Siebenundzwanzigstes Kapitel

Der gute Samarier

Am nächsten Morgen regnet es noch. Jim ist ziemlich verkatert. Des Wetters wegen leiht ihm Sonya heute ihr Auto, denn sie habe eine längere Arbeit in der Bibliothek zu verrichten, von wo sich Jim das Auto abholt, als es etwas weniger regnet. Da ist sie Herr ihrer Zeit und kann später zu Fuß gehen. Also verfügt Jim über den Wagen praktisch den ganzen Tag.

Abends, aber es ist bei der Jahreszeit noch hell, hat sich das Wetter gebessert. Jim fährt noch in Sonyas Wagen spazieren und denkt sich, es wäre jetzt fair, ihr den Wagen vor der Rückgabe vollzutanken oder doch wenigstens die geschätzte Menge, die er verbraucht habe, zu ersetzen. Also fährt er zu einer billigen Tankstelle – Sonya selber tankt nur billiges Benzin – etwas außerhalb der Stadt, an die er sich erinnert. Sein Weg führt ihn sonst nicht in diese Gegend. Auf der Rückfahrt muss er etwas seinen Weg suchen und verfährt sich ein paarmal. Auf einmal, er kennt die Straße nicht und es dämmert jetzt doch schon stark, sieht er einen Sportwagen vor einer erleuchteten Spelunke mit roter Neonschrift: »Chez Cherie« parken.

Halt! Ist das nicht der berühmte Wagen von gestern nacht? Er parkt Sonyas Wagen ein Stück entfernt davon und geht zurück, sich zu überzeugen. Richtig! Das Kennzeichen ist das nämliche, beide Sitze des Zweisitzers sind wie gestern weit nach hinten gestellt. Die lesbische Frau! Nein, Dale Noomeys Freundin! Auch nein, zu weit nach hinten! Der eine der Schwulen! Aber das war ja bloß ein skurriler Traum. Aber nun muss Jim es erforschen. Vielleicht gibt es in der Kaschemme einen Clou?

Nun wäre es natürlich sicherer und gescheiter gewesen, die Frage durch Nachdenken zu lösen. Ansatzpunkte hatte er ja. Der Widerspruch des reichen Hauses und armen Autos, das Parken ziemlich offenbar aus einer Versteckabsicht, und schließlich wenn es wirklich Dale war – seine vermutliche perverse Sexualität. Da zum Beispiel doch gleich eine mögliche Folgerung, dass er und warum wohl, nie verheiratet war. Dadurch käme man auf das verschwiegen gehaltene Luxushaus, ebenso sein aber kaschierter Verdruss über Bobs »Sauerei«.

Aber Jim ist nicht der Denkertyp. Das war uns an ihm ja schon an der Theologie im und um das Webbhaus aufgefallen.

»Soll ich meines Bruders Hüter sein?« fragt Kain Gott. Das meint er rhetorisch mit der angenommenen Antwort: nein. Ich meine, sie ist nicht nur rhetorisch mit der Antwort: ja! In anderen Worten, ist es recht, dass Jim sich hier so in die Privatsphäre anderer Menschen vertieft? Ja, wenn es Nächstenliebe ist, auch die Perversion des Pastors betreffend – aber nein zu allen Tricks, Fahren unter Alkohol und Lüge und wenn mein erspioniertes Wissen mein Opfer kränkt!

Hier hätte ich mir eigentlich mehr Platz einräumen sollen, denn es bleibt noch eine Menge zu sagen, auch besonders wegen der mich noch quälenden eigenen Schuld – weil ich doch mehrfach angedeutet hatte, dass ich ganz im Gegensatz zu amerikanischem Denken, wo man gar den Postkasten vor der Tür ohne den Namen des Hauseigentümers lässt, ganz für Offenheit bin. Ihr seid doch sonst so gute kameradschaftliche Nachbarn hier, »Kumpels«, wo dem Hausnachbarn fast eine Verwandtenstellung eingeräumt wird?

Natürlich geht mich an, was mein »Nächster« macht, wie es ihm geht, wo er etwa leidet. Wie soll ich ihm sonst helfen? Wir Christen jedenfalls haben doch ein Recht, die menschenalte Rühr‘-mich-nicht-an-Schranke zu übersteigen? Ich will’s im Bild mal so sagen:

Ein junges Mädchen muss ungewollt nachts von einer Party kommend einen weiten Weg zu Fuß allein nach Hause machen. Sie meidet wenn möglich jeden noch fernen Passanten, indem sie sich rasch in eine Seitenstraße versteckt und hofft, der Fremde werde die vorige Straße weiter geradeaus gehen. Einer von ihnen muss sie aber bemerkt und durchschaut haben, denn er kommt grinsend ihr nach an ihr Versteck, das sich noch dazu als Sackgasse herausstellt. Natürlich vergeht sie fast vor Angst!

Aber als er aber nahe heran ist, entpuppt er sich als auch ein Gast der Party, von der sie eben kommt, hat von ihrer Motorlosigkeit gehört und suchte sie nun, um ihr zu helfen, wenn auch etwa nur, sie zum Schutz zu begleiten. Das »Grinsen« war ein Lächeln zu Gott aus Dankbarkeit, dass er sie endlich doch gefunden habe und ihr nichts passiert sei.

Man weiß, ich spüre gern dem Geist nach, besonders in einer in sich etwas geschlossenen Gesellschaft. Ich brauche nichts weiter zu beschreiben. Unser Augenmerk richtet sich auf das Mädchen. In einer Sekunde geht sie aus Todesangst in lebhafteste Freude über! Was dem sich gleichfalls so freuenden Jüngling hier so zufällt, wollen wir Christen schleunigst übernehmen und uns abgucken! Also er wusste um ihre Situation und findet sie gerade deswegen. Und sie? Freut sich, dass er’s wusste! Nichts mit Alles-geheim-Halten!

Innen in »Chez Cherie« ist noch nicht viel Betrieb. Es ist ja noch früh, etwa 21 Uhr. Es ist verdunkelt außer blitzenden Partylichtern, laut dröhnt blecherner musikalischer Krach. Jim steht unschlüssig, er fühlt sich in Derartigem nicht gerade zu Hause. Soll er sich an die Bar setzen und versuchen, ein Gespräch anzufangen, wem der Wagen gehöre? Nein, am Tisch geht das besser, denn die Kellnerin wird ihre Kunden besser kennen als irgendein Co-Säufer an der Bar, wo man auch nicht so vertraulich reden könnte. Er klemmt sich an einen der Tische, die sonst noch leer sind. Es kommt auch eine Kellnerin – oder nein? Ein Kellner? Langhaarig, freie Schultern, die Tätowierungen erkennen lassen, schwarz behost! Die Stimme ist hoch und verraucht, aber doch mehr die eines Mannes. – Ein Transvestit! Ist die ganze Kneipe so? Das rückt ja mit einem Schlage Noomeys angenommene Perversion wieder greifbarer!

Jim bestellt ein Miller Light und fragt wie nebenbei:

»Wissen Sie, wem der kleine Zweisitzer vor der Tür gehören könnte?«

»Klar, man! Pattys!«

»Und wer ist Patty?«

»Na unser Diskjockey! Prima Kerl! Und wozu willste das wissen?«

»Ich glaube, ich habe ihm beim Parken eine kleine Beule gehauen, konnt’ ich bei der Dunkelheit nicht genau erkennen.«

»Der macht dir schon keinen Zirkus wegen dem alten Karren!«

Dennoch führt sie/er Jim zu Pat, der jetzt, während das Band läuft, nichts zu tun hat und in einer abgeteilten Bude, die Beine hoch, sich gerade einen Whisky zu Gemüte führt. Also, denkt Jim, der sieht verglichen mit dem Kellner fast noch vernünftig aus, aber ohne den Kontrast von ihm/ihr, auf der Straße, würde man den langlockigen »Patty« doch auch schon für einen Schwulen halten können! Das wirft gleich wieder ein Licht auf das ganze Chez Cherie! Aussprache hier übrigens »Tschäi Tscherie« mit Betonung auf dem langen I.

Pat denkt gleichzeitig beim Anblick Jims an so einen möglichen Wimp aus Dales Kreisen, am Ende vielleicht einen aus der irren Gruppe, die den elektiven Lifestyle der Erfahrenen als Sauerei bezeichnet haben!

