzigern, im Geiste ja noch weitgehend bestehenden anderen Seite der Welt käme. Dazu war mir ja über seinen Hintergrund auch kaum Weiteres bekannt. Speziell die Frage, ob er sich nun selbst einen Christen nenne, hätte ich mir zu dieser Zeit selbst nicht beantworten können, schalt mich dann aber selbst schon einen Amerikaner, bei dem sich alles auf die Frage – Pistole auf der Brust – konzentriere: »Kennst du Jesus als deinen persönlichen Heiland?«

Nicht wahr, so kann man niemandem kommen, dazu ist die Frage viel zu hintergründig und dazu doch, weil die innerste Seele berührend, wohl grob und unhöflich, wovor doch sonst die Amerikaner, die nicht einmal ihren Namen auf den Hausbriefkasten vor der Tür setzen, oder partout am Telefon »hello« statt ihres Namens sagen, auf ihre Art so eine Scheu haben. Und wenn ich an den ja auch russischen Dostojewski denke – und ich stelle mir vor, dass man im neu freigewordenen Russland bei ihm, der selber ja zuerst Frühkommunist war, ehe er überhaupt von Karl Marx hatte etwas hören können, etwa wieder anfangen müsste – so weiß ich, wie lange er sich selbst mit der Frage des Christseins herumgequält hat. All sein Schreiben, lässt er uns wissen, sei im Grunde »ein Suchen nach Gott« gewesen. Aber selber hat der ungezügelte süchtige Spieler und Schuldenmacher den »Sprung« ins Christsein wohl doch nie gewagt. Vielleicht ist da so eine amerikanische Bekehrung, ein Hineinspringen, ehe man’s richtig »weiß« – und das wird man ja letzten Endes nie! – eben doch nicht so verkehrt?

Wir sind also schon im Webbhaus versammelt, halb feierlich gekleidet – die Damen konnten es doch nicht lassen, sich herauszuputzen, Diane ist allerdings noch nicht heruntergekommen – aber sonst ist alles recht leger wie sonst auch. Aber ein Abendessen haben sie geplant. Wie hübsch, das hatte ich gar nicht »bestellt«, werde es ihnen aber geldlich ersetzen. Wir sind am vorsichtigen Erwägen und Diskutieren, was uns wohl erwarte – da geht also die Türglocke.

Michail Jewgenjewitsch Weizbinder gibt durch sein zunächst scheues und steifes Benehmen sowie seinen durchaus auch festlicheren Anzug sein eigenes Erwarten wieder, und da haben wir also doch nicht so danebengegriffen. Er steht erst vor der Tür und verbeugt sich wortlos. Damit schon, ehe das erste Wort gesprochen ist, erweist er sich als »hoffnungslos« unamerikanisch!

»Sie sind Herr Weizbinder, nicht wahr?« sagt die ihm Öffnende,. »Ich heiße Sonya. Hier, unseren Dr. Orlin kennen Sie ja schon.«

»›Herm‹, hier im Webbhaus, bitte!« werfe ich dazwischen und umarme den Besucher, um ihn aufzulockern, aber durchaus auch um anzuzeigen, wie sehr ich mich freue, ihn nun doch »eingefangen« zu haben. Amerikaner – und auch Russen! – machen das ja so. (Zu dem beidseitigen Wangenkuss raffe ich mich aber doch nicht auf.)

»Und das sind Jim Luke, Bob Petersen und Rudi Frazier,« fährt Sonya fort, »Ach, und da kommt ja auch unsere Diane die Treppe herunter, Diane Hubbard.«

Michail verbeugt sich wieder etwas zu förmlich und ganz alteuropäisch vor allen, schüttelt aber keine Hände und sagt auch nicht das fürchterliche »How do you do«.

»Aber kommen Sie doch herein, Sie stehen ja noch auf der Schwelle!«

(Was ich hier als »Sie« wiedergebe, ist natürlich auf Englisch das in dieser Beziehung indifferente »You«. Wenn sich nachher alle duzen, so soll das nur den dann vertraulicher werdenden Ton andeuten.)

»Jetzt warten wir nur noch auf Dale – ich meine Pastor Dale Noomey.«

»Jetzt weiß ich nur noch nicht Ihren Nachnamen,« sagt Michail lächelnd.

»Sonya Matney, Literaturstudentin. Aber meinen Familiennamen brauchen Sie doch gar nicht. Wir sind im Hause hier alle doch nur auf Vornamenbasis!«

»Sowie ich das noch aus der Alten Welt,« sagt nun der Gast,

»besonders von Deutschland her kenne, wären jetzt meinerseits Blumen mitzubringen gewesen, aber ich glaube, hier macht man das nicht so? Zudem ist ja wohl auch keine richtige ›Frau des Hauses‹ da, der ich sie überreichen müsste. Oder soll ich Sie, Sonya, als solche ansprechen?«

»Oder mich?!« wirft Diane etwas schnippisch dazwischen, wird aber in der sowieso wegen Michails unamerikanischem Benehmen nun heiter gewordenen Stimmung, ausgelacht.

»Au ja, Blumen!« sagt Bob, »Dann will ich aber auch welche, wir haben hier schließlich Gleichberechtigung, ihr female chauvinist pigs

Man nimmt Platz im Wohnzimmer, dem größten Raum des Hauses, in den man auch gleich von draußen mit der Haustür fällt – einen Vorraum oder Diele gibt es in kleineren amerikanischen Häusern meist nicht – noch nicht im Esszimmer, das man aber, wegen Abwesenheit einer Tür, mit dem für das Studentenhaus verhältnismäßig feierlich gedeckten Tisch, schon in Augenschein nehmen kann.

»Wieso Deutschland?« nimmt Rudi den Faden wieder auf, »Ich denke, Sie sind Russe?«

»Herm ist damals gleich mein deutscher Name aufgefallen,« sagt Michail, »Ich bin Wahldeutscher, dazu aber auch der Abstammung nach Wolgadeutscher. Unsere Zarin Katharina die Große, selbst auch Deutsche, hat im achtzehnten Jahrhundert Deutsche ins Land gerufen und angesiedelt, darunter meinen Vorfahren Johann Fürchtegott Weizenbinder – von dem weiß ich fast nur, dass er ein reformierter, lebhaft gläubiger Christ gewesen ist. Meine größere Familie lebt noch heute mit vielen anderen Deutschen in Kasachstan, dorthin in der Sowjetzeit versetzt. Wie die Juden in ihres, wollen jetzt viele von ihnen zurück ins deutsche Herkunftsland. Unser Name ist im Laufe der Jahrhunderte dann zu Weizbinder abgekürzt worden. Aufgewachsen bin ich natürlich als Sowjetbürger. Es ärgerte mich schon als kleines Kind, dass nun jegliche Sonderstellung bei allen abgeschafft sein sollte, erst aus Eitelkeit, weil ich mehr sein wollte, später aber aus Überzeugung, weil doch nun alle gleich, und zwar möglichst nur noch Bauern oder Arbeiter und Großrussen sein sollten, da war ich aus Ordnungsgründen dagegen. Na und gar ›was Besonderes‹ aus dem verfemten kapitalistischen aber stets beneideten Westen! Obgleich wir doch auch unser Deutschland, das sozialistische, hatten, zählte eigentlich für uns als beneidenswert nur die Bundesrepublik, besonders weil die beiden Deutschlands bei sonst allen Variablen gleich, ja so schön den generellen Unterschied der beiden Weltanschauungen demonstrierten. Deswegen war Einfluss von Westdeutschland offiziell ganz verpönt. Da wurde dann immer zur Aufrechterhaltung der Isolation – oder schlicht: des Hasses, der nämlich eigentlich erstaunlich gering bei uns ist – der deutsche faschistische Angriffskrieg vorgeschützt.

