Sechzehntes Kapitel

Boris!

Mich persönlich interessiert jetzt, gegen Ende von Michails Vortrag, plötzlich sehr, wie wohl unser neuer Schützling Boris auf all das Erlebte reagieren wird, so etwas hat er doch wohl sein Lebtag nicht gesehen und vermutlich das am allerwenigsten in dem bewunderten Amerika erwartet.

Ich treffe ihn auf der einsamen dunklen Terrasse, denn er hat schon schmerzlich lernen müssen, dass die anderen Einwohner Zigarettenqualm im Hause absolut nicht dulden, muss aber dennoch dem schädlichen Laster weiter frönen, weil er es zu einem Merkmal und zu einer Stütze seines Ego gemacht hat. Deswegen – im Zeichen seines männlichen Darüberstehens – braucht er jetzt besonders seinen Rauch, etwa wie ein im Ehrgefühl verletzter Hund es auf einmal auch im Hause nicht lassen kann, seine Ego-Duftmarke am Tischbein zu hinterlassen.

Ich spreche ihn dort draußen also freundlich an, und er scheint befriedigt, dass sein Rauchen wenigstens einer bemerkt. Aber über das Gehörte scheint ihn zunächst eine völlige Verdunkelung zu beherrschen. Sein Englisch ist nicht so schlecht, er muss das meiste mitbekommen haben. Er gibt auch auf Englisch monotone und beinahe ungezogen wirkende Antworten, meist nur »so« oder »yes«, auch auf Fragen, die mehr als ja oder nein erfordern.

Nach einigem mehr persönlichen Hin und Her, was die Amerikaner so Small Talk nennen, wie ihm sonst Stadt, Uni und seine Unterkunft hier im Webbhaus gefallen, und ob er etwa Heimweh habe, bricht er plötzlich ganz unerwartet – und auf Deutsch! – wie eine Bombe auf:

»Dr. Orlin! Das war nichts als eine elende Hasstirade gegen England! Die Geschehnisse liegen alle mehr als fünfzig Jahre zurück. Nun soll man Altes begraben sein lassen. Wenn dieser Michail ein Deutscher wäre, hätte man ihn längst als einen Revanchisten gebrandmarkt und zur Ruhe gebracht!…«

Ist das zu glauben? Meines deutschen Mieters Versessenheit mit dem Englischen geht so weit, dass er meinen deutschen Namen wissentlich falsch ausspricht! Dabei müsste er doch als rechter Ami schon lange »Höhm« zu mir sagen! Ich bin einen Moment versucht, ihn zu korrigieren, mein Name sei »Öhrlein«, lasse das aber besser sein; denn das verdürbe das Verhältnis nun gründlich, und er käme nie dahin, mich Herm zu nennen. Also bleibe ich lieber beim Thema:

»Dann ist Deutschland also gerechter als wir hier?« (Bewusst eine Fallenfrage!! Er kann doch nicht zugeben, dass Deutschland einmal richtiger liege als die uns beherrschenden »Götter«!)

»N-nein! – Hier ist man liberaler!« (Eine geschickte Antwort, doch wieder Amerika – zu Recht – in weiße Weste zu kleiden!) »Aber außerdem ist das kein Christentum! Wir reden und reden und es passiert gar nichts. Da gibt es doch aktuellere Fragen in Politik und Heutigem, nicht ewig Gestrigem, zu erörtern!«

Dieser Ausbruch kommt mir, wie ich meinen Mieter bis dahin zu kennen glaubte, ganz überraschend und unmotiviert vor. Ich muss gestehen, unseren Boris völlig falsch eingeschätzt zu haben. Immerhin ist zu begrüßen, dass er endlich aus sich herauskommt, statt seinen Grimm, wie etwa auch den über unsere Ablehnung seines Rauchens hier, weiter – und fast wörtlich so – in sich hineinzufressen. Nach einem sprachlosen Moment nehme ich auch das zum Anlass für meine Antwort.

»Lieber Boris! Zunächst mal, Sie sagen ›Revanchist‹. Das setzt ja voraus, dass es einen Grund zur Revanche, das heißt Rache, gegeben haben muss, also eine infame Behandlung an den Deutschen! Auf französisch halten wir die Idee für weniger anstößig, wie etwa im vorigen Jahrhundert für alles Sexuelle!

Und dann schleppen Sie und wir alle alten Ballast mit uns herum! Es ist doch alles Vergangenheit, Gegenwart ist nur ein Moment, theoretisch und genau genommen eine mathematische senkrechte Linie ohne jede zeitliche waagerechte Ausdehnung. Und Zukunft ist notwendig uns allen ein völlig leeres Blatt! Wir können da höchstens mutmaßen, und das ist wiederum auch nur vergleichende Beschäftigung mit der Vergangenheit. Solch Vergangenheitsballast als das einzige uns zugängliche Substrat muss bearbeitet werden! Es können zwanzig Jahre vergehen, Sie treffen einen alten Beleidiger, den Sie inzwischen nicht gesehen haben, da flammen bei Ihnen beiden, wie bei allen von uns, wieder genau die alten Emotionen auf, mit denen wir schieden. Mit alter Liebe ist das genauso. Nur wer etwas bearbeitet hat, wird wirklich Herr über die Situation. Also etwa um wirklich alten Hass gegen die Engländer – und die werden wir wiedertreffen! Seien Sie gewiss! – also ehrlich und gründlich ad acta zu legen, bedarf es völlig freien Abladens bei allen im Volk, ohne jedes Blatt vor dem Mund, plus, natürlich, wenn möglich, bessere neue Eingaben, die wirklich über das alte hinweghelfen. Was Ihnen daran nicht gefällt, sind Sie aufgerufen, auch gleich an Ort und Stelle abzuladen. Nur so ist im ganzen wirkliches Vergeben möglich!«

Darauf bleibt er immernoch stumm, obgleich wir doch nun deutsch reden. Ein wirklicher Grund, dass er nicht so abladen konnte, wie beschrieben, war Angst vor seinem unvollkommenen Englisch und sich gerade darin als »Mann von Welt« eine Blöße zu geben – so kindisch das klingt.

»Sie wissen doch was von Psychologie! Da muss sich der Patient auf der Couch völlig entspannen und muss ganz frei sein, alles was ihn beschäftigt, auszusprechen. Da weiß er, dass ihn niemand dafür anklagen darf, niemand unbefugt zuhören, der Psychiater als ein Arzt, noch mehr als in anderen Spezialitäten, hat völlige Schweigepflicht. Gerade diese völlige Freiheit des Patienten ist quintessentiell zur Heilung. Solches Abladen, aber dann auch Darübergehen, Bearbeiten und Vergeben wo nötig, ist absolut notwendig für unser eigenes Wohlergehen. Ich begrüße Mischas ›Tiraden‹ sehr, denn bisher sind gerade wir Deutsche immer aus solch falschen Motiven am wirklichen Überarbeiten sine ira et studio gehindert worden. Das merkte man im plötzlichen Freiwerden nationaler Sentimente auf der Volksversammlung am 3. Oktober 1990 am Brandenburger Tor. Und da hat nun Mischa den Vorteil, selber eben kein direkter Deutscher, sondern eigentlich Teil unserer Besatzungsmacht, also gerade der anderen Seite, und im Hinblick auf Amerika, wiederum von der anderen Seite zu sein. Sie wissen doch, dass Schlaf mit Träumen (REM-Phase) eine seelische Gesundheitsfunktion ist, ohne die wir auf die Dauer krank würden, und die Meinung geht, dass diese Träume ein Aufräumen, das erste und primitivste Ballast-über-Bord-Werfen unserer Psyche sind.

Und was das Christentum angeht, – Lassen Sie mich mal so fragen: Was sollten wir denn Ihrer Meinung nach da sonst tun?«

»Na, da gibt es doch genug! Es wird doch niemandem geholfen, wenn wir nur im Warmen sitzen und stundenlang, ach was sag’ ich, tage- und wochenlang! – palavern!«

Ich schweige absichtlich und blicke in meinen Schoß. Übrigens ist seine Formulierung über die Wärme so ein unwillkürliches psychologisches Aussprechen, denn es wird hier draußen empfindlich kalt. Seine letzte Zigarette ist lange aus, aber ich rühre mich aus Berechnung auch darin nicht, etwa vorzuschlagen, hineinzugehen. Ist er schon an einem so seltenen Ausschütten, so soll auch alles heraus! Drinnen, in dem Kreis, wäre die ganze Situation sofort – vielleicht für die nächsten Jahre! – wieder verdorben.

Ist wohl dem Leser aufgefallen, wie rigide wir alle sind? Das ist für mich mit meiner Suche nach dem Geist sehr aufschlussreich. Da versuche ich nun, ihn etwas umzumodeln, um ihm etwas Geschmack an unseren Weisheitsgesprächen einzuflößen, und was sagt er gleich darauf? Wir säßen nur und »palavern«! Als habe er von meinem Gesagten gar nichts überhaupt nur gehört. Ich aber bin keine Spur besser, sowas merke ich erst beim Überlesen nach nur getreuer Aufzeichnung. Ebenso gestehe ich jetzt, dass ich ihn psychologisch zu sehr austrickse. Das widerspricht gerade dem von mir hochgehaltenen »ein Ja für ein Ja«! Ich bin auch keine Spur auf sein Antipalavern eingegangen, außer ihm madig zu machen, was ihm da vorschwebt. Man beachte, wie es darin nun weitergeht:

Notgedrungen fährt er nämlich fort:

»Warum gehen wir nicht arme Leute beschenken?! – Oder wenigstens Adventslieder singen?«

»Boris, wollen Sie wirklich in der Kälte von Tür zu Tür gehen mit ›I am Dreaming of a White Christmas‹?«

»Na, ich persönlich eigne mich nicht dazu! Habe keine Stimme. – Das kommt vom Rauchen! Schließlich mache ich nur rein theoretische Vorschläge für die Christen!«

»Boris, bist du eigentlich ein Christ?!«

»Das tut hier nichts zur Sache! Steht auf einem ganz anderen Blatt!«

»Doch! Genau auf diesem Blatt sind wir jetzt und im ganzen Webbhaus! Das wäre doch purste Heuchelei, von Merry Christmas zu säuseln, und ›Christ the Savior is born‹, wenn man selber gar nicht dazu gehört! Da ist doch ›Palavern‹ schon viel ehrlicher!

Aber unser Palavern erfüllt noch einen ganz anderen Zweck. Alles kommt auf den Glauben an! Gott zählt doch nicht, ob wir uns in der Kälte ein paar Liedchen abquälen, die, verwöhnt durch berufliche Künstler in Funk und Platte, keiner hören will, sondern eben genau, wo und wie wir selber im Glauben stehen! Glauben sind unsere Überzeugungen. Und da muss alles einmal zur Sprache kommen. Solch ein Vortrag, nur eine oder die andere Bemerkung, verändern doch ein bisschen irgendwo in unserem Denken, ›Substrat‹ oder ›Konstitution‹, wie wir das hier nennen! Denk an die gerade erwähnten Träume! Wenn wir darauf irgendwann zurückkommen, ist schon etwas an unserem Substrat geändert. Wir würden dann etwa sagen: ›Wie Mischa auch neulich erwähnte . .‹

Das alles ist Arbeit für die Zukunft aus der Vergangenheit! Der Boxer übt seine Muskeln und Reflexe für einen kommenden Wettkampf, der Arzt ebenso für plötzlich ihm begegnende Notfälle, wenn er studiert oder später seine Bücher durchgeht, der Redner, der Konzertpianist! Alles Üben ist so eine Arbeit für die Zukunft. Nur im Eigentlichen, in Denken und Überzeugung, bleiben wir ganz wie die Säuglinge. Und das Ergebnis? Denk an unser Hereinfallen auf Hitlers enorrme Reden!«

»Ach, für euch alle hier sind was ich Tiraden nannte, doch nur eine endliche Möglichkeit, den lange angestauten Hass einmal gründlich loszuwerden!«

Nun, das stimmt und soll auch so sein! Übrigens redet Boris die erste Zeit nach meinem Du, eine direkte Anrede vermeidend, etwas herum, weil er nun nicht weiß, wie er mich als den Älteren anreden soll. Das gibt es auf Englisch nicht, vielleicht auch ein Grund, an dieser uns beiden doch fremden Sprache so zu kleben; also ist er unsicher – bis ich ihm als selbstverständlich das Du anbiete. Dazu neigen wir Deutschamerikaner sowieso eher aus Bequemlichkeit von dem You her und verachten oder vergessen die ganze gesellschaftliche Beladung dieser Anreden. Mein vierjähriger Sohn redete damals alle deutschen Bekanntschaften mit »Du« an, weil er’s einfach nicht anders kannte. Aber ähnliches findet jetzt ebenso, höre ich, in Deutschland selber statt.

==========2==========

Drinnen sind sie noch nicht schlafen oder auseinander gegangen. Es hat sich ein kleinerer noch persönlicherer Kreis gebildet. Ich höre Michail gerade über Amerika predigen, und über den Unabhängigkeitstag Vierten Juli, hier ein großer und allgemeiner Staatsfeiertag wie Weihnachten. Da sagt er:

» . . Und über die Freiheit haben wir ja schon ausführlich gesprochen!

»Aber was hier allgemein darunter verstanden zu werden scheint, ist purer Egoismus im Plural! Schön, der Besitz Elsass-Lothringens ist für die jeweilige Nation eine Befriedigung, eine Erfüllung, ein Stück mehr Freiheit. Aber gleichzeitig ist er für den Verlierer genau das Gegenteil und eine Erniedrigung, die wohl schwerer wiegt als das Glück der ›Freiheit‹ des Eroberers. Usa steht in seinem Zenit! Es hat sich an Ländern mehr genommen als es braucht, und gängelt den Rest jetzt der ganzen Welt nach seinen Vorstellungen und seiner ›Freiheit‹. Da kann ich verstehen, dass wir am ›Fourth of July‹ Gott für unsere große Freiheit danken sollen! Aber selbst als Amerikaner schmeckt sie mir nicht, haben mir drüben als Russe unsere kommunistischen Vasallen auch nicht gefallen. Ich weiß, Dale sagt, das kann man nicht vergleichen! Die amerikanische sei etwas humaner. Aber doch auch bei uns hier gibt es noch Zähneknirscher, auf Grund derer Verluste wir unsere große Freiheit feiern. Den Indianern ihr ganzes Land gestohlen, den Spaniern ihre nördlichen Kolonien, Schweden, Holländern, Franzosen die ihren, den Südstaaten und manchen anderen und den Deutschen, gerade UNS hier, ihre Freiheit und weite Territorien – bis heute! Ich glaube, man kann ihnen eigentlich nur angesichts ihrer großen Naivität nicht gram sein.

Nehmt einmal diesen Woodrow Wilson, Präsident der USA zur Zeit des Ersten Weltkrieges! Ich dachte immer, er sei ein noch größerer Kriegsverbrecher als Churchill oder Roosevelt. Aber er war bloß unglaublich unbedarft und in einer Fantasiewelt der eigenen Größe und Güte befangen, die ihn mehr in die Kategorie eines Hitler einordnete. Beide via Demokratie und unverständiger Wahl in eine Position der Weltmacht geraten, der sie, wie wohl Millionen anderer Mister Jedermanns, in keiner Weise gewachsen waren. Ihr wisst, ich vertrete den Standpunkt, unsere Herrscher sollten sich aus einer lebenslangen Charakterschule rekrutieren. Na, schlecht kann mir selber vor Verzagtheit werden über die Unzulänglichkeit offenbar auch dieser Idee! Denn Wilson war ein Geschichtsprofessor! Hatte also, jedenfalls auf dem Papier, einen Teil der von mir geforderten Bildung, da wo’s zählen sollte, jedenfalls im Vergleich zu anderen Weltherrschern! Er ruht nun im Grab in der felsenfesten Überzeugung, das menschenmöglich beste für die Welt und gegen den Krieg getan zu haben, ein ›großer Mann‹, der er sein wollte! Da ist er aus dem gleichen Holz geschnitzt, wie unsere zahllosen Media-Prediger hier mit ihrer humanistischen eigenen Güte, die mit ihrem eigenen täglichen ›Entscheiden‹ zu Gott kommen wollen, blinde Blindenführer! Denn wo holen sie denn anders her, was sie dann endlich entscheiden, als wieder aus sich selbst? Von Wilson wie von Roosevelt und Washington höre ich, dass sie Ehebrecher gewesen sein sollen. Vielleicht haben sie sich dazu auch täglich entschieden – oder in diesem Falle, nächtlich?

Da kommt er also als Friedensmöglichkeit noch während des Krieges mit den eigentlich rührend gut gemeinten 14 Punkten, wo er als Ei des Kolumbus die ›Selbstbestimmung‹ aller anordnet. Dabei war der Krieg doch aus zuviel Selbstbestimmung angefangen worden:

Die Engländer, die den Krieg anfingen, lang geplant und eingefädelt, wollten selbst über die deutsche Flotte und die Nichtausbreitung der deutschen Macht bestimmen, die Franzosen selbst mindestens über das deutsche Elsass-Lothringen, die Serben, wo physisch alles angefangen hatte, selber über Österreich, die wiederum zuviel selbst über Serbien und Kroatien regiert und bestimmt hatten. Und so weiter. Allen, die überhaupt ein Kriegsziel hatten, war das gemeinsam, ebenso wie Wilson selber mit seinem ungerechten Kriegseintritt!

Wenn sich ein Präsident besonders dämlich und sündhaft benimmt, machen die Amerikaner eine Ikone aus ihm, damit ja nicht der Kleine Mann auf den richtigen Gedanken verfallen könnte, die ganze Laien-Präsidenterei mit der Demokratie sei für die Katz’. Lincoln hat den Bürgerkrieg zur Katastrophe gemacht, der einst blühende Süden hat sich bis heute nicht wieder erholt. Kennedy hat Vietnam angefangen, die Trillion Schulden sind bis heute nicht bezahlt. Die Zinsen (Steuern) allein verschlingen bis heute den Wert eines neuen Mittelklasseautos für jede Familie jedes Jahr! Hier sind die glorreichen Folgen unserer »Revolution« anzupreisen! Was wollten sie 1776? – auf dem Papier! – Denn schließlich war es ja die französische Revolution, die sie als Männer der Mode weiterzutragen vorgaben. Dass der Dicke mit dem Geld nicht mehr ohne eigene Arbeit den Kleinen ausnütze! Was haben sie erreicht 1990? Schöne »Revolution«! Der kleine Dünne zahlt einen Riesen-Steuerbetrag, so viel wie noch nie in der amerikanichen Geschichte, damit ein paar dicke Reiche, die zur Zeit zugegriffen haben, und ihr schon dickes Geld – denn der Kleine hatte nie eine Chance, auch einzusteigen – dem Staat für seine Kriegsmaterialien auslieh, damit also nun sie in den Zinsen, riesigen jährlichen Beiträgen, schwelgen können. Nebenbei, Usa hatte noch nie so viele aus Steuern bezahlte Millionäre wie heute!

Aber nun tut mir einen Gefallen und verschreit mich nicht gleich als einen Kommunisten. Denn in Einigem was sie sagen, haben auch mal die Kommunisten recht!

Also was ich sagen wollte: Wilson hatte die ganze Kriegskausologie nicht begriffen.

An einem ganz praktischen Punkt wird die Unmöglichkeit noch offensichtlicher. Auf vielen europäischen Territorien lebten mehrere Volks- oder Sprachgemeinschaften zusammen. In Polen Ukrainer, Tschechen, Deutsche, Juden und noch andere neben den Polen selber, ebenso in Ungarn, Rumänien, Russland, Elsass, Schleswig. Auf dem Gebiet des heutigen Jugoslawien lebten noch mehr und viel buntere Gemeinschaften, dazu dort auch Muslims, die offenbar nirgends auf der Welt mit anderen in Frieden zusammenleben können. Hat Wilson das Problem gelöst? Na guckt nur heute, über siebzig Jahre später, allein nach Jugoslawien! Wilsons Erster Weltkrieg war ja der wunderbare ›Krieg, der alle Kriege abschaffte‹! Das klingt so wie Brechts Friedensleichen, nur hat der es selber nicht ernst gemeint. Interessanterweise war in Jugoslawien ›Frieden‹ nur unter der Sowjetfaust! Auch unter Tito, denn die Russen drohten ja wirksam draußen weiterhin. Solche Pax Romana, unter der Faust des Mächtigeren, ist auch allgemein ein sehr bemerkenswerter Punkt.

Habe ich euch einmal wirklich von etwas überzeugen können? Rede ich Unsinn oder blase die Dinge unziemlich auf? Oder ist nicht die Demokratie schlimmer als blind Würfel Werfen – der ist nämlich als einziger wirklich unvoreingenommen. ein Spiel des Zufalls – ist die Demokratie also nicht dümmer als was der Dümmste beider Parteien in eigener Macht und Freiheit hätte anordnen können, wovon dem Uneingeweihten, wie beim ersten Rauchen, von Rechts wegen übel wird?

Nun sollten also alle ›abstimmen‹, wohin sie gehören wollten! Na, sogar wir heute können so eine ›freie‹ Wahl vorherbestimmen! Jeder wollte das gemeinsame aber umstrittene Land seiner eigenen Volksgruppe zugehörig! Na, welch unvorhergesehene Überraschung! Dass das praktisch nicht geht, liegt ja auf der Hand. Aber so weit reichte das voraussehende staatsmännische Genie eines Wilson schon nicht mehr. Er sah im Geist seine endlosen leeren Prärien vor sich, mit ›nur‹ ein paar wilden Untermenschen darin! So haben sie damals gedacht, noch vor Hitler. Und so eine Mehrheitswahl ist doch kaum je gerecht! Die freien Vereinigten Staaten haben noch im 19. Jahrhundert bestimmte Volksgruppen auf die noch leeren Prärien versetzt, damit sie bei ja gegebener dummer Volksabstimmung eine erwünschte Betrugsmehrheit ergäben! Und Indianer, die rechtmäßigen Besitzer, hatten bis noch vor kurzem keine US-Staatsangehörigkeit.

Nehmen wir an, Kinder zankten sich über Territorium, durch das bisher ein Fluss als Grenze fließt. Sie spielten alsoTauziehen über den tiefen Fluss. Beide Gruppen sind etwa gleich stark! Könnte eine Seite die andere trocken ganz hinüberziehen, wäre das die beste Lösung, egal, welche der beiden Seiten nun »siegte!« Sie hätten die Macht und die Faust. Aber ist es nicht oft so bei diesem Demokratie-Tauziehen, dass die notwendige Mittellösung – beide Parteien fallen in den Fluss – am Ende keinem gefällt? Das kann sie auch nicht, denn kein Mensch, nichtmal in deren begrenzten Denkmöglichkeiten hatte das auch nur erwünscht. Präsidentschaftswahlen USA 2000, Al Gore gegen George Bush II! Die Demokratie versagt überall, ihrem Wesen nach so! Einen einzigen Vorteil könnte man darin sehen, dass die verführten Wähler glauben gemacht wurden, jeder einzelne habe an der glorreichen Demokratie direkt mitgearbeitet!

Ein christliches Buch erzählt von den Bestrebungen in USA, die Heranwachsenden von vornherein unter moralischen ›Werten‹ erwachsen werden zu lassen. Aber die Verantwortlichen von Staat und Kirche können sich nicht einigen, unter welchen. ›Eure Werte oder unsere?‹ heißt es da. Daraufhin, wegen der Pseudofreiheit, keinen zu überfahren, sei man auf die Idee gekommen, die Erziehung ›wertfrei‹ zu gestalten. Darauf habe ein Professor der Gesetze bemerkt, dass die betreffenden öffentlichen Schulen ›seicht, homogen, ethisch stumpf und mit Bestimmtheit mittelmäßig geworden‹ seien. Genau das meinte ich in der Illustration von den tauziehenden Kindern, die zur Mitte, gerecht gleich weit von beiden Parteien – auf- und in den Fluss geschmissen waren.

Quasi war Wilsons Lösung, zu sagen: Na, nun gebt doch dem Kind die Boulette! Gebt doch jedem, was er will, dann ist er zufrieden, macht keinen Radau mehr und wenn endlich alle so zufrieden, sind alle glücklich! Nur geht das nicht, wenn sich die Wünsche, und wenn nur die nach gemeinsamem Land, überschneiden. So war nun also keiner zufrieden, buchstäblich alle am ersten Weltkrieg beteiligte Nationen waren alle so tief unzufrieden, dass sie den Krieg, der alle Kriege beendet hatte, sofort mit dem Zweiten fortsetzten! Und alle Fronten, Bündnisse und Bedingungen vom Ersten waren fast genau übernommen, weil eben keiner mit dem Ergebnis der Ersten zufrieden war. Das war die schlechtest–mögliche, eine schlechtere Lösung als natürlicherweise und ohne Wilson, die Pax Romana gewesen wäre, also eine Sowjetfaust. Einer ist der erklärte Sieger, der nun die Autorität zwanghaft erworben hat und bestimmt. Dann herrscht Ruhe!

Nach amerikanischer Idee ist die Selbstbestimmung der Völker der eigentliche Weg zum Glück! Und weil sie nun ein konsequentes Volk sind, haben sie die auch überall eingeführt: Sie werden nun selbst über alle Völker bestimmen!

Klar waren die Engländer mit der Entscheidung ihres eigenen Schoßhündchens nicht zufrieden! Sie hatten unter schweren Opfern ›gesiegt‹ und erwarteten ihren so hart erarbeiteten Sünderlohn, die europäische und Welthegemonie, oder deren ungestörte Fortsetzung! Fehlgeschossen! Auch sollten die bisherigen Achsenmächte in Freiheit über sich selbst bestimmen! Da half nur die britische Lösung: heuchlerisch das Unerwünschte unter den Tisch fallen zu lassen! Was hatte Österreich gehindert, zum Deutschen Reich zu gehören, die sogenannte ›großdeutsche‹ Lösung des Konfliktes noch unter Bismarck? Ihr eigener Vielvölkerstaat! Die Frage löste sich nun von selbst, die fremdsprachigen Landesteile abgetrennt, das verbliebene Deutschösterreich stand allein. Selbst vor diesem kleinen geschwächten Land fürchteten sich die Engländer noch, besonders wenn im Bunde und zu Deutschland gehörig. Alle Deutschen wollten nunmehr, dass sie wieder wie vor theoretisch noch 1806, zum Reich gehörten. Es hinderte nun ja auch nichts mehr außer unseren ›Freunden‹ überm Kanal! Selbst Napoleon war ja abgesetzt, der uns schon 1806 die Entzweiung beschert hatte. Was diese vermaledeiten Ausländer auch immer mit Deutschland machen, es wird immer Käse! Zu niemandes, nichtmal ihrem eigenen Vorteil! England wünschte keine Wiedervereinigung – wie ja auch heute wieder! – aus den erläuterten Gründen! Muss ich mehr sagen? Der da noch natürliche ›Anschluss‹ wurde unterbunden. So viel über die österreichische und deutsche Selbstbestimmung! Sie konnte nicht funktionieren – weil es die Verlierer, und weil eben Wilson und seine Clique die kindlichen Phantasten waren.

Eine solche wirkliche Selbstbestimmung mit soviel Ballast, funktioniert nie, sie kann es nicht, sie ist ein Kind der utopischen Demokratie!«

»Du schwarzer Pessimist!« sagt Sonya, die ich mit Freuden wieder unter den Zuhörern finde, »Wieder der Sowjetmensch! Da müssen wir uns als einzig mögliche Lösung alle unter die ›Sowjetfaust‹ beugen, was?«

»Ausgenommen der Sieger, die Sowjetfaust selber, natürlich! Die seid heute ihr Amerikaner, und deswegen merkst du’s gar nicht. Siehst du, du bist so naiv wie Wilson!«

»Danke!«

»Und noch eine andere Lösung, auf die will ich noch zu sprechen kommen!

Ihr seid hier so verwöhnt, dass ihr meint, es müsse überall auf der Welt so sein. Ihr Amerikaner seid die einzigen Nutznießer! Ihr seid jetzt diese Sowjetfaust! Ihr habt jetzt durch eure Übermacht, also Waffengewalt, aber auch durch einen Erdrutsch Gottes, euren Weltsieg beschert gekriegt, dem ihr geistig in keiner Weise gewachsen seid, eure Pax Americana! Am Ende haben die Prediger noch recht, dankt Gott für das, was ihr da Freiheit nennt! Um den Preis der anderen alle, der Gedemütigten! Dankt Gott und euren Kriegsveteranen, die sich ›opferten für eure Freiheit!‹ Vielleicht ist das für mich eine Versöhnung mit dieser abscheulichen Phrase! Die Mörder und Totschläger, die mit Kanonen unsere ›Freiheit‹ erringen!

Aber ganz besonders gallt mich die Auffassung, die man hier allenthalben hört, von allen Revolutionen habe sich nur unsere (amerikanische) bewährt, weil sie eben allein gerecht war! Mensch, nichts war gerecht! Einer bleibt immer übrig bei dem Spiel ›Reise nach Jerusalem‹, bei euch hier ›Musical Chairs‹ genannt, wo die Musik plötzlich aufhört und sich alles setzt, nur wird immer ein Stuhl zu wenig aufgestellt und einer muss raus, bis am Ende nur einer übrigbleibt! Wartet nur auf die nächste Runde in eurer ›Reise nach Jerusalem‹! Ihr seid durch einen Erdrutsch Gottes übriggeblieben! Rühmt euch nur nicht selber so fälschlich, denn Hochmut kommt vor dem möglichen Fall!

Übrigens gefällt mir der deutsche Name des Spiels viel besser, dem offenbar auch Hitlers Wirken nichts hat anhaben können. Das Ganze ist so typisch . .. Mal Hand hoch, wer hat noch nicht gemerkt, dass das Spiel ganz und gar jüdisch ist? – Na, da staun’ ich! Also, bei Juden sind sie selbst immer die Verlierer, denkt nur an die vielen guten jüdischen Witze, deren unwiderstehlicher Charme eben in der eigenen Schwäche besteht – der Dumme am Ende ist immer ein Jude! Also man will so sehnlich nach Jerusalem, aber der letzte Stuhl wird vor der Nase gerade noch besetzt, oder irgendwas Nationales kommt dazwischen, natürlich von einer Nation, der sie sich gar nicht angeheimelt fühlen. Und Pessach, Sandalen an den Füßen, weg, weg in Eile! Nach Jerusalem über ägyptische Hindernisse! Sie wollen ja und schaffen’s nie – eben – nach Jerusalem! Selbst wenn sie hinkommen, wird die Enttäuschung noch größer: Sie finden eine arabische Stadt. Sind sie frei, wie versprochen? Und wir denken nur jeweils an unsere, doch dagegen riesengroße, Freiheit!

Na, fairerweise will ich zugeben, eure Pax Americana ist schon besser als viele mögliche andere nationale Paces. Schließlich seid ihr immer zu Besiegten, wenn eure Machtstellung feststeht, sehr fair gewesen. Also am Ende doch ein bisschen von Wilsons Boulette für das Kind. Vielleicht ist diese Lösung wirklich der für uns einzig erreichbare Friede?

Meine andere Lösung ist Wunschdenken, vielleicht wirklich auf Erden nur Utopie. Komischerweise kommt sie Woodrow Wilson nahe, den ich doch eben als utopisch abgekanzelt habe. Ich meine, als Christ darf ich mich auch darin nicht mit dem allgemeinen Weltunrecht zufrieden geben.

Helft mir denken! Es muss doch eine bessere Lösung für die Welt geben?«

==========3==========

Einmal liegt auch Sonya nachts wach.

Von der Idee ausgehend, dass Gott ja alle menschlichen Gedanken sofort wahrnimmt, kommt sie vom kummervollen Nachdenken in mehr direktes Beten. Die leise tock, tock machende Quarzuhr an der Wand zeigt zwei.

Warum sehe ich Dich nie, Gott? Du bist doch da und siehst mich genau. Ich brauche Trost! Der Weg ist so schwer und so trocken. Wozu lebe ich eigentlich? Ich hänge wohl bloß so an Dir, weil ich zum Alleinleben zu feige und zu einsam bin! Aber alle Umwelt lässt mich wissen, dass das Leben an sich schon eine Freude sei, schön und lebenswert! Das kann ich nun gar nicht finden. Allerdings hätten ohne Dich sowohl Mischa wie Sam sich wohl das Leben genommen. Jungs sind wohl ehrlicher in sowas.

Du könntest mir doch auch mal einen tröstenden Engel schicken. Ich will auch gerne darüber absolut schweigen. Ich will Dich schauen, nicht nur immer auf Dich rückschließen müssen! Ich weiß, einmal werde ich Dich sehen dürfen, aber das ist mir so elend lange noch hin. Gott, wir Menschen sind doch so sinnlich! In dem Sinne, dass wir die Wahrheit mit den Sinnen erfassen wollen, sehen, hören, schmecken: Ein herrlicher einsamer Wald, Vogelsang, eine Schalmei, Blumenduft! Man ist einmal ganz glückselig. Ja, ich bin wie die Mormonen, immer alles zum Angucken! Einen Goldtempel nur für die Sektler, alle anderen, also, was wir Christen nennen, sind »Gentiles«, die nichtmal den Tempel betreten dürfen. Oder die kitschigen Osmonds. Sie machen Mission mit einer Show, »An ihren Werken sollt ihr sie erkennen! Seht alle, wie wir schaffen und erfolgreich sind, wie heilig wir deshalb sein müssen!« Aber alles ist Schein, sie sind dicke geschminkt und aufgedonnert, um sich dahinter zu verbergen, was doch gerade der Paulus verbietet. Marie Osmond deutet so einen Gedanken an.

Herr, ich bin auch so mormonisch! Du bist doch über alle Zeit, Dein Engel könnte doch schon jetzt auf meinem Schreibtischstuhl sitzen und mich angucken. Was würde er mir sagen? Was für einen Trost will ich denn?

Während ihre Gedanken weitergehen, was sie wohl von Gottes Engel bewahrheitet haben will, setzt sie sich wirklich im Bett aufrecht und schaut im Dunkeln umher.

»Gott liebt dich, Sonya, in all deiner Mickrigkeit. Er sieht und hört dich genau! Du kannst davon ausgehen, denn es ist Gottes Wahrheit, dass alles wohl steht mit deiner Seele!«

Das Zimmer ist dunkel und leer. Niemand sitzt auf dem Stuhl.

»Du weißt doch, da steht eingetragen in dem Buch des Lebens, ›Sonya Matney‹. Ja, du bist auch schwach, feige und dumm; das ist ja dein Glück, denn nur so weißt du, dass es nicht auf dich und deine Güte ankommt, sondern auf Gottes Erbarmen. Darüber sollst du dich freuen, und das ist fast direkt sinnlich. Und Der hat dich in das Buch eingetragen lange vor Beginn der Welt! Als du nun wirklich noch nichts dazu beitragen konntest. Heiden wollen immer ein Zeichen Gottes, ein Wunder. Aber Der sagt: »Trachtet am ersten . .« Du weißt doch! Ihr aber sollt im Glauben leben. Ja, da stehst du drin! Das weißt du nun, also kann es nicht auf dein Verdienst angekommen sein, auch kein bisschen!«

Gut, da war »sinnlich« niemand im Zimmer, und doch hat Gott gesprochen. Ihr habt die Schrift, heißt es, und glaubt ihr der nicht, würdet ihr auch keinem sinnlich fassbaren Geist glauben.

==========4==========

 

Noch einmal, jetzt beim Durchlesen meiner Blätter, will ich, Öhrlein, auf meinen Mieter Boris zurückkommen! Ich ahnte es an diesem Abend noch nicht, dass er mein Lehrer und ich am Ende der Empfangende war – bei all meinem angenommenen Darüberstehen! Zunächst musste ich, angeregt durch ihn, ein paar Tage später über die Vergebung nachgrübeln, die wir Deutsche vielleicht England schulden, ebenso etwa über meinen Hochmut gegen Boris und das ganze neudeutsche Geschlecht, das denkt und sich benimmt wie er.

Sind wir auch angehalten zu vergeben, wenn der uns Beleidigende noch gar nicht an das Bitten um Vergebung denkt? Jeschuas Aussage von siebzigmal siebenmal zu vergeben geht deutlich davon aus, dass der Sünder ankommt und vergeben haben will. Andererseits sind wir aufgerufen zu beten: Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Ist dann Gottes Vergebung demnach abhängig von unserem Vergeben an unserem Nächsten? Aber das kann doch nicht sein! Eine Gottesbedingung basierend auf menschlicher Güte? In diesem Fall vergäben wir ihm lieber schleunigst und bedingungslos, sonst stehen wir sündig vor Gott wegen einer an uns begangenen Sünde, die wir vergessen und also nie vergeben haben? Andererseits ist das Vergeben vor der Bitte darum vielleicht der einzige Weg, uns nicht selbst gegen den Nächsten zu erhöhen und endlich die Einstellung Jeschuas zu gewinnen, Der allen die Füße wäscht?

Oder liegt hier wieder eine Art Übersetzungsfehler vor? Vielleicht Vertauschung von abhängiger mit unabhängiger Satzaussage? Also: Vergib uns erst unsere Schuld, damit wir dann auch unseren Schuldigern vergeben (lernen) können? Denn das können wir sonst schon gar nicht, wenn schon der, dem viel vergeben wurde, darauf seinen geringeren Schuldiger würgt! Das Gleichnis weist ja selbst auf Gottes primäres Vergeben hin, allerdings da auch, wenn der Schuldige vergeben haben will. Oder, ebenso: eine bestimmte Frau liebt viel, denn ihr ist viel vergeben?

Das will noch in mir gären. Ich will später noch einmal darauf zurückkommen. Aber eines will, ja muss ich tun: Boris meinerseits um Vergebung bitten! Merkwürdig, dass mir das so schwerfällt!