Elftes Kapitel

Ein merkwürdiger Sonntag

Ein anderer Einzelgänger ist heute auch Rudi. Er hat seinen neu verzierten Wagen auf den Parkplatz der Eakland Baptist Church gefahren. Das Hinterteil mit dem provokativen Schild stellt er doch lieber rückwärts gegen die Sträucher, wo es unauffällig bleibt, denn er will sich denn doch nicht gleich und bei all den aufgetakelten Kirchgängern, die so einem ganz anderen Kulturkreis angehören, als ein Revoluzzer einführen. Und in dem Geist, der hier zu wehen scheint, wie er meint, würden sie den feinen Sinn des Schildes wohl gar nicht wahrnehmen. Sein Toyota fällt wohl in seiner Kleinheit und Schäbigkeit unter all den Reichen auf, weil er wohl ein Flair akademischen Darüberstehens ausatmet, wird aber dennoch nicht beachtet. Außerdem ist Rudi früh da, als erst nur die Sonntagsschul-Teilnehmer parken, noch nicht die zum Hauptgottesdienst.

Er ist nun auch auf Dales Ansichten neugierig geworden, nachdem sich in seinem Kopf die neuen reformatorischen Gedanken über Gottes unbedingte Allmacht angefangen haben, anzusiedeln. Er ist damit unbewusst schon viel mehr ein Spion, als es vor einigen Sonntagen noch Jim und Sonya waren. Er möchte auch gern mit Dale sprechen, weil er begeistert von seinen neuen Überzeugungen ist, besonders über die neue Idee der »unvergeblichen« Sünde! und die in echtem Missionsgeist an jene weitergeben will, die von Gott noch nicht so erleuchtet sind. Denn die eigene Anstrengung der Baptisten und all der anderen, selber vor Gott gut zu sein, die macht ihm nun immer weniger Sinn.

Er sitzt breit und ziemlich vorn in der Kirche, die sich erst kaum zu füllen angefangen hat, so dass ihn Dale nachher, als der Gottesdienst angefangen hat, sofort bemerkt. Der weiß, dass sein Besucher aus dem Webbhaus ist, kann sich aber beim besten Willen nicht mehr auf seinen Vornamen besinnen. Das war so etwas Kurzes, allgemein häufig Gebrauchtes. John? Oder Bob? Nein, das war der andere.

Rudi war damals bei Dales Besuch sehr unauffällig. Sein Nichtwissen ist Dale sehr peinlich. Na hoffentlich will er beim Abschied nicht noch was Extras, so dass das unbemerkt ablaufen wird. Übrigens spürt er sofort, wohl an der ganzen etwas uneingeschüchterten Haltung des Besuchers, dass er es diesmal mehr mit einem Streiter oder Spion zu tun hat. Das verunsichert ihn seinerseits gegenüber der ganzen Webbhaus-»Gang«, die sich in Rudi nun als gegnerisch also aufzuspielen scheint, mehr, als man bei diesem wohlbestallten Pfarrer in seiner Sicherheit erwarten sollte, und mehr, als ihm selbst bewusst und verzeihlich wäre.

Nach Begrüßung der versammelten Gemeinde durch den Pfarrer mit Gebet, dem Eingangslied, den Abkündigungen, der Bibellese aus dem Buch Daniel durch ein Gemeindeglied und einem Solo Liedvortrag über die Freude der Bekehrung, steigt nun Reverend Noomey würdig und langsam auf seine Kanzel.

»Liebe Gemeinde!

Da gibt es in der theologischen Welt die verschiedenartigsten Ansichten und Vorstellungen über Gottes Zukunft für Seine Gemeinde, und das nicht nur unter den Sekten, sondern sogar bei uns rechten Baptisten.«

Mit Hinblick auf Rudi da vorn so breit, merkt er, dass er da etwas gesagt hat, was schief klingt, und er gar nicht hat sagen wollen. ›Er fügt also hinzu:‹

» – äh – damit will ich nicht gesagt haben, dass etwa nur wir immer Recht hätten.

Die Frage ist, in welcher Zeit leben wir eigentlich vor Gott? Geliebte, ich will euch nicht mit den verschiedensten Theorien darüber behelligen, die alle ihre Für und Wider haben – nicht wahr, ihr habt gehört von Prä- und Postmillenialisten, wann denn nun die tausend Jahre seien, dass wie angekündigt, der Teufel eingesperrt sein soll. Oder ob wir nicht irgend einen Anhalt haben, zu wissen, wann unser Herr wiederkommt, und wenn das so ist, wo wäre ein solcher Hinweis zu suchen?

Ich will dagegen, in all dem Unbewiesenen und allen Spekulationen, wie immer treu nur bei der Bibel als dem einzigen Wort der Wahrheit und Prophezeihung bleiben.

Da hat uns nun Gott durch Seinen Propheten Daniel vor langer Zeit etwas sagen lassen, von dem wir nun wissen, dass es felsenfeste Wahrheit ist, denn es steht so in der Bibel. Aber auch für euch Zweifler oder Besserwisser darf ich hinzufügen, dass es sich auch durch die vergangenen Jahrhunderte, ja schon Jahrtausende, selbst an uns in unserer weltlichen Geschichte als wahr erwiesen hat!

Freilich ist das Buch Daniel bis heute eines der schwierigsten des ganzen Alten Testamentes und bleibt für Viele ein Buch mit sieben Siegeln.

Der Hintergrund der Ereignisse in diesem Buch ist das alte Babylon, wohin der Besieger der damaligen Welt, Nebukadnezar, die besiegten Juden zusammen mit ihren Heiligtümern des höchsten Gottes aus ihrem Tempel verschleppt hat. Einige von ihnen, die Besterzogenen und Gebildeten, hat er an seinen Hofstaat beordert, dass sie ihm mit ihrem Wissen dienen sollten.«

Hier weichen des Pastors Gedanken einen sehr kurzen Moment lang ab. Wir alle haben vor dem nächsten Menschen, ehe wir es bewusst zugeben können, eine große Ehrfurcht – oder, das Wort Furcht deutet in diese Richtung, ist es einfach Angst? Ja, das Webbhaus da, denkt er, mit seinen drei oder vier gebildeten jungen Männern, sollte auch ihm und seiner Kirche so dienen!