»Hi! I’m Pat! Wie heißt du?«

»James Luke. Ich glaube, ich habe an Ihrem Wagen einen Schaden verursacht. In der Dunkelheit war ich nicht sicher.«

»Ach my dear, darum kümmern wir uns später! Jetzt trinken wir erst mal einen! Ich freu mich doch, dass du da bist! Bist neu hier, was?«

Er sieht ganz gut, dass Jim wahrscheinlich nicht einer von »den Unsrigen« ist, aber schlägt bewusst diesen legeren vertraulichen Ton an, einmal, weil der Manager gern sieht, wenn man neue Gäste möglichst gleich zu Stammgästen macht, egal welcher geschlechtlichen Ausrichtung sie seien. Bei ihm solle sich jeder wohlfühlen. (»Dadurch profitieren wir alle!«)

Andererseits ist die Beule an dem Wagen natürlich gelogen. Also will der Wimp was von ihm, und das scheint kaum eine »Anmachung« im sexuellen Sinn! Also leuchtet in Pats Gehirn zu Recht ein Warnlämpchen auf. Am Ende hat das was mit Dale zu tun, sein absichtliches Verwischen seiner Ausrichtung, das Pat wahrzunehmen sich einbildet, in Kleidung und Benehmen? Vielleicht geht es um das Haus, die Erbschaft? Da heißt es, den Neuen gleich gut stimmen und seine Zunge mit Alkohol etwas lockern! Aber auf das »Trinken wir einen!« sagt Jim:

»Ich habe schon ein Bier bestellt.«

»Ach was, Bier! Terry, bring mal stattdessen noch so einen für unsern Jim hier!« Und er zeigt auf seinen halbleeren Whisky. »Geht aufs Haus!« Das ist auch ganz im Sinne des Managers. Die Menge Whisky, die ins Glas geht, kostet das Chez Cherie, na, etwa 50 Cents, für den trinkenden Gast aber $5. Sie ›profitieren‹ nicht schlecht!

»Terry!« denkt Jim, »weiß man wieder nicht, woran man ist, Mann oder Weib?«

Also viel bringt an diesem Abend der unerfahrene Jim nicht heraus, aber der schlaue Pat auch nicht. Mit großer Mühe hat er den Sträubenden zu einem zweiten Whisky überredet. Zunächst entscheidet er, da ist nicht weiterzukommen. Dieser Jim will was, aber offenbar weiß er nichts, was gefährlich werden könnte. Am Ende nur ein dummer High-Schüler, der sich an der Atmosphäre von Schwulen, von der ihm die Mitschüler vorgeräubert haben, ergötzen will!

Aber das mit der Ausrichtung will er doch näher explorieren. Was kann schon schief gehen? Schließlich ist Jim freiwillig in diese Bar gekommen, und selbst er, sollte er wirklich so unbedarft sein wie er sich gibt, muss doch sehen, um was es sich dabei handelt! Also versucht nun Pat von sich aus, ihm etwas näher zu kommen. Denn junge Männer mit dieser Ausrichtung sind schließlich schwer aufzutreiben, aber sehr gefragt. Und schließlich sieht dieser Jim auch nicht schlecht aus, oder? Na ja, das spielt ja auch keine Rolle. Immerhin ist er muskulös. Erst also legt Pat probehalber »kameradschaftlich« den Arm um Jims Schulder. Jim zieht sich erschreckt etwas zurück. Aha! Einer im Versteck! Daher die neutrale Aufmachung. Lebt wie sein Freund Dale in altmodischen Kreisen, wo man sich nicht voll zeigen darf. Aber in Jim spricht doch eine Überlegung für ruhig Stillhalten; das ist sein Detektivgeist. So ist es ihm zwar unangenehm, aber es wird Licht in dies ganze Rattennest werfen! Das ist der Preis, diesen Reverend mal gründlich zu durchleuchten!

Aber als Pat anfängt, ihn zu befummeln und ihn gar unter dem Tisch zwischen die Beine streichelt, da hat er doch genug! Was auch mehr könnte er herausbringen? Pat ist wirklich schwul, da ist nun keine Frage mehr. Oder sollte er sich aus »Geschäftsinteressen« für die Bar so geben? Aber ich glaube, – denkt er für sich, – für so etwas gibt sich wohl kein ganz normaler Mann her. Und nun also hat Dale seine Rolle mit diesem Pat gespielt, so oder so. Aber seine Heimlichtuerei spricht für die mehr unmoralische Seite der Angelegenheit, dass er selbst mehr als er wissen lässt, direkt beteiligt ist!

Einmal hat Jim beim zweiten Glas, das er übrigens zähneknirschend selbst bezahlen wird, aber er hat auch nicht, wie ein erfahrener zielstrebigerer Lebemann es getan hätte und Pat es erwartet hat, die nächste Runde für beide spendiert. Also Jim hat plump gefragt:

»Wo wohnst du eigentlich?«

Das war natürlich dumm und erfolglos. Pat hat geantwortet:

»Na, ein Stück von hier schon! Sonst braucht’ ich doch den Wagen nicht und würd’ mit denen da intus«,

und er zeigt wieder auf die Gläser,

»einfacher und sicherer zu Fuß gehen! Warum, willst mich besuchen? Ha, ha!«

Bald darauf entschuldigt sich Pat, der Abend sei nun in Schwung gekommen und er müsse seines Amtes walten, geht an seine Geräte, und gleich danach donnert überlaut seine Stimme über die zu laut gestellten Verstärker durch den Saal:

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»Hallo, hallo, halloo! – meine Lieben! Da sind wir wieder beisammen zu einer kla–ssi–schen Party heute abend! Welcome, welcome, welcome! Besonders natürlich auch all ihr Neuen, die zum erstenmal diese geheiligten Gemächer beehren! Jetzt wollen wir uns einmal entkrampfen heute abend und mal so rich – tig ausspannen bei Tschäi-tscherii und uns erholen! Klasse Musik hab ich wieder für euch besorgt heute abend!«

Im Grunde tut er auch nichts anderes als Dale auf seiner Kanzel, stellt Jim für sich fest, sogar noch in ähnlichen Phrasen, in der Kirche heißt es bei jeder Gelegenheit »heute morgen« wie hier »to-night«! Nur die »geheiligten Gemächer« gibt’s bei Dale nicht. Gerade da und nicht hier, hätten sie eher hingepasst. Oder beidemale nicht! Und dann Einladen, Reklame machen und jeden möglichst zu einem Stammgast machen. Und dann im Ganzen ein gekünsteltes Gehabe wie es eben zum ja sehr unterschiedlichen Stil des jeweiligen Hauses passt!

Aber nun verliert sich Pat in minutenlangen Zitaten und Aufzählen von »Künstlern« und deren Alben, von denen Jim und wohl auch die meisten anderen, die jetzt zahlreicher versammelt sind, nie etwas gehört haben. Jim begibt sich grußlos zum Ausgang, begleicht dort seine trotz des freien Anfangswhiskys hohe Zeche und wankt auf die Straße.

Pats Wagen ist jetzt von anderen Parkern dicht eingerahmt, ebenso wie etwas weiter, Sonyas. Was nun? Eigentlich darf er, der doch kaum Alkohol gewöhnt ist, nicht mehr nach den großen Whiskys fahren. Nach Hause laufen und morgen den Wagen abholen? Dann wird Sonya, die ihn früh brauchen wird, verärgert sein! Rudi jetzt anrufen, er möge möglichst mit noch jemandem, etwa gleich Sonya, ihn und ihren Wagen abholen kommen? Ja, aber dann muss er erklären, und das will und kann er noch nicht, denn er will möglichst erst alles Dale Betreffende genauer herausbringen. Nachher war er’s gar nicht? Andererseits schämt er sich doch, gerade in diesem Haus nach 23 Uhr die Leute zu bemühen, weil er selber zum Fahren zu betrunken ist!

So geht das mit lotterigem Lebenswandel, wenn man nicht wirklich »keinen Fingerbreit von Gottes Wegen abweichen« will! Immer ist Sünde und Scham vor Entdeckung schon anfangs im Spiel, vergrößert dann aber nur die Sünde, der man ungesehen entschlüpfen wollte. Wer keine Sünde zu verstecken hat, lebt ganz offen, ehrlich und frei! Die Bibel sagt da etwas vom Lichtscheuen der Sünder und von Jeschua, der Licht ist und die Dunkelheit hasst. Jim könnte doch wahrheitsgemäß zugeben, wie ihn dieser Typ da zum Saufen verführt und genötigt habe und auch, was ursprünglich sein Interesse erregt habe, damit könnte er sogar die Verantwortung über das weitere Detektivspiel über Dale weitergeben, und sollten alle befinden, das gehöre sich nicht, es zusammen dann viel leichter bleiben lassen! Aber, so geht es mit der Sünde nicht! Wie wäre dann diese ganze Geschichte völlig anders gelaufen! Jim wäre nur Tage später nie so tief in Sünde gefallen. Sie wirft erst ein Angelhäkchen nach dir aus, und wenn du es nicht gleich aushakst und zurückweist, und ohne dich zu schonen nur die ganze bis dahin ja noch harmlose Wahrheit bekennst, hakt sie bald den nächsten größeren Haken in dich und zieht dich zu sich, und schließlich einen Schiffsanker! Und ein Sünder zeichnet sich gerade dadurch aus, dass er nicht offen und absolut wahrheitsgetreu ist. Er will etwas »für sich behalten«, der Schlauere sein, nicht klar Ja oder Nein sagen, die Zügel selbst in der Hand behalten, immer ein Stück Eigentum – das »Herz, das innen ist« – behalten, nicht Gott wirklich alles ausliefern! Kurz, sich, oder wenigstens teilweise so, selbst zu Gott zu machen! Und Ausliefern ist wie Wahrheit immer nur Eines, das Absolute, das Ganze.