Diese Gleichmacherei aller Klassen, ebenso wie der künstliche Hass, hatten aber in meinem Gemüt genau den entgegengesetzten Erfolg. Dazu kam die wachsende und geheim gehaltene antisowjetische Haltung unter besonders der akademischen Jugend. Also lernte ich gerade Deutsch zu dem dazu, was noch in der Familie an deutschen Redensarten gebräuchlich war, aber auch geheim, sonst wäre meine Versetzung als achtzehnjähriger Soldat in das ›freie sozialistische Deutschland‹, wie es bei uns hieß, also die kommunistische ›deutsche demokratische Republik,‹ unmöglich gewesen. Denn man schätzte irgendwelche Fraternisierung sogar zu diesen doch nun kommunistisch geläuterten Deutschen gar nicht!«

Weil die anderen noch keinen Kommentar dazusteuern wollen und ihn weiterhin erwartungsvoll angucken, fährt er fort:

»Ihr müsst verstehen, mein Leben habe ich, wie soll ich’s nennen, wie ein Archäologe oder als ein großes Puzzlespiel zugebracht. So habe ich mein Deutschtum wieder von Anfang an rekonstruiert, und bin dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass die Westmächte uns Deutschen schwer Unrecht getan haben. Es war gar kein schlechtes Spiel, überall wo ich nur konnte, nachzuforschen, wie es denn nun wirklich in der Geschichte war. Ich wusste am Ende mehr als mancher Deutsche, ja fast jeder Deutsche, Ost oder West. Denn auch im Westen war es schwer, in manchen Aspekten gar viel schwerer als im Sowjetreich, objektiver geschichtlicher Tatsachen über die Kriege und aller für die Westaliierten ja so heiklen Begebenheiten habhaft zu werden.«

»Da hättest du doch nun gleich Amerikaner werden können!« sagt Jim. Michail runzelt die Stirn und gibt nach einem Moment recht deutlich und zurechtweisend zur Antwort:

»Tolstoi, der russische christliche Graf und Schriftsteller im vorigen Jahrhundert, beschreibt in seinem ›Krieg und Frieden‹ einmal den Eindruck der verschiedenen Nationen auf die russische Nationalseele. Die Deutschen, auf die er’s eigentlich abgesehen hat, kommen übrigens gar nicht gut dabei weg. Sie können in eine Lieblingsidee, sagt er, meist noch die eigene, so verliebt werden, dass sie nichts anderes mehr sehen und nun alle Probleme nur aus dieser Sicht behandelt haben wollen.

Aber ich denke jetzt mehr an Dostojewski, seinen Zeitgenossen, einen anderen weltbedeutenden russischen Schriftsteller. Der schreibt über die Franzosen, damals die beneidete und oft imitierte ›führende‹ Nation, nun unter Napoleon: Die Offiziere, die 1812 bei Borodino siegreich in Russland standen, treffen einen gebildeten Russen, der, wie damals also die Mode, fließend und akzentfrei französisch spricht. Sagen sie: Ja, da können Sie doch gleich als Franzose nach Frankreich kommen – als böten sie ihm damit den Himmel an.«

Noch ehe die eigentliche Abweisung darin, die vielleicht auch nur ein Russe, der sein »Mütterchen Russland« so liebt, dass Auswanderung schon eine Art Verrat bedeutet, selber richtig wahrnehmen kann, also ehe die allen so weit klar wird und ohne weiter erklärend darauf einzugehen, fährt Michail lebhaft fort:

»Ebenso als ein Puzzlespiel habe ich mir, was immer ich vom Christentum weiß, erarbeiten müssen. Natürlich im Grunde am Anfang auch nur, weil’s so verpönt und verboten war. Da hatte ich’s wesentlich leichter, sobald ich nur einer vollständigen Bibel habhaft werden konnte, und das ist mir noch in der Sowjetzeit gelungen. Ich hatte auch eine deutsche Bibel. Da stand auf dem Deckel groß und breit ›Lehrbuch der deutschen Sprache‹ auf Deutsch, darunter, kleiner, dasselbe auf russisch. So konnte kein zufälliger Besucher etwas Koterrevolutionäres vermuten, und der Titel war wenigstens für mich, der ich jeden Vers mit Russisch vergleichen konnte, nicht gelogen. (Und dass die Bibel nach marxistisch-leninistischer Einstellung und auch ihrer eigenen Aussage extrem konterrevolutionär ist, brauch’ ich wohl vor diesem Kreis nicht zu betonen?!)«

Dazu bemerke ich, Öhrlein, beim späteren Niederschreiben folgendes:

Betonen müsste er das auch in diesem Kreis, wie überall in USA und der Welt, doch! Aber nun liegt es ja so in der Luft, dass ich darauf rechnen kann, es wird sich früher oder später selber zur Diskussion bringen. Und da ich von meinen bisherigen Erfahrungen in diesem Lande weiß, dass alle Amerikaner auf ihre »Revolution« sehr stolz sind, obgleich sich auch alle Christen nennen, und ich außer nun in Michail selber wohl keinen auf meiner Seite hätte, der den Widerspruch der beiden Überzeugungen zueinander wahrnehme, schweige ich wohlweislich zunächst einmal darüber! Es soll ja keine wüste Streiterei in meinem Hause entstehen.

»Und ebenso bin ich auf oft abwegig erscheinende Lösungen dabei gekommen,« – fährt Michail fort,

»die keinem in christlicher Tradition Aufgewachsenem einfallen würden. Besonders machte ich mir den Grundsatz zu eigen, dass die Bibel mit der Bibel bewiesen werden müsse – und sie erklärt sich ja selbst, wenn man nur kritisch genug aufpasst – und nicht etwa aus irgend einer anderen, menschlichen Quelle! Sonst bleibt aus dem Gemisch bald nur das menschliche Prinzip zurück, und das ist dann immer falsch, sündig und führt zu Desaster. Hier ein einfaches Beispiel:

Christliche Temperenzler, höre ich, sollen die Theorie aufgebracht haben, Jesus und die Seinen damals hätten nur ›New wine‹, das heißt, alkoholfreien Wein getrunken. Weil doch Gott gut sei, so wie wir uns das denken, und ihnen kein Gift geben könne. Korrektur: Die Hochzeit von Kana, wo der Weinmeister Jesus belehrt, man gebe erst den besten Wein, und nachher, wenn die Gäste etwas beschwipst es nicht mehr unterschieden, den minderen. Oder ›Oinos‹, das griechische Wort für normalen, fermentierten Wein, den das Neue Testament da überall gebraucht. Traubensaft hält sich bei dem Klima ja auch nur höchstens Stunden.

Ich bin bei diesen Übungen, und nun nicht nur gegen die Kommunisten, sehr kritisch geworden!«

Michail, der Ausländer, ist hier unwissend in ein großes Fettnäpfchen getreten! Denn wie die meisten, neigen auch die hier versammelten Christen zu solch baptistischem Temperenzlertum, besonders Dale selber. Wie sich das allerdings in der Praxis auswirkt, . . Nun, ich glaube, dies Thema kann ich ebenso wie obiges für später aufschieben. Wir kommen sicher darauf zu sprechen!

Ehe aber Michail näher ausführen kann, geht wieder die Türglocke, denn nun erscheint, auf Würde, Größe und Wichtigkeit bedacht, der verspätete Reverend Dale Noomey.

==========2=========

»Verzeiht, meine Lieben, die Verspätung!« trompetet der Pastor gleich in den Saal, »etwas Unvorhergesehenes ist dazwischengekommen. Ah, und hier ist also unser neuer Gast! Willkommen, Meik!«

»Mi-cha-il, bitte, oder unter Freunden, Mischa.«

»So, so, na gut, aber natürlich – also Mikail!«

»Er hat uns gerade belehrt, dass er kein Amerikaner werden möchte!« kann sich Jim, dem die Zurechtsetzung inzwischen aufgegangen ist, nicht enthalten, etwas boshaft anzufügen.

Dale hat sich seinerseits auch besser als alltäglich gekleidet. Über ein weißes Hemd mit hochgeschlossenem Rundkragen, das vielleicht unterschwellig und nur halb beabsichtigt die Sonderstellung als »Priester« hervorheben soll, hat er ein zu weit geschnittenes taubenblaues Jackett geworfen. Ebenso hat er es nicht für nötig befunden, vor Michail seinen Namen noch einmal zu nennen, denn solch wichtige Persönlichkeit, so meint er wohl, sei doch wohl allen Erwartenden schon dem Namen nach bekannt! Er hat auch recht, denn wer anders, denkt sich Mischa, könnte er bei dem Gehabe sein als der erwartete Pastor Noomey!

Eigentlich hat Dale die Rolle, die er selbst zu spielen beabsichtigt, nicht deutlich oder wohl etwas widersprüchlich abgesteckt, nämlich einmal als Pastor eine übergeordnete, respektheischende, zum anderen aber als Freund und als Gleicher unter Gleichen; das alte Dilemma der Amerikaner, vielleicht dieser Art Demokratie überhaupt, nämlich, dass eine soziale Rangordnung, da nicht mehr natürlich gegeben, erst immer ausgefochten werden muss, wie mit Pistolen im »Wilden Westen«. Betriebschefs erlauben großzügig allen Angestellten, ihn etwa John zu nennen – aber dann bereuen sie doch diese Aufgabe der Autorität und sinken wieder zu den Wildwest-Pistolen herab. Dadurch verliert diese Kultur viel. Ich beschuldige zum Beispiel den Mangel echter tiefer Freundschaften damit. Als wir »Interns,« werdende Ärzte in Amerika, die Examina machen mussten und viele, auch ich, sie erst einmal nicht bestanden, herrschte auch unter uns »Freunden« im selben Boot eisernes Schweigen. Viele müssen immer den Lehrer spielen, auch wenn sie mit allen auf Vornamenbasis sind und können daher niemals ihre eigenen Zweifel und Unvollkommenheiten unter Ihresgleichen zugeben. Auf den biblischen Geist des »Ein Ja für ein Ja« oder den des gegenseitigen Fußwaschens werden wir ja noch zu sprechen kommen.

Außerdem ist das »Willkommen« da in dem Hause, wo er doch selbst nur der andere von den beiden einzigen Gästen ist, unangebracht, denkt sich Mischa. Aber nehmen wir’s als ein Willkommen in Amerika; er kann ja nicht wissen, dass auch das schon mehr als ein Jahr zurückliegt.

Auch geht dem kritischen Mischa durch den Kopf, ob Dale, dessen volle Wahrhaftigkeit er also schon bezweifelt, vielleicht nur aus Eitelkeit den Grund für sein Zuspätkommen erfunden habe, damit sich sein zu später Auftritt, wenn alle auf ihn warten, schon wegen der Wichtigkeit seines Pastorenamtes, umso wirkungsvoller gestalte. Dabei kann er sich auch nicht helfen und wird so eigentlich erst auf Diane aufmerksam, ob nicht auch ihr halbes Zuspätkommen die Treppe herunter, vielleicht derselben, eigentlich doch auch mehr weiblichen Eitelkeitsquelle entsprungen sei. Natürlich, oben an der Treppe muss sie doch gehört haben, was sich an der Haustür abspielt, denkt er sich, und ein Mann bemerkt wohlgeformte Damenbeine, die heute festlich bestrumpft und berockt eine Treppe herunterkommen, von unten am besten. Was aber ihre allgemeine Wirkung angeht, hat Dale sie mit seinem Auftritt nun noch überrundet.

Inzwischen hat man angefangen, sich ins Esszimmer zu begeben und am Tisch Platz zu nehmen, nur Sonya ist zunächst mal geschäftig in die daran anschließende Küche geeilt.

Es wird von ihr eine Suppe serviert, die sie noch schnell auf die richtige Temperatur gebracht hat, eine »Knorr - Gemüserindfleisch« Tütensuppe, aber das ist ja für diesen Studentenhaushalt schon viel, und dass es überhaupt eine gibt, die außerdem recht gut schmeckt, serviert in Sonyas eigenen hübschen Porzellanschalen. Zuerst wird natürlich ein Gebet gesprochen, welches Recht sich Dale mit Eleganz, man möchte sagen, gewohnter Selbstverständlichkeit, selbst gibt. Wieder, aus pastoraler Dienstwürde, übernimmt er die Rolle des Gastgebers, und wohl auch, weil ich, Herm, für ihn doch so ein Greenhorn bin. Am Ende würde ich gar das Gebet unter den Tisch fallen lassen! Mit solcher Vermutung hätte er übrigens völlig recht, ich hasse so unaufrichtige Zwangsgebete aus reiner Tradition mit noch quasi Fremden.

Aber so ist jeder zufrieden, dass es nicht ihn selber traf, dies peinliche Pflichtgebet, das als ein christliches Aushängeschild aufgefasst wird und wohl auch meist so gemeint ist, auch eine Art Festlegung der »pecking order« wie oben erwähnt. Vor jedem gemeinsamen Gebet, denkt sich Mischa dazu, soll man erst ein Herz und eine Seele sein und solange sein »Opfer am Tempel stehen lassen«. Und das sei er mit Dale noch nicht, wenn er’s überhaupt jemals werde!

Noch ehe die Suppe allgemein ausgelöffelt ist, fragt Sonya ganz allgemein, ob denn vielleicht nicht alle Menschen gleich seien, wie man das hier glaube und es also offenbar auch in der Sowjetunion allgemein für wahr gehalten wurde.

Mischa, der sich jetzt eigentlich etwas im Hintergrund halten wollte, wird nun aber, wenn nicht direkt, durch diese Anspielung auf die Sowjetunion und auf seine Erklärungen über sein eigenes Leben von vorhin, zu einer Antwort herausgefordert.