Äußerlich ist ihm und den Zuhörern diese Zäsur, die mir jetzt nach allem und besserer Kenntnis seiner Seele von zunehmender Wichtigkeit erscheint, kaum selbst bewusst geworden, so dass er ohne Stocken fließend fortfährt:

»Unser Augenmerk richtet sich da auf vier rechtschaffene junge Männer, ich meine, Juden an seinem Hof, Daniel, Hananja, Mischael und Asarja. Sie sprachen natürlich alle vier bald perfekt babylonisch. Man hatte ihnen auch neue, babylonisch leichter auszusprechende Namen gegeben, sie heißen nun also Beltschazar für Daniel, Hananja heißt Schadrach, Mischael Meschach und Asarja Abed-Nego. Unter diesen Namen haben wir wohl schon alle von ihnen gehört.

Da hat nun eines Nachts also der mächtige König und Besieger der Welt und Israels, Nebukadnezar oder schon sein Sohn auf dem Thron, einen Traum, von dem er ahnt, dass es eine Botschaft Gottes sei. Das war etwa 550 Jahre vor unserer Zeitrechnung, dem Jahre Null von Christi Geburt, also schon etwa zwei-und-einhalb Jahrtausende her.

Zum Beweis ihrer Wahrhaftigkeit sollen nun seine Sternleser und Zeichendeuter nicht nur den Traum auslegen, sondern als Prüfung ihrer Wahrhaftigkeit zunächst einmal selbst erzählen, was der König eigentlich geträumt habe! Was wäre ein solcher Test auch heute für uns ein hilfreicher Beweis, für was alle Weltmenschen so suchen und nötig haben: Wahrheit!

Nun, von sich aus selbst wissen, was der Traum war, das konnte keiner. Es blieb ihnen auch nichts anderes übrig, als ihm das zuzugeben. Es herrschte Chaos, bis sich jemand der gefangenen Israeliten bei Hofe erinnerte, unter denen sich Daniel-Beltschazar schon als Wahrheitsdeuter ausgezeichnet hatte. Er hatte diese Gabe von Gott, der nicht lügen kann, und daher Daniel, sein Prophet, auch nicht.

Daniel besteht den Test, er beschreibt den Traum des Königs.

›Ein hohes und hellglänzendes Bild stand vor dir, oh König, die Statue eines Menschen mit einem Kopf von Golde, Brust und Armen von Silber, Bauch und Lenden von Kupfer, Schenkel von Eisen, die Füße schließlich teils von Eisen, teils von Ton. Das sahst du, König, bis ein Stein herunterkam, ohne Zutun von Menschenhand; der traf das Bild an seinen Füßen und zermalmte es,. Eisen, Ton, Kupfer, Silber und Gold wurden zerstäubt wie Spreu im Wind. Der zerschmetternde Stein aber wurde zu einem großen Berg, der die ganze Welt füllte.‹

So sagt Gott in Seinem Wort durch die Zunge Seines Propheten. Und wir werden gleich sehen, von welch unschätzbarer Wichtigkeit diese zweieinhalbtausend-jährige Geschichte für uns noch heute ist. Kurz vorwegnehmen möchte ich den deutlichen Hinweis auf den Erlöser Jesus Christus, den Stein, unbearbeitet von Menschenhand, den die Bibel da noch nicht besonders hervorhebt, außer, dass Ihm die ganze Welt gehören und als einem König gehorchen wird. Mit unbehauen von Menschenhand meint Gott wohl den Gegensatz zu allem Menschengemachten an der Statue, also für unsere Welt heute etwa, Menschenideen in Wissenschaft, Kultur und Religion, die sich einschleichen, um uns vom wahren Gott und Seinen Ideen – Seinem Wort – zu trennen.

In der Deutung sagt nun Daniel dem König, dass er, König Nebukadnezar, der prächtige Kopf von feinstem Golde sei, ein ›König aller Könige‹ und dass die folgenden Metalle Königreiche und Gewalten bedeuten, die im Laufe der Jahrhunderte nach ihm die Herrschaft auf Erden antreten werden. Wir, als Kinder unserer Zeit, durften schon einige Einblicke in die Wahrhaftigkeit dieses Gotteswortes tun, wie ich sagte, denn es hat sich schon ziemlich unmissverständlich bewahrheitet, was unter normalen Bedingungen der Mensch Daniel ja niemals hätte schauen können in seinem Leben. Die Reiche haben sich nun fast alle, und in der genannten Reihenfolge, bestätigt, wenn wir mit der Zeit langsam an der Statue von oben nach unten gehen! Nach dem goldenen Kopf kommt der Hals, die silbernen Meder-Perser, danach mit der Teilung in zwei kupferne Arme, die Griechen, die ihr Reich, ost und west, in zwei teilen mussten. Die Griechen waren in Vorzeiten aus dem Norden eingewandert. Sie liebten ganz generell offenbar ihre Aufspaltung in mehrere Teilreiche, Sparta, Korinth und Athen als quasi eine Vielzahl von Hauptstädten, ja führten als solche sogar Kriege gegeneinander. Diese Staatsindividualität, ganz zu ihrem politischen Nachteil, wohl aber zum kulturellen Vorteil, haben sie mit einem Volk der späteren Zeit, bis in unsere reichend, gemein, ebenso, wie ihre urprünglich nördliche Heimat, und dass sie sehr helle Köpfe hervorgebracht haben. Damit meine ich nicht die helle Haarfarbe ihrer ähnlichen Nachfolger, sondern ihren Geist. Also kurz, aber das ist nur ein Gedanke von mir, nicht biblische Wahrheit – sie erinnern mich an die Deutschen! – und durch sie an uns Amerikaner, aus denen wir uns als Hauptanteil genetisch ja rekrutieren!«

Welch eine überraschende Wendung der Dinge! Nun träume ich geradezu, Dale sollte uns und der Webbhausgemeindedienen! Dies ist der einzige Erguss, wo Dale Noomey – und gar bei einer Predigt – aus sich herauskommt und so einen kreativen Traumgedanken zum besten gibt! Ich sage das aber nicht im Hinblick auf die Schmeichelei an den Deutschen. Bei allem Chagrin gegen mich und das »deutsche« Webbhaus hat also auch er diese rätselhafte Liebe und Anerkennung gegen die Deutschen. Dabei ist es – und so gut kennt er uns ja noch nicht – keine Schmeichelei an uns Webbhäuslern; denn es sind ja gerade die alten Griechen wegen Revolution, Demokratie mit Renaissance und den Götzen zu beschuldigen. Dale ist aber nach dieser fast romantisch zu nennenden Abschweifung schnell wieder der frühere und fährt also fort:

»Und nun, Geliebte, will ich euch aber eine rechte Offenbarung Gottes weitergeben, die mir kürzlich von Gott zuteil wurde, und die, wenn einmal genannt, in ihrer Fragestellung so offensichtlich erscheint, aber dennoch von der Theologie bisher nicht beachtet worden ist, oder nicht gehörig und recht genug beachtet worden ist.

Bei dem Ausdruck ›König aller Könige‹ für den sündigen Nebukadnezar, den Gott auch nachher strafen lässt, müssen wir doch sofort stutzig werden! Nicht wahr, die damals konnten ja nicht wissen, auf wen allein eine solche Bezeichnung passt! Nun sind solche überschwenglichen Lobpreisungen an den Herrscher in den alten Monarchien ja nichts Außergewöhnliches, aber doch nicht von einem besiegten Feind, der nicht lügt, und schon gar nicht aus dem Munde eines Propheten Gottes, wenn wir wissen, dass der König aller Könige doch ein ganz anderer ist, der erst in fünfhundert Jahren kommen soll, aber schon, mit Gott dem Vater und dem Heiligen Geist vereint, ewig lebt. Aber selbst ohne solches Zukunftswissen wusste er als Jude doch von dem bis dahin herrlichsten und weisesten aller Könige, Salomo, der ja schon 400 Jahre vorher regiert hatte!

Wie kann nun Daniel da dem Sündenkönig Nebukadnezar sagen, er sei ein König aller Könige? Ist er ein erbärmlicher Schmeichler? Nein, er ist ein Prophet Gottes, und was er über die kommenden Königreiche sagt, hat sich bis in unsere Tage hinein erfüllt. Nach dem Gold, Nebukadnezar, werden Persien/Medien das Silber, Alexanders Griechenland das Kupfer mit der Teilung nach seinem Tode in Ost und West, die beiden Arme sein. Und Rom weiter unten, so legen wir’s allgemein aus, ist das Eisen, ebenso mit zwei Beinen, West-Rom und Byzanz, .Ost-Rom. Und da die Beine, anders als die horizontal gedachten Arme, weiter in der Senkrechten nach unten laufen, bedeuten sie also eine Zeit, in der die Welt in zwei Hemisphären geteilt sein wird.

Sowohl Salomo als auch der kommende Jesus Christus sind jeweils größer und prächtiger als Nebukadnezar. Was haben sie außerdem gemeinsam, das sie von Nebukadnezar unterscheidet?

Ja, sie sind beide Männer Gottes und beides Israeliten. Die Frage nach dem größten König beantwortet sich nun so, dass wir zwei parallele Linien sehen müssen, die nichts miteinander zu tun haben und nicht verwechselt und vermischt werden dürfen. Einmal die Linie der Welt, das sind alle Weltherrscher bis auf den heutigen Tag, und was wir als Kultur so für wert halten und verehren. Sie sind aber bei aller anfänglicher Pracht sehr sündig, denn sie dienen eigentlich nicht Gott, sondern was sich als die ›große Hure Babylon‹ herausstellen wird im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes. Diese sündige Weltlinie nimmt vom Golde an eine immer wertloser werdende Gestalt. Die Metalle werden im Laufe der Jahrhunderte zusehends billiger, wenn auch nicht etwa nachgiebiger. Eisen, besonders als gehärteter Stahl unserer Zeit, rostet nicht mehr und benimmt sich nun ganz wie ein Edelmetall, ist aber dabei hart genug und das brauchbarste von allen, auch sehr billig zu haben. Denkt nur einmal an Kriege! Von den Schwertern, Pfeil- und Lanzenspitzen der Alten bis hin zu unseren Kanonen und Panzern – Eisen! Hat nicht einmal jemand den Krieg schlechthin »Blut und Eisen« genannt?

Die andere der beiden Linien, die wir getrennt sehen müssen, ist nun Gottes heilige Linie, die Er schon lange für Seine Auserwählten erlesen hat, und die endlich dieser Schlange Babylon den Kopf zertreten wird. Ja, der Eckstein ist niemand anders als unser Erlöser Jesus Christus, der alles menschlich Prächtige zu Staub zerschmettern wird. Das ist für uns Christen gar keine Frage mehr.

Aber wenn das stimmt, dann leben wir wohl schon am Ende der Zeiten? Wir sind wohl schon die Füße! Was aber bedeutet in diesem Falle die Untermischung unseres Eisens mit dem bröckeligen Ton?

Nun das Überraschende, was mich Gott wissen ließ! Es ist klar, das harte prächtige Eisen ist dennoch seiner metallischen Linie gemäß der sündige Nachkomme Babylons. Und der »nichtsnutzige«, bröckelige Ton, den man nicht mit dem Eisen vermischen oder »verheiraten« kann, wie die Bibel sagt, wiewohl wir es immer versuchen werden, ist ein Gruß Gottes, eben in Seiner niedrigen Gestalt, als der Stein, den die Bauleute erst verwerfen, den wir erst für wertlos halten und noch nicht den späteren alles tragenden Eckstein darin erkennen!

