Dreiundzwanzigstestes Kapitel

Die Schützen

Es ist die Zeit, wo es in USA – man muss geradezu sagen: – Mode wurde, in der Schule mit eingeschmuggelten Feuerwaffen Mitschüler und Lehrer zu erschießen. Wenn es das erstemal geschieht und mit dem nötigen Aufwand versehen durch alle Medien geht als kostenlose Reklame, ist abzusehen, dass wir bei derartiger Nachfrage auch bald noch mehr Angebot erhalten! Ich vergleiche es mit der Welle der Flugzeugattentate in aller Welt, die in den Siebzigern Mode wurde und dann wegen anhaltender Beliebtheit und Erfolges weiterpraktiziert wurde. Sie scheint aber jetzt als solche am Aussterben zu sein, typisch für so eine »Welle«. Zwar ist es bei gesteigerten Sicherungen der Flughäfen und Einrichtungen der Fluggesellschaften jetzt schwieriger geworden, aber andererseits eröffnen sich doch ungeahnte Möglichkeiten, wenn man etwa der modernen Schulter-Abschussraketen, der amerikanischen »Stinger«, Herr würde, die sich in Afghanistan so bewährt haben, mit denen man vom Boden aus vorüberfliegende Flugzeuge mit hoher Wahrscheinlichkeit vernichten kann.

Als ich Jüngling war in Deutschland, hatten ein paar Toren »Juden raus« auf die Wand einer wiedererbauten Synagoge geschmiert, also die berüchtigte Naziparole aus der Zeit der »Kristallnacht«. Natürlich, als ich aufwuchs in der damaligen Nachkriegshysterie, statt das als einen Dummen-Jungen-Streich mit der nötigen Verachtung zu strafen, war schon am nächsten Tag nach der Entdeckung der Teufel los! Nicht nur die lokale Presse, sondern die der gesamten Bundesrepublik führte das in gigantischen Lettern tagelang auf den Titelseiten.

Schon ich als Siebzehnjähriger, der ich nie Naziambitionen hatte, konnte nachfühlen, ja, verspürte selbst einen gewissen Appetit, nun meinerseits bei Nacht solche »Heldentat« zu vollbringen! Gar nicht nötig, Westdeutschland hatte in wenigen Tagen genug Replika der ersten Untat. So ein Zeitungsruhm ist offenbar unwiderstehlich!

Nur war unser politisches Abenteuer, das zwar ebenso viel Wind erzeugte, unvergleichlich harmloser.

Ich komme wegen irgendeiner organisatorischen Sache ins Webbhaus und finde unsere Freunde mit Sam und Michail als Gästen beim diesmal wie sonst üblich einfachen Abendessen in lebhafter Diskussion über die Tagesereignisse. Sie beziehen sich auf eine Fernsehsendung, die ich selbst am Vorabend gesehen habe, in der ein Doktor der Psychologie auf die Psyche der amerikanischen Knaben unserer Zeit einging. Neben einigem halbwegs Vernünftigen, etwa, dass man nur den Knaben, nicht aber den Mädchen, jegliches Emotionenzeigen außer »Männlichkeit« mit Aggressivität, madig und unmöglich mache, oder dass noch bis zu dieser Zeit generell ein Vater-Sohn-Verhältnis von einigem Wert in Usa praktisch nicht existiere, und unter den Schülern ein Druck ausgeübt werde, nur nicht »sissy« zu sein – auch Absurderes. Der gute Doktor zielte nämlich abschließend auf eine Haltung hin – typisch amerikanisch der fünfziger und sechziger Jahre, und in der eigentlichen Prämisse von Sigmund Freud, den Sozialisten und manch anderen her, dass der Mensch innerlich gut sei – die also statt jeder Strafe oder doch mindestens Sühne mit Begreifen der Untat, nun noch mehr Weichheit und »Verständnis« postulierte, dass man etwa seinem heranwachsenden Sohn täglich begeistert sagen solle, was für ein »Great Guy« er sei und auch als Vater nicht mit körperlichen Zärtlichkeiten sparen solle. Der Zusatz »begeistert« verriet ja schon dem Aufmerksamen, dass es Heuchelei sein müsste, weil sie nichts anderes mehr kennen!

Ich schaltete meinen Empfänger zu diesem Zeitpunkt etwas verärgert ab und konnte nicht erwehren mir lebhaft auszumalen, wie also so ein Vater seinen Sechzehnjährigen mit der schlecht versteckten Maschinenpistole unter dem Lumberjack auf dem Weg in die Schule zum Abschied küsst.

Mischa führt gerade aus, dass etwas Allgemeineres, Tieferes und länger Bestehendes anzuschuldigen sein müsse, was typisch amerikanisch sei, denn ein solches Verhalten hätte es auch in Ansätzen in der Sowjetunion nicht gegeben, ja, nicht einmal in irgend einer der anderen heutigen Demokratien im amerikanischem Schlepptau.

»Wart’s nur ab!« hat Sonya geantwortet, und ich muss ihr sofort recht geben,

»Das ist nur eine Frage der Zeit! Sie machen uns zur Zeit alles nach, am allerschnellsten das Hässliche! Du weißt doch, die Geschwindigkeit alles Negativen über den Atlantik in beiden Richtungen . . ! Ich sage voraus, dass gerade wieder die Deutschen die ersten sein werden, uns das nachzumachen, und dann aus einfacher ›Ich-auch‹-Mentalität, um auch so schick wie Usa zu sein, etwa wie die jungen Yankees damals zu unserer ›Revolution‹ ohne innere Not, nicht einmal die so primitive wie heute bei uns!«

»Und was genau ist diese ›innere Notwendigkeit‹ für solche Taten?« will Rudi wissen, wird aber zunächst nicht erhört.

»Mischa hat unbedingt recht,« ereifert sich stattdessen Bob, »es kann nicht einfach die erwartete Männlichkeit anzuschuldigen sein, denn auch die Mädchen schlagen ja ähnlich über die Stränge. Das weibliche Geschlecht hat nur andere Ausdrucksformen dafür gefunden, nämlich fast immer auf sexuellem Gebiet. Frauen leben unter einer stärkeren inneren Moral, ebenso wie unter stärkerer verinnerlichter Sexualität, sind also gleichzeitig ein besserer Indikator allgemeiner Moral. Deswegen zitiert sie Paulus in Römer 1 als erste in sexuellen Entgleisungen in allgemeiner Dekadenz wie unserer jetzt – erstaunlich, denn das weibliche Geschlecht ist in allen Kulturen darin immer bescheidener. Und nun seht euch aber unsere heutige allgemeine ›Moral‹ da an, selbst bei Frauen! Also ist wohl, was Paulus meint, wenn schon die Frauen so ausschlagen, wie tief verderbt ist dann die ganze Konstitution! Gibt’s wohl noch eine sechzehnjährige Jungfrau? Ach, ich sollte fragen, welche hat in dem Alter noch kein uneheliches Kind?

Habt ihr nicht von dieser Bewegung gehört, kirchlich fundiert und angefangen, wo die noch jüngeren Mädchen feierlich öffentlich ›geloben‹ müssen, allem verbotenen Sex zu entsagen! Bei solchen Monstrositäten sollten wir ansetzen! Denn hier wird die Verantwortung, die eben dieselbe Kirche und Gesellschaft nicht hat tragen können, auf so arme Dreizehnjährige, nämlich hoffentlich bevor sie herumstreunen, abgewälzt, und dazu auf keiner anderen Basis beruhend, als der berühmten und von uns hier entlarvten Selbstdisziplin! Denn sie sollen ja aus sich selbst auf einmal gut werden, ohne jede andere Hilfe, was der Rest der Gesellschaft schon nicht geschafft hat.

– Tja, man müsste ihnen den Glauben aufbauen und dann das Gefühl mit der Überzeugung, dass jeder Gottesliebhaber ganz von selbst Seine Gebote halten will.«

»Ein richtiges Familienleben brauchten wir zuerst wieder, was anderes wäre für die heranwachsenden Töchter gar nicht nötig!« schwenkt Rudi nun auch in Bobs Fahrwasser ein:

»Das stimmt, hier scheinen wir an einem wichtigen Punkt angelangt zu sein. Offenbar muss gerade eine Frau, wenn sie das später weitergeben soll, noch als Mädchen mit Familienliebe aufgetankt werden.

»Warum immer nur die Mädchen?« will Sonya wissen, »Die Jungs sind doch jeweils mindestens genauso beteiligt! Bei denen fällt’s bloß nicht so auf, weil sie nicht schwanger werden! Warum müssen die nichts ›geloben‹?«

»Ach die ganze Kultur, die sich um unsere Kirchen gruppiert, ist darin oberfaul!« sagt Rudi darauf,

»Da hörte ich auf der Fahrt im Autoradio in einem dieser ›christlichen‹ Sender, wo es nichts anderes gibt, auch keine Reklame, eine Diskussion am Runden Tisch über folgendes Problem:

Geschäftsreisende Männer allein im Hotel! Und da gäbe es nun eine gewaltige sexuelle Versuchung, nicht nur in ausgesprochener gewerblicher Prostitution, sondern aus den verlockenden Gelegenheiten, die sich am Esstisch oder etwa in der – wie fürchterlich! – Bar ergäben! Siehst du, hier hast du mal das Gegenstück. Hier werden die Männer aufs Korn genommen, wo doch nun die Frauen auch ebenso beteiligt sind. Und je mehr sie die Bar aus irgendeiner Machtposition unerreichbar machen, desto verlockender wird sie. Haben sie denn die Psyche so schlecht begriffen? Schon in jungem Alter muss der Mensch sich die Erde untertan machen. Sie halten ihn so ja bloß unnötig und gefährlich lange auf einer kindlichen Ebene. Und das bei unserem andauernden Freiheitsgeblöns! Der Jüngling muss auch die Bar erkennen lernen: Ja, hier kannst du dich sinnlos vollrinseln oder vernünftig alles so wenden, dass du dich nachher nicht schämst!

Ich lauschte also diesem Sender stark, aufmerksam und lange! Es hatte auch nicht einer irgendeinen konstruktiven Vorschlag zu machen! Außer natürlich, schon die sündhafte Bar von vornherein zu vermeiden! Was mich aber am meisten erboste, war das völlige Fehlen des Evangeliums in diesem ›christlichen‹ Sender! Der dafür noch heftig mit Spenden belohnt sein will! Sicher, das ganze war christlich gemeint, wie sollen sich christliche Männer da verhalten, wie die ›Versuchung‹ (natürlich nur wieder aus eigener Charakterstärke) ›besiegen‹? Ich brüllte fast wörtlich auf, als sie am Ende tatsächlich und nicht als Witz mit der kalten Dusche als Präventivum kamen! Hätte ich ein Telefon im Auto gehabt, ich hätte die Station angerufen und gründlich angeschnauzt:

›Habt ihr Klauns und Nincompups wohl schon mal was vom Evangelium gehört?‹ Wo man seine Sorgen, ja sein ganzes sündiges Ego, auf Jeschua abladen soll und durch Sein Wunderwirken im Glauben ›wie ein Kind‹ wird? Außerehelicher Sex ist eine Schweinerei, da habt ihr allerdings recht, aber sich in Geilheit verzehren, wovon ihr da als selbstverständlich ausgeht, ebenso! Beides erfüllt nicht Sein Gebot! Und ein »Kind«, der »gute Baum«, nämlich der durch Gott gründlich Geheilte, ist von der Wurzel aus rein, sieht keine Frau mehr an, ihrer zu begehren, das heißt, ist eben in seinen Emotionen sündlos geworden und braucht einfach keine kalte Dusche mehr. Er kann dann auch ganz unschuldig in eine Bar gehen und freundschaftlichen Kontakt suchen, das ist doch noch kein Besaufen, um, was ihr doch so wünscht, ein »Zeugnis« zu sein! Aber eins macht euch klar! So jedenfalls, seid ihr keins! Woher eigentlich eure Angst vor der Bar? Noch von der Prohibition her? Oder weil ihr das Leben zu genießen so verlernt habt – Alkohol muss entweder bekämpft und vernichtet oder auf einen Schluck »gekippt« werden, was?‹

Die alte Gretchenfrage: Vergibt Gott nicht nur Sünden, sondern befreit uns vom sündigen Wesen als ›von Neuem Geborene‹? Dass wir also dann unserer neuen Natur nach keine Sünder mehr sind, ohne alle Anstrengung unserer Moral, nämlich keinen inneren Anlass mehr zur Sünde haben? Oder ist alles eine riesige Farçe, ein Selbstbetrug, wo wir die Moral durch ein Hintertürchen doch wieder allein zu leisten haben? Dann sind wir in der Tat die ärmlichsten Figuren, sollten alles Frömmeln lieber aufgeben und Klosetts scheuern gehen! Denn wenn Gott in Seinem Wort nicht in allen diesen Hauptdingen, ebenso natürlich in allen kleinen, bis zum i-Tüpfelchen absolut verlässlich ist, dann haben wir gar nichts! Erster Korinther 15, 15 ›Ist aber Jesus nicht von den Toten auferstanden, dann sind wir die ärmlichsten Geschöpfe . . .‹

Nun ist Er aber! Dann gilt auch ebenso und erst recht, wie Er uns verspricht, dass Er uns von aller Unreinheit befreit, also unsere Sünden auf sich nimmt und uns als unser ›Erlöser‹ sündlos macht!«

Nach einem Moment des noch andächtigen Schweigens sagt Sam lächelnd:

»Ich beobachte hier was Nettes an unserem eifrigen Rudi, was uns gleich in puncto Emotionen weiterhilft, um die es ja hier geht.

Hättest du wirklich ein Autotelefon gehabt, bin ich sicher, du hättest auch die teuren Kosten über Funk nicht gescheut und den Sender angerufen! Denn es bestand ja ein Emotionsdruck bei dir, denen da im Evangelium weiterzuhelfen. Aber du hättest ganz automatisch einen viel milderen Ton angeschlagen, denn du wolltest ja, dass sie dich verstehen

»Na ja,« gibt der Angesprochene zu, »ich habe hier natürlich vor euch übertrieben, um meinen Punkt zu machen, und auch die Wut, die ich empfand!«

»Aber sie sind ganz unschuldig!« fährt Sam fort, »Sie wissen wirklich in dieser Beziehung nichts vom Evangelium. Darin hast du nicht übertrieben. Das müssen wir als Missionare wieder lernen. Für sie ist das ›Religion‹, nämlich eine große Morallehre, die man nun erfüllen muss. Und alle denken so, in diesem Punkt haben sie auch recht! Das Evangelium war zu allen Zeiten das absolut Unerhörte, Unvorstellbare, sofort als unnütz zu verwerfen, – wenn nicht, ja wenn nicht eben Gott erst durch Seine Wunder es so unverschämt, wiederholt als Seine Botschaft in eine ungeahnte Rechtfertigung erhöbe! Und selbst dann sind wir dauernd daran, es ›auf seinen Platz‹ herunter zu verweisen, weil es uns so unerhört in den Ohren klingt. Da kommt einer, noch möglichst schäbig und von niedriger Gestalt, und behauptet einfach das Größte! Na schön, wir hören gar nicht hin. Aber nun hat dieser Mensch die Impertinenz zu sagen: Im Namen Gottes, dir sind deine Sünden vergeben und abgewaschen! Na schön, wir haben auch da schon ein dickes Fell. entwickelt. So etwas kann schließlich jeder behaupten! Aber dann sagt Er: Nimm dein Bett und geh nach Hause! Oder gar: Lazarus, komm heraus – und der vier Tage lang tot gewesene, stinkende Leichnam kommt auf eigenen Füßen aus der Grabesgruft! Hat dieser Nichts also am Ende doch recht! Hier ist der endgültige Beweis! Dass Tote auferstehen, ist schließlich so unerhört und bis in unsere Tage heute sonst niemals dagewesen, dass wir nun aufmerken müssen! Und der Kerl hat die Impertinenz, das eine auf das andere zu beziehen: Es sei viel weniger zu sagen, ›steh auf und wandele‹, als, ›dir sind deine Sünden vergeben!‹

Nun, nach zweitausend Jahren wird das Evangelium fast gar nicht mehr gepredigt. All unsere Prediger und Missionare glauben es nämlich selbst nicht mehr. Das Staunen über die Wundertaten ist spurlos verschwunden, weil keiner mehr welche wirkt! Paulus sagt, der Glaube kommt aus der Predigt, und die wiederum aus dem Wort Gottes. Wie sollen sie aber glauben, oder gar Wunder wirken, wenn es nicht mehr gepredigt wird?

Wenn kein Schmieröl mehr ins Lager tröpfelt, merken wir es erst, wenn das Lager quietscht und eiert und unbrauchbar geworden ist, also wegzuwerfen. Da gibt es eine kleine Druckpumpe und lange Leitungen und ein Ölreservoir. Erst wissen wir nicht wo, aber können gleich sagen, irgendwo auf dem Weg ist der Wurm drin, ist der Weg unterbrochen. Die Leitung Gott – Jeschua – Lazarus war intakt, wir sehen also die Endwirkung. Aber die Leitung: Gottes geschriebenes Wort – Lesen – Begreifen – Ergriffen Sein – Predigen – andere überzeugen – Rundfunksendung, ist aber irgendwo gestört: Das Kugellager ohne Öl ist bald wegzuwerfen! Es ist kein Heilsöl mehr unter dem Volk!

Unsere heranwachsenden Jungen erschießen ihre Kameraden und Lehrer! Irgendwo ist die Heilsleitung unterbrochen! Und das Endglied übertreibt den Verfall, indem es noch den Schaden größer macht, damit eigentlich um Hilfe schreit! Aber da wird es Mord und schwere Sünde, die können wir nicht dulden. Und das wissen die Sechzehnjährigen auch. Unser Rudi hier hat seinen Ton aus gerechtem Zorn vergröbert. Das ist ganz recht, solange er selbst nicht sündigt. Jeschua selber hatte solche Zornemotionen, als Er um Gottes Wort so eifert, dass Er die Peitsche nimmt und den Tempeltrödlern die Tische umwirft. Also Zorn, wenn vor Gott gerechtfertigt, ist noch keine Sünde! – Das klingt nun freilich ganz anders als was unsere Prediger immer behaupten.

Ich habe diese langen Monologe aus dem Stehgreif absichtlich hier in mein »Protokoll« genommen, weil sie ja schon eine Antwort auf meine Anregung sind, sich um die Triebe zu kümmern, die Gottes Geboten widerstreben.

Ein Wort über Rudi sei hier eingebracht: Er scheint sich ganz auf die Bahn der von uns hier »Chefideologen« genannten geistigen Leiter zu begeben, aber ohne jeden Stolz und Pomp, während Bob, nicht ganz so unschuldig, heftig aber weniger erfolgreich auf das gleiche Ziel zu rudern scheint. Oder lese ich zuviel in meine geliebten Mieter hinein? Da wird es also an mir sein, mich da zu schämen und Buße zu tun, auch um mein Denken über Bob; denn aus meinem Kopf stammt das Gespenst einer solchen Einteilung, und, ja, wieder demokratischer Gleichheit aller, während meine Mieter alle ganz unschuldig wie ein Kind verharren, um darin viel perfekter in unzensierter Nächstenliebe zu sein als ich!

Und das ist schon das ganze Geheimnis unserer Frage über die revolutionistische Gleichheit der Menschen.

* * * * *

Warum greift eigentlich ein Mensch zu einer mörderischen Waffe? Wir sollen alle nicht meinen, darüber erhaben zu sein! Wir können unsere Umwelt nur in dem Maße verstehen, wie wir uns in jeden einzelnen hineinzuversetzen vermögen. Immer hat es Kriege gegeben. Was macht Homo Sapiens da? All sein Fleiß, all seine Intelligenz, ein Leben lang zur Förderung und menschenfreundlich eingesetzt, wird um hundertachtzig Grad herumgedreht, zum Mord, zur Zerstörung, zum »Burn and destroy!» des Sezessionskrieges, so gründlich, dass sich das reichste Land der Welt nicht von seinem eigenen Schaden bis heute erholen konnte, Verbrennen, Ab- und Niederreißen aller eben aufgebauter Werte! Das scheint ganz einfach zu gehen, so dass die jeweiligen Potentaten gar nicht zögern, uns massenweise als Soldaten einzuziehen, Hemmungen etwa werden erst gar nicht erwartet. Sind wohl auch nur anerzogen?«

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Sam fährt fort:

»Also im Idealfalle hat so ein zorniger Kämpfer etwas zu sagen, hat zu bekehren. Napoleons Armeen waren so erfolgreich, weil alle beseelt waren, nun das Richtige, das ›Evangelium‹ für die Welt in der ›Aufklärung‹ zu besitzen und zu verbreiten. Und das ist ja das Befriedigende: Kein Gezanke, kein langes Hin- und Her- und Widergerede. Ein Schuss – und du glaubst! Weißt nichts mehr dawider. Bist bekehrt, so oder so. Im Grabe liegst du nun als mein Jünger! Jedenfalls bilde ich mir das quasi ein! Ich habe recht! Ich habe gesiegt! Und ich wende mich dem Nächsten ebenso erfolgreich zu. Ich meine, da muss doch so etwas oder Ähnliches in uns allen schlummern. Sind nicht auch die jetzt zunehmendem Allah-Terroristen genauso darin befangen?

Ebenso dann anders herum: Mit Blücher siegreich nach Paris! Nun sind der Erfolg und das Recht auf unserer Seite, die früher die verbrecherische Reaktion war! Da haben die Franzosen die Welt verdreht. Der Code Napoléon herrscht über Belgien und das Rheinland, dann über fast ganz Europa. Sie haben auch nicht gefragt und diskutiert, sondern eben mit Gewalt ihre neuen Ordnungen geschaffen. Lockt es uns nicht nun ebenso wie sie, so ein altes klaffendes Unrecht wieder wettzumachen und zur ›eigentlichen Wahrheit‹ zurückzukehren? Heißa, jetzt bekehren wir euch – mit der Kanone! Denn anders wollt ihr ja nicht hören. Das ist Krieg! Und wird es unter Menschen immer bleiben. Verleugnet das aus anerzogener ›Abscheu‹ bloß nicht in euch! Wirklich, nur so können wir davon etwas lernen.«

Nun führt Bob wie im tief gedanklichen Selbstgespräch nach Umwegen auf die jungen männlichen Schützen zurück:

»Vielleicht ist in unserer Kultur etwas in der Beziehung der Geschlechter zu einander und in der Gesellschaft schon lange gründlich aus dem Gleis geraten? Da hat ein Ausländer eigentlich ganz richtig beobachtet, dass die Frauen bei uns jetzt die lebhaften und offenen sind, je weiter unsere Gesellschaft auf diese Weise degeneriert, desto deutlicher! Er lebte eine Zeitlang in Westvirginien. Dass wir uns mit den Jahrzehnten immer mehr an den niedrigsten Klassen orientieren, ist ja schon bekannt. Sie sprechen schon wie die Schwarzen und der Ehemann wird als Nichtstuer, Säufer, Schürzenjäger und wiederholter Kittcheninsasse immer unnützer. Ray Charles brachte in den Sechzigern den soziologisch gut beobachteten Song heraus: ›Hit the Road, Jack, and don’t you come back no more, no more!‹ Der Staat zahlte nämlich den untersten Einkommensgruppen Unterstützung, besonders oder auch: nur, wenn sie vaterlos waren. Das spannte den Wagen vor das Pferd; denn nun strebten die Mütter danach, jeweils den unnützen Fresssack loszuwerden, damit sich die Restfamilie finanziell besser stünde. Sagt also mein Ausländer für die noch mildere Form dieses Verfalls:

Man gehe als Vertreter, etwa für Staubsauger, von Tür zu Tür. Öffnet er, guckt er verwirrt und unsicher, weiß von den Familienfinanzen nichts und traut sich auch nichts mehr aus eigener Initiative zu. ›Da müssen Sie meine Frau fragen. Honey, komm doch mal herunter!‹ In den Kirchenkreisen sagt er fast überhaupt nichts mehr, und wenn, das sturste und abgedroschenste Zeug. Die neuen Gedanken, Lebhaftigkeit, Vorschläge, auch mal ein Witzchen, besonders aber die weiterhelfenden richtigen Fragen, kommen von den Frauen. Warum das so ist? Vielleicht eine Überkompensation aus der Gleichberechtigungsbewegung? Muss man also fragen, war es diese Gleichberechtigung, die gut gemeint und gerecht aussehend, aber eigentlich gegen Gottes Absichten, auf die Dauer so schädlich wirkt? Dazu bleibt er nämlich wie vorher boshafter und aggressiver als Frauen. Wird also gesellschaftlich immer mehr ein lästiger Klotz am Bein, verglichen mit ihr! Wer nur Gottes Prinzipien als gut anerkennt und übernimmt, landet immer auf der Fehlhalde. Wie gut und ›weise‹ hat es doch der große Gandhi eingerichtet mit seinen umwälzenden Reformen in Indien, nicht wahr? Ja, falsch! Jetzt sind etwa Restindien und Pakistan – isoliert von einander wie er’s haben wollte – in immerwährendem Krieg miteinander, dagegen war ja das Vorhergehende noch erträglich.

Mit solchem unnützen Fresssack als Vaterfigur kann man nicht leben, als heranwachsender Sohn schon gar nicht. Und dagegen nun die ihm verbleibende Sphäre alles ›Männlichen‹, so lächerlich es klingt. Unsere Männer sitzen nämlich in einer Falle, sie, denen doch andererseits die Welt alles nachmacht.

Die Südamerikaner bezeichnen nämlich die nordamerikanischen ›Gringos‹ als solch weichliche Sissies, ›keine richtigen Männer!‹ Das zwingt nun diese Gringos, dagegen etwas zu tun. Bloß was? Ungeübt im Denken und so ohne kreative Fantasie, blieb ihnen nun selber nichts als so krampfig gegen die Unmännlichkeit anzugehen, und das genau haben ihre Söhne in ihrem so akuten Vorbildmangel nun selbst wohl von ihnen übernommen.«

Nach einer Weile fährt Sam in dem nun immer jeweils monologartiger werdenden Gespräch fort:

»Herm hier ärgert sich an unserem Football, und ich verstehe ihn, an der albernen ›männlichen‹ Bekleidung mit den breiten Schultern. Das ist übelste Effamination! Sie machen die weibliche Schminke und künstlich ausgestopften Busen auf ihre Weise nach, die schon bei Frauen nach Paulus vom Übel sind, von den nun auch bei Männern auftauchenden gefärbten Haaren, künstlichen Locken, Ohrringen und Goldkettchen, ja Nabelschmuckringen will ich mal gar nicht reden. Die Männer haben etwas verloren, ich weiß nicht was, was in der Gemeinde und Familie, vom Staat ganz zu schweigen – sich nun immer schädlicher auswirkt. Sie hatten einmal etwas an Geist und Führungsgabe und Einfühlungsvermögen, das den Frauen abging, so dass sie vor Gott die Prediger und Lehrer sein sollten. Wo ist heute ihr Geist, Weisheit, ihre Fantasie, ihr Humor, Anpack- und Unternehmungslust, ihre weiterhelfende und nachdenkliche Kritik, ihr vor der Familie offenes Suchen nach Gott, und dann ihre Führung darin, alles, wonach sich seine Frau und der heranwachsende Sohn mit Recht und aus entwicklungsbedingter Notwendigkeit so sehnen?

Nun also meine Frage: Wie kann darin ein Heranwachsender gedeihen? Was können wir allgemein als Gesellschaft da tun?

Ich versetze mich mal in so einen Jugendlichen hinein, egal, welchen Geschlechtes. Haben nicht die Eltern, besonders die in dieser Frage so wichtigen Väter, schon eine ganz fremde Sprache entwickelt? Die ihre Kinder gar nicht mehr verstehen können. Es ist nichts mehr Menschliches oder Nachfühlbares darin. Das fängt schon im Babyalter an und geht dann einfach unkorrigiert mit den Jahren so weiter! Er redet nicht mehr vernünftig, und das Kind fühlt sich entfremdet, wie in einer immerwährenden Show. ›Nein, nun ist Daddy aber ganz traurig!‹ Ich kenne schon gleich mehrere Familien, wo nach außen eine bürgerliche, übertrieben rechtschaffene Atmosphäre vorgezaubert wird. Etwa wie die eine Familie, ich nenne ja keine Namen.

Der Vater ist – noch dazu und ausgerechnet – Pastor einer kleinen freikirchlichen Dorfgemeinde von nur wenigen Familien. Er arbeitet aber noch anderswo, weil ja etwaige Kircheneinkünfte nicht zum Leben reichen. Warum dann überhaupt das Pastorat, fragt ihr? Ich wage darauf mal, nur versuchsweise zum Nachdenken, zu vermuten:

Die gefürchtete Sissyness! Eben, dass er so eine christlich reine Maske ohne wirkliche Einflusssphäre geworden ist! Und sein Kirchendienst wird ihm zum großen rettenden Nevertheless!

Da wirkt er nun und ist eine komplette Maske der christlichen Rechtschaffenheit geworden. Er kann nicht einmal mehr herzlich lachen, weil das doch ›ungeistlich‹ sei, und er lebt in kompletter ›Selbstbeherrschung‹, keine unerzwungene Liebe, die Saft und Kraft hätte, dass die Fetzen fliegen, kaum Humor, keine Lebendigkeit in irgendeiner Weise. Er scheint gut zuhören zu können, das ist aber Trug, weil er fast nichts sagt. Man weiß bei ihm nie, woran man ist, ich vergleiche ihn einem Reptil – der teuflischen Schlange, wenn ihr wollt – wo wir nicht mehr von der Miene ablesen können, was in ihm vorgeht, wie wir es doch selbst etwa bei unserem Haushund noch so gut können. Seine Predigten sind ornamental und unpraktisch, legalistisch und weltfremd. Um Redegewandtheit vorzutäuschen, fängt er jeden zweiten Absatz mit ›Nevertheless‹ an. Alles ist ›sauber‹, aber nichts gemütlich. Die Ehefrau vergräbt sich in einen hilflosen Zorn, es fällt ihr in diesem Haus der noch erzwungenen väterlichen Vorrangstellung aber auch nichts besseres ein, als all die Heuchelei endlich schweigend und in christlicher Ergebenheit mitzumachen. Nun haben sie eine fünfzehnjährige Tochter. Natürlich hat die ihren Boy-friend, das wird auch zu Hause – im ›christlichen‹ Amerika im Gegensatz zu der in sich viel harmloseren Bar – ganz normal gefunden. Nicht aber, dass sich dann ihr Bauch rundet, bis selbst die nicht mehr schweigen können! Und hier nun die ganze Atmosphäre da: Sie schweigt einfach still und macht diese so koschere Selbstbeherrschungspantomime mit – bis sich ihr Bauch derart füllt, dass er nun wahrgenommen werden muss!

Ach, wie ist der Vater da am Boden zerstört! Das ihm! Ihm, dem doch nun niemand bei bösestem Willen einen Vorwurf machen könnte! Er war fast wie dein Brite, der sagt, welche Nation ist wohl reifer als wir? Er hat es tatsächlich fertiggebracht als noch in den Vierzigern, bei der Geburt des unehelichen Enkelkindes merklich zu ergrauen. Fast möchte man argwöhnen, die Tochter war so heilig und steril aufgezogen, dass ihr vielleicht die Zusammenhänge zur Schwangerschaft nicht einmal bekannt waren! Aber nun gerade das ist im heutigen Usa nun ganz unmöglich geworden. Kann man da nicht auch die Wut kriegen? Oder ein heulendes Elend von Mitleid? Würde man da als etwaiger Sohn nicht auch zur Pistole greifen und dem Vater sagen, hier, ich werde dir mal zeigen, was an deinen sterilen Gebetchen und dauernden Säuselsprüchen dran ist! Und was tut die Tochter anderes – und ich sehe mal als absurd davon ab im heutigen Amerika, zu glauben, dass sie tatsächlich noch zu unaufgeklärt war – als durch eine Schwangerschaft Bedingungen, die endlich wahrgenommen werden müssen, zu schaffen, die, wie sie meint, endlich der Liebe und Familienwärme dienen, wo Worte eben nicht mehr ankommen, die ähnlich unleugbar und endlich wahrhaftig sind wie der Pistolenschuss bei den Männern, denen sich dann auch dieser Träumervater gezwungenermaßen stellen muss?

Die Tochter hat den Schwängerer nach fast zwei Jahren endlich doch geheiratet. Ich weiß nicht, welche und wieviele der ihr lästigen Predigten nötig waren, bis sie endlich das kleinere Übel wählte! Gerade wollte man guten Willens alles Bisherige vergessen und ihnen einen neuen Anfang gönnen, da brach diese Pflichtehe ganze vier Monate später schon wieder auseinander! Nun hatte der fromme Vater, der keine Familienliebe erzeugen konnte, seine Tochter nicht nur zur Unzucht getrieben, sondern auch noch zum Ehebruch.«

Der Vater aber ist nun, schon Jahre später, menschlicher geworden, bescheidener und noch stiller, aber lieber gemocht von seinen Kollegen. Er kann jetzt auch richtig lachen. Wirklich, ohne die christliche Maske ist er ein anderer Charakter, ein neuer, liebenswerter Mensch geworden. Mich natürlich interessiert nun, welcher Geist da wie und wo hineingekommen ist.

Das bringt mich auf eine Idee,« sagt Sonya im Anschluss an das gerade Gesagte,

»In einer der vielen Abhandlungen über Dostojewski stand, wenn ich mich richtig erinnere, in seinem welterschütternden Roman ›Die Besessenen‹ sei der Adlige Stawrogin die eigentlich treibende sündige Kraft, der aber ganz im Hintergrund bleibt und andere die Mörder werden lässt, nämlich besonders den ›nützlichen Idioten‹ Pjotr Werchowenski – Stawrogin also sei als ein ›ornamentaler Mensch‹ zu verstehen.

Das ist, wenn ich die dahinterstehende Idee richtig kapiert habe, ein kalter theaterhafter Mensch, der gar keine nachfühlbaren Emotionen mehr äußert, alles wird Spielerei, Eleganz, Show. Wir leben in diesem Ungeist in Amerika – um der Johnsens willen, darum wie wir wirken und wie wir ›ankommen‹. Man schlage nur einmal eine heutige ›Jugendzeitschrift‹ auf oder betrachte kritisch daraufhin amerikanische Autos! Alles ist Show!

Um Missverständnissen vorzubeugen: Solche Kritik wie hier ist kein Hass, Neid oder Herunterreißen fremder Werte! Bei Usas Weltstellung heute ist für uns ein klares Bild ihrer Kultur und Lebensweise ohne Lobhudelei dringend nötig.

Ebenso sind wir in allem unwahr und listig und rühmen uns dessen noch! In einer Fernsehsendung stellten sie die hundert berühmtesten Leute des Jahrtausends zusammen. Da wurden nun rechtens nun Sultan Suleiman, der aus der Türkei ein Riesenreich gemacht hatte, Newton und Luther erwähnt. Aber dann kam auf einmal Louis Armstrong, der Jazzsänger der Fünfziger!

Einer meiner Bekannten sagte dazu, es müsse wohl ein Neger hinein, damit die sich nicht ausgebootet fühlen. Aber ein Unterhalter, ein Jazzsänger! Was hat denn der für eine Jahrtausend-Bedeutung? Jeschua sagt, ein Ja für ein Ja, also ein Ja, wo eins hingehört, alles weitere sei ›von dem Bösen‹. Sie dachten da nicht mehr an das Jahrtausend, sondern sind wieder aberwitzig, ›politisch korrekt‹, den anderen auszufoxen zum ›Guten‹ oder zum Bösen, aber immer wie sie wollen und mit Falschheit!

Das erinnert an die Pharisäer, die Jeschua fragen, aus welcher Vollmacht Er handele. Sagt Er: Aus welcher Vollmacht handelt denn Johannes der Täufer? Und nun kommt’s, die Bibel lässt uns ihre Gedanken sehen: ›Sagen wir, aus sich selbst, haben wir den Pöbel auf dem Hals, der ihn schon für einen Propheten hält. Sagen wir: aus Gott, so sagt Jeschua, warum folgt ihr ihm dann nicht!‹ Alles foxen sie aus, wollen immer die Schlaueren sein, aber die einfache Wahrheit, nach der sie gefragt werden, ein ›Ja für ein Ja‹, bringen sie nicht fertig! Das schafft nun ebenso bei uns heute die große Entfremdung hier, denn so ist ihre Rede ja immer Lüge, die man wenn überhaupt, als solche erst entziffern muss und erst später erkennen kann. Heißt es nicht auch, die Liebe wird in Vielen erkalten?«

Nach einem Moment geistlichen Verdauens dieser Gedanken fährt nun Sam fort:

»Bleibt also zu fragen, was ist es sonst noch, das unsere Schützen zu vermelden und womit sie uns zu bekehren haben? Was die Flugzeugterroristen? Da ist einmal eine angestaute, unaussprechliche Wut auf Amerika! Die ist ihnen allen gleich. Auf unsere ganze Kultur oder Unkultur. Eben weil uns alles zu gelingen scheint und wir so ›sauber‹ sind, aber nicht aus unserem Verdienst, wo wir doch – und da haben sie recht – so naiv, dabei falsch, kriegsaggressiv und auch roh sind.

Und das muss jeder zugeben, der meine Aussage nur kurz aus ausländischem Blickwinkel betrachtet!

Es ist ihnen gar das eigene Leben wert. Einige knallen sinnlos in die Menge, dann erschießen sie sich selbst. Angst vor Verurteilung, vor Strafe? Doch wohl kaum, wenn sie sich gleich die härteste Strafe selber geben. Also Angst vor dem Verurteiltwerden, vor den anderen, der Scham und Schande? Was die Johnsens denken! Ich glaube, am meisten ist es wieder dieser Mannesstolz des Kleinen Gottes! Das letzte Wort behalten – buchstäblich! Sie könnten doch gerade da zu Worte kommen und einmal aussprechen, was uns alle so quält! Aber das können sie nicht mehr, es fehlt ihnen buchstäblich die Sprache dazu, besonders, wenn es sinnvoll und einleuchtend sein muss und vor großer Audienz! Sie achten auf die hier so allmächtige Form, aber die ist mit den Kreisen der Menschen verschieden – nicht auf den Inhalt, den sie nicht haben!

Sie wollen als der Held sterben, der Rechthaber bleiben, wieder das lange Gequatsche verhindern. Denn Gespräch, wenn auch flach und meist erfolglos, zielt auf Nachdenken, auf Bekehrung! Und gerade das ist in unserer humanistischen Unkultur so verhasst. Der wilde Schütze predigt ja auch nicht zur Menge, wenn er’s tut, sondern für sich selber, wie Klein-Fritzchen im Keller: Es gibt keine Geister, es gibt keine Geister!

›Ich habe recht, ich habe alt Angestautes gewagt, auf einmal abzuladen! Habe wieder Ordnung gemacht. Nun bin ich frei und mutig, habe recht gehabt. Nun beneidet mich alle! So etwa sprach Hitler! Dabei bleibt es nun – bis in alle Ewigkeit! Und nun also Schluss mit allem, ehe es wieder anders kommt.‹ «