Aber so geht es noch manch anderem. Jim würde sich schämen, den für andere wohl fadenscheinig klingenden Hergang von gestern nacht als Anlass kundzugeben.

Er fährt also Sonyas Wagen vorsichtig zum Webbhaus, kommt auch ohne Unfall oder von der Polizei entdeckt und damit bestraft zu werden, glücklich an, parkt den Wagen an der üblichen Stelle, schlüpft ins Haus, und da schon 23.30 Uhr vorbei, auch ungesehen und ungerochen! in sein Zimmer. Gut, diesmal scheint er ungesehen entschlüpft. Aber noch ist der Teufel nicht fertig mit ihm!

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Sam Rothman hat sich einen großen Ruck gegeben. Er hat in seinem bisher darin kümmerlichen Leben die allergrößten Skrupel, ob er das Richtige tue. Aber ein Instinkt sagt ihm, dass er trotz alles Widersprechendem diesmal nicht so hoffnungslos schlecht liege. Also denkt er in seiner Logik weiter und fragt sich, Israels Vorteil als Staat gegen die Araber sei immer gewesen, dass es vorher gründlich mit allen Möglichkeiten gerechnet habe, auch mit eigenem Verlieren – anders als die Araber oder etwa Hitler, die in allem nie weiterplanten als bis zum eigenen glanzvollen Siege.

Wenn du nun wirklich Erfolg hast, sagt er sich, dann sei nicht blödsinnig vor Glück, sondern frage dich, bist du bereit für alle Konsequenzen? Und als ein Gottesmensch gibt es da für ihn nur eine ehrliche und anständige! Und da nun muss er wegen seiner rosaroten Brille doch mehrmals ansetzen, bis er zu einem brauchbaren Denkergebnis kommt. Ja, sie ist eine Christin! Sie ist aber dennoch mehr ein Weltkind als er selber, eine Seite, die sie an ihm ergänzen könnte, und er andersherum, an ihr, etwas davon abnehmen. Er traut sich eine behutsame Führung zu, wie sich schon gezeigt hat, und sie ist gar nicht schlecht oder verdorben, sondern im Gegensatz wohl zu ihm selber, eigentlich ein vor seelischer Gesundheit strotzender Mensch. Im kleinsten Falle eines Misslingens, etwa nur einer Andeutung über einen neuen Boyfriend, nimmt er sich vor, wird er bescheiden und ohne Fragen das Feld räumen.

Mit stark klopfendem Herzen drückt er nur kurz den Klingelknopf am Haus der Wirtsleute, denn sie wohnt nicht mehr in Dales Studentenhaus!

Nun hat er wirklich Glück. Diane war damals im Winter ehrlich von ihm angetan, das hat sie ihn beim Abschied ja noch so süß und auf lange Zeit wirkend, fühlen lassen. Nach ihrer alten Natur hätte sie sich darauf sofort wieder irgendwo neu verliebt oder sagen wir, eigentlich mehr sexuell interessiert, und sich dazu wieder einen möglichst gut aussehenden, von anderen begehrten Mann ausgesucht. Aber durch den Schock damals, nicht durch Dales alberne Bekehrungsversuche, ist sie eine andere geworden. Sie ist innerlich zu tief bekümmert, als sich jetzt noch etwa so eines Sieges über andere Frauen zu freuen, wie damals. Ist auch reifer geworden und hat bald eingesehen, dass durch Dales Auffassungen ihr keine Hilfe zuteil würde und ist dort ausgezogen. Sie hat erwogen, Sam einen Brief zu schreiben, sich für seine im Grunde eigentlich einzig wirkungsvolle und hilfreiche »Behandlung« zu bedanken. Sie empfindet für Sam auch einen bis dahin ungewohnten Grad von Freundschaftssympathie. Aber den Brief, den sie wiederholt ansetzt, hat sie jedesmal zerknüllt, und, da noch im Noomeyhaus, sehr klein gerissen und selbst in die Mülltonne draußen befördert. Das waren Schulmädchen-Liebesbriefe! In diesem Fall völlig verkehrt am Platze. So etwas hat sie früher nie geschrieben! Da hat sie die Männer alles Bewerben machen lassen, und sich dann wie eine begehrte Frucht, von dem Größten pflücken lassen! Das hatte dann aber auch nie lange gehalten.

Aber diesmal war es ganz anders. Auch kann sie sich nicht dazu finden, von Sam sexuell zu wunschträumen. Es war wie ein Wundermachtspruch. Seit Sam sie so liebevoll über weibliche Masturbation aufgeklärt hatte, war es fast aus damit, ganz unmöglich aber mit ihm selber als Wunschobjekt!

==========4==========

 

Es ist mit der sexuellen Liebe, eigentlich mit jeder Art Liebe, ja folgendermaßen:

Denken wir uns eine Skala, etwa einen Halbkreis auf einer waagerechten Linie. Ich denke an die Wellenlängen elektromagnetischer Strahlungen, etwa das sichtbare Licht. Ganz rechts steht das langwellige »Licht«, also die Wärmestrahlen, in der Mitte etwa grün und gelb, links tragen wir die kurzwellige Strahlung ein, blau und lila, zum linken Rand immer ultavioletter werdend. Das sei die roh sexuelle Lust. Rechts die »harmlosere« platonische Liebe, bis hin zur sexfreien Sympathie etwa 1. Korinther 13, ganz lange Welle und lang haltend.

[Diese Liebe . .]» ..höret niemals auf.«

Dann kann man für jede Liebe sich in einem Diagramm auch über sich selber klar werden. Es gibt also wie in einer Scheibe bei Lastwagen über die gefahrene Geschwindigkeit – zu meiner Jugendzeit jedenfalls gab’s sowas - oder in einem Seismographen, Schwärzen, Höhen und Tiefen. Man trägt sich ehrlich Spitzen oder Schwärzen links ein, vielleicht nur eine steile Zacke sehr links, sonst gar nichts, und weiß, dass man nur stierisch interessiert ist, die berühmte »Handtuch-über’n-Kopf« –Masche! Oder ein solider breiter Eintrag auf der anderen Seite oder Mitte mit dem für eine Ehe so wichtigen Band weit nach rechts! Verliebtsein ist an Sex erst gar nicht interessiert. Dazu kommt einem die Erwählte zu sauber, zu süß vor. Das ist auch physiologisch, denn dies ist ja die eigentliche monogame Eheanbahnungsliebe, sie bekommt von uns einen Ehrenplatz Mitte, nur wenig links, aber möglichst mit solider Rechtsbeteiligung und etwas, nur wenig, wie Salz in der Suppe, einen Spross noch weiter nach links in der Skala.

Meine Skala ist, nebenbei bemerkt, wieder so eine von Mischa angeregte Palette aller Möglichkeiten, die sich ein nachdenkender Mensch zur Freiheit der Entscheidungen selber gedanklich erarbeitet.

Diane ist über sich selber sehr erstaunt, dass ihr Gefühl zum ersten Mal so weit in den 1.Korinther 13-Bereich reicht, wenn auch einige Aktivitäten links zu verzeichnen sind.

Sam hat einen Blumenstrauß mitgebracht, kein teures Gärtnerarrangement, sondern Wiesenblumen, wie sie jetzt überall blühen. Den hält er ihr wortlos und verlegen strahlend entgegen. Diese Blumen sind viel schöner als etwa gekaufte. Aber auch ohne sie und ohne ein Wort hat Diane die ganze Situation sofort verstanden. Komischerweise auch seine ernsten Absichten dahinter. Sie kennt ihn nicht so verlegen, rot und schweigsam, ihre Liebhaber vorher sind immer ganz anders gewesen. Ihre vielen Worte waren Lügen, aber Sams Schweigen ist Wahrheit.

Sie setzen sich einander gegenüber an den kleinen Tisch auf der »Porch« am blühenden Garten, gucken sich in die Augen, still und verlegen nun auch sie. Nach lange scheinendem beiderseitigem Schweigen sagt sie nur, mit ganz veränderter Stimme:

»Wirklich, Sam?«

Er nickt lächelnd und muss doch beinahe weinen. Damit sind sie verlobt und verstehen es von da an beide auch so! Sam ist froh, dass es so leicht aber doch wieder so schwer abgegangen ist. Übrigens hat sie sich die überraschende Sache selbst noch nicht ordentlich fragen und überlegen können, hat ja auch noch kein Jawort geben können. An solchen Ausgang der Angelegenheit hatte sie einfach, wie wir ja alle, nicht zu denken gewagt. Aber doch gilt es ihr wie auch ihm als unverbrüchlich abgemacht, als hätte ein Höherer es einmalig und verbindlich so festgesetzt, wo man nicht mehr zu fragen oder zweifeln braucht. Und das hat Gott allerdings auch wirklich!

Meine Mieter und Hausfreunde wie Sam haben sich oft ganz anders betragen, als ich mir vorgestellt hatte, schon Bob mit seinem Pamphlet und von dort aus allen weiterreichenden Ideen, sogar Mischa selber, von dem ich – wie ich bekennen muss, viel weniger erwartet hatte, besonders, wie er so selbstlos und ganz ohne Beifall oder Gunst zu heischen, dem Gesäten nachging und ständiger Besucher und Lehrer bei uns wurde. Auch viel zu wenig hatte ich von Rudi vorhersehen können, der doch einen der entscheidensten Gedanken über Gottes Autorität in Verbindung mit dem Teufel vorgebracht hatte, der unserem allgemeinen »Substrat«, unseren spukenden Gespenstern, in eine neue Richtung weitergeholfen hat – Singet dem Herrn ein neues Lied! – wenn auch vielleicht teilweise nur als Zusamenfassung von dem, was schon »in der Luft lag.«

Am meisten aber war ich nun erstaunt über Sam und Diane, was mir dann etwas später als offizielle Verlobung »zu Öhrlein« kam! Und zwar schockierte mich am meisten – ich selber! Weil mir auch im Nachhinein nicht in meinen Verstandeskasten wollte und ich mich auch nicht nach dem Fait accompli fähig sah, so etwas vorauszusehen. Das wurmte mich in meinem Ehrgeiz, den in der Gruppe herrschenden Geist zu erfassen! Weshalb ich ja auch nicht im Prinzip gegen Jims Detektiv-Spionieren bin. Nun gut, Diane schien mir am wenigsten dazu zu passen, schon weil man Sam doch wohl gar nicht in die Reihe ihrer möglichen Liebhaber einordnen konnte, die doch alle stärker, selbstischer und »männlicher« waren. Hier irrte ich mich! Am Ende war Sams Geist doch, was man männlicher nennen konnte! Aber auch von Sam aus gesehen, der doch bei seinem Verstand unmöglich über seiner Braut Vorleben im Dunkel hatte schweben können, fiel es mir schwer zu begreifen. Er in seiner Tiefe und sie dieses doch oberflächlich erscheinende Glamour-Girl! Wie konnte das halten?

Nun – wieder daneben! Es hielt! Noch zehn Jahre später – inzwischen hatten sie zwei sehr süße Kinderchen – habe ich sie nicht aus den Augen verloren. Ich habe eben Sams Reife und seinen Verstand immernoch unterschätzt!

Aber zurück in die zu beschreibende »Gegenwart«.

Sie denkt später, vielleicht sei doch ein größerer stattlicherer Mann vorzuziehen gewesen. Aber die Frage bleibt müßig und unbeantwortet. Ein kleiner Mechanismus, den wir noch nicht kennen, ist einmal im Gehirn umgeschaltet worden und bleibt nun so für die nächsten fünfzig Jahre! Das muss ein gleicher sein wie in monogamen Tieren, etwa Tauben, die ihr Leben lang zum selben Partner verheiratet bleiben, aber erstaunlicher Weise, nur bei dessen Tode wieder heiraten können. Sie haben nicht die Freiheit wie wir Menschen, an diesem Schalterchen zu rütteln oder zu zweifeln. Und uns täte auch gut, wenn wir das unterließen. Aber nun ist Teil unseres menschlichen Erbes, überall unsere Grenzen zu erproben und unsere Macht und Möglichkeiten zu erforschen, auch wenn es zuerst oder später bitter oder schrecklich ist wie Nikotin oder freier Sex. Oder gar, wie nun Jim mit seinem Opfer, dem Pastor, mit dem bittersten Nachgeschnack von all den Lastern.

Für Diane kommt noch ein anderes hinzu. Sie hat gerade einen höchst einschneidenden Zusammenbruch in ihrem Leben erfahren, der sie von einer tändelnden Hure zu einer Christin gemacht hat, denn wenn so eine Schönheit wie sie wohl für den unscheinbaren Sam eine Aufwärtsbewegung ist, so ist er für sie mindestens ebenso eine. Sie verzweifelte an ihrem Gott, weil sie, wie ihr nun ehemaliger Zimmerwirt, die Unmöglichkeit, sich aus ihrer Sünde selbst zu befreien, kennengelernt hat, und ist als Resultat bereit, selbst Gott und alles aufzugeben. Da hinein spielte ihr Stellenwert in der Gesellschaft entscheidend mit. Sie hat ihre bisher erprobte Anziehungskraft eingebüßt und ist gerade dabei zu tun, was Schiller so beschreibt:

. . und wer’s nie gekonnt, der stehle weinend sich aus diesem Bund!

Nun kommt Sam, derjenige mit dem höchsten Stellenwert aus der so schmerzlich erlebten Welt der »Heiligen« wie sie’s selber genannt hat, und nun wird auf einmal das Unmögliche, sauer Vermisste wieder nicht nur greifbar, sondern ihr Eigentum, und zwar durch Sams verlässlichen Charakter, allein schon ein fundamentales wertvolles Eigentum. Auch die Blamage und Scham vor mir, Öhrlein, dem sie als Landlord ihre geheimsten Sexgefühle so peinlich offenbart sah, ist nun durchaus gründlich weggewischt. Ein ganzer großer ungeahnter voller Gnadenweg von Gott, zu dem sie gar nichts beigesteuert hat! Sie nimmt auch das demütig als von Gott, und mit dem gleichen jahrzehntelangen beglückenden Erfolg.

Was ist Ehebruch? Ich glaube, wir sehen noch nicht ursprünglich oder unmittelbar genug. Jeschua sagt, wer eine Frau ansieht, sie zu begehren. Wahrscheinlich ist das auch schon eine Folge, wenn wir nämlich schon längst davor Gottes »Ehehebelchen« frivol in uns selbst wieder zurück- oder gar nur auf Zeit zurückgestellt haben. Ein Mann geht in eine zweifelhafte Bar, die er schon kennt. Noch im Dunkel, vor dem Eingang, steckt er den Ehering vom Finger in die Tasche. Auch heißt es: Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden. Also ist Scheidung ein menschliches Pfuschen in Gottes Werk. Aber Gott hat es zusammengefügt! Wunderbar!

Ihr zukünftiges Leben mit Sam wird viel mehr beeinflusst sein von seinem Vergleich einer erfüllten Heirat mit dem Bordell, als von seinem Bild über den Konsul als Botschafter im Feindesland. So wie er es ihr vorschlug, schon für alle auf der Unterredung über Fatalismus andeutete, kann sie ihr Leben nicht selbst in den Griff kriegen, besonders gegen alle »Welt«! Aber dass eine liebevolle langdauernde Ehe viel befriedigender ist als alles vorher, das hat sie nun, nach ihrer Charakterläuterung, sofort verstanden, und so ist es auch geblieben!

==========5==========

Ich will nicht chauvinistisch sein, besonders auch, da ich ja aus der Alten Welt und noch einem viel früheren Zeitalter angehöre, aber es gibt mir immer zu denken, was der Paulus über Frauen schreibt, denen er zum Beispiel ausdrücklich jedes Lehren über Gott in der Gemeinde verbietet. Warum tut er das? Viele Frauen, die ich kenne, auch meine Lucia, verleugnen das einfach und setzen dafür, dass wir alle vor Gott gleich seien, »weder Jude und Grieche noch Mann oder Frau«! Aber einmal ist es Gotteswort, nicht einmal wie an anderer Stelle abgeschwächt durch ein: »Das ist meine Meinung«, sondern fest begründet, dass Adam zuerst dagewesen sei und die Frau um des Mannes willen erschaffen sei, nicht umgekehrt. Und dass der Mann Haupt der Frau sei. Und jeder Anfang christlicher Dekadenz geht immer im direkten oder unausgesprochenen Verleugnen von Stellen von Gottes Wort. Nicht Gott hat in unsere Kultur zu passen, sondern, wenn Friede werden soll, anders herum, unsere ganze Kultur immer nur unter Gott! Er hat doch beide Geschlechter gemacht. Nun gibt es für Ihn also Unterschiede in Benehmen, Aufgaben und Behandlung, die offenbar auf tiefen, von Gott eingebauten und geplanten Differenzen beruhen? Was die postulierte Gleichheit aller angeht, lese man einmal bei Korachs Aufstand, Numeri, Kapitel 16, nach.

Freilich gehen hier viele Legalisten in »Gehorsam« so vor, dass es nichts zu fragen oder diskutieren gäbe! Aber Gott gestattet uns das Argumentieren oder »Rechten« mit Ihm aus dem guten Grunde, uns und anderen den Glauben zu festigen, denn der kommt bei manchen als Antwort tiefen, langen Nachdenkens. Deshalb erlaube ich mir in meinem Denken an dieser Stelle einen Seitenblick auf die Wissenschaft. Das will keineswegs absolut verstanden werden, nur mag es als eine Krücke zum besseren Glauben dienen, als eine mögliche Begründung.

Da soll es einen kleinen aber wesentlichen Unterschied der Geschlechter geben in allen Rassen und Kulturen, dass nämlich Männer von der Pubertät an in räumlicher Vorstellung und gewissen geistlichen und logischen Gedankengängen einen kleinen Vorsprung hätten, der nichts mit Intelligenz schlechthin zu tun habe und den die Frauen mehr als wettmachen durch Fleiß und zuverlässigere Emotionen, besonders was etwa weniger Aggression und Streitsucht angeht. Vielleicht ist das nun in Verbindung zu bringen, dass Gott die Männer zu Schlüsselfiguren zwischen Sich und den Familien und ganzen Gemeinden haben wollte? Es ist dann an uns zu begreifen, dass es nicht sturer Gehorsam und also eine Leistung unsererseits, sei, sondern unsere Freude an der gottgewollten Ordnung, dass ganz allgemein etwa die Väter wieder die »Häupter« der Familien werden. Das ganze Webbhaus ist ja schon darin mit mir einig, dass wir die krampfige »Gleichheit« aller Menschen ablehnen.

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Nun will ich aber noch eine wichtige Episode nachtragen, die sich eigentlich im ersten Frühling, also vor allem, was in diesem Kapitel bisher beschrieben ist, abgespielt hat. Der Gottesdienst fand wegen Bauarbeiten heute einmal in der Lutherischen Nachbarkirche, die mit Noomeys befreundet ist, nicht der Eakland Baptist Church selber, statt. Dort gibt es ein großes Spruchband an der Decke, gegen die Gemeinde gerichtet:

Man is justified by faith apart from observing the law. Rom. 3, 28

Diesen biblischen Gedanken hat ja Luther ins Rampenlicht zurückgeholt, weil er auch in der Bibel steht, will sagen, weil er für manche der Bibel sogar widerspricht. Nun kann sich Gott aber nicht widersprechen, sondern dieser enorme Vers ist absolut fester Bestand von Gottes heiligem Wort, das nie verändert wird. Und weh dem Menschen, der zu Gottes Wort etwas zufügt oder von ihm abstreicht, sagt der letzte Vers der Bibel (Buch der Offenbarung). Dieser Vers in alter Schrift, die gotisch aussehen soll, steht aber nur aus Tradition an der Decke dort wegen Luther. Ihn beachten tun die Lutherer genauso wenig wie – das ist ja der große Jammer – die Eakland-Baptisten und wohl alle Kirchen. Und so besteht die Freundschaft zwischen beiden harmonisch fort. ..

Ebenso hätten sie auch schreiben können : Er hat uns erwählt vor Grundlegung der Welt. und noch viele andere dieser biblischen Grundsätze, denn auch das – trotz der Tradition und großen ornamentalen Schrift – glauben sie nicht mehr!

Ich erwähnte »Jihad« in diesen Blättern, den ernst gemeinten und »heiligen« Versuch, durch eigene Anstrengung sich bei »Allah« verdient zu machen. Dazu scheint mir ein ehrliches Wort angebracht. Ich habe auch ein paar Muslimfreunde, meist in Amerika angestellte Krankenhausärzte aus muselmanischen Ländern. Mein zitiertes Wort also beschreibt den Kampf gegen Sünde, vornehmlich die eigene, das ist in anderen Worten genau das, was Dale so kläglich versucht. Was ich nun sage, werden mir meine höflichen nachdenkenden Kollegen nicht übel nehmen; denn was soll ich tun? Totschweigen?

Ich behaupte, so eine Jihad muss immer scheitern, ob in Dale oder in jedem Muselman.Wir sind niemals gut und können uns nie an den eigenen Haaren aus dem Sündensumpf ziehen!

Wir sind ja Erben der beiden größten Religionen, die aber fatalerweise einander widersprechen! Nur eine oder keine von beiden kann richtig sein! Was sollen wir also tun? Die Welt wird kleiner, und wir werden mehr und mehr Kontakte zu Muselmanen kriegen. Da brauchen wir, auf Mischas Gedankenpalette entwickelt, einen festen ehrlichen Stand, der in alle Richtungen gründlich durchdacht worden sein muss. Denn wenn Johannes schreibt, dass (nur) wer den Sohn hat, das Leben habe, und Jeschua selber sagt:

»Niemand kommt zum Vater als durch Mich«

dann können wir das für wahr halten, aber nicht gleichzeitig die Muslimüberzeugung herbergen, die ja auch das Alte Testament heilig hält, Jeschua sei auch nur einer der Propheten wie die anderen, und dass er »Gottes Sohn« ist, sei später fälschlich hinzugefügt! Und sie können uns doch ohne triftigen Grund nicht veranlassen, unsere soviel ältere Schrift als falsch zu verwerfen?

* * * *

Sonya, Bob, Rudi, Jim und sogar Mischa und Sam besuchen da zusammen eines Sonntags die Eakland Baptist Gemeinde mit Pastor Noomey in den Räumen dieser befreundeten Kirche. So viele aus dem Webbhaus sind wohl noch nie zusammen in eine Kirche gegangen, schon gar nicht in die nun nicht mehr so voll akzeptierte Dales! Diesmal hat Rudi wegen seiner vorhergehenden Erfahrung ganz versteckte Sitze hinten vorgeschlagen, und weil wegen des frühen Frühlings auch hier große Forsythiendekorationen aufgebaut sind, bleiben auch fast alle während des ganzen Gottesdienstes von Dale unbemerkt, besonders sein Sam – außer wohl der wieder auffälligeren Sonya, die auch mehr zur Mitte sitzt.

Eben wurde durch ein Gemeindeglied als Predigtlesung Lukas 10, Verse 25 – 37 verlesen, uns allen bekannt als das Gleichnis vom Barmherzigen Samarier.

Ich will gleich dazu bemerken, dass es in Ermangelung eines Wortes »barmherzig« auf Englisch als »The Good Samaritan«, also als der »gute Samarier« bekannt ist. Das ist vielleicht nicht so präzise übersetzt, aber hat für die vorliegende Episode den Vorteil, dass einigen gleich die entscheidende Assoziation kommt, dass nur Gott allein gut sei, also je kein Mensch. Und Jeschua Selber? Logischerweise ist auch Der als Mensch nicht gut; darum bezieht Er sich ja so auf den Vater, dass sie Eins seien. Denn das wiederum ist als unser Vorbild geschrieben. Die Stelle, die das beweist, ist übrigens gar nicht so weit entfernt von der verlesenen, bei Lukas 18, Vers 19 zu finden.

»Liebe Gemeinde!

Da fragt also ein durchaus in der Schrift Bewanderter unsern Herrn nach dem rechten Weg zum ewigen Leben.

Nun, den wollen wir doch alle wissen! Herr, wie komme ich zu Dir? Herr, wie kann ich Dir gefallen? Herr, ach nimm mich in Dein Himmelreich! Nun gut. Da gibt es wie überall im Leben Bedingungen dazu! Oh nein, nicht jeder gelangt zu Gott! Wir sollen streben und uns verleugnen, Tag und Nacht über Gottes Wahrheit grübeln und unser Leben lang nicht nur im Geiste leben, sondern ›im Geiste wandeln‹, nicht nur Herr, Herr rufen, sondern Seinen Willen tun. Und auf das Tun kommt es an!

Was würden wir wohl von einem reichen Manne halten, der in ein Katastrophengebiet verschlagen wird, wo es nun Hunger und Not in großer Menge gibt, und er sage als ›Christ‹: Segne euch Gott! aber hülfe nicht und verließe eilends diesen grässlichen Ort des Leides?

Seid nicht Hörer des Wortes allein, sondern Täter!

gebietet unser Herr.

Hier nun geht es noch schlimmer zu. Da wandert also jemand einen halben Tag durch diese steinige Halbwüste, weil er von Stadt zu Stadt reist, von Jerusalem nach Jericho, also etwa fünfzehn Meilen, sechs bis acht Stunden Weges bei den dortigen Verhältnissen. Und so war das vor zweitausend Jahren ja noch in allen Ländern. Nur die Reichen hatten ein Pferd oder Maultier oder wenigstens einen Esel für das Gepäck. Aber schneller oder wesentlich bequemer ging deswegen die Reise, besonders im letztgenannten Fall durch die steinige Wüste, auch nicht. Und dann ist die Gegend ja wegen der noch nicht stattgehabten starken Vermehrung und wegen der vielen tödlichen Krankheiten, die allenthalben herrschen, um diese Zeit noch menschenleer und einsam. Da haben Räubergesindel noch leichte Hand. Rettung oder auch nur Zeugen sind lange nicht zu erwarten. Sie ergreifen also den einsamen Wanderer, nehmen seine ärmliche Habe und schlagen ihn dazu noch halbtot.

Die ›Christen‹, oder damals gottgläubigen Männer, die danach, vielleicht erst Stunden später, des Wegs kommen, sagen nicht einmal: Segne dich Gott! zu dem Geschlagenen, sondern wenden sich gar ab, als hätten sie den Leidenden gar nicht gesehen! Nun, er ist halbtot, und in einer kurzen Weil’ wird er wohl gestorben sein! Niemand hat dann etwas gesehen, nichts Falsches ist passiert!

Oh, Geliebte! Täuschet euch nicht! Gott ist dabei, sieht alles genau, auch das Heimliche, scheinbar Verborgene. Er schaut zu und führt genau Buch! Welch ein Erschrecken wird dann am Jüngsten Tage sein, wenn es heißen wird, damals am zehnten Tag im hebräischen Monat Abib, dem ersten im Jahr, denn sie rechnen das Jahr vom Auszug aus Ägypten an, also Neujahr unmittelbar auf Passah folgend – das ist: jetzt, etwa später März – da habe Ich dir einen Leidenden auf deinen Weg nach Jericho gelegt, dass du ihn retten solltest! Aber du hast dich abgewendet!

Was, Herr, das weißt Du?! Er war doch praktisch schon tot, nur Nichtstun kann doch nicht falsch sein?

Doch, Geliebte, es ist! Eine unterlassene Hilfestellung wird sogar vom menschlichen Strafgesetzbuch geahndet, das doch sonst in allem viel lascher ist als Gottes Gesetz, ja um unserer Schwachheit willen lascher sein muss. Und Gott sieht das Verborgene.

›Was ihr einem Geringsten unter meinen Geschöpfen nicht getan habt, das habt ihr Mir nicht getan!‹

Zu allem Überfluss handelt es sich sogar um einen Priester des Alten Bundes, also einen Geistlichen! Wieviel härter wird den das Gesetz bestrafen, der doch ein Vorbild für die anderen hätte sein sollen! Aber nun opferte der Hohepriester im Alten Bund das Sühneopfer nicht nur für alle anderen, sondern jedesmal ausdrücklich auch für sich selber. Auch ein menschlicher Priester ist ein Sünder und braucht Vergebung! Das wird erst in unserem, im Neuen Bund, anders, wo wir nun nur noch für immer einen Hohenpriester haben, unseren Herrn und Heiland Jesus Christus. Der ist sündlos; da bedarf es eines Opfers nicht. Und doch opfert gerade Dieser die höchste Gabe zur Vergebung unserer Sünden – Sich Selbst!

Der zweite am Wege, so will es unser Herr, war kein Priester, aber auch noch aus dem als heilig abgesonderten Stamm der Leviten, Nachkomme Levis wie Mose und Aaron selber. Auch er verleugnet seinen Gott im Werke, tut nicht Dessen Willen, und wird sich beim Gericht dafür verantworten müssen. Oh, Geliebte! Wie werden wir da alle erzittern und uns verwünschen! Wäre es nicht soviel leichter gewesen, den Kranken zu versorgen, wie das Gesetz es erforderte, und sich auch mit seinem Blut zu besudeln, als mit leeren aber doch so viel schmutzigeren Händen, vor unserm Herrgott zu stehen? Und uns für Den auch einmal zu opfern, Der sich mehr als nur die Hände blutig färbte, als Er das große Opfer am Kreuz für du und ich vollzogen hat? Aber dann ist es zu spät! Dann hast du deine Entscheidung im Leben ein für allemal gefällt, für Reue ist es dann unweigerlich zu spät. Das Urteil wird gesprochen!

Der Sterbende ist noch nicht tot. Auch wenn er gestorben wäre, stünde er leichter vor seinem höchsten Richter als seine beiden Weggenossen, ja all seine bisherigen Weggenossen auf dieser Reise! Denn Leiden ist keine Sünde. Leiden kauft uns frei!

Aber nun lebt er noch, das heißt, kann noch bei rechtzeitiger Pflege ins Leben zurückgeholt werden. Da schickt ihm Gott den Retter, als er schon aufgeben will. Es ist ein Samarier, also ein Angehöriger jener verachteten Kaste die den Juden nicht als vollgültig gottgläubig oder gesegnet galt, ganz im vollen Gegensatz zu den beiden Leviten. Er ist ein Nachkomme jener Fremdlinge, die der babylonische König Nebukadnezar in Samarien, etwa der Mitte des Heiligen Landes, damals angesiedelt hatte, denn das Land stand öde, die vorigen israelitischen Einwohner waren alle verschleppt worden. Solche Samarier waren aus fremder Gegend und erst fremder Religion, hatten auch nicht das göttliche Siegel als Sein Volk. Wohl hatten sie später das meiste vom rechten Gottesglauben angenommen, wiesen nur Jerusalem als das geistliche Zentrum zurück, ganz im Gegensatz zu den heutigen Fremdlingen, die da wohnen und unbedingt gerade, trotz ihrer Ablehnung des Lebendigen Gottes, diese ›heilige‹ Stadt den Juden wegnehmen wollen. Hier ist also eine kurze Chronik eines kleinen Landstriches mit seinem wechselnden Namen: Kanaan – Israel, genauer Stammland des Stammes Manasse – Samarien, auch weiterhin so genannt, als es längst keine Stadt Samaria mehr gab, ja, bis heute so – Zerstörung Israels durch die Griechen und Römer, dann unter türkischer, dann britischer Oberaufsicht – und neuerdings: Westbank!

Diesen daherkommenden Fremdling kontrastiert nun unser Heiland absichtlich mit diesen hochgeachteten Juden vor ihm des Weges. Das erinnert an die Beter im Tempel. Der scheinbar feine, rechtschaffene, der das Gesetz vorgibt zu halten und Gott dankt, nicht so schäbig und schlecht zu sein wie der andere Beter da im Tempel, der erringt das Kleinod nicht! Gott schaut nicht aufs Äußere, vor Ihm sind alle Menschen gleich! Sie haben gleiche Chancen, Gutes zu tun, und gleiche Chancen, sich für ihren Herrn und Heiland zu entscheiden. Bedenkt doch, was Gott gebietet!

Was ihr diesem einen geringsten Meiner Knechte antut, das habt ihr Mir getan.

Jemand hat ausgerechnet, dass Gott einem jeden mindestens drei Chancen dazu in seinem Leben gibt.

Dieser Mensch nun, selbst arm und verachtet, hilft dem Gefallenen sofort, wäscht und verbindet seine Wunden, hebt ihn auf seinen Esel und bringt ihn in die Herberge. Ja, er geht noch weiter. Er bezahlt den Wirt schon im voraus und verspricht, etwaige Auslagen darüber hinaus später zu begleichen. Das geht alles auf Treu und Glauben. Der Wirt könnte ihn doch leichtlich betrügen, den Kranken sterben lassen, aber nachher noch horrende Summen nachverlangen. Ist euch einmal aufgefallen, dass ein guter Mensch viel eher bereit ist zu solchen Abmachungen auf Vertrauen? Einfach, weil er selbst nicht betrügen würde! Andersherum aber sagt man ja auch, dass Einbrecher die sichersten und besten Schlösser an ihren eigenen Wohnungen haben.

Was bleibt nun dem Bibelbewanderten im Gespräch mit Jesus auf die Frage, wer nun der Nächste gewesen sei dem der unter die Räuber gefallen war, als zuzugeben: der Dritte, der verachtete Samarier! Darauf sagt nun unser Meister, wie wir gehört haben, ein schlichtes ›So tue desgleichen!‹

Damit schließt die Parabel. Weiteres zu sagen ist nicht notwendig! Der barmherzige Samarier ist Gottes Gebot über die guten Taten, basta! Und nichts weiter! Das ist so einfach, dass es auch ein minder bemittelter ohne jedes Grübeln sofort versteht. Da hat er und haben wir Gottes gültige Bedingungen: Tue auch du desgleichen gute Taten! Sei nicht ein Hörer allein, sondern ein Täter! Wohl musst du glauben und erst eine Entscheidung zur Errettung gemacht haben. Aber hüte dich! Schlaf nicht darauf ein! Dein Leben enteilt schneller als du denkst, und man wird es von dir fordern, ehe du es gedenkst. Da gilt kein Faulwerden, weil du dich einmal bekehrt habest! Wenn der Hausvater wüsste, um welche Stunde der Dieb – der mit den eigenen vortrefflichen Schlössern, ha, ha! – einbrechen kommt, dann würde er wachen und nicht bei sich einbrechen lassen! Also sollst auch du Tag und Nacht bereit sein, denn du weißt nicht, wann sich die Sünde so unbemerkt heimlich einschleichen kommt! Oh, lass dich nicht von der Sünde übereilen! Sondern tue Gutes, nur das zählt bei Gott!

Da gehst du friedlich deine Straße, bist lang gewandert und nun schon todmüde, die Füße schmerzen von der taglangen Wanderung über Steine und unebenes Gelände, und du freust dich auf ein Abendessen und ein ruhiges Bett. Und während du noch so davon träumst, hörst du ein Stöhnen und wirst auf einmal des Sterbenden vor dir am Wegesrand gewahr! Ach Herr! Doch nicht jetzt, wo ich selber müde und erschöpft bin und es schon dunkel wird! Sieh, ich mache die Augen zu und gehe einfach weiter!

Oh nein, tu das nicht! Was ihr diesen Kleinsten getan habt, das habt ihr Mir getan, sagt unser Herr! Ist unser großer Herr nicht dies Opfer wert? Glaubst du nicht, dass dein Herr unsichtbar anwesend ist auf deiner Straße nach Jericho?! Oh, Er sieht dich genau!

Nun leben wir nicht mehr damals, wandern auch kaum mehr lange Strecken, aber das ändert nichts am Inhalt. Plötzlich ist die rettende Tat von dir gefordert! Oh, verhärte dein Herz nicht! Manche von uns sind so stumpf geworden, dass wir die Not der anderen nicht einmal mehr wahrnehmen. Auch das entschuldigt nicht vor Gott! Finden sollst du selber Gelegenheiten für gute Taten, oft nur ein einfaches freundliches Lächeln, das ist doch nicht so schwer? Suche bei Tag und Nacht, wo du deinem Nächsten – und der Verunfallte wird ganz plötzlich dein ›Nächster‹, sagt Gott – von Nutzen sein kannst! Ganz selbstlos, an keine Bezahlung oder andere Belohnung denken! Nur so wirst du deinen Lohn im Himmel haben!

Du, Junge, tu wenigstens eine gute Tat am Tag! Wenn du nach Hause gehst, siehst du das alte Mütterchen an der Straße stehen mit den schnellen Autos? Dann geh und führe sie sicher hinüber! Du anderer, siehst den Eimer mit Unrat zu Hause voll. Wer sagt, dass Mutter alles machen muss? Da geh und leer ihn aus in die Mülltonne vorm Haus, ohne viel Fragen, ohne dich irgendwie wichtig zu machen! Nur so hast du einen Lohn im Himmel! Du Arbeiter, tu mehr als dein Chef von dir gefordert hat, und tue es gut! Setze deinen Stolz darein ohne auf Lohnerhöhung als Belohnung zu schielen.

Du Chef, sei fair mit deinen Arbeitern! Verlange nicht mehr als sie ohne Not leisten können.

Du, Mensch, sei nicht geizig, nicht kleinlich! Bedenke doch, man wird dir mit gleichem Maß wieder messen. Da hörst du von Sturm, Flut oder Erdbeben. Da ziehe gleich dein Scheckbuch und sei großzügig! Und wenn du’s in den Medien vernimmst, schiebe es nicht auf! Was sind schon auch nur hundert Dollar einem, der innerhalb einer Stunde all sein Hab und Gut verloren hat?!

Und nun segne Euch der Allmächtige!

Aber gehe hin und tue desgleichen!

Amen.

==========7==========

Auf dem Nachhauseweg – sie sind heute doch einmal bei so voller Kirche durch eine der dort befindlichen Seitentüren ohne des Pastors Händeschütteln entschlüpft – und danach im Webbhaus unterhalten sich unsere Freunde wieder über das Gehörte. Dabei fällt auf, dass Sam erstaunlich still ist, als ginge ein schwieriger Gedankenprozess in ihm vor. Mischa äußert sich einmal auf einige Kritik der anderen dahingehend, dass er auch nicht viel an der Predigt habe finden können, was etwa neu sei und zum Nachdenken anrege. Er bemerkt:

»Dale sagt zu Anfang der Predigt, da gebe es ›Bedingungen, wie man zu Gott komme.‹ Allerdings! Aber nicht solch kernige eigener Güte! Ich erinnere an den ›ungerechten Haushalter‹ in Lukas 16, der obgleich ihn nun Jeschua selber als ungerecht bezeichnet, gelobt wird, eben weil er gewisse Bedingungen befolgt, die nun zu unser aller Erstaunen nicht immer sind, was wir von uns aus ›gut‹ nennen!

Nun soll man sich andererseits aber hüten, nun alles auf die Goldwaage zu legen, sonst ließe man an dem armen Dale überhaupt bald mehr keinen guten Faden mehr, nicht wahr, Sam?«

Der Gefragte schweigt aber verbissen weiter, so dass nun alle auf ihn aufmerksam werden, ihn ein bisschen necken, aber auch sagen, wie sehr sie gerade sein Urteil schätzten und immer wieder etwas Neues bei ihm lernten, weil er die Wahrheit liebe. Da zu guterletzt entschließt sich Sam endlich doch, seinen Mund aufzutun:

»Mischa hat ganz recht!« sagt er also endlich,

»Habt ihr gezählt wie oft uns Dale in dieser Predigt zur Tat ermahnt hat, nämlich Gutes zu tun? Am Anfang, in der Mitte und ganz besonders zum dramatischen Schluss!«

Als seine Kontrahenten wirken daraufhin nun alle vier Webbhäusler:

»Na ja! Damit hat er doch recht. Dazu ermahnt uns diese Bibelstelle doch gerade!«

»Dale hat mir persönlich viel Gutes getan, und ich fühle mich, als fiele ich ihm in den Rücken! Also will ich erst richtigstellen, dass es hier nur um biblische Wahrheit gehen soll, um nichts Persönliches, egal, wer nun jeweils was gesagt hat.«

»Sine . . wie hast du gesagt? ›Sine ira et studio‹?«

»Genau! Und nun wissen wir doch genau, dass man durch Gutes Tun – und das dauernde Ermahnen dazu – nicht in den Himmel kommt! Habt ihr denn so schnell vegessen, was das große Spruchband dort sagte?«

»Deswegen ist doch der Befehl zum Gutes Tun nicht aufgehoben, ganz im Gegenteil! In den Episteln nicht und nun hier, im Evangelium selber, auch nicht! Und nicht alles dreht sich gleich ums In-den-Himmel-Kommen.«

»Doch! Hier geht es genau darum! Die ganze Fragestellung dieser Parabel wird doch durch die Frage des Gesetzeskundigen eingeleitet, als Überschrift quasi:

›Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe?‹ Damit meint er den Himmel.«

»Na schön, das war anfangs. Aber dann sind sie vom Thema etwas abgekommen und auf die guten Werke gekommen. Und täuschen wir uns nicht! Es kommt mir manchmal vor, als wenn gerade wir im Webbhaus, unter dem Schirm des Neuen Testamentes nun einen Freibrief für jede Art Faulheit hätten. Und das hat auch Dale gemeint!«

»Ja, genauso ist es! Auch in den gewählten Ausdrücken!« stimmt sogar Sam selber zu, »Was ist eigentlich ein ›Freibrief‹?« Dann fährt er zu Sonya gewandt, die gerade das letzte sprach, fort:

»Glaubst du das, Sonya?! Es kommt ein Mensch von Gott gesandt, und nicht irgendeiner, sondern Sein eigener Sohn, für diese eine grundsätzliche, alles umkrempelnde zentrale Frage! Und nun lässt Gott genau diese Frage an Ihn stellen, an einem Punkt, dem Zentrum von Zeit und Raum unseres ganzen Kosmos, als nämlich dieser unser Herr als Mensch unter uns weilt. Aufgezeichnet für uns genau zu diesem Zweck, ein- für allemal, als Gottes heiliges Wort, einmal unter Gottes Eingebung geschrieben und nun millionenmal für uns alle über die Jahrtausende, Länder und Kontinente in den Bibeln verteilt! Einmal wird es die absolut ganze Welt wissen! Und nie, so verspricht Er, wird unser Herr auch nur ein i-Tüpfelchen davon zurücknehmen. Dankt Gott für Sein Wort! Was soll jeder von uns tun, zu Gott zu kommen? Und da meinst du, die Bibel erlaube sich, von diesem weltwichtigen Thema viel weiter als nur um einen i-Punkt abzuweichen‹ und nun gerade das Gegenteil, das Falsche, zu behaupten? So eine Schlamperei, so einen Barbarenfehler macht doch das wichtigste Buch aller Bücher nicht!

»Das Falsche? Die Bibel?! Wieso?«

»Na, hier unterscheidet sich doch gerade der Messias vom ganzen Alten Testament. Ist Er denn auch nur so ein Ermahner wie die Propheten vor Ihm? ›Tut fleißig Gutes, Kinderchen! Und nun auf Wiedersehn! Und Gott segne euch!!‹ Und tue auch nichts weiter? Oder kommt Er nicht gerade als der Einzige, der Besondere, das Gotteslamm, Sein eigener Sohn, dem Alten Bund zwar nicht widersprechend, aber doch einen ganz neuen Geist, ein neues Verständnis Gottes, zu bringen, aus dem nun allein das Himmelreich zu erwerben sei, nämlich allein aus dem Glauben? Irrt euch nur nicht! Wenn ihr alles an die Werke hängt, werdet ihr der tote Weihnachtsbaum mit den falschen Früchten, die am Ende nur noch gut aussehen und nichtmal mehr essbar sind. Das ist sicherlich nicht Gottes Denken. Alles kommt aufs Innere, auf das Herz, an. Früchte sind biblisch nur der Beweis, was innen ist.«

»Also für mich,« sagt Jim, »steht da klipp und klar: Gehe hin und tue desgleichen! Was sollte das denn sonst heißen?«

»Das hieße, die Frage ›das ewige Leben zu ererben‹ hat nur die eine und von Gott sanktionierte Antwort wie im Alten Testament: Den Himmel müsst ihr euch durch gute Taten erkaufen! Jeschua zucke die Schultern und sage: ›Mehr hab Ich da nun auch nicht zu sagen!‹? Auf wen oder was bezieht sich denn nun ›desgleichen‹? Desgleichen was?«

»Na, das ist doch klar! Auf das Hilfswerk, das Er gerade deswegen vorgeführt hat!«

»Und gerade das glaube ich aus folgendem Grund nicht!« fährt Sam fort.

»Jede menschliche Erzählung, Märchen, Oper, Drama, Roman, was ihr wollt, basiert immer auf folgenden Prämissen: Wir versetzen uns gefühlsmäßig in die Person des Protagonisten und erleben das Vorgeführte aus seiner Sicht, anders kann man kompliziertere Inhalte nicht nachfühlen. Bei Rotkäppchen identifizieren wir uns schon als kleine Kinder mit der Heldin – nicht mit dem Wolf, der Großmutter oder dem Förster – und lernen, dass auch gutgemeint aussehende Ratschläge auf Betrug, zum Vorteil eben des ›bösen‹ Wolfes, uns vom Wege abbringen sollen. Und warum endet’s denn durch den lieben Förster doch am Ende gut? Weil sonst die kleinen Kinder entsetzlich heulen würden, so gut versetzen sie sich gleich ins Rotkäppchen hinein und werden dadurch selber erfolgreich aufgefressen!

Bei Romeo und Julia geht’s ebenso um starkes Gefühl, nämlich unsere Sympathie mit den Liebenden, die an dem Problem der starken Feindschaft ihrer Familien zugrunde gehen.

Ich war sechzehn, da sah ich im Fernsehen – direkt in die Oper zu gehen hätten meine Eltern nicht erlaubt – den alten Film ›Carmen Jones‹ mit Harry Bellafonte und Dorothy Dandridge. Das basiert auf der klassischen Oper von George Bizet, zu Recht so klassisch. José (Bellafonte) wird wie in den alten griechischen Dramen folgerichtig zum Mörder! Und der Film hatte große Wirkung auf mich. Wie benimmst du dich an des Helden Stelle? Bist selber schmächtig, dass dich kein Mädchen mag. Und nun kommt doch einmal so ein Superweib Carmen und verliebt sich in dich! Klar, da bist du aus dem Häuschen! Vergisst alles, deine gutherzige aber auch mickerige Verlobte, deinen Beruf und Auftrag, wirst fahnenflüchtig und hängst an diesem verführerischen schönen Vamp. Und wenn sie dich aus einer gleichen Laune verlässt und sich nun mit dem reichen und berühmten Torero (oder hier Boxer) einlässt – ja, was dann? Du hast ja schon dein Leben ihretwegen weggeschmissen! Also warnte ich mich quasi mit sechzehn selber, und wenn es bei mir nicht so lächerlich wäre, würde ich sagen, habe von da viel gelernt, jedenfalls gerade als Mickerling der ›großen Liebe‹ nicht so restlos zu trauen!

Wenn nun alles nach diesem Prinzip der Rotkäppchenkinder geht, Alice im Wunderland, My Fair Lady, Schuld und Sühne, Faust, Odyssee, Vom Winde verweht, La Traviata und was ihr wollt, dass wir uns in den Helden versetzen, wie ist es dann mit Jeschuas Gleichnissen? Ich glaube, auch die folgen diesem urmenschlichen Prinzip. Gott redet zu uns immer in unserer Sprache, gleicht sich zum Verständnis unseren Bräuchen an.

Der verlorene Sohn! Nicht wahr, da sind wir genau der, Geld mit Dirnen verprasst, lustiges Leben. Aber dann ist das Geld verjubelt, und wir finden nur einen kümmerlichen Job, essen Schweineabfälle, die uns auch nichtmal zustehen. Würden wir uns vielleicht gleich als der liebende vergebende Vater einordnen in der Geschichte? Nein, wir verstehen das gleich als Blasphemie. Ebenso: Sind wir die klugen Jungfrauen? Wohl kaum, es passen aus dem gleichen Grund wohl mehr die dummen auf uns, und so sollen wir auch von Jeschua lernen.

Aber beim Guten Samarier machen wir offenbar alle so einen Beziehungsfehler! Wir springen vom ersten, dem Priester als unserem Modell zur Selbstidentifizierung, über den Leviten endlich auf den Samarier, in drei Sprüngen, warum? Weil wir so von eigener geforderter Tugend voreingenommen sind! Wir gucken, als wüssten wir schon alles vorher und es gäbe nichts Neues mehr zu lernen, von Anfang bis Ende durch Scheuklappen nur auf unsere ›geforderte‹ Güte! Unsere Werksgerechtigkeit als Prinzip geht auch heute, zweitausend Jahre später, mit Jeschua oder ohne, so tief, dass wir unseren Meister völlig missverstehen! Dabei hat Er das Gleichnis so einfach angesetzt. Darin hat Dale heute allerdings unbewusst recht! Der Held der Geschichte, der ja deswegen anfangs als der erste genannt wird, liegt ganz passiv, weil halb totgeschlagen an der festen Stelle. Jawohl, der ist eigentlich unser Modell! Und die Drei, zum Aussuchen, nämlich, wer denn nun der Nächste für ihn zum Lieben sei, werden einer nach dem anderen wie auf einer Modenschau vorgeführt. Denn das ›Tue desgleichen‹ bezieht sich durchaus eben auf was der Überfallene tun kann und soll. Ein Kind hätte keine Schwierigkeit, es so zu verstehen, das heißt, ehe wir es mit unserer Sonntagsschul-Mentalität verdorben hätten! Denn es denkt von sich selbst klein und schwach und hilflos! Und genau das ist unser eigentlicher Ansatz! Sind wir doch in allen andren Gleichnissen die Dummen, die Schwachen, der heruntergekommene Lebemann! Denn wir sind nicht gut und stark! Gar nicht so weit von Lukas 10, nämlich Lukas 18, Vers 19. sagt Jeschua zu einem, der Ihn ›Guter Meister‹ anredet, ›Was heißest du mich gut? Gut ist nur Gott allein!‹ Übrigens eine Aussage tiefster Offenbarung! Er stellt sich selbst außerhalb Gottes, gibt zu, dass Er als hier Mensch auch nicht gut sei! Das ist richtig, denn seit Adam ist keiner von uns gut, ›nein, auch nicht einer!‹ Die ganze Bibel zentriert sich auf Jeschua. Sie kann bei dieser Aussage ›auch nicht einer‹ Ihn unmöglich vergessen haben! Also kommt Jeschua der Mensch auch vom selben Ausgangspunkt, als Sünder geboren! Durch Gottes Kraft allein, und das Sein Auftrag, nicht aus eigener göttlicher Stärke, denn Er hielt es gerade aus diesem wichtigen Grunde nicht mit dem Raub, wird Er der Erste des Neuen Bundes, daher sündlos. Aber erst wird auch Er von Johannes getauft, eine Taufe zur Vergebung der Sünden, die der Täufer selber nicht versteht! