Vierzehntes Kapitel

Fortsetzung von Mischas »Westpol«-Vortrag

Ich fasse soweit zusammen: Deutschland, Japan und viele andere Nationen stehen jetzt vor der Wahl, ihre amerikanische Nachäfferei und wischi-waschi Kulturlosigkeit weiterzutreiben und auch den letzten Rest ihrer Kulturwerte, nationalen Wesens, ja ganzen Charakters, einzubüßen – oder eben einen neuen Anfang zu machen!

Darin wird es uns so gehen wie es uns etwa seit der gleichen Zeit in der Musik ging. Wir Deutsche, die führend waren, sind in eine Sackgasse geraten! Ein Neubeginn wird denkbar, wenn wir wieder da ansetzen, wo es uns aus der Hand geglitten ist. Das heißt einmal die von Bach erarbeiteten Gesetze der Kontrapunktik, denn die Musik seit dem späten neunzehnten Jahrhundert, am Experimentieren mit Zwölftonmusik und anderen Modernismen, hat sich im Ganzen nicht bewährt. Philharmonische Musiker, die ausschließlich Hindemith, Schoenberg oder Webern zu spielen gezwungen sind, leiden statistisch signifikant mehr unter nervösen Krankheiten als ihre Kollegen, die Mozart, Schubert, Beethoven und Bach spielen. Und es ist unsere Kulturaufgabe; denn die Komponisten dieser beiden Ausrichtungen sind auch gerade Deutsche gewesen. Und wir erwachen alle erstaunt auf einem anderen Planeten, reiben uns die Augen und finden außer der mitgebrachten sonst keine Kultur zum Übernehmen vor! Also müssen wir selber wieder daran und zurückerobern, was einmal unser war. Das ist doch gar nichts Neues. Das mussten doch die jetzt überall so gefeierten Pioniere in der amerikanischen Kolonialzeit, als ihre noch in den Schiffen mitgebrachten Vorräte, etwa an Waffen, zur Neige gingen, also für uns vielleicht unsere Kultur, die von der Renaissance her immernoch am Kopieren der Griechen war. Unter Karl dem Großen nahm man noch teuren importierten ägyptischen Papyrus zur Papierherstellung – bis dann jemand auf Holz und Lumpen zur Papierherstellung verfiel, billiger, schneller und ohne weite Anfahrtswege gleich zur Hand. Unsere Opern sind so entstanden, dass man fälschlich meinte, die alten griechischen Dramen seien gesungen worden. Ich lande wieder bei der Musik.

Also, Deutsche! Nun mal ‘ran. Wenn ihr so gierig die Amerikaner nachäfft wie vorher die Franzosen, davor die Lateiner, dann imitiert doch mal, wo’s nützt: unsere eigene Kultur wieder rekonstruieren, eben wie die Pioniere! So ein Rückerobern können wir keinem anderen überlassen, den Amerikanern schon gar nicht. Angelsachsen sind in der Musik erstaunlich unbegabt. Das gilt übrigens genauso fürs Bierbrauen oder kritisch Denken! Aber die Frage bleibt: Und wie in der Kultur allgemein?

Mit ›gleicher Zeit‹ wie in der Musik meine ich einen weiteren Rahmen, nämlich das Aufkommen und langsame Inkrafttreten der Ideen der ›Aufklärung‹, die ja auf Englisch bezeichnenderweise noch fälscher ›Erleuchtung‹ genannt wird! Und die unsere Kultur in allen Bereichen so gründlich und negativ verändert hat. Den ganzen Betrug dahinter seht ihr symbolhaft etwa an folgendem Satz. . :« (Mischa schreibt ihn an die Tafel.) :

Der Lichtbringer gibt uns die Erleuchtung.

»Der Satz klingt ganz harmlos, optimistisch und richtig. Wir müssen uns nur daran gewöhnen, wie verlogen die Allgemeinheit ist. Nun setzen wir das lateinische Wort für Lichtbringer ein: ›Luzifer bringt die Erleuchtung‹,«

– Er wischt ab und schreibt neu –

»da wird es schon klarer, denn Luzifer war der Name Satans, bevor er aus dem Himmel gestoßen wurde. Schließlich kommen wir zu: ›Luzifer brachte das Enlightenment.‹ Dann wisst ihr ganz klar, was ich meine! Nämlich noch eine Stufe weiter: Der Teufel brachte uns die ganze Aufklärung, Renaissance und Revolutionen! Das ist, so ausgedrückt, genau dasselbe einmal ohne alle schönmachende teuflische Heuchelei.

Was ich hier sage, gellt jedem Nationaldeutschen von heute, so wie Boris hier, schmerzhaft in den Ohren! Denn er ist ja noch in dem Beschriebenen, nämlich der aliierten Lüge, aufgewachsen und auch ehrlich davon überzeugt, dass die Deutschen noch immer die Quelle allen Übels sind und immer waren. Er hat panische Angst vor neuen deutschen nationalen Regungen. Aber kein Volk, das aus der passiven Angstphase (die von uns hier im Webbhaus genannte ›Depression‹) herauskommt, kann ohne solche Regungen (wiederkehrende Expansion) leben. Das wird erst richtig schlimm auf dem Hintergrund des dann etwa errungenen Humanismus! Denn man erkennt allgemein eine Dekadenz an der Betonung und Erhöhung des Ich und gebunden daran Erniedrigung Gottes. Siehe Deutschland in der ›Weimarer Republik‹ und danach, darauf und deswegen – Hitler!

Damit geht es ihm wie unseren Baptisten in ihrer Angst, auch ja dem Herrgott ›gehorsam‹ zu sein. Aber uns ein wenig anderen, um nicht zu sagen mehr Erfahrenen, riecht das schon gefährlich nach Eigengröße und also Humanismus, Menschenpreisung! Sie übersehen das Wesentliche, und werden nun tragischerweise erst so richtig dem Neuen Testament ungehorsam, bis sie von Gott hören werden: ›Hinweg, Ich habe euch nie gekannt!‹ Das ist tragisch und ich schreibe diese Sätze in großem Mitleid. Warum sagt Er denn bloß so grausam, Ich habe euch nie gekannt? Weil sie sich gerade gebrüstet haben, in Seinem Namen gute Werke getan zu haben.

Ihr Christen alle, hütet euch vor dem Sauerteig des Westpols unserer Erde!

Hütet euch wie die alten Juden, den Namen Gottes auszusprechen, vor der Formel, ›denn wir bitten es in Jesu Namen‹! Durch solche Formel werdet ihr nur zu Lügnern. Damit ist nichts in Seinem Namen getan! Das ist ja wie mit dem Beten im Kämmerlein, wo dich keiner sieht, oder damals wie im Bauernaufstand! Da machten sie Revolution in Luthers Namen, der aber ganz dagegen war, und sie mit seiner Streitschrift

Gegen die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern!

in Grund und Boden verdammte! Diese Revolution war aus der gleichen naiven Dummheit wie diejenigen später! Oder eher schon noch klüger und menschlich verständlicher; denn damals hatten sie wirklich nichts, waren sie barfuß und hungrig, da ging es ihnen dreckig.

Gott ›kennt‹ sie ›nicht‹, weil sie Ihn nicht gekannt haben! Denn sonst hätten sie doch Seinen Willen getan! Lernt Seine Bedingungen von den Weltkindern, die ›oftmals klüger sind als die Christen‹! Nur Eines sei gesagt, es geht allein nach dem Glauben, der wenn echt, die Werke, dem Menschen selber sogar unbewusst, sprossen lässt, nicht um die Werke direkt geht es, und schon gar nicht um unser Behaupten!

Der deutsche Nationalismus wird wieder aufblühen müssen! Man kann und soll ihn nicht unterdrücken, sondern in richtige Bahnen lenken. Ohne solchen, wie ein Individuum zunächst nicht ohne Selbstzuversicht, kann keine Nation bestehen. Das soll nicht Hitlers Hurrapatriotismus sein, sondern muss, unbedingt, wenn es haltbar und segensreich werden soll, allein die Freude über Gott sein und was Er dem ganzen Volk getan hat. (Denkt nur an die Wiedervereinigung!) Worauf es jetzt ankommt ist, durch absichtliche Konservierung der Repression zur bleibenden und gerechten Expansion zu gelangen. Wir müssen also zurück ›in unserer Musik‹ und etwa bei Preußen wieder ansetzen, als das deutsche Nationalwesen anfing aufzublühen, aber ohne die damalige humanistische Dekadenz – Fichte, der im Grunde, und mit endlichem Erfolg, danach strebte, die französischen Irrtümer bei uns heimisch zu machen! – Dekadenz, sag ich, mit der uns der Teufel so grausam verführt hat. Die Welt ist forgeschritten, heute geht es unter Erinnerung an unsere Sünden und vergangene Misere, unter der strengen Wacht (am Rhein!) um echten, freudevollen Gehorsam unter Gott, der gar nicht als eine Qual empfunden wird, weil der betreffende Christ ganz »wie ein Kind« geworden ist.

Man verstehe auch mich nicht falsch! Ich predige kein neues ›Am deutschen Wesen soll die Welt genesen!‹, wie damals verstanden, keinen Nationalstolz! Patriotismus, gleich welcher Nation, ist, anders als wir immer gelernt, keine Tugend, sondern eine falsche Konstitution. Wenn wir unserem Auftrag gerecht werden wollen, müssen wir nur erst im eigenen Hause Ordnung machen. So eine Ordnung kann nur erfolgreich von überzeugten Christen ausgehen, weil nur sie eine Substanz haben, die hält. Sie lieben Gott und sind auf Ihn ausgerichtet – und auf nichts anderes. – Und wir müssen unsere eigene Buße über die Naziverbrechen ernst nehmen und vor der Welt glaubhaft, weil ehrlich, bezeugen! Und dann davon aufhören! Das heißt Schweigen! Und besser-Machen. Sonst wird es Feigheit und dient keinem Zweck.

Zur 750-Jahresfeier der Stadt Berlin vor der Wende hatte sich auch der Osten nun soweit erholt, dass nicht mehr alles Preußische gleichbedeutend mit übel war. Das ist erstaunlich, denn aus diesem Geist hatten sie doch noch 1950 die Ruine des preußischen Schlosses in Berlin ganz gesprengt und abgetragen. Wenn die Musik nach der Jahrhundertwende misstönend geworden ist, dann fangt genau da von vorne an! Denn Fehler erkennen ist gut und Fehler zugeben besser, aber dann nichts besser Machen ist wieder so schlimm wie die alten Fehler. Niemand wird Deutschland mehr böse sein, auch Gott nicht, wie Er versprochen hat – wir sind ja jetzt auch alle danach geboren, wenn – und damit uns allen in Europa! – ein neuer gerechter Anfang gelingt.

Ich habe die aliierte Mentalität exploriert. Wir können nur ihre Achtung gewinnen, wenn wir uns schon von ihren Übeln lossagen, indem wir etwas Besseres einsetzen, mit strikter Beobachtung der Gerechtigkeit! Und das können wegen der Größe der Wahrheit und des anzusetzenden Hebels nur wirkliche Christen. Bei allen anderen wird es Heuchelei.

Übrigens höre ich, dass sich die beschriebene weltweite Laschheit auch in der Kriminalität ausdrückt. Die Macho Gewaltverbrechen, wie Mord und bewaffneter Überfall sollen sich langsam überall senken, heißt es, auf Kosten des Anstiegs von Betrügereien, Steuerhinterziehung, Suff am Steuer (»Unter dem Einfluss« von Herms berühmter Schwiegermutter!) und dergleichen. Ja, selbst die Welle der Laschheit hat auch einige gute Früchte, müssen wir anerkennen.

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Hier habe ich Landkarten und einen Globus. Wo liegt Deutschland? Ja, ihr wisst es noch nicht: in der Mitte der Welt!

Das fiel uns natürlich an der Zonengrenze und Sektorengrenze auf: Am Potsdamer Platz war der Nabel unserer geteilten Welt. Ihr nennt euch hier ja dauernd ›western‹. Western Welt und western Kultur. Das kommt von der Teilung in Westrom und Ostrom, das ist zum Einen das Alte Rom in Italien und zum anderen Konstantinopel/ Byzanz in Kleinasien. Wir Russen nämlich sind nicht ›western‹ in unserer Kultur und unserem Selbstverständnis, sondern östlich, ursprünglich auf Byzanz bezogen, wo unsere Schrift und Kultur – griechisch – herkommen. Wo ist nun die Mitte, der Nabel zwischen beiden, wo der Grund, dass wir uns überhaupt westlich oder östlich nennen? Die Erde ist rund! Wo also sollen wir aus dem Karussell aussteigen und den Referenzpunkt festsetzen? Geschichtlich? Gerade erwähnt, aber nun haben andere Völker ihre Geschichte. Hier also ein besserer Vorschlag: Es gibt ja geographisch eine Nord-Süd-Linie, die auf der einen Halbkugel keinen Kontinent schneidet, das ist die Linie vom Nordpol durch den Stillen Ozean und genau zwischen den Kontinenten Asien/Sibirien und Amerika verläuft. Genau dieselbe Linie, über den Nordpol nach der anderen Seite verlängert, also nach Süden, verläuft sie durch Europa . Dort ist »Null«, die Mitte, die Mittagslinie gegenüber der Mitternacht mit der erwähnten Linie zwischen Sibirien und Nordamerika.

Aber viel mehr noch. Wir rechnen in stillschweigendem Einverständnis schon auf der ganzen Welt so. Jedes Urvolk betrachtet sich doch zunächst mal natürlicherweise selbst als die Mitte, von wo alles ausginge, wie die alten Chinesen beispielsweise, als das ›Land der Mitte‹. West ist westlich von ihnen, der ›Osten‹ östlich, und so weiter. Warum haben das alle Völker weitgehend aufgegeben? Bitte, im Norden Europas liegt Skandinavien mit dem Land ›Nord-wegen‹ und der gemeinsamen skandinavischen Hymne:

›Du gamla du fria du fjellhögra Nord.

›Wir,‹ sagen sie, ›sind der Norden,‹ nicht die Mitte. Südeuropa sieht sich selbst frühestens nach den alten Römern ebenso nicht mehr als Mitte. Aber nun betrachtet den fernen Osten. Nicht nur wir Europäer haben größeres Weltdenken angenommen. Seit wir schon von alters her von ›Morgenland‹ reden, haben wir schon die hier beschriebene Einteilung gemacht. Aber wir Deutsche gehören nicht zum »Abendland«! Wir sind, wenn überhaupt wieder ›Jemand‹, eine Nation, das Mittagsland!

Morgenland ist, von wo morgens die Sonne scheint. Damit haben wir schon die Mitternachts- oder Datumslinie als im Rücken von uns Europäern festgelegt. Aber nun hat Japan selbst als Nationalflagge – was? Die aufgehende Sonne! Die in unserem ›Osten‹ aufgeht. Aber sie scheint doch ganz unparteiisch auch dort von Süden und Westen. Und auch Korea träumt von einer nationalen Erweckung ausgehend von einem ›starken Osten‹. Damit haben sie höchst bemerkenswert, ihr eigenes Denken schon auf (unsere) Mitte verschoben, weit westlich ihres eigenen Landes.

Interessanterweise liegt England, das doch die Welt selber eingeteilt hat und sich gegen die ältere französische Version mit Paris in der Mitte hat durchsetzen können, auch nicht in der Mitte der Welt, sondern London ist, seit es nicht mehr sächsisch »Londonwiek« heißt, durchaus ›western‹ und nennt sich selbst auch so! Damit ist schon ihr unentschiedener Stand in Anlehnung an den großen Bruder gekennzeichnet, der sie aus allen ihren ungerecht angefangenen Kriegen heraushaut, als das ungezogenste Kind im ganzen Block, das nun wegen seines großen, starken, aber etwas imbezilen Bruders zur absoluten Landplage geworden ist.

Über England sind ein paar extra Sätze anzufügen.

Das Problem der Deutschen ankert um diesen ihren westlichen Nachbarn, den sie nie offenbar verstanden haben. Das ist ihr Fluch, bis hin zu den beiden deswegen verlorenen Weltkriegen und bis in unsere Zeit. Wir haben hier nämlich ein absolut einzigartiges Phänomen vor uns. Und dieser Gedanke rechtfertigt einen eigenen Vortrag, ist zu einem großen Teil die Antwort auf die Probleme, die mich erst und eigentlich zu diesem Vortrag veranlasst haben, die unserer jetzigen Kultur. Die Zusammenhänge und Verwicklungen wurden mir aber erst später bewusst.

Da sind also die beiden so ungleichen angelsächsischen ›Brüder‹ auf beiden Seiten des Atlantik. Um sie kreist unser Problem, in dem ich mich mit euch so einig weiß, nämlich Revolution und Entfernung von Gott als die Ursache unseres Weltdilemmas. Wieso haben sie bei gleicher Sprache und ursprünglicher Kultur die entgegengesetzten Extreme der politischen Systeme, Monarchie und Demokratie eingenommen? Und vertragen sich dazu so glänzend und halten immer zusammen! Wohl ist England jetzt nach außen und zum Schein demokratisiert, aber innerlich, in seinem Wesen, gar nicht. Churchill selber soll gesagt haben, die Demokratie sei die schlechteste aller Regierungsformen. Und Amerika drängt sie keineswegs zur Demokratie, sondern bewundert insgeheim ihre Märchenmonarchie.

Warum hat die Demokratie der Deutschen mit der Weimarer nicht geklappt, aber nun, äußerlich wenigstens, in ihrer Bundesrepublik so gut, wenn zumindest an der Zeit des Bestehens gemessen? In ihrem Kaiserreich waren sie den Briten am ähnlichsten geworden. Hätten sie nicht den ersten Weltkrieg verloren, wären sie keine Demokratie geworden. Und hätten sie nicht Hitler gehabt und damit auch den zweiten verloren, hätten sie nie soweit Demokraten werden müssen und hätten zum Beispiel ihre vormaligen Stände und Klassen ebenso behalten! Und doch war beides von hohem Wert.

Ebenso? Wie England nämlich, das beides nicht durchmachte, weil es das nicht brauchte und also etwa auf der Stufe der Deutschen des Kaiserreiches stehengeblieben ist. Darum haben ja die Engländer mit guter Aufmerksamkeit und richtigem Ausdeuten der Zeichen von ihrem brutalen Standpunkt aus, auf diese Kriege gegen Deutschland gedrungen, sie eingefädelt von langer Hand und angefangen, solange noch Zeit war.

Wie nun? England, will ich mit all dem sagen, ist durch und durch ein Feudalreich geblieben und immer in den dreihundert Jahren seines Erfolges eines gewesen! Daran können wir die Überlegenheit des alten Systems gegen die Demokratie bis ins Detail studieren. Die ersten aufsässigen Gedanken kamen nicht von der französischen Revolution, sondern andersherum aus England, John Locke! Die Deutschen hätten in so einem Fall gleich den Teufel übertrieben gründlich ausgetrieben. Aber Albion schwieg fein stille! Lass sich doch das einfache Volk daran ergötzen und in die Irre gehen! Haben sie nicht auf die amerikanische Revolution ebenso reagiert – da wohl letztendlich reagieren müssen? Wohlgemerkt, Amerika gab sich erst elf Jahre nach dem für England verlorenen Unabhängigkeitskrieg die Demokratie! Das ist etwa analog der freien Passage, die die Deutschen 1917 Lenin nach St.Petersburg gewährten. Sollen sich doch unsere Feinde mit diesem Unsinn herumärgern! Umso besser für uns, sie dann zu beherrschen.

Hitler, der ungebildete Mann aus kleinem Herkommen, beweist meine Idee am deutlichsten. Warum hassten sie ihn denn so, mehr als den Kommunismus? So dass sich der kleine Mann verrechnete, und sein Land den teuren Schaden bezahlen musste? Denn was hatte England zu gewinnen, als es den Krieg damit nicht auf sich beruhen ließ, sondern wieder zu einem Weltkrieg ausweitete? Aber was doch auch andererseits zu verlieren? Das ist nur mit quasi steifer Oberlippe und erhobener Nase zu verstehen!

Im feinen Vorderhaus in Berlin wohnte einmal ein auf seinen hohen Stand bedachter Architekt. Im Gartenhaus, nach hinten hinaus, das heißt in Berlin, zum kleinen Hof des Mietshauses, hatte ein Maurer als sein Nachbar seine sehr viel bescheidenere Wohnung. Sie kamen zu widersprüchlichen Ideen über die Neuziehung ihrer beider Grenzwand. Sagt der Maurer:

›Wir wer’n uns doch nich streiten, wo wa doch beede Fachmänner sind, wa?‹

Das war versöhnlich gemeint und hieß nicht, dass der Maurer den Stand des anderen nicht geachtet hätte, verfehlte aber bei dem hochnäsigen Architekten natürlich vollständig seinen Zweck. Ha, wie wagt es dieser Prolet, sich mit mir zu vergleichen…?!

Das genau, so ein dreister Prolet, der aber England heimlich liebte, war Hitler für die Engländer!

Der Vater eines mir befreundeten Engländers hatte folgendes zu bemerken über de Gaulles Behauptung, England sei damals ›noch nicht reif‹ für den Beitritt zum vereinten Europa gewesen:

›Ich bitte Sie, wer ist denn reifer als England?‹ Ich wollte schon über diesen Witz loslachen, aber er war völlig überzeugt und meinte es ernst! Ich unterließ es auch, ihm prompt eine Liste von Nationen, angefangen mit der Schweiz, als Antwort vorzuschnarren.

Aber nun verstehen wir diese Bemerkung de Gaulles, England sei nicht reif genug für das vereinte Europa und deren helle Aufregung darüber, denn diese Bemerkung kam mal zu allem Ärger nicht von den ›Hunnen‹, die hätten das damals nie gewagt. Wir verstehen auch diesen Ausdruck aus ihrem Denken, verstehen ihre Sicht, alles auf der Welt zu ihrem Nutzen in ›Balance‹ zu halten und dann natürlich ihre Neigung, zu ihren Zwecken überall als Weltrichter einzugreifen, auch mit Waffen. Das sei eben mit Deutschland ›überhaupt nicht zu vergleichen‹, weil Britannien eine gerechte und alle überragende Nation sei!

Eine wirkliche Balance Europas und damit der Welt, könnte doch nur eine wesentliche Schwächung einer solchen Stellung und zum erstenmal echte Bescheidenheit Englands sein. Aber gerade daran fehlt’s, meinte de Gaulle.

 

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Was wird wohl kommen, wenn sich da nichts Grundlegendes ändert? Wenn nicht die laschere Wurstigkeitswelle noch mehr Boden gewinnt – darin hat sie durchaus einen großen Vorteil. Faulheit ist manchmal doch eine Tugend! – so sage ich voraus, dass der Golfkrieg jetzt nur der Anfang einer Serie brutaler ›Friedenskriege‹ sein wird, wo England selbst auch mit angreift, obwohl sie keinen anderen Nutzen haben, als eben der Weltrichter zu sein und sich bei USA einzuschmeicheln, aber es verstehen, ihre verbündeten Nachbarn auch außer USA auf ihrer Seite hineinzuverwickeln, wie man’s damals der Sowjetunion vorgeworfen hat, die aber nicht halb so aggressiv war. USA ist natürlich naiv und glücklich, Selbstbestimmung der Völker oder nicht, Demokratie hin und Monarchie her, Angriffskriege, wenn nicht selbst angegriffen und Vereinte Nationen oder nicht, alles ganz einerlei! Alles wegen des Glorienscheins, den England verstanden hat, sich in den Augen Usas zu erhalten. Sie werden auch die meisten dieser Aggressionen gewinnen. Der Kommunist Berthold Brecht spottete damals sogar gegen die Sowjetunion, das durfte nur er sich wegen seines Formats als Künstler und kommunistischer Intellektueller leisten: ›Wir sind nur für den Frieden!! Kämpfen für den Frieden mit Friedenswaffen, Friedensbomben und Friedenskanonen, und häufen Friedensleichen an!‹

Nehmt nur den Krieg um die Malvinas Inseln, den ein ukrainischer Freund von mir so trefflich den ›Operettenkrieg‹ nannte, wo – ›verdächtig! – Moskau mal auf der richtigen Seite war.‹ Das hieß in seinen Worten, ›gegen das angelsächsische Lumpenpack!‹

Solche Bemerkungen konnte er in der Sowjetunion nur im privatem Raum zu mir als einem Freund wagen. Dieser Operettenkrieg war ein Beispiel, wenn auch einmal nicht von ihnen angefangen. Eine Inselgruppe auf fast genau der anderen Seite der Weltkugel, wo England doch gar nichts zu suchen hat, ursprünglich von ihnen selber durch Piraterie angeeignet! Wieder drehen sie’s so, dass jeder denkt, sie sind als die armen Verteidiger im Recht. Eigentlich war Ronald Reagan in einem Dilemma, denn die Amerikas haben einen Bündnispakt untereinander. Das half aber alles nichts. England hat für Usa einen unwiderstehlichen Charme, wo alles Recht zerschmilzt wie Butter an der Sonne, wie in den beiden Weltkriegen!

In der Sowjetunion wurde ›Kolonialismus‹ wo doch alle gleich sind, zu Recht als Untugend gebrandmarkt. Es wird und soll die Zeit kommen, wo die Einmischung mit Gewalt in die Affären anderer Nationen mit der eigenen Gerechtigkeit als einzigem Maßstab für solchen Angriff, das elende Weltpolizist-Spielen, von allen führenden Nationen der Welt ebenso oder mehr angeprangert werden wird! Dann wird England aber der letzte sein, und wie beim Kalender oder dem Maßsystem, nur gezwungen so. Denn wenn all diese Führenden Nationen, selbst ungerechter Weise, einig in etwas sind, so ist dagegen schwer aufzumucken, eine Tatsache, die wieder England viel früher erkannt hat als etwa der darin dumme Hitler. Man stelle sich dazu etwa einen einzelnen Schüler vor, der eine andere, aber richtige Meinung vertritt als der Lehrer und die ganze aufgehetzte Klasse!

In diese meine Erörterungen würde ein richtiger Englishman, man meint es fast zu hören, einwerfen: Mein lieber Freund, England ist etwas ganz anderes. Man kann es doch mit Deutschland überhaupt nicht vergleichen!

Wie praktisch ist da doch, dass sie nie eine Demokratie wurden! Da gibt’s erst gar kein Kopfzerbrechen über die lästige Egalité! Offenbar kann man auch die geplante und weithin erfolgreiche Ausrottung der amerikanischen Indianer »überhaupt nicht vergleichen« mit Hitlers Campagne zur Ausrottung anderer rassischer Minderheiten.

Gegen Napoleon war damals fast das ganze Resteuropa vereinigt, auch Russland. Nur so waren ihre letztendlich doch erfolgreichen Befreiungskriege zu begründen. Den Deutschen fiel nach dem Wiener Kongress wegen ihrer geographischen Lage die Aufgabe zu, die ›Wacht am Rhein‹, nämlich das als Kriegsverbrecher und Störenfried allgemein gebrandmarkte Frankreich in Schranken zu halten. Und hier nun was sie die ›Perfidie‹ Englands nannten: Ebenso erfolgreich wie vorher der allentscheidende Sieg gegen Frankreich, könnte man doch, ebenso, wieder als Weltbund der starken Kriegsnationen zusammen, Deutschland zunichte machen! Es tut sich 1913 in Geheimverhandlungen mit dem von Revanchegelüsten kochenden Frankreich zum Weltkrieg gegen Deutschland zusammen! Perfide aber psychologisch völlig erfolgreich: Erst geheim, Nation um Nation in ihre Denkweise ziehen, bis die Deutschen allein als Gegner übrigbleiben.

Einziger Anlass: Deutschlands Aufrüstung und dass es wagte, mit dem damals so wichtigen Stahl England zu überrunden und gar eine Flotte zu bauen! Dadurch fühlte sich Albion ›bedroht‹ wegen seiner ureigensten Denkweise:

Kriege sind zu fechten – und zu gewinnen! – lange bevor geschossen wird!

Die ›Unverletzbarkeit‹ Belgiens erwähne ich erst gar nicht, das war wieder eine so scheinheilige Lüge! Denn hätte Reichsdeutschland nicht, so hätten sie selber Belgiens Neutralität verletzt! Und Deutschland hat gar nichts verletzt, es bat höflich, mit seinen Truppen nur hindurchziehen zu dürfen. Belgien wagte es wegen der nun stark gewordenen strengen Westaliierten nicht zu erlauben. Das erinnert doch irgendwie an das Buch Josua?

England hat ganz richtig geschlossen: Eine Koalition gut bewaffneter und »führender« Mächte hat auf Erden immer recht, auch wenn sie noch so »perfide« sind!

Die Perfidie ist nun nicht etwa, dass alle anderen aus Angst einfach schweigen müssen, sondern, dass sie wirklich anfangen, die eigentliche Rechthaberei der Koalition zu glauben! Dafür ist nun Nachkriegsdeutschland und unser Boris hier, das traurigste Beispiel. Und es ist Gottes fortdauernde Gnade allein, die die Koalition der westlichen Gegner Deutschlands, als sie selbst ganz hilflos waren, mit einer gegnerischen Weltkoalition so lange ausbalancierte! Babylon und Persien!

Eigentlich war Deutschland moralisch erst noch Englands Verbündeter! Was erwarten sie nun andersherum heute von Deutschland als ihrem Natoverbündeten? Sie werden es noch dahin bringen, dass Deutschland seine constitutionell verankerte Politik der Nur-Verteidigung aufgibt und nach angelsächsischer Angriffskriegspfeife tanzt!«

Und während ich, Öhrlein, das niederschreibe, ist es in Jugoslawien schon Wahrheit geworden!

»Sie verkündeten damals ganz öffentlich, England fühle sich gefordert, dass Deutschland es gewagt habe, eine Flotte, gleich stark der ihren, aufzubauen! Und ihre Flotte? Bedrohte die vielleicht jemanden? Aber nein, sie drohte nicht lange, sie schlug zu! Man überlege einmal. Es darf sich doch jede freie Nation bauen, was sie will! Also hier schon das Nürnberger-Strafgericht-Denken! Oder das gegen die mittelöstlichen Ölstaaten viel später. Dass sie nämlich in Kriegen oder im Frieden angeblich nach einem höheren, allverbindlichen Recht, in Wahrheit aber nach ihren eigenen höchst ungerechten Lüsten handelten! Dabei bewunderten die Deutschen insgeheim England sehr, ein Zug, der uns später so schadete. Noch Hitler wollte das Bündnis mit ihnen, als dem feinsten, was er denken konnte, einem germanischen Brudervolk, nicht Krieg oder Feindschaft, freilich ein Bündnis mit Recht und Macht auch noch für Deutschland, nicht als ihre Diener.

Man stelle sich das nun einmal mit umgekehrten Vorzeichen vor! Deutschland habe die starke Flotte und fühle sich allein wegen englischen Flottenbaus gefordert, zusammen mit einem Dritten, England in den Rücken zu fallen und einen Krieg anzufangen! Dann würde es doch in unserer Welt der letzten fünfzig Jahre heißen – und dann mit Recht – Deutschland sei militaristisch und kriegsverbrecherisch. Oder, ebenso zu Recht: Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Ein Atomtod ist am Ende genauso erfolgreich wie der von biologischen Waffen, oder wie ein Schwerthieb! Nur Usa – und England – ziehen die Säbel viel eher und viel häufiger!

Oder nehmt den imbezilen aber großen und muskulösen Bruder überm Atlantik selber. Wäre es mit rechten Dingen damals zugegangen – und ich finde meine folgende Version glaubhafter als was dann wirklich geschah! – so hätte Amerika, das doch auch so gern den Weltrichter spielt, folgendermaßen reagiert. Woodrow Wilson, statt danach endlich dem eigenen demokratischen Volk einen erwiesenermaßen ungewollten Krieg auf der falschen Seite aufzuzwingen, schreibt also einen Brief.

(Und ich rede nicht über die Zeit des Ausbruchs, wo sich für England scheinbar eine so schöne Nische zum Einstieg bot, sondern davor von seiner systematischen Planung zu solchem Krieg gegen Deutschland.

›An das Vereinigte Königreich Großbritannien:

Es ist uns zu Ohren gekommen, dass das »Vereinigte Königreich« einen heimtückischen, durch nichts gerechtfertigten Krieg gegen das »Deutsche Reich« plane und sich der Mithilfe Frankreichs und Russlands dazu versichert habe. Das würde jahrzehntelange ungeahnt negative Folgen für unsere ganze zivilisierte westliche Kultur haben, ganz gleich, wie dieser Krieg ausginge. Die »Vereinigten Staaten« als friedliebende Nation können da unmöglich untätig zusehen. Im Falle eines Krieges gegen Deutschland hat sich England daher auch als im Kriegszustand mit den Vereinigten Staaten zu betrachten!‹

Was hat sie daran gehindert? Warum haben auch sie vielmehr schon lange ihre Neutralität gebrochen und mit der falschen Seite paktiert, etwa mit der Luftstaffel ›Lafayette‹ oder dem mit amerikanischem Kriegsmaterial und Soldaten vollgestopften britischen Schiff ›Lusitania‹? Nur aus reiner britischer Überredungskunst! Denn England übernahm ›aus Gründen der Einfachheit wegen der gleichen Sprache‹ die ganze Nachrichtenversorgung in USA über Europa. Dazu betrachte man, um das Ergebnis plausibel zu finden, Englands Handelsmannschläue und die altbekannte grenzenlose Naivität der Vereinigten Staaten! Da wurde zum Beispiel selbst auch in Amerika Kaiser Wilhelm als der ›Antichrist‹ apostrophiert. Damals mindestens konnten sie – und gerade sie! – doch nicht die Deutschen als kriegsverbrecherisch abstempeln – vor Hitler? Und Wilhelm II war weithin zu unbegabt für einen Antichristen. Und ihre Handlungsweise und Propaganda ohne jeden Anlass widerspricht doch allen Regeln der damals noch hochgehaltenen internationalen Höflichkeit. Was kann man noch sagen? Der Hass gegen Deutschland vor dem ersten Weltkrieg war eben Mode geworden.

Was wäre passiert? England hätte keinen Krieg gewagt, soviel ist sicher! Nämlich wenn doch, ihn sicher verloren. Unsere Welt sähe noch viel anders aus, als sich unsere kühnsten oder wildesten Träume heute erdreisten. Dem deutschen Reich wäre die boshafte ungeheure Erniedrigung, Milliardensachschäden, Zerschlagung des ganzen Reiches, Millionen unschuldiger Todesopfer und zweimalige tiefe Schmach und der Länderklau erspart geblieben, aus dem allem seinerseits soviel Unglück keimte. Einen Hitler, möglich nur durch die aliierte Herausforderung, hätte es nie gegeben, es wäre ja keine Notwendigkeit dafür vorhanden gewesen, abgesehen von der Unmöglichkeit, einen so ungebildeten Unterling damals an die ja noch monarchisch eingestellte Staatsmacht zu lassen. Denn die Regentenfindung, dieser wichtige Prozess, dem wir bisher viel zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet haben, wäre der alte, oder dem alten ähnlicher geblieben. Aber so eine Aufwärtsbewegung zur Weltmacht, die hätten die Deutschen von damals vielleicht auch nicht ausgehalten, ohne wohl heute noch schlimmer als ihr Feind geworden zu sein! Und nicht zuletzt denken wir an Gott bei dieser Frage! Nein, doch. Er liebt diese deutsche Nation und lässt sie in scheinbarem Wohlstand nicht so verkommen – wie den Westen!

Warum, oh warum können wir nicht friedlich und gleichberechtigt als christliche Brüder vor der Welt nebeneinander leben? Über diesen letzten Satz muss ich fast selbst lachen, so unmöglich klingt er uns nach allem nun in den letzten achtzig Jahren erschaffenen Chaos, das noch wie eine Giftwolke über dem verstümmelten Deutschland steht!

Der Prophet Obadja schreibt in seinem Vers zehn, dass Gott den Edomitern, das sind die Nachkommen Esaus, des Zwillingsbruders von Stammvater Jakob/Israel, Ausrottung androht, weil sie sich an ihrem Brudervolk Israel vergangen hatten. In Vers 11 –

(über diese »magische« Elf der Engländer ist gleich noch mehr zu sagen.)

beschuldigt er sie, mit dem Feind ihres Brudervolks gemeinsame Sache gemacht zu haben.

Oh, betet für diese Brudervölker der Deutschen, die ihnen soviel Böses angetan haben und sich mit einer Vielzahl von Völkern, nicht nur deren ausgesprochenen ursprünglichen Feinden, gegen sie zusammengetan haben! Betet für alle, die auf die Sachsen zurückgehen und sich sogar noch so nennen! Habt ihr begriffen: Ausrottung droht ihnen, wie an den Edomitern längst vollzogen, nach Gottes Spruch! Und Gott bleibt der Gleiche!

Deutschland steht da an ebenderselben Stelle wie Israels damals, das daheimgebliebene Brudervolk. Darf ich auch weiter folgern, die Kinder des Mannes der Verheißung, ganz ohne eigenes Dazutun! Ebenso, im Buch Exodus sagt Gott – ihr kennt ja schon meine Vorliebe für leicht zu merkende Versnummern – also in Exodus 22, Vers 22 (!) :

»Wenn ihr dennoch [die Schutzlosigkeit wehrloser Witwen und Waisen] ausnutzt, und sie schreien zu Mir um Hilfe, werde Ich, der Herr, bestimmt darauf hören. Ich werde in furchtbaren Zorn geraten und euch durch das Schwert eurer Feinde töten.«

Habt ihr bemerkt, da ist gar keine weitere Bedingung daran? Die, denen Unrecht geschah, schreien zu Gott, da hört Er schon und handelt. Eben um dieses Handeln ist mir bange, wenn Er selber gleich ausmalt, dass Ausrottung durch Krieg darauf steht.

Ja nun! Der Herrgott hat die Deutschen durch dieses Unrecht auf die Probe gestellt, und wir, eben weil schon lange von Ihm abgefallen, haben jämmerlich versagt! Wie Israel vor Nebukadnezar. Aber gut so! Was geschehen ist, kann nicht geändert werden. Und wir fangen an zu begreifen: In dem allen liegt doch ein Segen Gottes für Deutschland!« Ich glaube sehr an die Macht des Gebets, besonders wenn gleich eine Strafe an den Unrechttuern beigegeben.

Nun sollt ihr eines tun.

Ad 1 euch wirklich innerlich ganz davon überzeugen, dass da in zwei noch nie so hart dagewesenen Kriegen schweres Unrecht an Deutschland geschehen ist. Und Gott liest eure Gedanken. Gib’s auf, wenn du dir nicht vollkommen sicher bist, dann kannst du erleichtert sein, Gott hat dich dieser erschütternden Aufgabe enthoben.

Aber, ad 2: Betet! Und betet mit vollkommener Gewissheit, daher erst das Klarwerden.

Worum beten? Jedenfalls nicht um Rache! Die steht uns nicht zu, auch wenn du dich dahinter verstecken wolltest, dass du es ja nur Gott unterbreitest und Sein sei die Rache! Es geht um dein »Herz!« Und es geht um Deutschlands Wiederherstellung seiner Rechte und Stellung in aller Wissenschaft und Künsten und aller Ehren, denn wir waren nun ja fünfzig Jahre die Paria der Welt! Und Rückgabe – in Frieden! – aller Territorien, die nun eindeutig deutsches Land sind: Metz, Thule und Verden, Elsass und Lothringen, Südtirol und Nordschleswig, wenn nicht ebenso Be-Ne-Lux. Und im Osten wenigstens Ostpreußen – und mit fester Landverbindung zum Rest des Reiches – das ja auch am Anfang aufgezeichneter europäischer Geschichte nie polnisch war, sondern von Prußen bewohnt, »einem Stamm zwischen Germanen und Slawen«, die der Deutsche Ritterorden vertrieben hat.

Um also auf England und deren »magische« Zahl Elf wie versprochen zurückzukommen, also England, sag’ ich, ist trotz Greenwich Weltzeit, durchaus nicht die Mitte der Welt! Und nun schaut mal hier auf den Globus. Gut, eine Weltzeit ist praktisch, aber damit erwacht die schon erwähnte Frage, wo denn dann unser Nabel sein soll, wo es mittags genau 12 Uhr sei, wenn auf der Rückseite der Welt Mitternacht?

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Jerusalem? Das hätte wohl zuerst Anspruch, die Mitte der Welt zu sein, aber nur geistlich so. Physikalisch-geographisch spricht nichts dafür. Dabei sagt Gott einmal selber über das nach der babylonischen Gefangenschaft neu besiedelte Israel:

›Es wohnt in dem Land, das den Nabel der Erde bildet.‹

Kann man folgern, dass Gott dann im gleichen Zuge, wie Er Seine alten Juden bestrafte, als Er auch den zweiten Tempel niedermachen ließ und Sein Volk in alle Länder verstreute und ihnen die politische Weltbedeutung nahm, sie nun den Christen, speziell denen der Reformation, gab? Auch dafür gibt es einige biblische Belege.

Nun gibt es nur eine Linie, die auf der ›Weltrückseite‹ von Nordpol zu Südpol läuft und keinen Kontinent schneidet, ich habe sie vorhin schon ewähnt. Wir kennen sie schon, und sie ist in der Tat so naheliegend, dass selbst unsere Herren und Meister sie zur Weltrückseite gemacht haben. Sie und nur sie läuft nämlich gerade zwischen zwei eng zusammenliegenden Großkontinenten hindurch, die sich ganz rechtmäßig ›Westen‹ und ›Osten‹ nennen, wobei natürlich Ost, Asien, westlich von dem anderen, Westen schlechthin, also Amerika, liegt. Wenn dem aber naturgegeben so ist, wo liegt dann nun unsere Vorderseite, die Tages-, 12-Uhr-Seite? Nun, Greenwich in London, natürlich? – Irrtum! Hier haben die ›Meister‹ wieder geschummelt. Die Mittags-Weltzeitlinie, ›Greenwich Mean Time‹ liegt nicht auf dem natürlichen Längengrad 0, sondern rund elf Grad westlicher Länge verschoben! - Hier, seht es euch genau an!«

- Und sie ziehen sich eine außer der Erdrundung immer gerade Linie mit Hilfe einer Schnur von London über den Nordpol hinaus. Sie landet in Sibirien, 11 Grad weit zu westlich!

»Womit England also zwanglos seine Zugehörigkeit und rechten Platz als western angewiesen bekommt. England hat kaum sachlich und brüderlich gedacht, sondern immer ich-bezogen. Das liegt an der gerade beschriebenen Herrenmenschen-Einstellung und etwa ihrer Schreibweise des Wortes ›ich‹. Das große London musste die Mitte der Welt sein, komme was wolle, auch wenn es 11 Grad zu westlich liegt! Usa hat sich erst elf Jahre nach dem gewonnenen Unabhängigkeitskrieg seine ›Revolution‹ importiert vom schon gärenden Frankreich. Damit hat es seine Chance von etwas Eigenem, Neuem, Epochemachendem und vor allem: besser Durchdachtem verspielt – ebenso, etwa die Welt noch vor dem französischen Bazillus zu retten oder zu bewahren. Der ganze englische ›Westen‹ liegt auch geschichtlich hier um elf Einheiten zu spät!

Papst Gregor XIII hat 1582 einen neuen, den dann nach ihm benannten Gregorianischen Kalender eingeführt. Denn der Julianische davor kannte nur einen Schalttag alle vier Jahre. Damit nahm er die Länge des Erdenjahres ungenau mit 365,25 Tagen an. Genauer ist sie aber 365,242199 Tage. Das heißt, dem Julianischen Kalender fehlten wegen der zu wenigen Schalttage – und nun kommt’s – elf Minuten und vierzehn Sekunden pro Jahr! Während sich alle Nationen überzeugen ließen und sich also 1582 bekehrten, blieb nur England ihm treu bis 1752. Nun ja, wie konnte Bockbein Henry VIII etwas vom Papst annehmen? Bis dahin hatten sich gerade wieder fast genau elf Tage angesammelt, die England, vom 4. Oktober auf den 15. Oktober 1752 springend, nun ausfallen ließ.

Elf ist die Zahl der Unvollkommenheit, sie war den Aposteln so zuwider, dass sie schleunig wieder einen zwölften dazuwählten. Und Obadja, Vers elf, erwähnte ich schon.

Diese geographische Westverschiebung muss nun ebenso eine zukünftige Weltkultur – und um eine solche kommen wir wohl für die Zukunft, auch für andere Geistesgebiete geltend, nicht herum – korrigieren, wie damals den Kalender. Man sollte die ganze Welt und besonders im Geistigen wieder ent-westen!

Zieht alle die englische Weste wieder aus! Sie passt uns nicht mehr.

(auch gleich mit Albions albernem und nichtsnützigem Schlips und dem »Revers«, das einfach die Jacke zu weit aufknöpft und umschlägt.)

Ich frage mich, was den ›Westen‹ so verdorben und unleidlich gemacht hat. Ganz Westeuropa war von den Kelten besiedelt. Aber nein, sie sind nicht anzuschuldigen, denn gerade sie waren ja die ersten Opfer des Westens, so dass bis heute nur schmale vermischte Reste in Irland, Wales, Frankreich und Deutschlands Südwesten übrigblieben. War es dann in dem Wettbewerb ums Überleben, genauer, um die Vorherrschaft, dass sich die römischen Kolonien solch hegemoniale Angebertricks anzüchteten? Ist Rom selbst anzuschuldigen?

Wir wollen uns also nie bevorzugend auf eine, die ›eigene‹, Nation beziehen! Sonst werden wir »patriotisch«, so schlimm wie manche Weltleiter heute. Wenn wir zum Beispiel einer gewissen (anderen) darin wegen britischer Tradition zurückgebliebenen Nation ihr veraltetes und egoistisches Maßsystem vorhalten, dann wollen wir dafür nicht die preußische Landmeile oder den russischen Arschin wieder einsetzen, sondern was Besseres, Internationales, viel Praktischeres, schon Bewährtes, was kein zivilisierter Mensch erst neu lernen müsste, nämlich Meter, Kilometer, Liter, Celsiusgrade, Kilogramm! Gerade das ist, was England nicht oder so schwer kann: sich selbst wegen eines gerechteren internationalen Prinzips zurücksetzen, obgleich sie nun in diesem Beispiel gerade mal nicht die allerletzten zur Bekehrung sind. Esperanto als Weltsprache in diesem Zusammenhang steht auch auf diesem Blatt. (Und die Ich-auch-Kunstsprachen, besonders Frankreichs, erwähne ich erst gar nicht. – Polen selber soll Esperanto abgelehnt haben, weil ihr eigener polnischer Schöpfer dieser Sprache, Zamenhof, ein Jude war!) Aber wir andere, wenn wir das sehen, haben nun die Verpflichtung, nicht unsererseits so chauvinistisch zu werden.

Bleibt die Frage, wo denn dann die natürliche, die gottgegebene Mittagslinie entlangläuft, wenn wir die von unserer Mitternachtslinie kommend zwischen beiden Kontinenten nun andersherum über den Nordpol schnurgerade weiterziehen und nicht irgendeine Nation bevorzugen wollen?«

Und Mischa zieht die Schnur von der Landenge zwischen Asien und Alaska genau über den Nordpol hinaus, nach Europa hinein.

»Es ergibt sich also, wie ihr seht, dass sie durch das ›Land der Mitte‹, Deutschland, geht. Sie ist sogar, und das finde ich nun ganz erstaunlich und bedeutungsschwer, für eine Strecke mit der alten, nun ehemaligen »Zonengrenze« identisch, also unbewusst wurde die Weltteilung zwischen Ost und West geographisch korrekt!

Freilich geben wir zu, dass sie ebenso durch etwa Oslo, Norwegen, geht, Skagen in Dänemark, an der Nordspitze von Jylland, dann südlich von Helmstedt ziemlich genau entlang der Zonengrenze,«

Mischa demonstriert es wieder an meinem Globus,

»dann etwa durch Fürth bei Nürnberg und westlich von Innsbruck durch Tirol, dann Verona, Norditalien und durchs Mittelmeer, endlich bei El Haouaria in Nordtunesien am Golf von Tunis erreicht sie Afrika, verlässt es aber bald im Südatlantik.

Aber über die nord-südliche ›Mitte‹ Europas und der Welt haben wir schon gesprochen. Und der Kreuzungspunkt meiner Zonengrenzen-Mittagslinie, neuer Längengrad 0, mit dem Breitengrad 0, also dem Äquator als natürlichem Mittelpunkt, trifft kein Land, sondern er liegt vor der Küste Gabons im Südatlantik.

Also, die alte Zonengrenze! Das hat sicher keiner unserer aliierten Herren und Meister in Jalta gewusst oder erwartet, als sie Deutschland und damit die Welt teilten, ebensowenig wie die alten Römer, die sie auch gezwungenermaßen zu ihrer Ostgrenze gemacht haben und damit zuerst die ›western‹ Hemisphäre absteckten – immer fast dieselbe Linie! – denn weiteres Vordringen hatte ihnen Hermann der Cherusker im Teutoburger Wald versalzen.«

Hier erhalte ich, Herrmann Öhrlein, wieder ein paar lächelnde Blicke nur des Namens wegen, nicht wegen irgendwelcher Heldentaten gegen die Römer meinerseits oder allgemein, etwa wegen einer Abgrenzung gegen den Westen.

»Jawohl, hier war der berühmte Limes, der die Welt in zwei teilte, schon damals wusste nur Gott diese Bedeutung der Nord-Süd-Linie, auf die Er also immer wieder zurückkommt. Die neue Weltzeit-Stadt wäre also etwa Helmstedt, vielen von uns noch in Ohr und Gedächtnis, wegen der Zonengrenz-Übergangsstelle von Marienborn in der ›DDR‹ nach Helmstedt, ›Bundesrepublik imWesten‹, fünfhundert Meter und einen Schlagbaum weiter westlich.

Bleibt noch hinzuzufügen, dass die ja schon etablierte Mitternachtslinie, bisher also 180 minus die verschobenen elf Grad an der ›Rückseite‹ der Welt, ›169 Grad westlicher Länge‹, doch ein wenig Land schneidet: die St.Lawrence Insel, die gerade in der Mitte zwischen den beiden Kontinenten, wo sie schon nicht mehr so eng nebeneinander liegen, sich in westöstlicher Richtung erstreckt. Also die haben dann eine Touristenattraktion, wenn man über unsere Mitternachtslinie mit einem Schritt ins andere Datum, etwa nach ›gestern‹ hinüberwechselt, sogar noch besser als die Äquatorlinie in Kenia. Anders oder noch gerechter geht’s doch wohl nicht.

Bevorzuge ich Deutschland in meinem Denken, in meinem Planen? Dazu ist mancherlei zu sagen. Einmal müssen wir und kann der Ausländer in mir endlich aussprechen, dass Deutschland in den vergangenen achtzig Jahren großes Unrecht geschehen ist. Es sollte nach angelsächsischem Denken annulliert, ausgelöscht werden! Ein englischer Beobachtungsflieger über Berlin nach Kriegsende 1945 funkte begeistert heim, da sei nur noch eine Trümmerwüste, die nie wieder aufgebaut werden würde. Erinnert das nicht an Gottes Verdikt über das verderbte Babylon? Nun, Berlin ist nicht Babylon! Vielleicht ist da jemand anders diese Stadt?

Wir erinnern uns: Das starke Babylon, das nachgerade die ganze damalige Welt eingenommen hatte und nun beherrschte, wurde von Gott benutzt, das sündige Israel, das Gott doch so liebte, zu strafen! Danach aber folgte Gottes Strafe auf Babylon durch die Perser, und viel gründlicher! Ihre Hauptstadt und Metropole, Babylon, das Symbol der großen Hure, das ist Sünde der ganzen Welt, würde nie wieder aufgebaut und bewohnt werden, sagt Gott. Und so ist es geblieben, auch wenn die Iraker aus nun ihrer Stadt eine Touristenattraktion machen wollen. Man vermeide vor allen Dingen, besonders als Volk oder Nation, je in Gottes Zorn zu fallen!

Also Kriegsziel über Berlin nach zwei langen sehr teuren Kriegen endlich erreicht! Weder England, noch dann Amerika in dem Kolonialerdteil, nach seiner Rebellion in den gleichen Geleisen fortfahrend, waren in so etwas je kleinlich! Wenn sie können, werden sie mit einem lästigen wenn auch unschuldigen aber schwächeren Feind wie hier den Indianern, lieber ein für allemal und sehr gründlich fertig! Ich behaupte, die kindische Anbetung und Verehrung Englands, der wir selbst noch in dem sonst so hitlerfeindlichen Thomas Mann, ja in Hitler selber, begegnen, weil es weiter entwickelt erschien und in den Napoleonkriegen und davor unter Friedrich dem Großen, als Verbündeter gegen Frankreich, den Deutschen selber ein Bild eines verlässlichen treuen starken Bruders vorgaukelte, ist im Eigentlichen wegen der daraus resultierenden englischen Haltung, die all das Unrecht ermöglichte, anzuschuldigen. Wie wäre allein der Zweite Weltkrieg ausgegangen, wenn Hitler erkannt hätte, dass sein eigentlicher Feind im Westen, nicht in Russland, saß? Hätte er in Erwartung ihrer perfiden Wendung seine Streitkräfte in andere Richtung geschickt, damals war Deutschland noch eine solche Kriegsmacht – dann … Nun, ich wage und brauche wohl auch das nicht weiterzuschreiben.

* * * *

Ich benutze mal Deutschland seiner Stellung und Geschichte nach, als ein Modell für Europa und den Rest der Welt. Wir alle müssen uns entjapanisieren, damit meine ich, aus dem amerikanischen Gängelband, dem Westpol, freikommen! Amerika ist ein ›Evil Empire‹, das einzig noch verbleibende als Großmacht. Wir dürfen und müssen wieder unsere eigenen Wege finden, mit dem ergebenen Nachtrampeln wie Schafe ist keine Zukunft zu machen. Denn mit Amerika haben wir’s nunmehr zu tun. England, noch dazu im selben Boot, ist in seiner Nichtigkeit inzwischen doch schon zu unbedeutend geworden.

Und dann bin ich ein Christ. Unsere Hauptaufgabe auf Erden ist, für das Reich Gottes zu arbeiten. Und wegen der Reformation und dem ursprünglichen Bündnis, das Gott noch im Mittelalter mit uns gemacht hat, berührt das auch besonders Deutschland. ›Die Welt wird euch hassen, weil ihr zu Mir gehört!‹ sagt unser Herr. Warum hassten uns alle so, dass sie sich in zwei Weltkriegen gegen uns verbündeten? Doch wohl kaum, weil wir Christen waren! Sondern leider auch ebenso handfeste Sünder. Aber seht ihr den Segen? Versteht ihr, was die Reformation auf der Ebene einer ganzen Nation bedeutet? Wenn du als Nichtchrist in eine christliche Familie einheiratest, übernimmst du, ob gewollt oder nicht, einen Teil des Segens.

Betrachtet unsere Situation in der Geschichte, sie ist heute einmalig! So wie durch die amerikanische Besatzung – nunmehr schon der Welt! – aber erst in Deutschland, die Wurschtigkeit und Sexwelle möglich wurde, weil unsere Werte inflationiert wurden, so sehen wir nun von einer späteren, gründlicheren Warte unsere Werte noch gründlicher und auf lange Sicht ausgehöhlt. Durch die amerikanische ›Freiheit‹ fällt unser aller Kultur auseinander, haben wir keine Obrigkeit, keine Disziplin mehr. Die Ehen und Familien brechen in einem noch immer zunehmenden Grade auseinander, erst natürlich im ›Mutterland der Freiheit‹, USA selber, dann wegen der weltweiten Nachäfferei Amerikas auch schon überall sonst.

Wie in der Musik müssen wir zum Scheideweg zurück und ansetzen, von wo an es alles aus dem Leim ging. Wegen ›Scheideweg‹ muss ich gleich an Philipp Scheidemann denken, den Sozialisten, der im November 1919 in Berlin vom Reichstagsgebäude die Republik ausrief.

Deutschland und auch Russland sollen streben, wieder in ihren alten Kulturzustand und ihre Ordnungen zurückzufinden, in ihre Stellung in Wissenschaft und Kunst (und etwa vom Reichstagsgebäude aus wieder den ganzen linken Spuk offiziell ›zurückrufen‹!). Von ihrer gemeinsamen ›Heiligen Allianz‹, die der Westen dann wohl aus Bosheit und Futterneid zerbrochen hat, will ich ein andermal reden. Aber die Betonung liegt auf Reich Gottes. Mag ruhig alles Nationale zum Teufel dabei gehen!

Allerdings bin ich gegen das Vereinte Europa! Da ist noch eine kleine Rechnung, eine Richtigstellung der Gefühle und Urteile, kurz, der Konstitution unserer ›westlichen Freunde‹ zu begleichen. Wie wird uns sonst im vereinten Europa England behandeln? Leicht zu beantworten! Schaut doch nur nach Irland. Seit Jahren gegängelt, eine ihnen ja eigentlich fremde Sprache aufgezwungen. Es ist im englisch besetzten Nordirland verboten, die eigene gälische Muttersprache zu lehren! Und das ist wie oft in der Politik Albions sehr erfolgreich. So dass schon kaum einer dort und auch im Restirland, der ›Republik Irland‹ mehr Gälisch spricht – interessant also der Gegensatz zum britischen Nordirland, das daher nun keine Republik ist! Sondern wohl ›Kolonie‹? – also auch in der Republik kaum noch einer Irisch spricht, und doch sind die Menschen da in britischen Augen nur immer Bürger zweiter Wahl. Sie sind dort, das interessiert uns besonders, ganz raffiniert, in der kalvinistischen Religion so aufgehetzt, dass sie einen katholischen Kindergarten der Irischen Republik mit Steinen beworfen haben sollen. Auch Schottland ist über seine Unfreiheit, sich nicht einmal selbst regieren zu dürfen, verbittert. Auch sie hatten einmal eine eigene Sprache.

Aber hütet euch vor jedem noch so harmlos aussehenden Revanchegedanken! Lernt lieber einmal selbst vom ungerechten Hitler! In seinem Fühlen hat er nie den Brudervolkgedanken aufgegeben. Rache besorgt Gott! Wenn Strafe überhaupt nötig. Auch darüber sollen wir im negativen Fall nicht sauer sondern froh sein, denn wir haben bei Gott doch keinen Hass, immer stark bezogen auf Angst, mehr nötig! Frankreich und England stecken ja schon jedes in einer nicht einmal gleichen Sackgasse. Russland hat wie Deutschland viel eher eine echte Chance.

Reden wir kurz über Frankreich! Von jeweils zwei Möglichkeiten hat Frankreich jedesmal die falsche gewählt! Ich beziehe mich wieder auf Dostojewskis ›französischen Gott‹, den sie in seinen Worten einfach von Rom übernommen haben. Und das doch, obgleich es um 1550 so aussah, als sollte Frankreich sich zur Reformation bekehren: Verfeindet mit dem Vatikan wegen dessen ungerechten hohen Geldforderungen, und Paris eine Bestsellerstadt für Luthers Schriften. Aber seht nun selbst. Als Sprache bleibt trotz germanischer und keltischer Wurzeln ein Kauderwelsch aus meistens Römisch. Ihren eigenen großen Reformator lassen sie nicht wirken, er entweicht in die Schweiz. Ihre Christen verfolgen sie mit einiger Wirksamkeit bis heute. ›Kirche‹, eglise, ist bei ihnen nur die Römische. Der Rest, endlich geduldet, soll sich, etwas verächtlich gemeint, Tempel nennen. Als Kultur preisen sie sich selbst narzisstisch bis heute, keine Spur nationaler Reue über Napoleon wie entsprechend bei den Deutschen, etwa mit dem Kult des ›Dome des Invalides‹ in Paris über ihre ›revolutión‹. und über den Urkriegsverbrecher, der Hitler als Vorbild diente! Im übrigen war der wohl gar nicht so auf die Revolution eingeschworen. Nicht nur wegen fehlender Fraternité oder gar Liberté gegen die überfallenen Völker, sage ich das, sondern wegen seines Nachjankerns hinter der Noblesse der alten europäischen Monarchien, die doch gerade so verpönt wurden.

Der deutsche Dichter Theodor Fontane, selber aus einer französischen Hugenotten-Flüchtlingsfamilie stammend, schreibt von seiner Reise 1871 durchs gerade besiegte Frankreich. Durch das inzwischen so lautstarke Gebrüll der Revolutionäre und Demokraten wird man schon ganz irre über die Meinung der vernünftigen Denker und ihrer beträchtlichen Anzahl, die gar nicht so in der Minderheit sind. Ich selber fühle mich ihm nicht nur deshalb verbunden, sondern weil ich wie er der Familie nach aus dem bösen Westen stamme und nun endlich, quasi nach gewonnenem Krieg, wieder im Ursprungsland frei reisen darf. Allerdings fühle ich mich dem Wesen nach so deutsch wie er.«

Micha schlägt ein mitgebrachtes dünnes Buch auf, auf dessen Titelseite schräg und auf dem Kopf seine Zuhörer lesen können : »Aus den Tagen der Okkupation« – und liest also vor:

»›Der Fremde steht hier …‹

( in der Abteikirche von St. Denis, wo die französischen Könige begraben, aber bis heute verachtet und vergessen sind,)

›… und beklagt ein furchtbares Schicksal; das einheimische Volk aber flutet mitleidslos daran vorüber und hat eben jetzt wieder an das Portal der französischen Königskirche seinen alten langweiligen Spruch geschrieben:

égalité, liberté, fraternité.

Einst ein Idol; heute nur noch ein Unsinn, eine Lüge.‹

Soweit Fontane. Ich staune freudig selber über einen Menschen dieser Zeit! Da saugen uns die Franzosen unsere westlichen Provinzen und das Herz ihrer deutschen Bewohner weg. Und richtig: charakterlose Menschen dort derselben kraftlosen Sorte wie meine B)-Deutschen, verfranzösieren, vergessen ihre Sprache und halten die französische und damit nun also ihre Lebensart, für chique und überlegen! So dass man sich schon an zu wundern fängt, ja, hat das deutsche Herz denn gar keinen Wert mehr? Und dagegen nun dieser wackere Mann! Diesen letzten Satz von seinem gemachten Zitat sollten wir uns alle, heute noch mehr als 1871, als er das zu Papier brachte, hinter die Ohren schreiben! Und vergesst nicht: »Idol« bedeutet falscher Gott, was der richtige Gott stets am meisten hasst!

Im April 1945, Deutschland lag schon vernichtet am Boden wie noch niemals, Kapitulation nur ein paar Tage später, da machte Frankreich, das doch so fies diesen Krieg überhaupt angefangen hatte, nun gerechter Weise so schäbig unterlegen und durch die Angelsachsen, seine noch eigentlicheren Feinde gerade erst befreit, in einem Gewaltstreich-Luftangriff die Stadt Freudenstadt im Schwarzwald dem Boden gleich. Welch eine kindische Bosheit! Ist so eine Rache französische Lebensart? Was hatten sie noch zu gewinnen? Den Abscheu noch kommender Geschlechter mehrerer Nationen, wie Fontanes! Westlich des Rheines zerstörten sie verdächtiger Weise nichts, denn nun wollten sie ja von dem gestürzten Großwild ihre fette Keule abhaben, und die, das war ihnen schon klar, würde wieder Elsass-Lothringen heißen. Weh über das einst so edle Frankreich! Was werden wir dann für sie beten, wenn Gott Sein Wort über die reziproke Selbsterhöhung ausführt! Sie sind ja schon gefallen; denn eine Nation siegt nicht mit Waffen, sondern mit ihrem Geist. Das trifft uns Deutsche auch. Aber Gott hat uns beiden den Weg der Rettung in Buße und Umkehr aufgezeigt. Haben sie Buße getan, oder sind sie bei ihrem Ideal, Napoleon, Gewaltherrschaft und Republique, geblieben?

Wie kamen sie eigentlich dazu, im nächsten Monat in Berlin als eine der Siegermächte einzuziehen? Haben sie alles Schamgefühl verloren? Sie machten sich doch lächerlich! Sie waren doch die von gerade diesem Feind Besiegten bis zuletzt, und nur von den Amerikanern herausgehauen. Bezeichnender Weise war es mit ihrer gloire für immer vorbei in dem Moment, als Napoleon geschlagen war. Seitdem hat sich Frankreich weder geistlich noch sittlich oder kulturell erholt.

Und was ist die französische Lebensart? Die Ehe zu dritt mit schon viel länger sanktioniertem freien Sex und Dolce Vita mit Wein und fünf Gängen ohne jede anstrengende Arbeit! Dann ist da noch das bis heute, also etwa schon wieder fünfzig Jahre besetzte Elsass-Lothringen zu nennen. Wenn sie nun ihrerseits aus der westlichen Flut Annäherung mit Deutschland suchen, so bleibt, selbst wenn sie unsere Westgebiete freiwillig wieder hergäben, davon hauptsächlich für uns als Hinderungsgrund ihre revolutionäre Lebensart, von der wir ja auch, abgewandelt, aus dem revolutionären Lande Amerika schon zu viel haben.

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Was die Reformation angeht, kehren sich unsere Erwartungen, die wir von Europas großen Nationen haben, in der vergangenen Zeit alle um. Deutschland, bis da chronisch am Hinterherhinken, führt und ist Schrittmacher! Nun hinkt England der Entwicklung und dem Eigentlichen an der Reformation hinterher und bringt es mit Henry dem VIII. nur zu grausamer Inkonsequenz darin, setzt aber blutig nationale Einheit in der Religion durch. Frankreich, sonst so agil und allem Neuen gleich hold, bleibt stur. Russland mit seiner Tiefe bleibt von der Reformation ausgespart und verharrt in einer in Vielem auch falschen ›Religion‹.

Nein, ein Herz und eine Seele sind wir noch lange nicht in Europa! Auch eine, und mal eine negative, Wirkung der Reformation. Wir haben durch unsere Zerspaltung die einigende Autorität verloren. Ein Herz sind wir auch solange nicht, bis nicht Deutschland wieder in sein Recht und auch ihre Achtung kommt, von seinen Grenzen ganz zu schweigen, bis wir ohne Hass als christliche Nationen liebevoll nebeneinander zu leben lernen. Sonst werden sie uns nur weiter wirtschaftlich nach Strich und Faden ausnützen.

Mit Skandinavien ist gut auszukommen. Ich bewundere die Schweden. Seit der Schlacht bei Fehrbellin 1675 und anschließend, gegen Polen und Brandenburg haben sie ihren Traum eines baltischen Imperiums vorbildlich aufgegeben und sich schon über dreihundert Jahre aus allen Kriegen herausgehalten und fast ganz auf den Renaissanceegoismus der Revolutionsnationen verzichtet, sind auch eine Monarchie geblieben, wenn auch leider sehr sozialdemokratisiert. Sympathisch sind mir auch die Ungarn. Abgesehen, dass sie 1989 noch viel mit ihrer Grenzöffnung für die Deutschen riskiert haben – sie haben eben immer auf die Deutschen gesetzt, auch auf Hitler, weswegen sie Stalin dann mit großen Gebietsverlusten im Osten gestraft hat. Lasst uns dafür eintreten, dass sie ihr betrogenes Land nun, lange nach Stalins Tod und geistiger Entthronung, in Frieden zurückerhalten!

Hier als ›Amerikaner‹ sprach ich mit einem ungarischen Studenten. Ein etwas gottergebener Satz hat mich beeindruckt: ›Ja, nun werden wohl die Deutschen bei uns wieder stark werden.‹ Gar nicht gehässig gemeint. Für hier, einen Amerikaner, eine ganz unbegreiflich bescheidene Äußerung! Er spielt nicht einmal entfernt mit dem Gedanken, dass sein Ungarn endlich werde, was wir hier so ›frei‹ nennen, wieder eine ›Macht‹ überhaupt. Wie haben sie aber in dieser Beziehung schon unendlich lange gelitten! Erst unter den Türken. Die hat Prinz Eugen, Invalide und erfolgreicher Kämpfer in Frankreich, von Österreich vertrieben, dann ebenso durch die Eroberung Ofens 1686, weiter geschwächt. Der türkische Vasall Ungarn wurde vom deutschen Kaiser in Wien einfach ohne viel Aufhebens übernommen. Das war übrigens genau so ein Ende der Stärke Ungarns, das ja bis dahin Mitteleuropa durchaus bedroht hatte, wie jetzt das Machtende Frankreichs.

Unter Wien waren die Ungarn ein Satellit all die Jahrhunderte, wie zuvor unter den Türken. Dann unter Hitler, darauf unter Stalin mit zwei blutigen unterdrückten Revolutionen. An Gebiet haben sie wie Deutschland in beiden Kriegen verloren.

Von der übrigens auch im russischen Empfinden immer vorbildlichen Schweiz will ich erst gar nicht reden. Wie ist ihre viel ältere ›Demokratie‹ doch so ganz anders und nicht so egoistisch und verrannt in Gleichheit! Das Stimmrecht erhielten die Frauen erst in den Fünfzigern unseres Jahrhunderts. Sie begannen ihre Nation damit, jedem Teilnehmer seine Kultur und Sprache zu lassen, auch wenn sie daher heute vier Landessprachen haben. Das ist ein wiederholbares segensreiches Experiment, weg von Chauvinismus und ›Nationalität‹.

Ich sage nur Englisch versus Eskimo, versus viele indianische Sprachen hier in Amerika allein. Ganz zu schweigen von europäischen Sprachen auf dem nordamerikanischen Kontinent, Spanisch, Französisch, Holländisch, Schwedisch, Deutsch! Übrigens ist die Schweiz, soviel ich weiß, auch bisher standfest gegen das Vereinte Europa, also eine ganz anders anmutende – und doch in gleicher Logik – Entscheidung als damals mit ihren vier Sprachen.

Unter den Preußen wollten die Polen damals nachweislich lieber zu Preußen gehören als sich selbst oder Russland. Warum? Bei Friedrich dem Großen durfte ›jeder nach seiner Façon‹ selig werden. In Preußisch-Polen wurde in den von Preußen gegründeten und aufgebauten Schulen polnisch unterrichtet! Bei den Deutschen gab’s bessere Verwaltung, Industrie, Straßenbau, Nahrungsversorgung – das war der Grund! Und dass der Friedrich das Schweizer Sprachenexperiment schon erfolgreich nachgemacht hat, brauche ich nicht zu wiederholen. Wir sehen es in Amerika. Je mehr es dem Einwanderer gefällt, desto eher ›naturalisiert‹ er sich selber in das Gastland hinein. Denkt an die vielen Hugenotten in Berlin, um 1720 ein Fünftel aller Berliner Einwohner, mit eigener französischer Schule, Kirche und Verwaltung. Daraus wurden im Handumdrehen die besten Berliner. Was können die Franzosen für liebe Kerle sein, wenn sie nur den Chauvinismus, ihre französische Weltbeherrschung und natürlich den Katholizismus, also ihre Selbstherrlichkeit, aufgeben! Gilt das nicht auch allgemein, für alle Nationen, und gar im Hinblick auf Gott versus Humanismus?

Was ich also mit dem Seitenblick auf Europa sagen will, ist, dass wir absolut unchauvinistisch, einmal wirklich ganz ohne Rücksicht auf die verschiedenen Nationen, das für alle Beste und Naheliegende entscheiden sollten. Deutschlands Helmstedt die neue Weltzeit-Stadt, aber nur, weil es zufällig geographisch da liegt! Dabei soll übrigens gleich der Unsinn mit der »Sommerzeit« aufhören! Jeder Betrieb kann ja selber bestimmen, wann morgens die Arbeit beginnen soll; dadurch wie bei den Schulferien, verteilt sich die Verkehrslast gleich etwas. Und unsere geographische Zeit einfach Versetzen, ist für mich wie Gottes Wort verfälschen, eine Grundfeste der Wahrheit, die man immer unverändert richtig hält!

Aber nun England! Es gibt keinen Frieden oder auch nur erträgliches Miteinander-Auskommen, bis nicht auch und besonders England eine wesentliche Buße beigetragen hat, ein Umdenken, zu dem sie bisher ja durch nichts gezwungen, auch keinerlei Anstalten gemacht haben. Da sind wir die ›Hunnen‹, eine Zwecklüge wie die über die Schuld der Weltkriege, die nur zu offensichtlich ihr mit Recht schlechtes Gewissen verbergen soll. Aber lasst mich euch sagen:

England hasst uns so aus Angst! Und diese Angst aus Neid. Den Deutschen sei ja alles Erstaunliche und Unmögliche zuzutrauen! Man denke nur an die abscheulichen Beatles. Die hielten sie für Deutsche. Und darum nachher, als das klargestellt war, ihre überströmende Freude an diesen Anarchisten, weil dieser Fall wieder für Albion entschieden war!

Wir wollen nichts als die absolute Wahrheit! Hat Wilhelm II den 1. Weltkrieg wirklich angefangen? Allein gegen sämtliche Großmächte der Welt mit ihren zwei zangenartigen Fronten und ohne ein eigentliches Kriegsziel? Was für eine Motivation hätte er gehabt? Mit Frankreich, das geraubte Land zurückgewonnen, hatten sie doch schon abgerechnet und befanden sich mit der ›Wacht am Rhein‹ in der Verteidigung, nicht im Angriff. Und England? Man bedenke die heilige Verehrung der Deutschen für England! Ist eine Präventiv-Kriegserklärung der Deutschen aus strategischen Gründen (an Frankreich) wohl dasselbe wie ein heimtückisch aus langer Hand eingefädelter Vernichtungskrieg (wie von zwei Staaten des europäischen Westens)? Wie verträgt sich denn dieser Gedanke mit Englands angeblich weiteres Übel verhindernden Kriegsanfängen, besonders auch 1939, ehe die bösen Deutschen das könnten? – und dann die Russen auch noch gegen Deutschland aufgehetzt? In einen Bruderkrieg, »zusammen mit den Feinden« (ihrer Brüder). Und hatte England vielleicht kein Motiv, das des Ehrgeizes, der europäischen und Welthegemonie, wer nun der ›Größte‹ sein sollte, und die Herrennation? In geheimer Furcht, es werde nun mit der Macht so weitergehen in Europa, wie sie es selbst mit Spanien gemacht haben, von Süden über Westen zur Mitte? Gut, ein halbes Jahrhundert haben sie ja diese Entwicklung verzögern können. Der Schotte Niall Ferguson weist in seinem Buch ›The Pity of War‹ den Deutschen nach, dass sie um diese Zeit keine solcher Hegemonialansprüche hegten.

Wir denken nun an keine auch noch so verdiente Rache. Jeder frage sich im Stillen, wie würde er sich verhalten, wie nur fühlen, wenn, was ja vielleicht einmal kommen wird, wir endlich militärische Sieger über ein geschwächtes England sind. Würden wir auch ihrer Versuchung wie der Flieger über Berlin verfallen? Oder wie die Nürnberger ›Richter‹? Und nur wünschen und träumen, ihnen nun – endlich! – die härtesten Bedingungen aufzuzwingen, ebenso in der Absicht, dass sie sich nie davon erholen können, ihre jeweiligen Oberhäupter, die ja keinem Feind gefallen, auch möglichst dann im deutschen Nürnberg als die infamsten Verbrecher hinrichten? Die heutigen Deutschen scheinen aber so gar nicht zu denken, da wirkt noch die britische Verhexung ihrer Sinne zu mucksmäusiger Geistessklaverei, von wegen des verbrecherischen Hitler! Das ist ja wesentlich schlimmer als der (misslungene) Versuch in der Sowjetunion damals, den Hass gegen Deutschland aufrechtzuerhalten. Dabei hatten die Russen wegen des Krieges wenigstens einen Grund dazu!

Ja, in ihrer eigenen Sprache wäre so ein Rachenehmen einigen Engländern die ihnen wohl einzig verständliche Antwort. Aber lasst uns lieber bei dem viel nobleren altdeutschen milden Brauch bleiben, eben so lange, bis sie selber deutsch (ich erinnere: das heißt allgemein, »allen Stämmen gemeinsam«) umlernen und umbegreifen und ihre Schuld von selber bekennen! Sonst gibt es keinen bleibenden Frieden.

So etwas wie Nürnberg hat es wohl seit dem finsteren Mittelalter nicht mehr gegeben! Noch durfte doch jedes souveräne Land seine eigenen Gesetze machen. Die gefallen der Nachbarnation nicht, das brauchen sie auch nicht. Wir Europäer sind ein Konkurrenzunternehmen der Staaten. Uns allen in Europa haben doch die französischen Einrichtungen nach der Revolution nicht gefallen, Gesinnungsterror, wo Tausende hingerichtet wurden, weil sie anders dachten. Nein, mehr noch, weil sie einem Stande angehörten, der ›verboten‹ wurde, hingerichtet wurden, selbst noch als Kinder! So etwas gab es doch später nur noch bei Hitler. Wie haben wir vereinigte Resteuropäer als Sieger auf die französische Revolution reagiert? Nach altem Brauch, in hohem Respekt für ihre auch so falsche und verbrecherische Gesetzgebung und besonders Gesinnung! Voller Behutsamkeit! Mit Talleyrand auf dem Wiener Kongress, dem Verlierer, als dem größten Maul!

Ihnen wurde zu dieser Zeit das geklaute Elsass und Lothringen belassen, um der neuen Regierung nach den alten, den deutschen Grundsätzen, einen besseren Start zu ermöglichen! Sieg heißt nicht, nun mit einer Rach-›Justiz‹ die alten Oberhäupter des ehemaligen Feindes hinrichten! Wie in Nürnberg! Die natürlich sicher auch Verbrecher waren. Nicht, dass wir etwa ihrem Fehler verfallen und unsere Schuld nicht zugäben!

Nein, wir wollen, wir müssen das besser machen!«

 

==========6==========

 

»Es fällt schon in der Welt langsam auf, wie Deutschland immer Pech, und England in allem Glück zu haben scheint. Manche leiten daraus ein besonderes Gnadenverhältnis von Gott auf England her. Man behauptet, dass England der verlorene israelische Stamm Gad sei. Welch ein Unsinn! Wenn sie Israel wären, würde Gott sie ja strafen und züchtigen zum eigenen Segen wie den Rest dieser Nation! Man könnte viel eher andersherum ableiten, dass Deutschland der Augapfel Gottes sei, denn wir wissen, und es hat sich immer bewahrheitet: Wen Gott liebt, den züchtigt Er! Wie nun schon lange Sein Israel! Nein, England wäre, diesem Denken gemäß, vielleicht sehr der Welt und ihrem Fürsten, dem Teufel, verhaftet!

Hätte Gott nicht die Deutschen leichtlich ganz vernichten können, wie es dem englischen Wunschtraum entsprach, in beiden Kriegen, besonders dem zweiten? Und kein Hahn hätte damals danach gekräht. Nein, England ist eher das mächtige Babylon, so glücklich und siegreich, bis eben Gottes Strafe auch sie trifft, wenn ihre Zeit abgelaufen ist! Dann gnade ihnen Gott! Dann lasst uns für sie beten!

Und wenn ihre Kraft aus einem besonderen Gnadenverhältnis Gottes herstammte, dann dürften und brauchten sie doch nicht so selbstisch bis heute zu sein! (Wem viel vergeben, der liebt auch mehr!) Dann könnten, ja müssten sie mit gutem Beispiel vorangehen in der Welt, eben, weil sie nichts anderes nötig hätten. Wir gönnten ihnen ja die Führung in einem zum Frieden und unter Gott vereinten Europa, wo keiner mehr den anderen gängelt oder wegen Hitler geistig unterjocht! Welch ein Segen für Europa und wirkliches Vorbild für die Welt wäre das! Bedenkt: Gute Werke am ›Nächsten‹ kommen ausschließlich aus Liebe, nie abgequält und als gut bewusst. Wäre nun England ein Gottesvolk, dann hätten sie wie die biblische Frau viel geliebt, weil ihnen viel vergeben.

Was sind die Engländer eigentlich für Christen? Nun wollen wir nicht richten, und es ist auch schwer, über einen Kamm zu scheren. Aber ich meine, sie hätten den Deutschen darin nichts vorzuwerfen! Angefangen hat ihre ›Reformation‹, weil sich Henry VIII kein päpstliches Dreinreden in seinen Mord und Ehebruch gefallen lassen wollte, bis zu heute. Die ›Beatles‹, die ›populärer als Jesus‹ waren, als Vorbild, Anarchisten, die sich bei indischen Gurus ›Weisheit‹ holen, und die ganze englische und übrige Welt jubelt ihnen und ihrer hässlichen Musik begeistert zu! Schön, seien wir gerecht, sie hatten auch einen ›englischen Gott‹ zwischendurch mit ehrlichen und hingegebenen Männern. Aber das ist, wie anderswo auch, lange her!

Nun hat sich Frankreich in den vergangenen Jahrzehnten von seiner Hass-Stellung zu den Deutschen etwas erholt und reformiert, was wir anerkennen müssen, aber England hat sich noch in nichts gewandelt. Wenn sie nur ihr Hündchen an der Leine, das leider ihr Herr geworden ist, gewähren ließe! Margaret Thatcher war dumm genug, das merken zu lassen. Sie würden noch heute die Deutschen gängeln und strafen, wo sie nur könnten, je mehr wir uns erholten oder gar zur ökonomisch führenden Stellung gekommen sind oder gar – wie schrecklich! – ihnen den Rang in der Gunst bei dem Schoßhündchen abzulaufen beginnen, wie damals mit der Stahlproduktion! Was müssen sie mit den Zähnen geknirscht haben, als das bis zum Punkt Null geschlagene und zerstörte Land, als westdeutscher Teilstaat allein, in wenigen Jahren, allerdings mit amerikanischem Geld, die zweitgrößte Handelsmacht und drittgrößte Industriemacht der Welt wurde, beides weit vor England! Das hieß Kredit bei vielen Völkern – uns, dem so gehassten Staat – damals!

Nein, England ist von jeglicher Buße so rein wie die Jungfrau im Volkslied, die ›sicher übers Strudels Grund‹ kommt! Warum? ›Weil sie noch nicht lieben kunnt‹! Genau darum!

Damit sind wir – wenn auch im Volkslied nicht gerade solche Liebe gemeint – wieder bei Gottes grundsätzlichstem Grundsatz: Liebe deinen Nächsten! Unsere ganze Kultur in der Welt ist seit Lassalle und Marx so abgerutscht in den ›Klassenkampf‹, dass wir es gar nicht mehr als solches wahrnehmen. Nicht wahr, wir erwähnten ja das in jeder Demokratie nun notwendige Parteigezänk vor der Wahl als die modernste Errungenschaft. Aber kann wohl eine Familie gedeihen, wenn statt der selbstverständlichen liebevollen Autorität des Vaters als dem Oberhaupt, ständiger Krach und Streiterei herrschen? Eine solche Gesellschaft allgemein, sagt Christus in Matthäus 12, kann nicht bestehen.

Noch was zu meiner ›Polarisierung‹ der Erde. Ist nun Deutschland schon lange die heimlich anerkannte Mitte der Welt, und West oder Ost nicht mehr nur Richtungen an jedem Punkt gleich, sondern Pole in sich selbst, die sich gerade zwischen Alaska und Sibirien gegen die Himmelsrichtungen umkehren, dann lasst uns diese Pole einmal näher betrachten. Wir europäischen Russen haben immer das Uralgebirge, die Grenze zwischen Europa und Asien, als solchen Ostpol genommen, wenn auch dahinter ja noch der auch sich selbst so bezeichnende ferne Osten liegt. Nach Westen gibt es kein Nah-West oder Fern-West. Aber nun ist Kalifornien der entfernteste Westpunkt auf dem Globus in unseren Breiten. Ziehen wir von da unsere Linie über den Nordpol und hinaus, seht es euch hier an – «

und Mischa demonstriert es wieder an meinem Globus mit der Schnur, die er mit beiden Daumen und Zeigefingern von Kalifornien gestreckt über den Pol spannt, was allerdings wegen des Scharniers wieder etwas schwierig geht,

» – dann haben wir genau auf der anderen Seite vom Nordpol meinen europäischen ›Ostpol‹, den schon erwähnten Ural! Also gibt es doch ein Nahwest, das sind wir hier, nicht zu weit von der Atlantikküste, und einen absoluten ›Westpol‹ – in Kalifornien! Schön, das Ganze ist verschoben wegen des Atlantischen Ozeans.

Na, das passt ja auch wieder in mein Denkschema! So denkt ja auch ihr Amerikaner von euch selber! Nicht wahr, da im Westen ist alles noch verrückter! Ist hier schon ›alles möglich‹, so ist an der Westküste alles übermöglich! Sieht man hier als Europäer bei sehr gutem Willen noch Reste europäischer Kultur, so sind die im ›Wilden Westen‹ ganz verlorengegangen! Außer den richtigen Dachziegeln! Die haben sie nun gerade in Kalifornien, noch aus eigentlich römischer Überlieferung durch Spanien, aber ihr hier im Osten habt nur Pappimitationen!

Ich will nun zum Schluss noch einen Nachtrag machen, der recht tiefe Konsequenzen hat, aber nun ein neues Thema darstellt.«