Achtzehntes Kapitel

Faulheit, Feigheit, Dummheit als unsere Stärke. – Kritik an Weihnacht.

Sam Rothman fährt in seinen Betrachtungen fort:

»Dies waren nur ein paar Vorbemerkungen. Worüber ich reden will, ist das Fest kommenden Freitag, welch Tagesname ja auf die germanische Göttin Freia zurückgeht. Trifft sich gut, denn was diese ›Göttin‹ mit Weihnachten zu tun hat, will ich gerade zeigen.«

»Entschuldige, Sam,« sagt da aber doch wieder Sonya sehr zaghaft,

»du magst mich als dumm abstempeln, ich habe auch mit dieser Frage lange gezögert, aber will doch gerade dich fragen, ehe du nun zu deinem eigentlichen Thema kommst. Es ist eine sehr grundsätzliche Frage, und ich sollte schon lange reif genug dafür geworden sein. Also:

Wie macht man das eigentlich, nicht aus eigener Anstrengung gut zu sein, sondern aus Gott? Da gibt es doch Aufgaben im Leben, die bewältigt sein müssen, angefangen schon als Kind mit Schularbeiten? Oder später ist eine Mutter zu faul zu arbeiten, aber ihre Kinder hungern?«

»Nein, die Frage ist gar nicht dumm – eigentlich sind wirkliche Fragen nie dumm, sondern nur manche Antworten! Weil eine Frage ja gerade im Zugeben eines Nichtwissens liegt – Danke, dass du darauf kommst. Wir sind in Gefahr, durch die Wolken zu segeln, wenn unser Fahrgestell zur Landung sich nicht ausklappen lässt!

Da gibt es ein Schulexperiment, ich habe den Namen vergessen. Ein Engländer hatte beobachtet, dass die Kinder mehr und schneller lernten, wenn sie selber das Interesse an der Aufgabe hatten. Er gründete eine Schule ganz ohne Zwang. Was aus dem natürlich arg befeindeten Experiment geworden ist, weiß ich nicht. Also, sie lernten, wenn sie wollten, so wie du deine Bibel nach Wahrheit bei Nacht durchstudierst, wenn du danach wirklich tief durstig bist. Ich habe im Leben beides gemacht, oberflächlich ›gebüffelt‹, Seiten und ganze Bücher mechanisch durchgelesen und meinen Geist ertappt, dass er dabei wanderte, und ich die Buchstaben und Wörter, geschweige denn den ganzen Sinn, nicht erfasste. Und andererseits Hunger gekriegt und selbstvergessen viel weniger gelesen aber viel mehr begriffen, als ich nämlich der Bibel wegen von zu Hause rausgeschmissen war. Es war die Bibel, die mich als erwachsenen Menschen erst Lernen gelehrt hat. Ich hielt es für Elend und Gottes Grausamkeit, bis ich eben Stück für Stück aus der Bibel begriff und meines Herrgotts Lehre, wie man Sein Wort zweckvoller liest, und große Gnade in dieser ›Grausamkeit‹ sah.

Gut, du fühlst dich nicht danach, aber musst irgend eine Aufgabe bewältigen oder etwas Unrechtes vermeiden. Das wird nun ein Kämpfen mit ›Fürstentümern und Gewalten‹ und ist die Quintessenz des Reiferwerdens vor Gott. Die Weltkinder, und das ist so trügerisch, haben erstmal dem Wortlaut nach recht, du musst deine ›Faulheit überwinden‹, aber das geht nicht mit Hauruck und Gewalt und eigener Kraft! Gott führt uns nämlich erstmal in ein Dilemma!

Dazu fällt mir gerade die Episode im Altspracheninstitut ein, wo ich Mischa kennengelernt habe. Er wollte Auskunft über eigentlich die Prädestination haben‹, wo nun Salomo in seinen Sprüchen schreibt:

Gott hat alles auf ein Ziel hin erschaffen, so auch die Bösen für den Tag ihrer Bestrafung.

Scheinbar ganz aus dem Zusammenhang und in gewissem Widerspruch zur Prädestination schreibt er aber nur einen Vers vorher:

Lass Gott über dein Tun entscheiden, dann werden sich deine Pläne erfüllen.

Was für eine enorme Zusage! Der große Gott lässt sich ›unsere Pläne erfüllen‹! Das erinnert doch an die andere Zusage: Betet, dass eure Freude vollkomen sei. Und wir dachten immer, Egoismus sei ein Laster und wir müssten hübsch bescheiden sein, besonders vor Gott im Gebet! Nun ist aber hier doch eine Bedingung vorangestellt. Ein Christ erhält seine Gebete erfüllt, einschließlich Wunder. Das könnt ihr auch, sagt Jeschua über eines Seiner Wunder, und noch mehr! Noch sind wir in der Wüste, aber im Gelobten Land werden Milch und Honig fließen. Bloß, wie macht man das, Ihn entscheiden zu lassen, nicht wahr? Wie kommt man ins Gelobte Land?

Es ist doch so, als Christ musst du die Ehebruch und Lüge meiden, nicht mehr fluchen, immer sanft und gentle sein, na, und so weiter! Gleichzeitig aber gibt Gott in Seiner Bibel zu, dass es so absolut nicht geht. Jeder scheitert bei dem ernsthaften Versuch.

Sondern du musst eine Strategie haben, ich will’s mal grob eine ›Passivität‹ nennen, wir haben ja in unserer seit Jahrhunderten selbstgerechten Kultur so wenig Worte dafür, du musst erst selber das Substrat schaffen, nach dem du mit Freuden arbeiten kannst, – denn ohne treibende lustvolle Emotion geht bei uns Menschen nichts – musst dich zu allem erst selbst überzeugen, sozusagen deine Emotionen immer erst um ihre Erlaubnis bitten, wie bei Hiob der Teufel Gott fragt! Sagen wir ruhig einmal Alles auf Gott schieben dazu! Denn wenn wir zu dem Guten, was Gott uns gibt, das sagen, müssen wir’s logisch ebenso auch für was uns erst einmal nicht gefällt. Wenn wirklich im Glauben so ausgesprochen – auf Gott schieben – zwingt es dich neugierig-ungeduldig, abzuwarten und zu sehen, was Gott nun daraus macht. Das ist nämlich ein Teil der eigenen Erniedrigung, die wir Gott schulden und schon ein ganz anderes ›Scenario‹: Gott führt und du wartest sehnsüchtig wie auf die Post vom Geliebten. Warte ab, sei was du bist und halte dich nicht selber für gut, aber für ganz und gar abhängig von Gott! Also anders gesagt, niemand wird wissend und reif geboren. Du wirst Christ, da bleibt dir erstmal nichts anderes als selbsteigene Pein, eigenes Gutsein! Bald, wenn du nur mit dir ehrlich bist, findest du heraus, wie miserabel du das verpatzt, du kannst nicht gut sein! Und nun kommt, aus diesem schmerzhaften Dilemma, wenn du gerade meinst, du kannst und lernst es nie, die Reife. Du machst dir Strategien, probierst eine nach der anderen aus und findest aus Gottes Gnade mehr und mehr von dem Weg zu Ihm! Denk an Jeschuas Senfkorn dazu!

Das Englische, was ja mal sächsisches Deutsch war, hat dennoch Vieles erhalten bis auf unsere Tage, ja, manchmal gar mehr und besseres als die Deutschen selber. Denkt an die Verbenvorsilbe ›be-‹, Die bedeutet eigentlich einen Dativ-Geist, jemandem was geben (=dare) oder antun. Bekleide, beschenke, bewirte, begreife. Berechtige ihn = gib ihm Recht, etwas zu tun. Auf Englisch haben wir einiges be–halten: behold, begrudge, besiege, ye be-loved! Aber was tun wir nun mit Gott oder an Gott? Wir be-lassen Ihn! Gerade da haben die sich sonst immer selbst Erlösenden die richtige Idee be-halten: Be-lasse Ihn! Be-lieve, nur etwas anders geschrieben, dass man’s auseinanderhält. Ohne das Be wäre es Gleichgültigkeit, aber die Vorsilbe rettet alles: Lass Ihn Gott sein, aber an Ihm, zu Ihm, schiebe auf Ihn, be- Ihme Ihn! Und genau beides heißt nun: Glaube, der einzige Weg!

Ich glaube an Stimmungen, nennt es ganze Atmosphäre. Die kann und erstmal ist auch, so, dass sich keiner bekehrt, ›nein, auch nicht einer!‹ Er kann es nicht, er ist nicht unabhängig. Fährt jemand Auto, einen altbekannten Weg, schon wohl über hundertmal befahren. Aber nun ist Nacht, Sonnenaufgang oder sonst ungewohnte Beleuchtung, und er verfährt sich! Er hatte vorher von der Gegend einen Begriff, wusste, wie seine Kreuzung zum Abbiegen aussah, es war schon die bei Christen so gefürchtete Routine, aber nun ist wie in einer Theateraufführung sein Clou zum Einsatz verpatzt, und die Folgen sind eine kleine Katastrophe. Es geht mal nicht, wie wir’s immer gewohnt sind! Und gerade die ist Gottes Segen, das Neue Lied, Ihm zu singen.

Erstens etwa kommen die in diesen Kreisen so verpönten ›negativen‹ Emotionen, wie eben meine Beleuchtung, stark ins Spiel: Müdigkeit, Faulheit, Lust, Sexgefühle, aber auch Aggression und Tatendrang und was weiß ich nicht alles. Die sind nicht eo ipso ›böse‹ und zu bekämpfen, sondern allesamt gut und nötig, und das ist wichtig, weil Gott den ganzen Christen reinigt und nicht irgendwelchen ›alten sündigen Adam‹ übrig lässt. Und weil wir aus Emotionen bestehen. Sie heißen ›Herausbeweger‹ von e-movere. Ohne sie könnten wir also nichts unternehmen, das heißt, wären tot! Erinnere dich, was wir gerade über eine tote Seele herausfanden, eine Seele, die sich nicht mehr verändern, auch nicht mehr äußern kann. Alle Gedanken gehören nun im Grunde unter die Gattung Emotion! Vergesst nicht, dass Gottes stärkste und wichtigste Emotion auf der positiven Seite steht und ›Liebe‹ heißt, ebenso wie die anderen Früchte des Geistes, und wohlgemerkt, nicht Früchte der Seele, auch wenn sie sich dann doch in der Seele auswirken:

Freude, Geduld und Frieden, Güte, Treue, Sanftmut!

Der Mietling, der den Schatz im fremden Acker findet, handelt auch nur nach seinen Emotionen (auch wenn die ›schlecht‹ sind)!

Zweitens will ich gleich klarstellen, dass ich nicht diesen modernen Bewegungen angehöre, wir seien frei und alles sei permissabel. Unser Grundsatz auch hier im Webbhaus sind Gottes Gebote! Damit wir verstehen und die jeweiligen Bedingungen wie beim Schachspiel berücksichtigen. Denn bedenke, wenn du dich, oder etwas in dir, selbst bekämpfst und das gar noch als christliche Tugend herausgestrichen haben willst, dann bist du, selbst als Einzelmensch, das biblisch erwähnte Haus, das in sich selbst uneins ist und zusammenfällt. Dasselbe hat euch ja schon Mischa, wie ich höre, mit seiner ›Selbstbeherrschung‹ gelehrt. Aber wo wir uns von der breiten Masse der Christen hier distanzieren, ist Eigengüte, Pharisäertum, Legalismus, also kurz, christliche Reife sei immer stetig zunehmend der Seele abzuquälen als ein ›Opfer‹ an Gott, eine Güte, menschlich hervorgebracht.

Aber die gilt vielleicht vor Menschen, nicht vor Gott, denn Der anerkennt nur noch Sein eigenes Opfer am Kreuz. Damit allein kann alles gesühnt werden.

Nehmen wir also mal so ein Schachspiel. Das ist reine Menschenerfindung, es geht also alles wie wir wunschträumen, aber die Figuren sind und auch von uns Menschen her tückisch-absichtlich schwach und sehr begrenzt ausgestattet. Der Bauer kann eben nicht, was der Turm kann, der nicht, was der Läufer, der nicht was die Dame kann. Dieses uralte Spiel verhöhnt uns da absichtlich ein bisschen, denn damals hatten doch Frauen überall nichts zu sagen, besonders in der arabischen Welt, wo doch dies Spiel »Schah« herkommt. Aber die ›schwache‹ Dame ist nun gerade die mächtigste hier, und eben aus diesem guten Weisheitsgrunde, sie hat aber keinen Status, wie der König, der wiederum nur fast so wenig Macht hat wie der Bauer. Und damit musst du nun spielen! Es sei gleich bemerkt, dass aller Status und Macht durch ein Wort kamen, im Sinne von Gesetz oder Logos, diesmal sogar nur ein menschliches. Wir glauben ihm alle, denn sonst verlöre das Spiel seinen Zweck und seine Kraft. Das beantwortet, nebenbei, die Frage, warum Gott das Böse in Seinem Spiel zulässt!

Nun will ich aber nach meiner Herkulesnatur mit dem Bauern querfeldein das ganze Spiel ›erobern‹, mit dem Turm diagonal auf den König los! Also bitte, versuch’s doch einmal! Es hat ja keine Deckung, auch nicht vor dir selber. Es macht dann ja auch keinen Spaß, aha, da sind wir bei unseren positiven Emotionen, zu vermeiden, alle Figuren wieder auf ihr Holz zu reduzieren.

Das erinnert doch an unseren Gedanken Schulze gegen Schmidt. Deren Autorität geht wie alles, nach unserem Glauben, der erwähnten Autofahrerroutine. Wir schaffen uns zum Verständnis von allem, worin wir leben, eine Aura. Und die muss für neue Gedanken bei Gott, erstmal zerbrochen werden!

Aber in unserem Schachspiel richtig spielen und damit gewinnen kann nur einer, der nicht menschenmächtig seine eigene Ohnmacht – und/oder die des Gegners! – niederknüppelt und wie Hitler auch ohne die richtigen Figuren und Konstellationen blindwütig darangeht, sondern wer sie berücksichtigt und jede einzelne seiner Figuren und ihre Macht und Möglichkeiten – und auch Gott! – kennt und abschätzt. Ein gutes negatives Beispiel sind doch die römischen Katholiken mit ihrer Priester-Sexkrise. Spielten sie aus solcher begriffenen Schwäche, hätten sie längst die von Gott ja gemachte schwache menschliche Sexnatur erkannt und akzeptiert und hätten die zwangsweise Ehelosigkeit, die es für Priester ja nicht einmal im Alten Bund gab und die Gott auch nirgends befiehlt und die deshalb ganz nutzlos, ja, schädlich vor Gott ist, hätten sie also aufgegeben, so wie die Reformation schon seit fünfhundert Jahren! Aber nein! Der alte sture Kern in dieser Religionsgemeinschaft träumt bis heute, stark und selber gut zu sein, wenn man sich nur ›zusammennehme!‹ Je stärker du dich machst – na, du weißt schon! – nämlich: desto mehr wird dich Gott erniedrigen! Notwendiger Weise deine Wege durchkreuzen. Oder wusstest du nicht, dass Gott für uns nicht Ego und Muskelstärke plant, auch nicht Moral, sondern eben, wie Paulus, Enkrea, innere Kraft, immer nur von Gott her?

Paulus selber empfiehlt Ehelosigkeit, aber immer nur freiwillig, und, so kann man zufügen, ganz verschwiegen vor anderen Menschen über die Gründe. Denn ist er pervers, würden ihn die Leute meiden, wenn sie’s wüssten. Aber bleibt er ehelos, um Gott besser zu dienen, und das darf nie ›moralisch‹ abgequält sein – so sei er erst recht ganz verschwiegen, denn sonst würden nicht nur die Weltkinder ihn hassen, sondern ganz besonders aus Neid, Eifersucht und Misstrauen-aus-Nichtverstehen, seine eigenen christlichen ›Brüder und Schwestern‹!

Nun sagst du, niemand kann ja Gott durchschauen? Stimmt, aber du musst und sollst auch ›bei Tag und Nacht‹ genau so ›tückisch‹ wie meine Schacherfinder, das heißt in diesem Falle gut oder jenseits von Gut und Böse, also neutral, Seine Möglichkeiten für dich, soweit ein Mensch kann, und Seine Bedingungen erforschen, also Seinem Geist nachspüren, genau, wie wir’s hier im Webbhaus versuchen. Dann lernst du auch Seine Gnade und sogar mit der Zeit Seine Wunder – das berühmte Noch-mehr-als-Ich [Jeschua selber] – an dir selbst kennen.

Und nun das ganz Neue, worauf ich schon seit Minuten hinziele! Der Paulus schreibt doch, dass er sich seiner Schwachheit rühme. Das wollen wir ihm einmal nachmachen! Mal sehen, ob sich das nicht als neue Strategie eignet. Er ist ja Gottes wichtiger Apostel, einer der wichtigsten, weil er im Neuen Testament alles unbedingt Wissenswerte für uns zusammenfasst. Was ist nun schwach und verachtenswürdig an dir selbst zum Rühmen? Ich greife nur ein Beispiel heraus: Nehmen wir also an, jemand sei dumm, faul und – äh, – sagen wir, feige! « (Er hat sich gerade umgestimmt, denn er wollte eigentlich ›verfressen‹ sagen! )

Sonya, die aber schweigt, erlebt bei diesen Worten ein tiefes anbetendes Staunen. Sie erfährt die Realität des Engels trotz der Unsichtbarkeit in ihrem Zimmer bei dem Wort »feige« und erschrickt geradezu über ihre eigene eben gestellte Frage, die also von Gott, nicht von ihr, so eingefädelt war, dass sie zu Sams Antwort führt. Von da an ist ihr nur wegen dieses kleinen Gedankens die direkte Führung Gottes etwas leichter zu erleben.

»Und weil so prävalent, nehmen wir, wie die Katholiken, woran sie alles messen, dazu die Sexualität. Deine hübsche Nachbarin – also für dich, Sonya, natürlich entsprechend modifiziert, also der schmucke Prinz, na und so weiter – gibt dir süße Signale! Und da du nicht reagierst, werden bald direkte Einladungen daraus – nachts allein auf ihr Zimmer! Also bitte, nun kannst du von deinen schlechten Eigenschaften wählen – aber endlich zum Guten, Geilheit also soll hier mal nicht gelten! Vielleicht doch, wenn du’s fertigbringst, sie als Warnung zu durchschauen – oder neue, andere schlechte Eigenschaften erstellen, sie müssen nur vorher wirklich als unbedingt für dich passend ausgesucht worden sein. Gesegnete Faulheit! Und du kannst dich rühmen ohne Scham, als vor Gott, es sind ja alles anerkannt schlechte Eigenschaften, die du zum Guten ausnutzt, und dieses Rühmen hat unser Apostel nicht nur erlaubt, sondern gesegnet! Nämlich etwa so:

Was, jetzt um 23 Uhr, bei Regen auf den Frauenflügel schleichen, wo dich doch jemand sehen könnte? Und der weiß aus den Umständen auch sofort bescheid, was du da willst! Worte sind ganz überflüssig! Ha! Also: gelobte Feigheit in diesem Fall, die dich erst gar nicht gehen lässt! Noch schöner – wirklich einfach schöner, wörtlich – nehmen wir an, er hat, von vornherein ganz harmlos, die natürlich aus Peinlichkeit vage gehaltenen Einladungen nicht richtig aufgefasst, wie sie gemeint waren. Heißa, liebwerte Dummheit! Ganz besonders zu preisen, weil er da ja wieder biblisch, ›wie ein Kind‹ wurde.

Etwas sträubt sich in dir? Ich weiß schon, du wolltest stark sein! Dich selbst besiegen oder beherrschen! Ganz verkehrt und am Ende immer erfolglos! Lass doch Gott regieren, so sagt doch Salomo! Oder ärgert dich – euch, sollte ich sagen, dass ich für Geilheit keinen Raum gelassen habe? Na, dann kombiniere sie eben noch für den Fall mit deinem Selbst-Besiegen! Alles wirkt zum Guten denen, die Gott lieben! Dann lernst du was. Bedenke, dein ›sündiger‹ Sex selber kommt ja von Gott. Wir sind der Bauer im Schachspiel oder sogar Der – oder ihm genau ähnlich – schwache König: Erstaunlicher Status, aber eine Macht-Null! Also spielen wir einmal nach Seinen Regeln! Und sind die vielleicht Stärke, Auftrumpfen und Selbstbeherrschung‹? (wie wir sie hier entlarvt haben) Oder eher Dummheit, Feigheit, Faulheit und Entsprechendes?! Auch nicht – sagst du? – Aber schon eher!

Ich weiß, das ist absolut neu für uns. Ich bin durch die Kirchen und Missionen gezogen. Dies Thema, wie der barmherzige Samarier, die unvergebbare Sünde, oder gar, ›Gott zu geben, was innen ist‹, das sind bei denen allen Tabuthemen! Niemand weiß den Sinn zu erschließen oder erwähnt auch nur etwa menschliche Schwäche zum Wuchern an Schätzen im Himmelreich, wo’s keinen Rost oder Motten gibt. Aber was die ›Güte und moralische Stärke‹ betrifft, vergesst nicht, dass Jeschua das mit allem Vorbedacht als ein weißes Gewand beschreibt, uns übergeworfen wurde, aber innen bleiben wir so schmutzig-sündig wie immer! Also empfehle ich einmal, dass wir uns in unserer Sündennatur zu Hause fühlen und uns ja nicht für heiliger halten als wir sind. Güte kommt ausschließlich von Gott, fertig! – Halt, halt, schreit ihr da, wir fühlen uns schon ganz rein bei Gott, und das mit Recht! Du selber hast uns doch gerade belehrt, dass uns Jeschua bei der Fußwaschung ganz sauber übriggelassen hat, ohne restlichen Alten Adam!

Hier wirft Fachmann Mischa ein:

»Ich behaupte, gerade in der Erotik ist Sams Zurückhaltung als der ›schwache Schachkönig‹ gar das wirksamste Aphrodisiakum!«

Autsch! Das hätte Mischa vor Sonya wegen gewisser Begebenheiten nicht sagen sollen! Wie schnell er da sein Substrat an Respekt vor uns riskiert, wir sind ja alle darin so albern! Ist er doch noch der wilde Russe, wie er hier, meist fälschlich, verschrien wird? Jänkis sind da, sonst oft wild darin und überraschend für uns, komisch mit ihrer Frauenvereins-Moral!

Andererseits sind wir aber auch prüde! Wir haben doch schon Manches von ihm lachend geschluckt. Hier aber herrscht nun sofort ein peinliches Schweigen, bis Sam als wäre nichts geschehen, fortfährt:

»Nun gut! Da haben wir also zwei gegensätzliche Betrachtungsweisen, die sich widersprechen, wenn nicht gegenseitig aufheben! Sich rein Fühlen und ein Sünder bleiben! Die Lösung? Dass wir alte Sünder aus reiner Gnade gerade so reingewaschen und weiß überkleidet sind, wie’s bei Gott zählt – aber ganz wichtig: Nur so viel und nicht etwa mehr als das, womit wir uns nämlich selber rühmen würden! Also ganz menschlich damit ›angäben‹. Das ist der ganze – und sehr wesentliche Unterschied.

Nun sollen wir auch auf Erden so leben wie Jeschua, Der ja für uns als Beispiel kam, sagt sein Jünger Johannes, Aber Jeschua ist doch nun und war immer, ganz rein! Auch nicht immer, denkt an Seine Taufe ›zur Vergebung der Sünden‹, die der Täufer selber nicht verstand! Oder, Hebräerbrief, Jeschua ›lernte‹. Schön, Er beging keine Sünde, aber die Schachfigurenbestimmung, an die wir alle, wie an den Wert eines $1000-Papierscheines, glauben, war an Ihm! Aber wie könnte sich Der dennoch Seiner Schwäche rühmen oder Seiner Miesheit zum Wuchern bedienen?

Da sehen wir Ihn stehen vor dem ungerechten Sanhedrin zu Seinem Todesurteil, was Er selber vollzogen haben will, oder eben nicht vollzogen haben will, sondern sich dem Vater unterordnet. Ihr seht, ganz kriegen wir dies moralische Element doch nicht heraus! Und nun tut Er, was ich versuche zu empfehlen: Er lügt mit der Wahrheit und nutzt das Schachfiguren-Vorurteil aller Seiner Ankläger und Verurteiler aus, dass alle ›Verbrecher‹ eo ipso schlecht und Lügner seien! Sie kennen Ihn ja nicht! Er antwortet auf die Frage, ob Er nun der Messias sei, mit absoluter Wahrheit:

Ihr werdet mich sitzen sehen zur Rechten Gottes!

Das kürzt nun den ganzen Prozess angenehm ab, auf der Stelle ! Der Hohepriester zerreißt sein Gewand aus Empörung, ›Was brauchen wir noch mehr Evidenz?!‹ Da hat also der göttliche Jeschua mit vermeintlicher Hochstapelei und Sich-Gott-Gleichmachen geprahlt, also mit einer Schlechtigkeit, die Er gar nicht hatte, denn es stimmt ja alles was Er sagte! Er war da selber klug wie die Schlange, und dennoch ohne Falsch wie die Taube.«

»Mir scheint, das ›Moralische Element‹ ist bei unserem Erlöser doch voll herausgewaschen, rein wie weiße Wolle!« bemerkt nun Bob zu dem Gesagten,

»Er sagt zwar zum Vater, Dein Wille geschehe, nicht meiner, aber das war am Anfang, inzwischen ist es Sein Wille, ja, und Seine positive Emotion, also Freude, geworden! Stellt euch doch vor: Er wurde geboren, um für uns zu sterben, und diesen Auftrag kannte Er ganz genau. Paulus vergleicht diesen ersten Menschen des Neuen Bundes mit Adam, dem ersten Menschen überhaupt. Stellt euch Seine Gefühle vor, wenn Er etwa die Legion Engel doch bestellt hätte!

›Tut mir leid, Vater, nun hat’s eben doch nicht gereicht!‹ Das wird ja wie meine Boih-Geschichte!«

Auf eine Eigenschaft bei meinen beiden »Chefideologen« bin ich noch heute sehr stolz: Sie müssen nicht immer unbedingt Recht haben, können die Lehrstellung, die sie gezwungenermaßen erst ja immer einnehmen müssen, leicht und ohne Substanzverlust aufgeben. Wenn das nur auch die Pfarrer der hiesigen Kirchen so könnten!

Sam erhebt nun seine Hände etwas von seinem Schoß in einer Gebärde des Nichtwissens, Schulterzuckens, ja Zugebens. Weiteres wird über diesen Punkt nicht gesagt.

 

»Mischa hat uns mehrfach vorgestellt, wie junge Männer freiwillig und mit Freuden in einen Krieg ziehen, auch wenn der Tod gewiss ist, Kamekazeflieger zum Beispiel! Dann hat das Leben einen spezifischen Sinn und vorhersehbares Ende! Und was war der Unterschied bei Adam? Der wusste die Konsequenzen nicht! Ihr wisst doch, seine ›Gedankenpalette‹, die man vorher erarbeitet haben muss. Sonst, so sagte doch Mischa, hätte doch, ausgeruht und guter Laune und alles wohl bedacht, auch er die Sünde nicht gewählt. Und Eines müssen wir hochhalten: Jeschua war als Mensch nicht gut, so betont Er selber in Lukas 18, 19! Macht doch was ihr wollt. Wenn wir tiefer in das Geheimnis der Sünde eindringen wollen, genügt ein ›Wir sind eben alle sündig‹ nicht! Und wir müssen uns den Menschen erst einmal neutral denken, Gotteskindschaft, wie Sünde, in diesem Bild, werden von außen herangetragen.«

Rudi hat noch dies beizusteuern:

»Gegen Ende der gerichtlichen Verhandlung wird dieser Gedanke, dass Seine Hinrichtung eigentlich nicht durch die Pharisäer oder Pontius Pilatus bewerkstelligt wird, sondern durch den Erlöser selber, das heißt Gott, noch einmal hervogekehrt:

Pontius fährt Ihn an, dass Er ihm nicht antworte, woher Er sei: Weißt du nicht, dass ich Macht habe dich, loszugeben oder zu kreuzigen? Darauf Jeschua: Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht wäre von oben her gegeben. Darum : der mich dir hat überantwortet, der hat größere Sünde.

Aber wer ist das? Man müsste dann konsequent antworten, Gott selber! Aber das ist sicher nicht gemeint. Ja, weil Er per definitionem keine Sünde begehen kann. Ich denke mir dazu;

Wer das ganze Universum gemacht hat und alle Menschen dazu, der kann auch von rechtswegen damit machen, was Er will!

Also redet Jeschua vom Hohenpriester oder den Pharisäern allgemein, und da ist es wie mit Nebukadnezar, Pharao oder Hitler. Gott hat ihnen das Böse eingegeben, das ist, befohlen. Dennoch bleibt ihre eigene Schuld bestehen. Sie beachteten Gott nicht, also tut auch Gott, als gebe es Ihn Selber nicht. Die Sünde, begangen aus ihrem Ego, fällt auch auf ihr Ego zurück. Sonya brachte doch diesen Fragenkomplex auf. Das Gute an diesem Gedanken ist, dass er positiv betrachtet, uns hilft, den Vergebungsweg unseres Erlösers besser zu verstehen.«

Beim Wieder-Durchlesen meiner Blätter wird mir an dieser Stelle bewusst, dass ich unseren Rudi unfair übergangen habe! Was er da nämlich sagt, sind mindestens zwei gute Ideen, einmal, warum wir Gott nicht als Sünder bezeichnen – ich will sagen, »dürfen«. – Das ist falsch, nicht nur weil uns das zu Heuchlern abstempeln müsste, sondern ich muss Rudis Wahrheit gemäß schreiben, Ihn nicht als Sünder rechnen können! Das hat mich also Rudi gelehrt. Das befreit uns von diesem absurden quälerischen Gedanken, Gott als potentiellen Lügner oder Massenmörder zu denken. Zweitens hilft mir die Idee, Gottes Gnadenweg – oder, damit eingeschlossen, den unvermeidlichen Sündenweg zu gehen, auch für jemanden, der meint, sich das Gute abzuquälen – ein wenig besser zu verstehen, und nicht nur mir! Ich werde da einen Menschen beschreiben müssen, der gerade an diesem Denkkomplex wird scheitern müssen.

Alle schweigen jetzt und sind offenbar am Nachdenken und vielleicht wohl auch noch nicht ganz zufrieden. Aber nun ist ja solche Unzufriedenheit immer ein möglicher Anfang für Gott, eben weil man suchen muss, so wie Mischa nicht seine Rätsel für alle lösen will. Deswegen nutzt nun Sam auch das aus und kommt endlich auf sein eigentliches Thema zurück:

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»Lasst mich nun ein paar Gedanken über Weihnachten mit euch durchgehen, die euch vielleicht auch ärgern werden, aber dafür ebenso neu sind wie mein Prahlen mit eigener Schwäche. Und das ist wesentlich wichtiger, als euch in eine Weihnachtseuphorie einzulullen mit nicht ausreichend durchdachten Phrasen, die ihr seit Jahrzehnten zu diesem Fest gewohnt seid!

Warum feiern wir eigentlich Weihnachten? Ein entfernter Bekannter von mir an der Uni ist ein Katholik. Er hat nicht ganz begriffen, wo ich stehe, wohl aber, dass ich Jude bin, und meint nun, mich zum Katholizismus und ›seinem‹ Weihnachten bekehren zu sollen. Ich will keinem sein Fest verderben! Schön finde auch ich, etwa in einem Skiquartier Tannenduft zu atmen und Marzipan zu knabbern. Darin bin ich schon deutscher als ihr hier, denn Marzipan ist doch hier praktisch unbekannt. Wohl mal etwas, das zu Hause nicht mit-verpönt war! Man könnte mir vorwerfen, ich verdamme Weihnachten wegen meines orthodoxen – und Mischa predige materialistisch wegen seines kommunistischen – Hintergrundes. Oder, ich will nicht freche Annahmen aufstellen, Mischa war ja erst gar kein Materialist. Das kommt aufs Gleiche heraus. Wir beide haben mit unserer Vergangenheit gebrochen. In Jeschua ist Ruhe und das gelobte Land für alle Menschen und Nationen. Wohl könnte man sagen, innerlich sind wir ständig auf der Suche geblieben, jeweils beide Welten zu versöhnen.

Da stehen wir also vor der katholischen Kirche in der Hogville Road, wo man draußen eine riesige ›Krippe‹ aufgebaut hat. Man schaut in den Stall hinein, wo Maria und Josef, jeder natürlich mit ›Heiligenschein‹ betend über die Krippe mit dem gleichfalls bescheinten Kindlein gebeugt sind. Das ist am Boden Seiner Krippe an der tiefsten Stelle aber in der Mitte der ganzen Szene. An der höchsten, über dem europäischen Giebeldach, wie man’s gar nicht in Israel hat und hatte, weil’s ja dort keinen nennenswerten Schnee gibt – sondern Flachdächer wie bei David, von wo aus er Bathseba erblickt – das nun wie ein großer Pfeil nach oben deutet, da schweben die nackten Barockengel und halten, da ja hier stumm, eine sich rollende und gerade ihre Geschlechtsteile, die sie als Engel, sagt man, doch gar nicht haben, verbergende Banderole mit, lateinisch natürlich, ›Gloria in excelsis Deo‹ (was hier immer fälschlich »in extschelsis« ausgesprochen wird! Denn um diese Zeit der römischen Besatzung war das Latein noch »klassisch.«) darauf kunstvoll gemalt. Im Hintergrund des Stalles stehen noch ein paar Nebenfiguren, Hirten und Vieh.

Ich habe ihn jüdisch aufgeklärt, dass Maria und Josef als gottgläubige Juden damals sich nie und nimmer anbetend vor irgendwem anders als Gott gebeugt hätten.

›Na ja,‹ sagt er, ›tun sie ja auch nicht. Er ist nämlich Gott!‹ Weil ich das doch nicht wissen können sollte. Darauf ich, nicht faul:

Das konnten sie noch lange nicht wissen! Und Er selber verbietet’s ausdrücklich, als Er älter wird. Sein Ruhm gehöre dem Vater allein. Er kommt nämlich zu uns absichtlich in aller menschlichen Schwachheit, nennt uns ›Brüder‹ und behauptet, die Ihn ausweisenden Wunder könnten wir durch Gottes Finger auch wirken und noch größere. Seine Aufgabe ist, uns zu zeigen, wie man als Mensch Gott gegenübertritt, und das auch durch Sein Opfer möglich zu machen. Wozu sonst der ärmliche Stall statt eines Palastes? In Lukas 12, sagte ich ihm, steht das denkwürdige Wort: Wer ein Wort gegen den Menschensohn redet, dem soll vergeben werden, wer aber den Heiligen Geist lästert – das ist Gott der Vater selber – dem soll nicht vergeben werden. Wir doktern ja in diesem Kreis schon eifrig an der ›unvergebbaren Sünde‹, nämlich Missachtung des heiligen Geistes, herum. Da wird nun auch klar, dass Jeschua hier nur als ein dem Herrgott ganz ergebener Mensch ohne eigene Gotteseigenschaften auf der Welt war. Da habt ihr wieder, was ich vorhin gerade das moralische Prinzip nannte.

Glaubt mir, es ist immer wieder niedlich, die Reaktionen zu sehen, wenn ein ›Jude‹ die Goyim über Christglauben aufklärt! Sie kriegen ihre Goschen nicht wieder zu! Nun staunte er so, wie er’s von mir erwartet hatte.

Jemand hat herausgefunden, was ›heilig‹ heißt bei Gott. Er erwähnt ›Usa‹, den Mann, der hingreift, um die Lade Gottes vorm Abrutschen zu retten, doch eine ›Gute Tat‹, aber – uns so unverständlich – dafür sofort mit dem Tode bestraft wird! Denn das Heiligste darf niemand berühren. Das gilt auch für den ›Notfall‹ des Abrutschens, denn vor Gott existiert kein Not- oder Zufall. Deswegen steht Sein Wort so fest und unveränderlich. Er wollte hier offenbar nur Usas mangelnden Glauben für uns bloßstellen.

Aber nun Jeschua! Der ist doch wohl heiliger als die von Menschen gemachte Bundeslade, das Heiligste von allem, Gott selber, ja, das Zentrum des ganzen Universums. Aber Der kommt zu uns absichtlich in Niedrigkeit, Den darf man anfassen. Die blutflüssige Frau berührt Ihn, ohne dass Er’s erst gewahr wird. Wird sie auch gleich mit dem Tode bestraft? Nein, sondern zum Leben belohnt, das ist zu ihrer Gesundheit!

Und dann die Engel da an der ›Krippe‹. Sie sagen ›Ehre sei Gott in der Höhe!‹ Wozu denn diese Phrase, die sonst in der Bibel kaum vorkommt? Nun, das heißt, und ihre ganze da aufgebaute Szene sagt es unwissend auch: Gott da oben, ihr Schwerbegreifer, wo schon der große Giebelpfeil hindeutet, doch nicht da unten Den in der Krippe, denn so ein neugeborenes menschliches Baby hat noch keinen Geist. Und dasselbe Baby sagt später, als es den menschenmöglich meisten Geist hat: Ich nehme nicht Ehre von Menschen.

Sie fahren übrigens fort, was nicht mehr an der Kirchenkrippe stand: ›Und Frieden [schon hier] auf Erden den Menschen des Wohlgefallens.‹ Nämlich des längst vor Gründung der Welt etablierten Wohlgefallens Gottes an Seinen Auserwählten! Durchaus nicht etwa allen ›gleichen‹ Menschen. Aber solche Feinheiten gibt es bei Katholiken nicht. Da hätten sie wohl wieder geschrieben: ›Und den Menschen ein Wohlgefallen‹ – Ach, darüber hat euch auch schon Mischa aufgeklärt?

Ach so, noch Eins! Warum wird Usa so bestraft, der doch ›geistesgegenwärtig‹ zugreift, um ein Unglück zu verhindern? Weil er im Glauben an sich selbst und seine Güte, eben rechtzeitig einzugreifen, handelt, genau was hier überall so als Tugend gilt, und dafür den Wortlaut Gottes meint aufgeben zu können – schließlich heißt er ja nicht umsonst U-s-a ! – während die blutflüssige Frau im Glauben an den Messias Ihn anzurühren wagt! Also, hier würde das in christlichen Kreisen ja heute so heißen:

He made the wrong choice

Das kann Sam nur spötisch gemeint haben, denn es fußt im eigentlichen Kern wieder auf dem falschen freien Willen! Wir haben aber gar keine Wahl, weder zum Christwerden, noch über Ort, Zeit oder Familie, in die wir physisch hineingeboren werden. Römer 6 spricht von Sklaven, von denen jeder entweder der Sünde dienen muss, oder ebenso ein Sklave der Gerechtigkeit ist.

»Wann ist eigentlich Weihnachten? Nun, zu Jeschuas Geburt natürlich. Aber wann ist die?! Am 25. Dezember? Sicher nicht! Das ist so ein Traditionsirrtum wie mit Greenwich als der Mitte der Welt! Wir wissen sehr wenig über die mögliche Zeit, nur, dass es sicher nicht im Winter war! Weil’s einfach da auch in Israel zu kalt für die Hirten war, nachts bei den Hürden zu bleiben, besonders damals, vor der allgemeinen Erwärmung des Globus.

Warum hat uns Gott denn nicht genau aufgeklärt? Wann Pessach zu halten ist, wissen und wussten meine Vorfahren ganz genau. Da hat Gott gesagt: Den sollt ihr für alle Zeiten so und so halten! Hat Er nun später auch den Christen geboten: Und Weihnachten sollt ihr von nun an so halten:

Am Vorabend zwängt sich der Dickste von euch mit rotem Anzug und angeklebtem Wattebart durch den Kamin . . ?«

Hier lacht denn seine Audienz natürlich.

»Von der so zentralen Kreuzigung wissen wir auch nicht viel. Nicht den genauen Ort, nur dass es nach der Schrift als Erfüllung des Pessach-Lammes vor den Toren der damaligen Stadt war, mitten im Sünderland, wie wir aus der Offenbarung 11 erfahren. Nichts vom genauen Ort oder der annähernden Zeit Seiner Geburt, auch wenn es in Bethlehem heute eine Kirche gibt mit genau verzeichneter Stelle im Innern, wo die Krippe hat stehen sollen. Aber dann gibt es im heutigen Israel auch eine ›Herberge zum Barmherzigen Samariter‹, an der Stelle, wo der Verletzte lag oder wohin ihn der Samarier brachte. Da sind gleich zwei Fehler darin.

Einmal hat der Barmherzige den Verletzten ja ein Stück Weges in die Herberge transportieren müssen, die Räuber haben ihn auch nicht vor den möglichen Zeugen an den Fenstern der Herberge so zusammenschlagen wollen. Und zweitens war ja das Ganze eine Erfindung Jeschuas, ein Gleichnis und keine historische Tatsache!

 

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Also hat Gott gemeint, wir sollten weder Seine Geburt noch Seinen Tod feiern und keinen großen Schauzirkus daraus machen!

Ich fahre mit Weihnachten fort, wo Gott also nicht etwa angeordnet hat:

›Und einen stachligen Baum sollt ihr schmücken und in die Stube stellen – zum Andenken an, ja an was eigentlich? – an euren Pharisäismus!‹ Das müsste Er nämlich dann sagen.

Denn mit einem Baum verhält es sich in biblischer Sprache so: Er ist immer ein Symbol eines oder mehrerer Menschen.

1. Nebukadnezar wird in seinem Traum zum mächtigen Baum, der die ganze Welt schützt und nährt, bis er eben abgehauen wird.

2. Psalm Eins spricht von eigentlich einem Menschen, der an den Wasserbächen steht – Wasser ebenso ein Symbol, das durch die Bibel das gleiche bleibt, wir kennen es schon – und seine Blätter welken nicht .und was er macht, das gerät wohl. Also Baum am Wasser im Symbol wird zu Mensch am Geist Gottes.

3. Der Feigenbaum wird gar zum Symbol des Volkes Israel, an dem wir die Zeit ablesen können.

4. Der Weingärtner bittet, dem enttäuschenden Weinstock noch ein Jahr Zeit zu gönnen, ehe er abgehauen und ins Feuer geworfen werde. Klar ist das auch ein Mensch, wo Gott auf seine Früchte wartet.

5. Der Blinde, den Jeschua heilt, sieht zunächst mal Menschen ›nebulös wie Bäume‹, bis er nochmals gewaschen wird. Wozu sonst diese Abschweifung? Ich muss immer an unsere ›körperlose Seele‹ dabei denken!

6. Paulus schreibt in Römer 11, dass die Heiden ›ein wilder Ölbaum‹ waren, nun eingepfropft in den guten Baum Israel, und ›teilhaftig geworden der Wurzel und des Saftes im Ölbaum.‹

7. Johannes der Täufer sagt, quasi zum Abschluss als der letzte alttestamentliche Prophet: Euch ist die Axt schon an die Wurzel gelegt, tut also Buße!

8. Jeschua greift das gleichsam auf und vergleicht uns mit argen Bäumen, die nur arge Früchte tragen können, und guten, die ebenso ausschließlich gute Früchte bringen. Da habt ihr dann, was ich vorhin erklärte, der Mensch ist, wem er sein Herz (was innen ist!) gegeben hat, genauer, wem Gott dies Herz zugeteilt hat, entweder ein Sklave der Sünde oder ein solcher der Gerechtigkeit, der dann Gutes tut, weil Gott sein Herz, sein Inneres, gereinigt hat. Und eine andere ›Güte‹ gibt es nicht für uns.

9. Matthäus 7, Vers 16, aus der Bergpredigt:

›An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man auch Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln?‹

Also zurück zu meinem Weihnachtsbaum. Der ist so eine Distel des Nordens. Seine Früchte?

›Wollt ihr heute eure Kienäpfel und Tannenzapfen flambiert oder sautéet?‹

Und gerade diesen Baum hat Gott zu unserer Schande durch meine anderen Vorfahren ausgewählt, dass wir ihn nun auch hier in die Weihnachtsstube stellen und mit – falschen! – Früchten behängen. Die man oft schon nicht mehr essen kann. Sie sind reine Show geworden. Voilà:

Der Weihnachtsbaum ist das vollkommene Sinnbild des Pharisäers!

Innen ein arger Baum, eine Distel des Nordens, voll Raub und Mord, also wie wir gehört haben, Sünde gegen Gott und Menschen, Jeschuas zusammengefasstes Gesetz, aber außen zur Schau mit prächtig roten Glasäpfeln. Denn der Pharisäer, der doch innerlich ein arger Baum ist, träumt davon, doch durch seinen eigenen Fleiß gute Früchte außen vorzubringen. Die dann, das liegt in der Natur der Sache, immer Betrug und Schein, nicht aus ihm gewachsen und auch nicht essbar sind.

Was noch ist der Weihnachtsbaum? Wohlgemerkt, ich bin hier kein Prophet, der genau und verlässlich bis ins Kleinste Gottes Wahrheit weitergibt, damit ihr Gott daran erkennen und festnageln könntet. Sondern ich phantasiere, lasse meine Gedanken frei schweifen und schließe von was ich sehe, weiter auf anderes. Dabei sind mir Sprünge durch Zeit und Raum gestattet, ich bin nicht als absolute Wahrheit festzunageln. Aber das muss es absolut auch geben, kreative Fantasie ist eine starke schöpferische Gabe! Denkt an Gott, der Selber mit uns argumentieren möchte, damit wir nur an Ihn bei Tag und Naccht denken.

Was sind nun die Lichter an unserem Baum? Den Germanen schwand dieses einmalige helle lebensbringende Himmelslicht also langsam im Laufe der Monate, wie unserer Kultur jetzt das Geisteslicht im Laufe der Jahrhunderte, ja schon merkbar von einem Jahrzehnt zum nächsten. Nun ist es dunkel, wo und wann vorher noch Licht und Einigkeit herrschten. Da machen wir unser Licht, künstliches, was kann der Mensch nicht alles! Die Kerzen am Baum waren Symbol der Menschen des lebendigen Lichts am immergrünen Frühlingsbaum, sind nun Gott in der Pluralität geworden, sind Demokratiesymbol, sind wir kleinen Götter in grandioser Freiheit, die sich selber helfen, wo Gott nicht mehr will!

Franz Schubert schrieb in seinem Todesjahr die Musik zu einem depressiven Liederzyklus, genannt ›Winterreise‹ 1828, nachdem Wilhelm Müller die Verse dazu in einer Art Wettbewerb geschrieben hatte. Da macht sich in einem der Lieder, noch dem optimistischsten, in Schnee und Nebel der verzweifelte Wanderer, von dem nicht ganz klar wird, ob er sich am Ende in dem Fluss, der ihn begleitet, ertränkt, selber Mut:

Lustig in die Welt hinein, Gegen Wind und Wetter, Will kein Gott auf Erden sein, Sind wir selber Götter!«

(Nicht wahr, wer’s kennt, kann gar nicht anders als mitsummen?)

Und weil ich bei Franz Schubert bin, er hat auch ein nun berühmtes Lied aus einem Gedicht von einem Franz Schober »An die Musik« komponiert – wir wissen auch nichts weiter von diesem Franz, der eben ohne jenes Franz’ Vertonung längst zu Asche geworden wäre und von seinem Gedicht – das so ganz den Ungeist dieser Epoche der Rebellion und Selber-Götter-Seins preisgibt. Was ihm eigentlich noch vorschwebt, sind Gottes Ankündigungen und Sein Himmel, aber nun muss alles auf Menschenruhm beruhen! Der tapfere Humanistengeist erschafft nicht nur nie dagewesene Maschinen, nein, auch der innere Friede der Seele wird Selber errungen! Was brauchen wir Gott, nicht wahr?

Im Röntgen nennen wir Fehler im endlichen Abbild Artefakte, zu meinem Unbehagen hier fälschlich immer Artifact geschrieben, also Fingerspuren auf dem noch unentwickelten Film, Kratzer, störendes Außenlicht auf den noch nicht entwickelten Film, und von den Notfallschwestern vergessene Klammern und Saugnäpfe für die EKG-Ableitungen am Patienten.

ARTE FACTUM ist auch klassisches Latein und heißt: Durch Kunst gemacht, auch wenn nur ein Fehler und unerwünschte ›Kunst‹, im Röntgenbild geben wir’s als Schaden noch zu, aber hört nur wie sie sich in der ›schönen Kunst‹ selber preisen!

Schober ebenso wie Schubert, selber wohl unbewusst, lässt sich also vor den Teufelskarren spannen, zur Lobhudelfahrt des allmächtigen humanistischen und gottfernen Menschen. Ich hebe mal alle Anspielungen, dennoch auf Gott, heraus:

1. Du holde Kunst, in wieviel grauen Stunden, 2. Oft hat ein Seufzer, deiner Harf entflossen,

Wo mich des Lebens wilder Kreis umstrickt Ein süßer, heiliger Akkord von dir,

Hast du mein Herz zu warmer Lieb entzunden Den Himmel bess’rer Zeiten mir erschlossen,

Hast mich in eine bess‘re Welt entrückt! Du holde Kunst, ich danke dir dafür!

in eine bess’re Welt entrückt. Du holde Kunst, ich danke dir.

Madame Heilig, ich meine das Wort »Heilig«, war eine verheiratete Frau, lange an ihren Mann gebunden nach göttlicher Ordnung. Aber sie ist leider Witwe geworden! Also der Gatte sei nun ›tot.‹ Ach Unsinn, er lebt ja noch und verlässlich immer! Sie hat sich nur scheiden lassen, damit sie nun ›frei‹ sei und tun könne was sie wolle. Und was das speziell bei einer Frau unserer revolutionären Zeit bedeutet, haben wir auch schon erfahren. Ich will also mal das Wort Heilig nach ihrem Sinn missbrauchen. ›Heilig‹ heißt ja ›an Gott gebunden.‹ Es wird bedeutungslos, wenn Gott nicht mehr ist. Also was faselt Herr Schober noch vom heiligen Akkord? Was Goethe vom »Heilig glühend Herz« in dem von Mischa zitierten blasphemischen Gedicht? Sie haben ja so schwer an ihrer „heiligen" Menschenaufgabe des neunzehnten Jahrhunderts gearbeitet, nämlich der

Abschaffung Gottes!

Eine »freie« Hure ist Frau Heilig geworden!

Also dann kann ich doch nun auch einmal Fräulein Babylon – so heißt sie also doch jetzt? – besuchen gehen, nicht wahr?

Wer nun unseren Sam kennt, muss zugeben: Das ist starker Toback für ihn, besonders das Sexuelle darin! Aber man muss ihn kennen. Einmal ist Weihnachten das, sonst allgemeine, Fest jüdischer Einsamkeit. Und wie er auf die Gedanken mit der Hure kommt, und was da in ihm gärt, haben wir ja auch schon gesehen.

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»Wenn ich ein Maler wär’, ich würde eine Bildersammlung ›Surrealistische Illustrationen zum Neuen Testament‹ herausbringen. So etwas gibt es meines Wissens noch nirgends, weil den Leuten wohl die Verbindung von Bibel und Surrealismus nicht passt, nicht einmal von Dali, obgleich der doch mit Vornamen schon Salvador hieß.

Also da wäre etwa der Augenarzt, der uns operieren will. Er sitzt einladend in seiner Praxis im weißen Kittel mit Stethoskop um den Hals, im Hintergrund hängt die Tafel mit dem großen E oben und den immer kleiner werdenden Buchstaben darunter. Nun hat der Arzt aber ein großes Stück Holz, wie ein Kaminscheit im Auge! Ich sage absichtlich nicht ›Balken‹, sonst fällt euch der Groschen zu leicht!

Am meisten Mühe gäbe ich mir zu einem ganzseitigen anderen Gemälde, auch ohne Erklärung, je weniger Worte desto besser, sagen wir: gar keine! Im Vordergrund sind zwei metallene senkrechte glatte Balken, wie Teil eines Rahmens, als Zugeständnis schon etwa 1,50m hoch, aber immernoch nur 10 bis 15 cm breit. Und ein Kamel! Es hat den Kopf doch schon durch den Bügel gezwängt und ein Vorderbein, aber der Riesenberg seines Leibes mit den beiden Höckern wie zum Spott himmelwärts gerichtet, sind noch jenseits. Der Gesichtsausdruck des Tieres ist erregend jämmerlich. Man könnte eine Träne an sein Auge malen. Denn es kriegt doch seinen Fettberg nie hindurch und seinen Kopf nun auch nicht zurück! Geld ist die Wurzel allen Übels. Geld ist das Symbol der egoistischen menschlichen, der humanistischen Macht, die des ›Selber-Götter-Seins‹, die den Menschen so aufbläht, dass er nicht durch so ein mittelalterliches orientalisches Tor – das zum Himmel! – mehr passt. Man könnte die Fetthöcker so darstellen, dass sie an gefüllte Goldsäcke erinnern.

Oder dies: Ein junges graziles Mädchen im Tanzkleid hält eine silberne Schale zu einem Thron empor. In einer realistisch gemalten Blutpfütze darin ist der abgeschlagene Kopf eines bärtigen Mannes. Aber er lebt! Lächelt spitzbübisch mit herausgestreckter Zunge den dicken Mann vor ihm auf dem Thron an, denn der Hingerichtete ist ja der eigentliche Sieger der ganzen Szene. Der Dicke auf dem Thron stützt seinen Ellbogen auf die Armlehne und verbirgt sein Gesicht in seiner Hand. Er ist verzweifelt!

Ja, und dann meine Distel! Schön giftig lila blühend, die Stacheln spitz und furchterregend. Aber dazwischen, saftig und gut, wächst aus der Distel eine schwarzrote pralle Weintraube. Na, was soll ich mehr sagen? Vielleicht die ganze Szene vor einem richtigen Weihnachtsbaum mit Äpfeln und Nüssen, und die Distel als Geschenk in einem Blumentopf mit ›Merry Christmas‹ darauf? Oder gar etwas Lametta auf die Stacheln?

Über Jeshuas Aussage zu den Pharisäern: ›Ihr seihet die kleinste Mücke heraus aber verschluckt Kamele!‹ könnt ihr euch ja selbst ein Bild ausdenken, vielleicht einen fetten Fresser mit Lupe und feinem Sieb, der schon einen unmöglichen Riesenschmerbauch hat, aus dem zwei typische Höcker sich hervorwölben, vor einem Becher mit Getränk?

Wo kommt Weihnachten her? Von den ›halsstarrigen Germanen‹, wie sie Luther später schimpft. Die waren also im Mittelalter endlich getauft und ›bekehrt‹, aber das war ebenso äußerlich. Denn sie hingen dennoch weiter ihren alten Bräuchen an. November und Dezember sind in Germanien höchst trübsinnige neblige Zeiten, darüber haben sich zum Beispiel unsere Bomberpiloten bei der Berliner Luftbrücke noch beklagt. Da gibt es in Deutschland bis heute die höchste Selbstmordrate. Der Golfstrom bringt warme, feuchtigkeitsgesättigte Luft aus Mittelamerika heran, die trifft auf den kalten Norden, man gerade vom kilometerdicken Eis der Eiszeit befreit, und kondensiert zu Wolken, Nebel und Regen/Schnee. Und weil’s immer so dunkel ist, dass unsere Vorfahren nur knapp ihr Vitamin D aufbauen können und an Rachitis siechten, werden sie im Lauf der langen Zeit blond gezüchtet, weil ihre dann auch helle Haut mehr Licht aufnimmt. Jawohl, da gibt es Evolution als Werkzeug Gottes! Die Ihm niemals aus der Hand gleiten kann und wir etwa unabhängige Supermenschen gegen Ihn werden könnten! Wenn wir uns nämlich überzeugt haben, dass es keine anderen Götter im Universum geben kann, sind wir frei von der kindischen Angst der Amerikaner, die deswegen Evolution so panisch leugnen, eben wieder um Gott zu ›bemuttern‹, also den vermeintlichen äußeren Zweck vor die Wahrheit stellen – und wenn wir uns zweitens überzeugt haben, dass Gott mittelbar schafft und erschafft.

Also da feiern die Germanen dann auch Feste, nämlich zur Sonnenwende, wenn’s endlich wieder heller zu werden anfängt. Da nehmen sie immergrüne Bäume als Symbol des wiederkehrenden Frühlings und feiern Frigga oder Freia, nach welcher ›Göttin‹ wie ich sagte, bis heute unser Freitag heißt, als eine solche der Liebe und Fruchtbarkeit, und hängen ihr goldenes Haar als Lametta – das bedeutet nicht etwa Schnee, den hatten sie genug, und sie feiern ja gerade Frühling und Wärme – um diesen Baum, und eben Früchte, damit die warme Jahreszeit sich schon in ihren Gemütern ansiedeln soll, zunächst natürlich echte, die sie noch aufgehoben hatten, etwa Nüsse, Winteräpfel und Trockenfrüchte. Da springen sie paarweise durchs Sonnenwendfeuer und wünschen sich was.

Wie haben da ihre römischen ›Seelsorger‹ gebangt! In den Kirchen der Siedlungen und frühen Städte schön fromm mit Beichte und allem, und in den Hinterwäldern, wenn’s keiner sieht, zu Frigga, Thor und Wotan, nach denen bis heute nicht nur Friday, an welchem gerade dies Jahr unser Fest liegt, sondern auch Tuesday, Thursday und Wednesday bei uns noch heißen! Was machen wir bloß, was machen wir da bloß? Es ist einfach nicht auszutreiben, auch mit schweren Kirchenstrafen nicht.

›Na‹, sagt endlich der pfiffigste von ihnen, ›je mehr wir strafen, umso mehr wird es eine Mut- und Glaubensprobe an den ›Göttern‹. If you can’t fight them, join them‹. Nur sagt er es natürlich auf lateinisch oder gar griechisch, wir waren ja noch mindestens zwei modische ›Weltsprachen‹ weiter zurück.

›Wir müssen also das Fest stehenlassen. Aber wir geben ihm eine neue Richtung und Bedeutung! Was bloß? Es ist ja schon alles Mögliche ausverkauft und belegt. Ah! Ich hab’s! Jesu Geburtstag! Na klar!‹

Und so kam unser Weihnachten ins Leben. Der Trick saß so gut, dass es sich auf die ganze Erde ausgebreitet hat. Ich höre, die muselmanischen Länder haben heute alle Mühe, es abzuwehren. Und wer nicht mithalten kann oder darf, der gibt dem germanischen Sonnenwendfest, Jul genannt, nun seinen eigenen Twist, etwa ›Hanukah‹ oder ›Kwanza‹. Wenn das so weitergeht, hat bald auch die Hezbola ihres, die Mafia oder die Homosexuellen!«

»Da heißt es dann ›Schwulklapp!‹« bemerkt Mischa, wohl in dem Genuss, nun auch einmal als »Publikum« mitstören zu dürfen.

»Übrigens«, fährt Sam fort, als sich alles wieder beruhigt hat,

»ist der Trick auch als solcher erfolgreich kopiert worden, bei denselben ›steifnackigen Sachsen‹ in derselben Gegend, um fast dasselbe Fest! Nur ein paar Jahrhunderte später, und nun mit umgekehrtem Vorzeichen. Diesmal galt es, das ganze christliche Aroma wieder herauszufiltern. Die Machthaber der ›Deutschen Demokratischen Republik‹ verfielen darauf, als es galt, das alte Fest der Mannbarkeitswerdung seiner christlichen Wurzel als ›Einsegnung‹ zu berauben. Da schufen sie die ›Jugendweihe‹. Gott ließ sie angären, aber durch den politischen Verfall der ›Zone‹ nicht ausgären. Nun wollen wir sehen, was unsere Goethe-Humanisten nun selbst nach Hinscheiden der DDR und Goethe, daraus vielleicht doch noch zustandebringen?

Ihr seht, mit ›Weihe‹ fängt man die Deutschen, nicht nur unter Hitler, ob nun ›-nacht‹ oder ›Jugend-‹, die Amerikaner mit ›Freiheit‹ die keine ist, und die Mäuse mit Speck! Es muss nur – außer dem Speck, die Mäuse sind nicht so leicht zu beschummeln! – jedesmal schön nebulös bleiben, dass keiner es genau definieren kann, so wie unsere griechische ›Seele‹! Was ist eigentlich ›Weihe‹? Gleich muss man doch fragen: wem? zu was? Und schon mangelt’s den Zonenherrschern an einer Antwort, denn ihr ›Staat‹, wenn der gemeint ist und nicht der glorreiche Sozialismus überhaupt, ist doch noch abstrakter als eine Seele, die sie schon überhaupt leugnen, und verdient, wenn intakt, als überflüssig auch keine Weihe. Selbst jetzt, nach der Wende, existiert Jugendweihe noch, höre ich. Nur, in Ermangelung der vorigen ›Ideale‹, wird sie jetzt auf Goethe und unseren Humanismus zugeschneidert! Vom Regen in die Traufe! Bös und falsch muss es allemal sein!

Ja, und der Nikolaus? – von sehr einfachen Amerikanern, wie ich mit Vergnügen bemerkte, um altbritische ›Vornehmheit‹ vorzutäuschen, gar mal Knickolas (als Vorname für ihren Sohn) geschrieben! Vielleicht war er das Jahr da gerade mal sehr knickerig? – Die Anfänge liegen, wie oftmals, im Dunklen. Eine Quelle verweist ihn ins ausgehende Mittelalter in den Osten Europas, entweder deutsche Ostgebiete oder Russland, womit er ja glänzend zu Mischa und unserem Rahmen hier passt. Daher auch der Name. So hieß und heißt man da. Dort soll er Gutsbesitzer und daher Eigentümer der dort arbeitenden leibeigenen Bauern gewesen sein. Der kam nun auf die Idee, heißt es, seinen abhängigen so-und-so-vielen ›Seelen‹, wie man damals, statt ›Sklaven,‹ sagte, zu Weihnachten Geschenke zu geben, was aber nicht allzu außergewöhnlich war, denn als ihr Eigentümer war er ja für alles was sie brauchten – und das war bekanntlich bettelwenig – sowieso verantwortlich.

Und wenn ich mal psychologisch ein wenig ›spinnen‹ darf, ist nicht eines der bis heute sorgfältig versteckten und auch unbewussten Motive, Geschenke, besonders also Weihnachtsgeschenke, zu machen, nicht vielleicht unser alter Machtadam – und die meisten gehören ihm ja noch an – den anderen auf eine unangreifbare und noch ›liebevoll‹ zu nennende Weise zu beherrschen? ›Hier hast du mein Geschenk! Das heißt, du bist mein Sklave. Zumindest mir nun verpflichtet und musst »danke« sagen, ob es dir gefällt oder nicht!‹

Und weil ich gerade dabei bin, mögliche schlechte Weihnachtsmotivationen zusammenzutragen – unsere Sonya hat uns ja dies Thema gesetzt – hier ein Gedanke, der mir eigentlich durch dich, Bob, kam. Da schreibst du in deinem Pamphlet, dass unsere falschen Götter aus Farbe, Holz und Stein oder in neuerer Zeit aus falschen Gedanken wie Marxismus oder Demokratie immer klein und schwach und daher uns untertan und vom allmächtigen Menschen beherrschbar sein müssen. Nur wer von den Menschen ist bloß der Richtige? Denn um Macht geht bei uns alles, seit uns Satan damit so verführt hat. Und nun, quasi vor eine Wahl gestellt, suchen wir uns von allen Festmöglichkeiten gerade Weihnachten als Favoriten heraus, das auch deswegen so unschlagbar auf der ganzen Welt wird, weil dort unser Gott nicht der mächtige, starke ist, der dauernd Forderungen an uns stellt wenn er auch für uns handelt, etwa wie in Pessach, wo Er uns aus der Sklaverei errettet oder Auferstehung, wo Er aus Liebe für uns stirbt – sondern klein und niedlich ist, ein hilfloses Baby, das noch nichts von uns verlangt, vom menschlichen zu Hause aus gar nicht ›gepolstert‹, zunächst keinerlei Beziehungen und Macht hat, sondern arm ist, hilflos und in einem Stall.

Danach streben wir doch alle. Es fehlt so dringlich die echte Autorität. Da müssen nun Vereinte Nationen, Sozialismus, Parteien, eine verpflichtende constitution und was nicht alles, herbei. Aber denen sich beugen und gehorchen? (Es sitzen ja doch bloß wieder menschliche ›Götter‹ dahinter, lüstern auf Macht und unseren Gehorsam!) Auf der anderen Seite will nämlich der Mensch frei und Sklaven oder Untergebene haben, die ihm gehorchen, aber niemals Sklave sein, und einen Gott gibt’s ja deswegen im Sozialismus schon sowieso nicht:

Ja, Macht, die sichere Quelle ewiger Reiberei, sei nun auch für die Zukunft garantiert! Da fiel mir nun also ein: Selbst diesen abscheulichen ›Santa‹ hier in Amerika machen sie sich auf diese Art ›cute‹ und untertan. Ist euch mal das Gesicht auf tausend albernen Glanzbildern und Reklamen dieses amerikanischen Nikolaus’ aufgefallen? Ein Kind hat ein mehr nach oben gerichtetes Stupsnäschen und Pausbäckchen, noch keinen vorstehenden Sattel wie ein Erwachsener, ähnlich wie ein fernöstliches Gesicht. Genau das hat Santa! Ein Kind mit angeklebtem Wattebart! Damit selbst er harmlos, niedlich und uns vor allem voll untertan bleibt. Also auch er ein Popanz, so wie Gott. Bei Dem aber verbietet’s, selbst für Goethe, der gute Geschmack, es auszusprechen was sie denken!

Der Papst hat vor einiger Zeit den ›Israeliten vergeben‹, dass sie Jeschua ermordet haben! Das ist tief drinnen genau so eine lieb und gut tuende Chuzpe, wie die Weihnachtsgeschenke, typisch eigentlich mehr für das mehr oberflächliche Amerika, das Land des ›Always Nice‹. Man muss ihm doch für solche Güte dankbar sein und ich möchte wissen, wieviel seiner getreuen Schäflein bis heute wirklich so denken! Aber was hat der Papst mit Gottes Händeln an Seinem von alter Zeit her erwählten Volk zu tun? Er hat doch da nichts zu ›vergeben‹, ihm haben sie doch nichts angetan! Er ist doch nicht Gott und auch keineswegs Sein Stellvertreter! Sondern nur der Vorsitzende einer Religionsgemeinschaft von vielen! Das wird schon hieraus klar: Gott hat Seinen Juden leider noch nicht vergeben, denn Seine Bedingung ist ihre Anerkennung gerade dieses Menschen Jeschua. Und der Herr Papst hat den Messias der Juden durchaus nicht gepachtet. Er begreife, dass die Juden stellvertretend für jeden verbockten Sünder auf Erden stehen, also auch für ihn und seine Kirche und er lese mal, wenn er das als Katholik überhaupt tut, die Bibel allgemein und diese reformatorische Epistel im Besonderen, sehr sorgfältig und kritikbereit, was Paulus in Römer elf über die Einpflanzung der Heiden in den Ölbaum Israel schreibt!

Unsere Abneigung gegen einen uns beherrschenden Gott drückt sich auch gegen den Nächsten aus. Ich fasse also zusammen:

Unsere Götzen, die sich in den Jahrhunderten stark gewandelt haben, vom Holzbild zu satanischen Gedankengebäuden, sind dennoch in einem immer gleich geblieben: klein, niedlich, ohne freien Willen, und als unsere Machwerke uns immer voll untertan! Das ist der alte Menschheitstraum von Halbgott Herkules an, der den hilflosen Gott Prometheus retten kommt. Vor einigen Jahren war hier ein Bumper-sticker, so ein Aufkleber für die Stoßstange, Mode:

God is my co-pilot.

Dazu stelle ich mir ihrer Vorstellung gemäß einen zahnlosen Greis vor, der dankbar ist, überhaupt noch mitgenommen zu werden, aber natürlich im Eigentlichen nichts zu sagen hat. Stolz ergeben zeigt er auf den eigentlichen Fahrer: ›Jaja, unser Jim hier kann uns doch vorzüglich fahren!‹

So soll das Verhältnis zu Gott bei ihnen wohl aussehen? Ein guter, ›niedlicher‹ machtloser Greis, nur da, uns, den eigentlichen Chef, zu loben und preisen und ihm dankbar zu sein!

Dann der Weihnachtsflitter aus Deutschland, nach den zwei Kriegen, als nun vom deutschen (›freien‹) Willen reine gar nichts Fürchterliches mehr übrig war. Ebenso Mischas ›liebe Kerle‹ der Franzosen, die als Hugenotten nach Preußen geflohen waren, wo auf einmal in ihrem Gastland, ganz verständlich, nichts mehr von dem so langen Hass gegen den alten Erbfeind übrig war.

Was ist es, das unser Verhalten da bestimmt? Angst? Sind wir so aggressiv, um unsere eigene Furcht zu bemeistern?

Selbst gegenüber Tieren verhalten wir uns so. Goethe träumte noch, die böhmischen Wälder von Wölfen zu ›säubern‹. Inzwischen hat der Mensch überall so voll gewonnen, dass die paar verbleibenden Wölfe zu Recht in großer Angst vor uns leben und auch schon jeden Schein einer Aggressivität gegenüber Menschen vermeiden. Kluge Tiere, gut gewählt! Da werden sie uns ›niedlich‹, und wir stürzen uns jetzt andererseits in große Unkosten, sie zu halten und wieder anzusiedeln.

Herm, der den Zusammenbruch in Berlin als Kind miterlebt hat, konnte es nicht fassen, dass nur Wochen nach den heißen Kämpfen, wo Kindern strikt verboten war, etwas vom Boden aufzuheben, weil man abgeworfenes Gift – gegen unschuldige Kinder! – vermuten musste, es nun auf einmal den Feinden so angelegen war, die Deutschen zu erhalten, bis hin zu den teuren Anstrengungen gegen die erwähnte sowjetische Blockade um Westberlin. Sobald also die Deutschen den Aliierten ›niedlich‹ geworden waren, war, auch verständlich, alle Angst schlagartig zerstoben! Und nun also das Jesulein zu Weihnachten, was wir zum christlichen Fest Nummer Eins gemacht haben, eben weil Er da noch klein und niedlich ist, uns nicht bedroht und noch nichts von uns will! Hier, Mischa, du mit deinen Greifern in die Politik! Vielleicht wäre ein Durchbruch für unsere Seelen möglich, wenn wir keine Angst mehr hätten? Alles steht schon in der Bibel. Unser Herr kennt uns: ›

Die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus. Wer sich fürchtet, ist nicht vollendet in der Liebe.

Und wer nicht liebt, ist kein Christ, sagt er im selben Brief! Stellt euch vor, wenn wir nur endlich Ernst machen könnten mit allem was wir ja schon wissen, dann könnte ich doch unbewaffnet einem schwer bewaffneten Feind langsam und offen entgegengehen. Das funktioniert auf so animalischer Ebene, dass selbst ein wütender bissiger Hund von so einem furchtlosen weil liebenden Verhalten entwaffnet wird.

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Was stört mich sonst noch an ›Weihnachten‹? Nun, natürlich die Unfreiheit allenthalben. Man muss geradezu mitmachen! Warenhäuser, Behörden, Krankenhäuser, alle mit Krippen, Dekorationen und Lautsprechermusik, Betriebsweihnachtsfeiern! Und wer da nicht kommt, hat’s mit dem Chef verdorben. Gut, ich stamme aus einem orthodoxen Haus, wo Weihnachten ganz besonders geächtet wird, eben so prononciert, weil Nachbars Mariechen unterm Tannenbaum dabei so glücklich aussieht. Aber wir sind doch ›freie Amerikaner‹ und haben religiöse Freiheit? Warum ist es da ein politischer und für alle verbindlicher Staatsfeiertag, wo alle Läden – wie sonst doch in Amerika höchstens zum ›heiligen‹ 4. Juli – geschlossen sind? Wenn es nun wenigstens ein Volksfest wäre, genannt ›Väterchen Frost‹ wie in Russland und aus einleuchtenden Gründen so, aber wenn immer es bei uns auf diesem Wege ist, schreien die Katholiken: ›Haltet ja den Christus im Weihnachtsfest!‹ Darauf antworten wir Christen oder sollten antworten: Haltet Ihn ja da ‘raus! Denn Er hat doch da nichts verloren. Es ist ja nun sowieso ein Tinnef- und Volksfest geworden. Aber nun hat es auch von Anfang an gar keinen christlichen Ursprung, wie ich gezeigt habe!

Was Gott haben wollte, macht Er uns klar. ›Du sollst den Feiertag heiligen!‹ Das ist erst einmal Schabbes, also Sonnabend, und wie im einzelnen, wird etwa für Pessach genau beschrieben und befohlen. Und wir Christen, doch nach Paulus in den Stamm Israel eingepfropft, halten beides nicht! Weder den Schabbes, und dessen Feier ist nirgends uns Christen etwa abgeschafft worden. Wir entschuldigen uns, dass Jeschua am Sonntag auferstanden sei. Erstens wissen wir das nicht, sondern nur, dass das Grab am Sonntagmorgen leer war, wo es vor Sonnenaufgang sogar auch als Sonnabend gerechnet wurde, und da waren’s seit Freitag Nachmittag in beiden Fällen noch keine drei Tage. Zweitens ist das kein Grund, je ein Gebot Gottes aufzuheben, ist auch geschichtlich nicht der Grund, denn die christliche Sonntagsfeier kommt über die Römische Kirche vom offenbar noch sehr ignoranten römischen Kaiser Constantin, der sich selber als Sonne am ersten Tag der Woche verehrt haben wollte! Sonya? Hier hast du extremen Mangel an Erniedrigung! Interessant dabei ist übrigens, dass sie sich über die Nummer eines jeden Wochentages, also Sonntag als Nummer eins, damit Schabbes als Nummer sechs, also offenbar schon einig waren. Und schließlich halten wir ja auch den Sonntag als Feiertag nicht mehr!

Nichts gegen ein gemütliches Volksfest im trüben Vorwinter! Aber ich behaupte, Weihnachten sollten wir gar nicht feiern, wissen ja auch aus Gottes guten Gründen nicht wo und wann, aber feiern’s! Und suchen begierig das Datum und die ›heilige‹ Stelle, wo Er nun geboren sei, immer auf der Suche nach einem örtlich gebundenen Heiligtum, was Er hasst! Er sagt der samaritischen Frau am Brunnen in Johannes 4, stellvertretend für alle Heidenchristen:

»Glaube Mir, es kommt die Zeit, dass ihr weder auf diesem Berge noch zu Jerusalem werdet den Vater anbeten. Ihr wisset nicht, was ihr anbetet. Wir wissen aber, was wir anbeten, denn das Heil kommt von den Juden. Aber es kommt die Zeit und ist schon jetzt, dass die wahrhaftigen Anbeter werden den Vater anbeten im Geist und in der Wahrheit, denn der Vater will haben, die Ihn also anbeten.

Gott ist Geist, und die Ihn anbeten, die müssen Ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.«

›Geist und Wahrheit‹! Na, was ist da noch mit ›heiligem‹ Ort, Santa Claus und Mummenschanz?

Was sage ich als Christ zu Israel? Was sie auch in Unkenntnis ›das heilige Land‹ nennen. Ja, schmeißt die anderen ›Religionen‹ immer ‘raus aus eurem Land! Die Muslims und ihre ›Ich-auch‹-heiligen Schreine, besonders diese gotteslästerliche Moschee auf Gottes Tempelgelände! Denn die steht dort aus reiner Bosheit, aus Neid und als Herausforderung, bis es einem einmal langt und er einen heimlichen Bombenanschlag verübt. Hoffentlich macht er’s gründlich genug und wenn kein Mensch in dieser Moschee ist! Und die Christen sollen auch da ‘raus! Denn für die gibt es nach ihrem Gründer, Jeschua, überhaupt keine ›Schreine‹, keine ›heiligen Örter‹ mehr und auch kein ›Heiliges‹ Land – so heilig in der Tat, dass es dort, dass Gott erbarm’, allwöchentlich Morde und Attentate gibt! – Und alle drei Religionen erkennen doch Gottes Altes Testament an! Christen täten also nur recht, schon von alleine solch einer Heiligkeit zu entweichen – und ihren abscheulichen Bethlehem-Weihnachtsschrein gleich mitzunehmen! Ja, abscheulich ist das richtige biblische Wort. Israel selber war ja kaum jemals arm an so abscheulichen religiösen Schreinen.

Wenn wir also ›Christus in Weihnachten darinlassen‹, dann muss das germanische Datum weg, der pharisäische Tannenbaum und all der andere Zunder wegen der ›Wahrheit‹! Und wegen ›Geist‹ muss das ganze Fest weg, denn der Sohn hat sich jegliche Verehrung hier in Seiner Erdenzeit verbeten. Erdenzeit bleibt es, bis Er wiederkommt. Und Seine Geburt damals bleibt doch wohl für alle Zeiten sehr irdisch. Er sagt in diesem Zusammenhang, ich deutete es vorhin schon an, in Johannes 7, 18:

Wer von sich selbst redet, der sucht seine eigene Ehre, wer aber sucht die Ehre Des, Der Ihn gesandt hat, Der ist wahrhaftig und ist keine Ungerechtigkeit an Ihm.

Unnötig zu erwähnen, dass Er selber die Ehre Gottes, Der Ihn gesandt hat, sucht, nicht Seine eigene. Und die waren zu Seiner Erdenzeit durchaus Zweierlei. Er war ›derselbe Gott‹ bestätigen die Katholiken. Aber wie kann ein und derselbe Gott zu sich Selber beten? Und gar sagen: ›Dein Wille geschehe, nicht meiner!‹ Ein Gott mit zwei verschiedenen Willen, die noch dazu offenbar verschieden gerichtet sind? Wie kann überhaupt auch ein Gott sterben? Wie vom Weibe geboren werden? Ich sage: Unfug! Heidnisches Überbleibsel! Missverständnis! Er war nur Mensch hier, Gott, Der sich alles Anderen entäußert hatte. Das musste Er, denn es galt, uns Menschen den Weg zu zeigen, überhaupt zu ermöglichen und ohne jede Hintertür so. Halten wir das nicht unverfälscht, fallen wir in die ja nun schon so lang erprobte und praktizierte Falle, in Ihm den Starken Mann zu sehen, der alles wie der ›Rächer von Texas‹ oder der Lone Ranger in einem Hollywoodfilm aus eigener Stärke und Güte bezwingt. Und eifern dem dann nach! Er entäußerte sich alles außer der Liebe, und wurde Mensch, sagt man. Natürlich ist die Liebe immer von Gott. Aber nun wird sie ebenso den Menschen zugänglich, die sich ganz Gott ergeben haben. Bleibt also nur noch Sein besonderer Auftrag, den nun kein Mensch sonst erfüllen kann: als Opfer für uns zu sterben.

Man verstehe mich nicht falsch! Natürlich ist Jeschua Gott! Da gibt’s nichts dran zu deuteln. Über die Zeit bevor Er geboren wurde, sagt Er ganz klar: Ehe Mose geboren wurde, bin Ich. Das wird auch sofort richtig verstanden, denn sie wollen Ihn gleich steinigen. Er verlässt Seine Ohnmacht, Seine Niedlichkeit – und wird sofort hassenswert und unserm Ich gefährlich! Provoziert in uns, wo keine vollkommene Liebe wohnt, sofort den Hass/Angst Komplex.

Da möchte ich also zum Schluss vorschlagen: Wir halten uns als Christen bewusst von Weihnachten fern, aber nehmen’s genau mit Sonnabenden und Pessach/Auferstehung, wie Er befiehlt! Das Heil kommt von den Juden, dort wie hier bei uns Christen – das sage ich aber durchaus nicht deswegen, weil ich einer bin! – Sondern von Gottes ursprünglicher Erlesung. Wir sollten richtig Pessach feiern. Vielleicht einen Rabbiner kommen lassen, der es uns zelebriert und seine Bedeutung lehrt. Was wäre das gleichzeitig eine gute Versöhnung zwischen den beiden! Es ist der erste Schabbes im Frühling nach dem ersten Vollmond. Der Sonntag danach, so hat es noch richtig die christliche Kirche festgelegt, ist das Auferstehungsfest. Das feiern wir dann als den höchsten Feiertag ganz nach Gottes Weisung. Übrigens ist das Wort ›Ostern‹, wie es noch Luther in die Übersetzung schrieb, auch sehr heidnischen Ursprungs. Es steckt noch hörbar der Name der ›Göttin‹ Astarte darin!

Nun zu etwaigen Fragen!«