»Das ist so ein Vorurteil unserer Zeit, nicht eine Aussage der Bibel,« bemerkt er,

»Vor dem Zeitalter der Revolutionen wäre doch in unserer da noch christlichen Kultur wohl niemand auf die Idee gekommen, dass etwa alle Menschen untereinander gleich sein könnten!«

Darauf Dale:

»Die Bibel, die du ja selbst für die Wahrheit zu halten scheinst, macht ganz klar, dass es nun im Neuen Testament weder Juden und Heiden, weder Sklaven noch Freie, ja nicht einmal Mann oder Weib mehr gebe und wir im Herrn alle eines sind.«

Mischa erwidert:

»Über die Sklaven und als allgemeine Weltregel sagt nun auch das Neue Testament nicht, dass wir alle gleich seien; denn wir werden ja noch vom selben Paulus ermahnt, ›Ihr Sklaven, seid euren Herren untertänig!‹ Untertänig ist keineswegs gleich! Das wäre ja eine vollkommen überholte und selbstwidersprüchliche Anweisung sonst. Offenbar unterscheidet der Apostel hier zwischen geistlichem und bürgerlichem Leben. Vor Gott und Seinem Richterstuhl gibt es wohl keine Unterschiede, da wird Sünde gleich Sünde sein, egal, von wem begangen, aber hier in unserem natürlichen Weltleben kommen wir in jeder Graduierung, sind wir voll der Unterschiede zu einander. Ob nun Demokratie und was alles für moderne Entwicklungen, es wird immer Herren und Dienende geben. Der Herr hat zwar nur eine Hölle und einen Himmel bereit, statt für alle unsere Graduierungen, nicht einmal ein Fegefeuer, aber Er unterrichtet uns, dass es auch im Himmel Klassenunterschiede geben wird, z.B. etwa: ›Wer so etwas lehrt, wird der Kleinste im Himmelreich heißen.‹«

»Wieso?« fragt naiv jemand, »Unsere Revolution hat nur wiederentdeckt, was eigentlich schon immer bestanden hat, und was daher die Bibel auch seit altersher immer gesagt hat, dass wir alle gleich sind!«

»Da habt ihr, was ich meine, das Gepansche von biblischen Offenbarungen, vermischt mit Menschenweisheit, Humanismus!« ruft der jüngere Gast, »Das niedere Element frisst immer das höhere auf! Das heißt, bald ist nur noch menschliche ›Weisheit‹ da, wie jetzt schon zunehmend in unserer gepriesenen ›westlichen‹ Kultur.

Und die Bibel denkt gar nicht in Kategorien menschlicher oder sozialer Gleichheit! Was sagt Gott über das alte Israel, Sein Volk? Dass Er sie liebe und ihnen deswegen das verheißene Land gebe, wogegen die ursprünglichen Völker, die Er dann logischer Weise also nicht so liebt, von dort vertrieben oder vernichtet, ja oftmals ganz ausgerottet werden! Gibt es wohl eine größere Ungleichheit? Und wieviel Paare sind es, ich habe sie nicht gezählt, wohl sicher über hundert, von zwei verschiedenen Menschen oder Gruppen von solchen, die uns im Alten und Neuen Testament vor- und einander gegenübergestellt werden. Da müsst ihr mir mal helfen, ich bin nicht so bibelfest. Es fängt wohl schon an mit Kain und Abel, dann Noah und dem Rest der Menschheit, Noahs Söhne . . Wie hießen sie gleich?«

»Sem, Ham und Jaffet.«

»Na also!«

»Au wei, jetzt geht’s auch noch gegen die Gleichheit der Rassen!« entsetzt sich Bob.

»Keineswegs!« entgegnet Mischa,

»es steht ja nirgends und ist nur wieder eine Erfindung der Kirche irgendwann in den Jahrhunderten, dass daraus die verschiedenen Rassen von heute geworden sein sollen. Und da habt ihr wieder die sündige menschliche Geistesverunreinigung! Denn sie erfanden solche Rassenungleichheit ja im Hinblick auf Noahs Fluch gegen Ham, der nun stellvertretend für eine ganze – sündige – Rasse wird.

Das bringt uns auf einen höchst interessanten Punkt! Auf Grund einer Sünde ihres Urvaters Ham vor tausend Generationen soll eine ganze Rasse entstanden und dann bis heute verflucht und Knechte sein, die doch sonst keine Schuld hat! Darauf bestehen nun heute so – wer ausgerechnet, im südlichen ›Bible-Belt‹? – diejenigen, die sich zu Jesus Christus und menschlicher Gleichheit bekennen! Bei dem doch nun Vergebung ist, wenn überhaupt jemals und irgendwo. Ist euch vergeben, dem Mann mit den Riesenschulden – dann sollt ihr doch wiederum vergeben, dem Mann mit den verhältnismäßig kleinen! Ist vielleicht auch Pharao plötzlich grün geworden, weil er das Gottesvolk so bedrängt hat oder Aaron – mit einer vor Gott doch viel tiefer gehenden Sünde als Ham – gelb, als er das Goldene Kalb goss? Also: Gott kann und tut es auch, durch seine Vergebung ein Reinwaschen erreichen, wo alle Sünder wie weiße Wolle, also gleich werden, aber bei uns und zunächst, gibt es starke Standesunterschiede.

Wo ist besonders keine Gleichheit hier, trotz soviel Geschrei und Bemühung um Gleichheit in allen unwesentlichen Quackeleien? Unter den Rassen bei den ›Christen‹! In anderen Ländern und Nationen, etwa Südamerika, haben die Neger eine wesentlich integriertere Stellung als hier. Sie sprechen keinen besonderen Dialekt, sehen unter all der braungebrannten Dorfbevölkerung auch kaum mehr anders aus. Heiraten zwischen den Rassen sind nicht so verpönt wie hier und alles ohne alle Verdammung von jeglichem Darwinismus! Und noch ein erwähnenswerter Punkt: Im Ärger werden dort Negerabkömmlinge schon mal als ›Mulattos‹ beschimpft! Das ist gar nicht so ein Staatsvergehen, weil alle harmloser sind und es nicht wie hier bei unserer Heuchelei so tabuiert zu werden braucht.

Und ein interessanter Selbstwiderspruch! Die ›Christen‹ hier verleugnen doch also strikt jeden Darwinismus, das bedeutet in ihrem Fall jede biologische Entwicklung, also eigentlich auch jede Züchtung an Tier oder Pflanze, ob nun natürlich oder vom Menschen verursacht, worauf ja unser menschliches Überleben wegen unserer Nahrung seit Jahrtausenden auf diesem Planeten beruht. Die Altvorderen haben die Nutzpflanzen ganz instinktiv zum Anbau immer wieder und wieder ausgewählt zu ihren Zwecken. Aber Gott habe alles unveränderlich und in stur sechs 24-Stunden-Tagen so geschaffen, wie es heute ist. Keinerlei äußerliche oder genetische Veränderung in all den Jahrtausenden, alle Maiskolben absolut gleich, nichts mehr auszuwählen! Dazu aber seien auch alle Menschen gleich und nur eines Elternpaares! Wo kommen denn da nun in aller Welt überhaupt die verschiedenen Rassen her?! Noah und seine Frau, ebenso Adam und Eva, waren doch nur ein-und-derselben Rasse? Und selbst wenn Noah einen seiner Söhne verflucht, und der daraufhin seine Rasse ändert (!), haben wir immernoch mehr als zwei verschiedene Rassen auf Erden!«

Der Gast den Pastor fragend an und wartet. Aber der, so herausgefordert, macht nur eine ärgerliche abweisende Geste, wie: Das steht hier nicht zur Debatte, oder: Ich will jetzt nicht auf solche Kinkerlitzchen eingehen, in Wahrheit aber, weil er verdattert ist und in seinen Kreisen über eine so einfache und naheliegende Frage nie eine Antwort hat geben müssen. Mischa fährt also fort:

»Aber ob nun mit oder ohne Rassenentwicklung aus Sem, Ham und Jaffet, als einzelne Person damals hatte doch auch schon jeder der Söhne Noahs seinen Charakter, Überzeugung und daher unterschiedliches Benehmen. Noah verflucht daher den einen und hebt die beiden anderen heraus – also für die Individuen, (also meinetwegen noch) nicht Rassen – keine Gleichheit. Es geht weiter etwa über Nimrod, den großen Jäger und Sünder und etwa Abraham, den Gottesmann. Die Söhne Jakobs, die späteren Stammväter der Nation, sind sehr verschieden, der eine, Josef, hält sich durch zwei Träume für höher als seine Brüder, was sie ihm so verübeln, dass sie ihn als Sklaven nach Ägypten verkaufen, um ihn nicht gleich zu ermorden, aber er hatte recht in seinem Traum von Gottes Erlesung und Erhöhung, also auch da keine Gleichheit. In Ägypten wird er so mächtig, dass sich seine Brüder wie die geträumten Getreidewächten vor ihm verneigen werden und er über ihr Leben entscheiden kann.

Dann nehmt etwa die Gestalt Moses’ gegenüber Pharao. Gleich? Nein, völlig anders in Hintergrund, Zweck und Willen, und also Erfolg. Und wenn ihr mit freiem Willen kommt und sagt, Pharao hätte nicht so grausam und hartnäckig zu sein brauchen, erinnere ich daran, dass Gott selbst offenbart: ›Ich habe sein Herz verhärtet!‹ Also Gott selber macht und will Seine Menschen verschieden. Er wirft sogar Seinem Volk Fußangeln hin, wie die Verfolgung der bewaffneten Ägypter, verursacht letzten Endes selbst, was wir das Böse nennen, nicht die ›freie Entscheidung‹ des Menschen!«

»Das würd’ ich nicht sagen!« wirft Pastor Dale sehr betont dazwischen.

 

==========3==========

 

»Die Ungleichheit geht weiter durch die ganze Bibel,« fährt Mischa zunächst einmal scheinbar unbeirrt, fort:

»Saul, der erste König nach Gottes Wahl – gegen den Propheten Samuel. Immer werden zwei gegenübergestellt, der Eine oder die Einen sind gegen Gott, die andere Seite sind für Ihn , das geht bis ins Kleinste – denkt an die vielen Kriege des Volkes Israel! Mit Gott siegten sie. Aber alle Verluste werden als Ungehorsam und Sünde irgendwo entlarvt. Und wir sollen lernen, anders als die Masse, eben nicht so wie die notorischen Verlierer, die Gottesgegner, zu sein, sondern eben von vornherein wie die Gotteskinder, ungleich, anders, ›Stellet euch nicht der Welt gleich!‹. Welch herrliche Bestätigung meines einsamen Denkens der Ungleichheit nun in der Sowjetunion! Fordert nicht auch euer Billy Graham dazu auf, herauszutreten aus der Masse, anders zu werden?

Dann Simson und Delila mit ihrer ganzen Sippe der Philister. David und Goliat! Der Prophet Elia gegen die ganze Baalsbande. Der stolze Naeman und sein demütiger Knecht, der ihm rät, doch Gottes Befehl zu tun, sich im Jordan vom Aussatz zu reinigen, auch gerade dann, wenn das so einfach erscheint.

Im Neuen Testament hört dieses Prinzip nicht etwa auf, der Täufer wird von Herodes enthauptet, hier ›verliert‹ einmal der Gottesmann, hat aber durchaus recht. Da beten zwei Männer im Tempel, nur der eine erfährt Gottes Erbarmen. Törichte und kluge Jungfrauen, reicher Mann und armer aber gottesfürchtiger Lazarus, der verlorene Sohn und sein Bruder, zwei gottesfürchtige Leviten auf dem Weg nach Jericho gegen den barmherzigen Samariter, Martha und Maria, gerechte und ungerechte Weingärtner, späte und frühe Arbeiter, aber der gleiche Lohn, Judas und die anderen Jünger, einer von zehn Geheilten, der zurückkommt, sich zu bedanken gegen die Neun.

Oder auch das Festmahl, das in Jesu Bild jemand veranstaltet. Setzt du dich zu hoch an die Tafel, pfeift dich der Gastgeber an, du mögest gefälligst weiter unten Platz nehmen. Dann musst du mit rotem Kopf abziehen. Daraus müssen wir also schließen, dass es eine soziale Rangordnung, also strikte Ungleichheit sogar an dieser Tafel, ja überall in unserer Biosphäre, gab und noch gibt und eben durchaus keine Gleichheit! – Und viele, viele andere Beispiele, kurz, Böcke und Schafe als Ungleichheit par excellence, auch wieder dies typisch biblische Prinzip, überall.«

»Na, alles beweist doch deren freien Willen, sich für das Richtige zu entscheiden!« sagt der Pastor.

»Also hätten wir Freiheit, aber eben durchaus keine Gleichheit?!«

»Sagen wir einmal so,« lenkt Sonya ein, »Jeder Mensch bekommt von Gott die gleiche Chance, sich für Ihn zu entscheiden! Da wir das aber nicht alle tun, sind wir dann ungleich.«

»Gut! Seid also erstmal von der (Entscheidungs-)Ungleichheit überzeugt! Lassen wir erst dahingestellt sein, woher sie komme.

Aber auch darüber, dass das mit unserer angeblichen Freiheit der Wahl nicht stimmt, lässt die Bibel keinen Zweifel! Ein ganz berühmtes Paar der Ungleichheit sind nämlich die Zwillinge Esau und Jakob. Denen wird schon im Mutterleibe, das heißt, vor ihrem Willen, Entscheiden oder Tun, – sie hatten einfach noch nichts dergleichen im Mutterleib – vom Engel vorausgesagt, dass der Ältere dem Jüngeren dienen werde, darin eingeschlossen, dass der Jüngere die Reihe der Stammväter fortsetze und dass der andere verworfen werde. Für damaliges Denken ganz unerhört! Paulus schreibt sogar als ein Zitat darüber und erwähnt das Ganze präzise zu diesem Zweck, dass Gott das Schicksal und damit die Ungleichheit und ebenso die Chancen gibt nach Seinem Willen und nicht etwa nach der Tugend oder auch nur Entscheidung des Menschen, die beiden – und wir alle – hatten das einfach noch nicht vor ihrer Geburt. Er geht soweit, zu sagen – äh – : ›Esau habe ich geliebt aber Jakob gehasst.‹«

»Umgekehrt!«

»Was immer! Paulus macht in diesem Zusammenhang – Römer neun – genau klar, dass es allein auf Gott ankomme, nicht auf irgendeine menschliche Tat oder Entscheidung.

›Also liegt es nicht an irgend jemandes Wollen oder Vollbringen, sondern an Gottes Erbarmen,‹

sagt Er da. Das heißt, ob einer Christ wird und vor Gott das Rechte tut oder ob derselbe Mensch ein großer Sünder wird, liegt allein an Gott, Der ja den ›Ton formt‹ wie Er will, und nicht an dieses Menschen Güte oder Entscheidung.«

»Das ist ganz unmöglich! Das heißt, die Bibel falsch auslegen! Wir sind und bleiben doch verantwortlich für unser Tun!« wird nun der Pastor über das schon vorhin angeschnittene Thema gröber und deutlicher.

»›Ich habe sein Herz verhärtet!‹ sagt Gott über Pharao, lieber Pastor! Auch heißt es, dass vor Grundlegung der Welt, also vor wieviel immer Jahrtausenden Gott uns, die späteren wirklichen Christen, schon lange ehe wir geschaffen waren, erwählt hat, ›heilig und unsträflich vor Ihm zu sein.‹«

»Das geht ja schon nicht, wir sind immer Sünder und werden nie unsträflich!«

»Aber Pastor! Hier leugnen Sie mit einem Federstrich den ganzen Heilsplan Gottes, das ganze Neue Testament! Wo es gerade um die Erlösung, um die Errettung von Sünde und Verderben geht – und zwar schon hier, und zwar allein durch Gott! – nämlich, dass wir ›von Neuem geboren‹ und also keine Sünder mehr sein werden, unsträflich und ›rein wie weiße Wolle‹! Das Wort ›Erlösung‹ bezeichnet etwas Einmaliges, Gründliches und fordert doch geradezu die Frage ›Wovon?‹ heraus und damit die Antwort ›von der Sünde‹, und genau zu diesem Zweck allein kam Jesus.

Die Sünde ist eine zwingende universale Macht, der wir selbst nie – durch Gutsein, Sich-Zusammen-Nehmen, Fleiß, richtige ›Entscheidung‹ oder Gute Werke – etwa Herr werden könnten!

Selbstbeherrschung! Das ist doch logisch gesehen schon ein putziges Unding! Am klarsten ist es noch bei Selbstmord, weil uns die Teilung in Leib und Seele noch denkgeläufig ist. Hier stimmt der Begriff: Der Unglückliche will sein Selbst vernichten und geht den Umweg über den Leib, weil er weiß, dass die Seele zu ihrer Existenz von ihm völlig abhängig ist. Bei ›Selbstmitleid‹ ist es auch noch erklärbar: Jemand empfindet Leid, schön. Mitleid ist Leid mit einem anderen fühlen, aber das ›Selbst‹ dazugesetzt, macht einen Kurzschluss zurück, einen Kreis in sich selber. Es heißt wohl in unserer heuchlerischen Kultur, nach außen zeigen, wie sehr ich leide, seht mal alle, wie gut ich bin! – wie solch eine Show zu einem anderen Menschen wohl gang und gäbe bei uns ist!

Das ist wie »Freudigkeit,« dieses Wortunding aus protestantisch-christlichen Kreisen!

Primäres Substantiv: »Freude«.

Adjektiv daraus gemacht durch Anhängen der adjektivierenden Endung: »-ig« wird zu: »freudig«.

Daraus im Kurzschluss zurück wieder ein Substantiv durch weiteres Anhängen einer wiederum substantivierenden Endung: »Freudigkeit.«

Bitte, was soll das? Was ist nun der Unterschied zwischen Freude und Freudigkeit? Ich sehe keinen entscheidenden.

Und Selbstmitleid?

Primäres Substantiv: »Leid.«

Derivat davon: »Mitleid.« Alles noch klar. Leid empfindet man selbst für zahllose Gründe an sich selbst, Mitleid in Erweiterung für geliebte Freunde, also Leid mit einer präzisierenden Erweiterung.

»Selbstmitleid?« Eine überflüssige Rückschleife! Leid ist doch schon immer etwas »Selbst« betreffendes, Ursache des Leides dabei unwesentlich.

Und doch hat es eine allgemein verständliche Bedeutung angenommen, wenn auch logisch nicht ganz astrein. Wegen der Ironie darin. Das ist jemand, der mehr Schmerz für selbsteigenes Leid empfindet als für seine Freunde, wenn sie leiden. Dafür haben wir Dabeistehende nun kein Mitleid!

Aber nun »Selbstbeherrschung«! Es nimmt auch so eine Zweiteilung, diesmal an einem Menschen an, wie Selbstmitleid, in einen Untergebenen oder Schüler, eben den zu Beherrschenden – und einen Erzieher, Lehrer, Beherrscher. Und das bei unserer Gleichheit! Aber wer ist das? Wer ist hier was? ›Selbst‹ bedeutet nun den ganzen Menschen, eben etwa mich selbst. Wer ist nun der Selbst? Lehrer oder Schüler, Herrscher oder Sklave?! Und es bleibt ja außer Selbst keiner mehr übrig. Beides kann er in diesem Falle ja auch nicht sein, denn der ›Lehrer‹ hat ja etwas voraus, weiß, was der andere (noch) nicht hat, sonst wäre ja gar kein Unterricht nötig oder auch nur möglich. Vielleicht liegt der Fehler an unseren griechischen Denkeierschalen. Die Juden jedenfalls verstanden den Menschen als unteilbar, Leib und Seele.

Die Bibel – will ich mit all dem sagen – nun macht diesen Denkfehler nicht, denn wo die Übersetzer dies schreckliche Wortunding gebrauchen, etwa Galater 5, 23, steht auf Griechisch enkrea, und das heißt innere Kraft, Macht von innen. Logisch fährt die Bibel in anderem Zusammenhang fort, der alte Mensch, also Selbst, und Selbst allein und ganz und gar, ohne die postulierte unlogische griechische Zweiteilung, soll ja mit Christus gekreuzigt sein, ist also tot! Ist er tot, gibt’s nichts mehr zu beherrschen, zu bekämpfen, zu ›ersäufen‹! Und eben auch niemanden vom Selbst als Beherrscher, Kämpfer, Ersäufer mehr. Das besorgt nun nämlich Gott, liebevoll und kaum mit Schmerzen! Also was sie da in Gottes Wort hineinlügen, ist unsere gesellschaftliche Heuchelei, allen Menschen zu zeigen, wie ernst mir die Sündenvergebung und die eigene Arbeit daran sei!«

Ein ähnliches Wortunding ist übrigens auch »Technologie«! so fällt mir, Öhrlein, beim Schreiben dazu ein.

So bedeutsam, weil es nun, weil aus dem Amerikanischen, in aller Welt leerköpfig nachgebabbelt wird! Die Endung »-logie« bezeichnet Wissenschaft, Lehre von etwas, gesammelte Erfahrung davon, wie Biologie, Wissenschaft oder Lehre vom Leben, Histologie, Theologie, Mythologie oder Embryologie entsprechend. »Technik« heißt andererseits »angewandte Wissenschaft«. Ehe der Mensch also die Technik, erworben hatte, ein Flugzeug zu bauen, musste er die Bedingungen von Bernoulli über Strömung und tragfähigen Aufwind, also die Wissenschaft dazu, studiert und begriffen haben. Demnach wäre Technologie die Wissenschaft über die Technik, also etwa wie wer auf die zentralen Ideen gekommen ist, die Geschichte oder die Denkvorgänge dazu. Das meinen sie aber nicht, sondern was in allen fortgeschrittenen Ländern rechtens schon seit etwa dreihundert Jahren schlicht »Technik« heißt!

Mischa fährt fort:

»Sünde, über die wir nun keine Macht haben, ist ein Dilemma, und wir sind ihr hilflos ›verkauft‹. Das alles steckt in dem Wort ›Erlösung‹ (und wird genau im Römerbrief erläutert), und gleichzeitig, dass nun dieses alte unlösbare Menschendilemma mit Jesus, also durch Gott allein, gelöst ist, nämlich für die, die Er erwählt hat, die das erfassen können, durch den Glauben allein. ›Frieden auf Erden für die des Guten Willens‹, heißt es zu Weihnachten, nämlich Gottes Guten Willens an den wenigen Auserwählten! Gottes Lamm selbst ist das einzig vor Gott annehmbare Opfer ›zur Vergebung der Sünden‹, und ›Niemand kommt zum Vater denn durch Mich!‹ oder auch ›Niemand kann zu Mir kommen, es sei denn, es ziehe ihn der Vater, Der Mich gesandt hat.‹ Der einzige Weg dahin geht über unseren Glauben, das heißt Überzeugung, die allein der Heilige Geist gibt, und wir können absolut nichts darüber oder dazu tun, als uns das klarmachen! Denn wer sich selbst versucht zu erlösen, trampelt Gottes Gnade und Seinen Erlösungsplan mit Füßen. Die ›neue Geburt‹ ebenso wie die erste, physische, kommt allein von Gott und nur wann, wie und zu wem Gott will. Sie hat den geistlichen Tod zur Voraussetzung, ebenso wie die biologische das körperliche Nichtsein davor hat, also auch einen Tod.«

Damit hat nun Mischa unbewusst eine Taste gedrückt, die den Pastor sofort zum Schweigen bringt, denn die Baptisten machen sich besonders mit der Phrase des »Von-Neuem-Geboren-Seins« stark, ohne, wie hier nun auch bei ihm, sich klar gemacht zu haben, dass man ja dazu »von der Sünde erlöst« sein muss, und damit also kein Sünder mehr, und daher ebenso, dass zur neuen Geburt ein vorhergehender ganzer »Tod« des alten sündigen Menschen gehört.

Dale blickt wütend und schmollend vor sich hin, nur immer in dem Gedanken befangen, dass er hier gegen den Jüngeren und Nicht-Theologen eine elegante Schlappe erhalten habe, und wie er sich daraus befreien und sein Prestige retten könne.

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Es ist unglaublich, wie sehr in den ganzen USA, von Osten bis Westen, das Evangelium abhanden gekommen ist! Der Glaube kommt aus der Predigt, heißt es im Römer 10, wie sollen sie aber an Den glauben, von Dem sie nichts gehört haben? Aber in USA sind alle Prediger von dieser selbstischen, im Grunde humanistischen Irrlehre – wieder Mischas »Gepansche« mit menschlicher »Weisheit«! – befallen, sich selbst zu erlösen oder entscheidend dazu beizutragen. Also predigen sie nichts anderes, also kommt auch kein Glaube. Offenbar hat es die Reformation eigentlich nie bis zu den hiesigen Küsten geschafft!

Nach einigem nachdenklichen oder auch ungläubigen Schweigen sagt nun auch Bob, dem auch diese Logik seit der Muttermilch geläufig ist, allerdings in der Absicht, Mischa durch dessen eigene zu erwartende absurde Antwort zu widerlegen und bloßzustellen:

»Dann können wir also gar nichts tun zu unserer Errettung – oder auch dagegen?«

»Gar nichts,« entgegnet ihm Mischa,

»außer, wozu dich der Geist dann treibt. Sonst wäre es doch dein eigenes unzuverlässiges Verdienst, das ja vor Gott nichts gilt, und nicht Gottes Gnade allein, und du könntest vor Gott scheinbar was Eigenes von Wert vorweisen, dich brüsten! Das ist im Grunde die schwere Sünde des Raubes an Gott. Darum heißt es in Epheser 2, Verse acht und neun, auch ganz klar und deutlich: ›Aus Gnade seid ihr gerettet worden durch den Glauben, und das nicht aus euch:

›Gottes Gabe ist es, nicht aus den Werken, auf dass sich nicht jemand rühme.‹«

»Wieso?« platzt da der nichtsahnende Jim dem Bob ins Konzept,

»Die Erlösung und Kraft kommt von Gott, aber ich bin verantwortlich für die Initiative, die erste Entscheidung?«

Mischa führt die Konversation mehr zum Schein mit den beiden Hausbewohnern weiter, aber eigentlich spricht er noch hauptsächlich zum Pastor, oder, um ihm nicht unrecht zu tun, es treibt ihn, an sich und für alle, der Wahrheit, so verstaubt und begraben in unserer postchristlichen Kultur, wieder Gehör zu verschaffen (Und wer einen Pastor überzeugt, hat statt seines kleinen Gartenschlauches eine ganze Bewässerungsanlage):

»Falsch! ›Bist du doch nicht Regente, der alles führen soll; Gott sitzt im Regimente und führet alles wohl.‹!« zitiert der Russe Paul Gerhard auf deutsch,

»Erst im vollen Ablegen dieser eigenen ›Verantwortung‹, etwa Herr zu sein über die Sünde, und aus dem Alles-auf-Gott-Werfen kommt die innere Freiheit, die die Liebe erst ermöglicht. Erst wenn du wirklich alles Gott anlastest, das Gute, wie das Sündige, ist die Last von deinen Schultern, die dich so darniederhielt, dass du nun wieder lieben kannst.

Jean Calvin, eigentlich Chauvin, der französische Reformator, der diese biblischen Gedanken wiederentdeckte und auf den das sogenannte ›reformierte‹ Christentum zum Unterschied Luthers’ zurückgeht, schreibt selber, diese Prädestination sei ein decretum horribile Gottes. Und doch ist gerade das ›die allein seligmachende‹ Überzeugung! Wie reimt sich das zusammen? Durch den dann erst möglich werdenden Glauben, jeweils ein Erwählter Gottes zu sein! Wenn man nämlich ganz frei wird von der Irrlehre, etwas selber für Gott oder die eigene Erlösung tun zu können und nicht mehr auf irgend etwas, auch nicht das Kleinste aus sich selbst, angewiesen ist, woraus ja nie Sicherheit und Ruhe entstehen können! Denn wir sind unvollkommen, Sünder, und wissen es! So allein lebt man aus dem Glauben, nämlich dass Gott, der verlässliche unfehlbare Gott am Kreuz alles schon getan hat und mein Ich als Christ nicht schwach, sondern absolut tot ist. Und nicht etwa irgendwie mitgeholfen habe.

Praktisches Beispiel: So ein Werkschrist ist eines Abends sehr müde, aber bildet sich ein, er habe nun eine Pflicht, erst des längeren zu Gott zu beten! Der sage nun: ›Gott, ich gehöre nun Dir, ob ich will oder nicht. Das bleibt auch so, egal, was ich tue, denn Du allein bist absolut zuverlässig. Ich bin zu müde zu beten!‹ – Und schliefe ohne weiteres ein. Der ist genauso gerechtfertigt, frisch und frei wie vorher, oder eben jetzt erst eigentlich!

Stellt euch mal so einen Kranfahrer vor, so einen Erdbaggerführer meinetwegen. Er sitzt da in seiner Kabine und beherrscht mit seinen zahllosen Hebeln eine Riesenkraft, sagen wir einmal, fünfhundert PS. Aber nun passiert ihm ein Fehler und er beschädigt mit der Stahlschaufel das Dach eines dort parkenden Autos. Der Besitzer klagt. Der Baggerführer würde nun sagen: Ich hab doch gar nicht soviel Kraft, das Dach überhaupt nur zu kratzen, das waren die 500 PS meiner Maschine! Die müsst ihr verklagen! Wie wird wohl der Richter entscheiden? Na klar, er hat das Regiment über die Riesenkraft übernommen, da heimst er den Ruhm und den Lohn für die vollbrachte Erdarbeit ein, aber auch die Verantwortung für die Schäden. So ist es überall bei menschlichen Affären auf der Erde! Die starke Maschine ist sein vollkommen gehorsames, aber blindes und ganz unselbständiges Hündchen. Den Schaden zahlt endlich eine Haftpflichtversicherung. Aber wir hüten uns lieber, so eine Verantwortung, die wir ja bis ins letzte doch nicht tragen können, überhaupt erst zu übernehmen.

Also, nun willst du genauso ein Herr sein über die Erlösung, das ist Herr über Gott selber, die starke Kraft! Aber da geht es nicht mehr so! ›Männlich-macho‹ auch mit der Verantwortung, – die aber möglichst gedeckt sein soll durch eine Versicherung – wenn du an deine eigene allentscheidende endliche Entscheidung darüber glaubst. Das Hebelchenstellen sei die Entscheidung, die eigentliche Muskelkraft der 500 PS, das sind die guten Werke. Aber das Ganze auf mir selbst beruhend, ist doch unmöglich!

Sieh mal, es geht alles immer um Macht bei uns. Da willst du verantwortlich sein und die Riesenkraft Gottes wie das kleine Hündchen vollkommen beherrschen, wann du willst, wie du willst und sooft du willst! Damit du, wie mein Kranfahrer seinen Lohn, nachher auch den Ruhm auf dein Konto buchen kannst! Selber Herr sein, selber Gott! Und dir bleibt die volle ›Entschuldigung‹, die eigentliche Kraft zur Errettung komme von Gott. Der heilige große Gott soll dein gehorsamer Sklave sein, blind und unselbständig!

Erstmal kann man nicht mit auch nur einem Fehler auf dem eigenen Konto vor Gott treten. Willst du die Verantwortung, fällst du damit rein! Und die biblische Einstellung ist, ganz umgekehrt, sich vor Gott zu erniedrigen, ganz ein Knecht zu werden, und Ihm alles, aber auch alles, Sorgen und Ehre, also eben gerade diese Kranführung selber, zu übergeben. Sein Wort macht deutlich, Er allein hat die Macht, Er wählt und errettet wen Er will. Ohne Ihn hast du erst gar nicht den Willen oder das Interesse, dich zu bekehren. Er ist Herr in allem! Dieser Gedanke ist heute so zentral, weil eure Kirchen hier darin so in die humanistische Irre gegangen sind. Von Neuem geboren Werden hat den vorhergehenden Tod zur Bedingung. Dieser Tod des Selbst ist die Erkenntnis, dass ich ein absolutes Nichts bin, und dass Gott alles gibt, eben das Wollen und das Vollbringen. Gott gebiert dich, physisch und geistlich, wann, wie und in welches Millieu hinein nur Er allein will.«

»Dann hat der Mensch also, ohne irgendeinen Preis zu zahlen, überall nur den Lohn und Vorteil! ›Der größte Lump bleibt obenauf!‹?« fragt die aber ihrerseits arglose Sonya.

»Na endlich! Ja und dreimal ja! Nicht wahr, solch Denken, wo wir doch sonst so egoistisch auf den eigenen Vorteil ohne Gegengabe erpicht sind und den ganzen Globus dieserart ausbeuten – Ölschieberei, womit wir doch bloß unsere Atemluft versauen, Länderklau an den Indianern! Zur Belohnung werden sie beinahe ganz ausgerottet! – es fällt uns hier vor Gott so schwer, weil wir selber keine Ehre oder Macht dabei ernten, genau nur darum! Wir können nicht wirklich ein Geschenk, ein vollkommenes Geschenk, annehmen, wenn es unsere eigene Macht und Geltung damit für Null erklärt. Und doch ist genau das, und nur das, der Weg zu Gott.«

Sagt Bob: »Na, dann kann ich mich ja auf die faule Haut legen, und ›den lieben Gott einen guten Mann sein lassen‹!«

»Kannst du! Wirst, ja musst du auch sowieso wie jeder, der nicht allein von Gottes Geist getrieben wird! Sonst ist nämlich alles Heuchelei, Sand in die eigenen Augen Streuen, was wir selber auf die Dauer nicht aufrecht erhalten können! Alle Werke für Gott, alle ›guten Taten‹ kommen, wenn echt, nur von Gott, und nicht unserer Leistung, und wir ›können’s‹ dann ›nicht lassen‹, werden ganz Werkzeug! Das heißt, wir werden dann vom Heiligen Geist getrieben, aus Dankbarkeit, wenn du willst, aus reiner Liebe und

Freudigkeit!‹«

(Solche Art Humor ist unamerikanisch, So heilige Sachen vermengt man nicht mit Misskonstruktionswitzen! Sie runzeln die Stirn und lachen nicht nur nicht aus Missgunst, sondern aus Unverständnis und Alleingelassensein.)

Inzwischen hat man vergessen, dass die Suppe ja längst verzehrt ist und man auf das Hauptgericht warte. Sonya also unterbricht das etwas beklommene Schweigen mit geräuschvollem Teller-Abräumen und dann dem Auftragen des Hauptgerichts. Man bewundert den Hühnerbraten mit einem Gefäß sehr süßer Heidelbeermarmelade dazu. Es gibt amerikanisches Weichbrot, was leider zu so vielen Darmkrankheiten Anlass gibt, aber das wissen sie allgemein noch nicht. Zu trinken gibt es amerikanische Brause, hyperkarboniert und auch etwa schädlicher als das in solchen Kreisen so verpönte Bier.