Kommt Er nicht als ein Stein, das ist Ton oder ein verwandtes Mineral? Wir Menschen setzen immer auf eigene Stärke, das sind die Metalle, voran und am deutlichsten das harte Kriegseisen! Geliebte, unsere Kultur besteht heute schon aus einem solchen Gemisch des nicht Mischbaren. Wir sind die christlichste Nation aller Zeiten. Niemand verbreitet das Evangelium so wie wir Amerikaner. Nirgendwo auf der Welt wird soviel gepredigt oder gebetet wie bei uns. Niemand sendet annähernd so viele Missionare nach Übersee wie wir, oder schickt, alle anderen schon zusammengenommen, soviel Geld! Mit bescheidenem Stolz möchte ich anfügen, dass wir Baptisten noch von allen Amerikanern allein an der Spitze liegen! Aber das soll euch nicht zu Kopfe steigen! Nicht müde werden. Noch ist keine Zeit, sich etwa auszuruhen. Noch große Arbeit wartet auf uns.

Aber trotz all dem so erfreulich Klingenden, sagen wir als Nation dennoch »Friede, Friede«, aber meinen Krieg, haben das starke Eisen schon als Waffen fertig geschmiedet, bereit, zuzuschlagen und allen anderen Nationen unseren Willen aufzuzwingen und unseren eigenen Sündenweg. Man hat ausgerechnet, dass das Waffenarsenal der USA nicht nur dasgrößte der Welt ist, nicht nur das größte aller Zeiten, sondern auch größer als alle heutigen Waffenarsenale der übrigen Welt zusammengenommen! Wir können dankbar sein für unsere weise Regierung unter Gott, die uns doch nie in Kriege verwickelt, nie sind wir die Aggressoren!

Da bleibt, wie ich sagte, noch eine Riesenarbeit. Noch ist die Sünde nicht bezwungen, wie wir täglich am eigenen Leibe bezeugen können. Leider sind wir nun zwar die leitende Nation der Welt geworden, aber auch in Vielem die leitende Nation zur Sünde. Wir sind in der Welt auch die Ersten mit Alkoholismus, allem Drogenmissbrauch, Kindesmissbrauch, allen sexuellen Verirrungen. Mord und Totschlag! Homicide durch Schusswaffe sind bei uns am höchsten überhaupt und etwa zehnmal höher als im Vereinigten Königreich! Und in so ein Szenario fällt nun der »Stein«, wir wissen nicht wann, nicht von Menschen gemacht aber stärker und mächtiger als all deren Plunder! Und merket wohl, er nützt, trotz seiner Stärke, die Schwäche des Menschgemachten aus und greift an den bröckeligen Füßen an. Das Gewicht des Menschenturmes, verschiedener Kulturen und Nationen, wie Babel, macht dann den Rest, einen gewaltigen Fall, Staub und Ruinen, wie man ja auch einen jeden Turm unten sprengt, damit das eigene Gewicht beim Einsturz den Rest besorgt.

Geliebte! Man kann die Wege Gottes, des Steines, also der Demut, und die des Recht-Haben-Wollens und der Gewalt in der Welt, also des Eisens, nicht »verheiraten«! Oh, lasst ab von der Sünde, macht noch heute, jeder Einzelne, eine erneute Anstrengung für Gott! Und wer Ihn noch nicht kennt, der bekehre sich noch heute, ehe es zu spät! Kommt nur herbei! Ich selbst und meine Helfer sind Tag und Nacht für euch da.

Und nun segne euch der Allmächtige!

Amen.«

 

==========3=========

Pastor Dale war sichtlich gehemmt durch die Anwesenheit dieses Spions. Er verhaspelte sich seinetwegen mehr als einmal, und die ganze Predigt kam nicht so heraus, wie er’s eigentlich hat sagen wollen, wurde auch noch kürzer als geplant. Dauernd war er auf der Hut, sich nicht zu verplappern, obgleich ihm doch klar sein musste, dass ja nun in diesem Fall auch das Webbhaus gar nichts von Sams Gesichten ahnen konnte, Schon war er bereit, treuherzig zuzugeben, wie ihm die Offenbarung zuteil geworden, aber damit müsste er Sam preisgeben. Und das will er aus verschiedenen Gründen nicht. Aber dann fällt ihm ein, dass er ja auch so nicht lüge ohne anzugeben, dass ihm Sam zu den Ideen geholfen habe. Schließlich ist es ihm auch gar nicht befremdlich, einen nützlichen Lohn von Gott durch die Hand eben desjenigen Sam entgegenzunehmen, an dem er, Dale Noomey, so viele gute Taten geleistet hat.

Freilich ahnen seine Zuhörer auch nicht zur Hälfte, welch großen Fund er da gemacht oder erhalten hat. Gern hätte er’s deswegen noch mehr aufgebauscht. Aber nun war das Thema seinem geistlichen Inhalt nach sowieso schon zu lang für den Rahmen seiner üblichen Predigten, die er möglichst kurz hielt, um nicht das Interesse zu verlieren.

Beim Händeschütteln am Ausgang fertigt er Rudi kurz, aber mit erzwungener besonderer Liebenswürdigkeit ab, wobei er ihn nur »mein Lieber« nennt. Rudi bleibt etwas verlegen. Der Pastor hat schon mit der Hand, die seine haltend, den leichten Schwung Richtung Ausgang gegeben, als Rudi sagt, er möchte ihn gern noch privat sprechen.

Autsch! Darauf ist Dale nicht vorbereitet! Soviel ist klar. Und soviel auch der Pastor selber mit Fleiß und Stolz missionarisch wirkt, und seiner Gemeinde das stets als eine Tugend vormalt und sie auch selbst dazu anstachelt, so wenig ist es ihm recht, wenn er etwa selber am empfangenden Ende stehen soll und gar der Austeilende kein Baptist ist! Denn solche Leute denken nicht nur nicht nach, sondern vermeiden ebenso alle Weichen Gottes, die sie auf andere Wege bringen könnten, und seien es nur solche bescheidenen, die ihnen ohne Eroberungsabsichten zunächst nur zeigten, wie ihr Nächster denkt und fühlt.

Er wird hier nun fast unhöflich, verweist auf seine wartenden Kinder für Unterschrift und Stempel, und der Nachmittag sei auch schon voll belegt – und weiß doch selber schon im selben Moment, daß er wieder nicht ganz aufrichtig ist.

Oh Missverständnisse, An-Einander-Vorbeireden und Missdeutungen der gegenseitigen Emotionen! Wie würde die Weltgeschichte oft ganz anders verlaufen ohne sie. Und dennoch ist, was wir unbewusst durch Bewegungen und Gebaren ausdrücken, deutlicher und klarer als unsere Worte, selbst, wenn wir einmal ganz ehrlich sein sollten. Denn dann glauben wir aus guter, gemachter Erfahrung von vorher einander nicht. Da ist die Body Language besser, aber dennoch, wie hier, auch einmal fehldeutbar.

Hier hat sich gerade während der Predigt bei beiden eine Änderung, fast ein Umtausch der Gefühle zueinander eingespielt, denn Rudi ist vom Gehörten ehrlich angetan und hält Jims und Sonyas Kritik vom vorigen Mal für ungerechtfertigt, ob der guten und erstaunlichen Gedanken da aus des Pastors Mund, während Dale in seiner Selbstunsicherheit das Vortasten Rudis als abzuwehrendes Vordringen in seine Privatsphäre missinterpretiert.

Aber gut so! Rudi weiß ja nicht, dass diese Weisheit da nicht in des Pastors Garten gewachsen ist, um nicht wie etwa Mischa zu sagen: auf seinem Mist, und Rudis ahnungslose Kindlichkeit erwartet von diesem Pastor ebensolche Offenheit und ganze Hingabe an die Wahrheit wie er sie selbst ganz unbewusst hat. Aber selbst wenn Dale da so gebaut wäre wie er, könnte er doch nicht wegen seiner baptistischen Dachorganisation und wegen hundert anderer Dinge sich wirklich vor Gott und dann auch den Menschen völlig offen darlegen. Amerika ist im Geschäftlichen – und das heißt hier, im ganzen Leben! – nie ganz offen, obgleich doch »ihr« Gott es so befiehlt! Sie halten es für weise, immer noch eine andere Waffe in der tiefsten Tasche versteckt zu halten. Die Baptisten scheinen sich innerlich da gerade zu rühmen, vielleicht, weil es dem nahekommt, was Sam denkt und im Kapitel 18 auf Sonyas Frage näher erläutern wird, nämlich sich »seiner Schwachheit zu rühmen«. Denn das wollen offenbar wir alle nicht. Wir wollen vor Gott nicht nackt dastehen, sondern immer eine Art Verteidigung, ein Feigenblatt wie Adam – nach seinem Fall – vor oder bei uns behalten, für alle unsere Fälle!

Präsident Gorbatschow hat das voll erkannt mit seinem Glasnostprogramm, wenn er’s natürlich auch nicht auf Gott bezieht. Das wird er aber doch, wenn er wirklich bei dieser Wahrheitsliebe bleibt, und das eigentlich schon die ganze Bedingung ist, weil sie die Nächstenliebe und die zu Ihm, zeugen muss, die Gott von uns haben will.

Etwas begossen geht Rudi zu seinem Toyota. Also das war eine Enttäuschung. Am Ausgang herrschte nicht mehr die vertrauliche, beinahe zu den Studenten gleichgestellte Atmosphäre, wie damals im Webbhaus, als doch er und die Webbhausleute erst auf der einen Seite eine Front, damals noch gegen Mischa, darstellten. Inzwischen scheinen die Hauptakteure ihre Rollen miteinander vertauscht zu haben. Fast schämt sich Rudi seiner Aufdringlichkeit, aber er hatte irgendwo den Eindruck bekommen, der Pastor sei ein Mensch, mit dem man reden könne und der Zeit dazu habe. Das ist nun also nicht so! Und Rudi ist doch gar nicht falsch oder hinterlistig. Hier ist ein theologisch gebildeter Mensch, der sich zudem anbot, »er und seine Helfer« seien immer bereit zum Gespräch. Es wäre doch herrlich zu sehen, was er wohl zu den neuen Gedanken des Evangeliums sage, wenn man nur etwas Zeit hätte, sie ihm in dem Lichte darzubringen, das einen selbst so überzeugt, so begeistert hat.

Lieber wäre ihm gewesen, der Pastor wäre mehr auf die »Sünde« eingegangen, und wie sie etwa unserer Kultur bis ins Detail und in der Familie anhafte, so wie er ja schon so interessante Beispiele gegeben hat, und was man dagegen mehr tun könnte, als doch etwa sich selbst und dann andere zu überzeugen. Überzeugen ist doch ein Wort des Glaubens, auf den alles ankomme bei Gott, ja, ist eigentlich nur ein anderes Wort für genau denselben Begriff ›Glauben‹ oder für den Weg dahin.

Was meinte er eigentlich genau mit dem am eigenen Gewicht zusammenstürzenden Turm? Da war doch mehr dahinter? Etwa die endliche Nutzlosigkeit menschlicher Werke, die Er nun wie bei Babel zerstören kommt? Und nur der dann alles beherrschende Eckstein bleibt übrig?

Wie kann Dale da so kurz angebunden und abweisend sein? Freilich ist ein solches Nachdenken und Überzeugen nicht immer genau in den vorgeschriebenen Fahrspuren seiner Kirche, auch ein Grund, dass die studentische Jugend in der Kirche in beiden Sinnen ›nicht gefragt‹ und nicht vertreten ist. Aber dafür ist es, wie sein Autobasteln, ein Griff nach der möglichst von anderen bisher noch ungerupft gelassenen Wahrheit.

==========4==========

Diane hat sich erhoben, während auch sie alle anderen in den Kirchen wähnt oder in Vorbereitung und auf dem Weg dahin. Also es fädelt sich alles aufs günstigste ein! Alle sind in den Kirchen, sie ist allein im Haus! Sie macht ein besonders sorgfältiges Duschbad, wobei sie ungewöhnlich viel heißes Wasser verbraucht, das doch auf aller Kosten geht, verwendet eine besondere Duftlotion dazu, die sie nicht jeden Tag nimmt, und wäscht sich sorgfältig das Haar. Das will sie alles ohne die übliche Hetze tun und empfindet es als wohltuend, dass sie wirklich einmal, wenn es auch nur etwa zwei Stunden sein werden, ganz allein und Herr im Hause ist. Sie betrachtet sich ganz entkleidet wohlgefällig in Großformat im Klappspiegel von allen Seiten, bei weit geöffneter Badezimmertür, »so dass der Dampf abzieht.«

Ja, denkt sie, warum nicht? So schön ist sie wohl nur jetzt in ihrem Leben, danach wird es peu-à-peu damit bergab gehen, obgleich sie sich noch gar keine Sorgen um die Zukunft zu machen braucht bei ihrer noch vollen Jugend. Und alle Welt fällt auf sie, darüber fühlt sie sich ganz sicher.

Sie geht selbstbewusst und selbstgefällig nackt vom Bad zurück in ihr Zimmer, aufrecht stöckelnd nur mit einem Turban um das feuchte Haar bekleidet, an den Zimmern Rudis und Bobs vorbei, beim erst erwähnten steht die Tür ein wenig offen. Es wäre doch allerliebst, wenn man auch so frei in deren Gegenwart wandeln könnte! Sie jedenfalls braucht sich gerade nicht zu schämen und hat nichts zu verstecken! Die Jungs sind sowieso immer so sachlich und würden verschämt schnell wegschauen. Sie malt sich aus, wie sie darauf »huch!« sagen würde mit aller weiblichen Koketterie und hastig das Handtuch vom Turban notdürftig um sich schlingen, nur nicht zu schnell und nicht zu gründlich! Der moralischen Pflicht wäre ja schon durch die Absicht Genüge getan. Aber nein, so weit ist man im Webbhaus bei aller Freiheit denn doch noch nicht! Jetzt beim Föhnen ihres Haares lässt sie auch die Zimmertür weit offen, obgleich doch jemand, oder genauer, ein gewisser Jemand, jeden Moment kommen könnte. Das würde sie beim Gedröhn des Föhns nicht einmal hören oder zu hören brauchen! Wie würde sie da erst »huch!« rufen!

Sie kramt aus ihrer Schublade – aber das nun doch bei geschlossener Tür – ganz versteckt ein gewisses schon bewährtes Vaginalsuppositorium hervor. Danach zieht sie sich an, es ist ein raffinierter knapper Hauskittel, den sie sich auf die nackte Haut zieht unter Weglassung anderer unnötiger Kleidungsstücke. Schließlich ist sie ja »bei der Hausarbeit«, und er kommt ganz unerwartet! So begibt sie sich ins Erdgeschoss. Sie öffnet noch die Haustür und lehnt sie wie zufällig an.

Und er kommt, ganz als ob gerade dann bestellt, als sie wieder auf der Treppe ist!

Er klingelt oder klopft als alter Hausbekannter auch nicht mehr, sagt: »Hi! Ist jemand da?« und will Sonyas entliehene Bibel nur schnell auf dem Tisch lassen.

Da sieht er sie auf der Treppe! Sie schweigt, sagt nicht einmal »huch«, zieht aber demonstrativ den so kurzberockten Kittel enger, was eher noch mehr offenbart. Man meint, den Schlüpfer sehen zu sollen, sieht ihn aber nicht. Beide stehen wie angewurzelt und schauen sich einen Moment lang an, sie mit gesenktem Kopf und entsprechend hochblickenden Augen. Dann kommt sie immernoch schweigend, die Hüften hin und her schwingend herunter auf ihn zu, wobei er zwischen den Knöpfen und unter dem knappen Röckchen wieder ungeahnte Einblicke erhält, und umarmt ihn. Er wird stocksteif vor Erschrecken, Scham, plötzlichem Begreifen und auch plötzlich heiß aufwallender sexueller Lust.

Sie befummelt sein Haar und duftet nach Lotion und nach warmem, eben gebadeten Körper. Dann küssen sie sich, zärtlicher und heißer werdend. Aber nun müssen sie von der Treppe und der immernoch nun weit offenstehenden Haustür weg. Sie gibt nur einen kleinen Laut dazu und deutet mit dem Kopf nach oben. Er begreift, fasst sie um Schenkel und Hüfte, wobei er noch mehr von ihrem Körper sieht und nun auch fühlt, und trägt sie die Treppe hinauf wie – oder soll ich das »wie« ganz weglassen? – zu einer Hochzeitsnacht.

Michail ist eigentlich ein besonnener Mann, auch darin. Aber sie lässt ihm hier keine Zeit zum Besinnen. Sie dirigiert ihn, immernoch wortlos, in Richtung auf ihr Zimmer. Aber nun ist es eng hier oben. Zwar haben aufrecht gehende Erwachsene Platz genug, auch etwa einander auszuweichen, aber hier ist einer der erwachsenen Menschen nicht in normaler senkrechter, sondern beinahe waagerechter Position. Und da stoßen die herausragenden Beine hier und da an. Als sie an Rudis nur angelehnter Tür vorbeikommen, schieben ihre Füße die Tür unwillkürlich ganz auf, aber beim Nachbarzimmer ist die Tür geschlossen, so dass die Füße daran entlangkratzen oder unbeabsichtigt daran klopfen.

Bob sitzt innen und schreibt. Er hat nun den Entwurf soweit fertig, nachdem er sich entschieden hat, zwecks Raumersparnis und besserer Kompaktheit und Direktheit, eine Art Dialog daraus zu machen. Links steht jeweils: »Sie sagen:« und rechts, »Wir wissen oder sollten aus der Bibel wissen:« Und darunter, in zwei Rubriken, wird er links jeweils eine der humanistischen Aussagen schreiben und rechts daneben eine biblische Antwort und Stellungnahme. Allerdings ist das Ganze länger geworden, jetzt etwa schon zwei Schreibmaschinenseiten. Aber noch länger darf es auf keinen Fall werden. So kann man es wenigstens noch auf beide Seiten eines Blattes ausdrucken. Später am Computer in der Uni wird er allerdings doch noch eine kleinere Schriftgröße einstellen müssen als vorgehabt, um alles selbst auf die zwei Seiten zu bekommen.

Plötzlich kratzt etwas an seiner Zimmertür im Webbhaus entlang. Er hat noch halb bewusst wahrgenommen, dass Diane aus ihrem Zimmer ins Bad und dann zurück gegangen ist, hörte davor bei der offenen Tür auch die Dusche rauschen. Dann war es still und Diane offenbar hinunter in die Küche gegangen. Aber was ist das nun? Sie wird doch nicht etwa Staub wischen? Er reißt sich also aus seiner fesselnden Arbeit und öffnet seine Zimmertür. Alles ist leer und still. Aber ein Blick die Treppe hinunter überzeugt ihn von der weit offenen Haustür.

Nanu, hier ist etwas geschehen ?!

Er wird sich, solange noch hier oben, erst von Dianes Abwesenheit überzeugen, ehe er sie unten – und auf der Straße – suchen gehen wird, begibt sich also zurück – nur schnell! – an ihr Zimmer und öffnet im Bewusstwerden eines möglichen Notfalls, ohne zu klopfen, die Tür.

==========5==========

Hier nun Bobs fertiger Ausdruck:

Über Humanismus und Christentum

Gott gebietet: »Du sollst keine anderen Götter haben neben Mir. Denn Ich, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott, der die Sünde der Väter heimsucht an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied.«

Seit mehr als zweihundert Jahren folgen wir nun den Ideen John Lockes und der Französischen Revolution, dem Humanismus. Wir sind darin gefangen und durchaus nicht frei, denn wie sollten wir je herauskommen ohne die Schrecken einer weiteren Revolution? Jeder unserer Präsidenten muss auf humanistische Prinzipien in sein Amt eingeschworen werden, also könnte ein ehrlicher und kompromissloser Christ nie Präsident werden. Wie sollte er die humanistische Demokratie anders abschaffen als durch deren eigene Volksabstimmung? Wir leben in den Idealen der Renaissance, das heißt Wiedergeburt und entsprechender Kultur der alten heidnischen »Götter« !

Römer 13, 2 verurteilt diese Revolution. Humanismus ist Mensch-Zentralisierung, Menschenstolz und Sich-Selber-Groß-Machen. Nun macht sich aber jede Gruppe und Nation im Zuge dieser weltweiten Revolution selbst groß auch gegen alle anderen, das verschiebt unser sowieso schon lange bestehendes labiles Ungleichgewicht noch mehr in Richtung Zwist und Kampf. Aber vor Gott sollen wir uns demütigen! Denkt an zwei resultierende Weltkriege und was unsere christliche Kultur, einst weit führend in der Welt, verloren hat!

Sie sagen: Wir antworten von der Bibel her:

Alle Menschen sind gleich. Seit der Weltschöpfung hat Gott nur immer eine Minderheit erwählt und errettet, die Mehrheit geht verloren, Ungleichheit! Außerdem sind Altes und Neues Testament voll von Beispielen von zwei Menschen oder Gruppen davon, die uns schon hier auf Erden ihre Ungleichheit demonstrieren:

Kain & Abel; Saul & Samuel; Pharao & Moses; Reicher Mann & armer Lazarus; Priester, Levit & Barmherziger Samariter; Törichte & kluge Jungfrauen; Zwei Beter im Tempel. Und viele, viele mehr.

Alle Menschen sind gleich erschaffen, und jeder hat eine gleiche Chance.

Weder – noch! Esau & Jakob, auch so ein ungleiches Paar, werden im Römer 9 zum Beweis ihrer Ungleichheit schon im Mutterleibe zitiert, bevor einer der beiden eine »Chance« hatte. Das Schicksal wird ganz unterschiedlich von Gott gegeben, nicht nach unserer Wahl, Sündlosigkeit oder Geschicklichkeit. Im 1.Kor. 12 sind auch nicht einmal Seine Auserwählten gleich, sondern »verschiedene Glieder unter einem Haupt«.

. . . von ihrem Schöpfer mit unveräußerlichen Menschenrechten ausgestattet.

Gott verwirft diese »in sich selbst offensichtlichen« Menschenrechte. Selbst zu Seinen Auserlesenen sagt Er: »Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe.«

Die Demokratie ist die bestmögliche Regierungsform.

Bei Gott ist Autorität, auch menschliche, ein »unveräußerliches Recht«, d.h., Aufteilung in Herrn und Untergebene: Vater für die Familie, Lehrer in der Schule, Richter, Polizist, aber ganz besonders Staatsobrigkeiten gegenüber Volk.

»Demokratie vom und für das Volk . . . wird niemals von der Erde vergehen.«

»Himmel und Erde werden vergehen« und mit ihnen all unsere Regierungen. Bei Hitler sollten’s ebenso 1000 Jahre, bei Honecker noch mindestens 100 sein!

Jede Frau hat Recht über den eigenen Körper und damit die Freiheit, unerwünschte Schwangerschaften loszuwerden.

Nanu? Sind nicht alle Menschen gleich? Oder sind Ungeborene keine Menschen?!

Jede von Menschen gemachte Weltordnung zeigt früher oder später ihre unvermeidlichen Mängel und Selbstwidersprüche, so wie schon Nazismus und Kommunismus. Hier – hochinteressant – verletzt der Humanismus sein eigenes höchstes Gut: unschuldiges Menschenleben! Und was Gott über Abtreibung sagt, kann man in jeder Konkordanz unter »Mord« nachschlagen. Und wenn bei »Mo« bitte auch gleich unter »Moloch« (Kinderopfer) nachlesen!

Homosexualität ist nur ein anderer Lebensstil.

. . ist vor Gott eine Sauerei!

Die Revolution war das Tor zur Freiheit.

 . . ist Ungehorsam gegen menschliche Autorität und daher gegen Gott. (Röm.13, 1-2). Sie hat uns schon langsam in eine Babylonische Gefangenschaft des Geistes geführt, ähnlich der kommunistischen Revolution in Russland.

Die höchste Intelligenz im Universum ist die menschliche.

 . . ist Gott! Und Der ist wohl im Regiment.

Die Entwicklung des Menschen führt immer höher.

Schon lange sind wir verdammt zu ständiger Dekadenz, nicht nur im Buch der Offenbarung, bis diese »große Hure Babylon« endlich gestürzt werden wird.

Leben entstand aus einer Reihe von günstigen Zufällen.

Leben kommt allein von Gott. Bei Ihm gibt es keine »Zufälle«.

Unsere Zivilisation braucht volle religiöse Freiheit.

»Ich hasse euer Rennen nach fremden Göttern!« Unsere Zivilisation ist nur unter dem Einen, wahren Gott so groß geworden und stagniert unter Seiner Ablehnung jetzt!

Jeder Mensch hat einen freien Willen.

Der »natürlicher Mensch [ist] an die Sünde verkauft«. Er hat gar keine Wahl, kann sich nicht befreien oder auch nur Sünde vermeiden, oder durch irgendetwas sonst selbst erretten; denn diese Errettung kommt allein durch das vollbrachte Werk am Kreuz, nicht nach des Menschen Willen und Entscheidung, sondern allein durch Gottes Erbarmen, ob und auch wann und für wen Er allein will.

Jeder soll seinen Selbstwert hochhalten, besonders in der Jugend.

Ein Christ hat gar keinen Wert, daher keinen Stolz, sondern sein »Selfimage« ist immer Null. Er ist vor Gott »zerbrochen« und ganz abhängig von Ihm. Nur dann gibt ihm Gott alles, was er braucht. Das ist eine grundsätzliche Tatsache jedes Christen, die aber selbst in den Kirchen durch den allgegenwärtigen Humanismus schon allgemein verlorengegangen scheint.

Das höchste Gut des Humanismus ist der Mensch, unseres aber ist Gott! Welches von beiden ist wohl anbetungswürdiger? Gott will alle Ehre für Sich. Wenn wir uns »Götter« aus Holz, Stein, oder jetzt aus Ungeist, machen, was Ihm ein Abscheu ist, bleiben wir ja als deren Schöpfer in jedem Fall die Herren! Und genau das, eigene Menschenmacht, auch immer zum Nächsten, ist das ganzes Ziel der Humanisten.

Alle Sünde kommt von der erfolgreichen Lüge der Schlange: »Ihr werdet sein wie Gott !«

Wir alle sollen diese beiden Prinzipien verstehen lernen, und dass sie niemals nebeneinander bestehen können: Humanismus einerseits, der nur sich selbst anerkennt, und Gehorsam zum lebendigen Gott auf der anderen Seite. Wir können »nicht zweien Herren dienen«!

Leicht kann man noch mehr solcher Menschenpaare aus der Bibel finden, die beweisen , dass wir Menschen nie gleich sind! Gottes Wort ist nicht nur unbedingte Wahrheit, sondern auch ein viel besseres Lebensprinzip als etwa der »Klassenkampf« oder bei uns, eingeplantes Parteiengezänk.

Lieben sollen wir einander in unserer Verschiedenheit!

So wussten wir’s, so war’s anerkannt. Aber dann kam der Humanismus über England – Frankreich – nach Westen zu uns – und nach Osten – und über Marx und Lenin nach Russland, in jeder Stufe sich fürchterlich verändernd.

Ebenso findet man unschwer noch mehr so krasse Beispiele als oben angedeutet, des Widerspruches zwischen unserer allgemeinen humanistischen Kultur und den Wegen Gottes.

In Europa, vor dem Zeitalter der »Erleuchtung« (Aufklärung) empfingen die Herrscher ihr Amt aus den Händen der kirchlichen Autoritäten, als »aus Gottes Gnaden«. Dagegen haben wir aufbegehrt und revolutioniert, wie all die anderen Nationen. Wir brauchten keine Bevormundung durch einen Gott! Aber sind wir nun eigentlich frei in diesem Lande? Wer bestimmt denn dann, wenigstens auf dem Papier, wem wir politisch folgen, wenn wir, die wir uns Christen nennen, meinen obigen Punkten zustimmen? Also erfüllen wir noch nicht einmal die Gebote und Spielregeln unserer Demokratie – aber Gottes schon gar nicht!

Was haben wir denn eingehandelt mit unserem Aufbegehren gegen Gott? Unsere Sitten sind zerfallen, die Familien ohne die gottgegebene Autorität eines Vaters fallen auseinander. Bei uns werden heute mehr Ehen geschieden, als zusammenbleiben bis der Tod sie trennt. Unsere höheren Schulen, ohne die Autorität, ohne die man nicht lehren kann, haben jetzt das niedrigste Niveau in der zivilisierten Welt erreicht. Unsere höchsten Leiter sind korrupt und unzuverlässig. Mit Lügengeweben unterjochen wir die ganze Welt, sagen »Frieden« und machen immerfort ungerechte Unterjochungs- und Beherrschungskriege.

Wir sind unfrei, die wir so frei sein wollten, nicht mehr Herr im eigenen Hause. Wer beherrscht uns denn? Eines ist sicher: Nicht Gott!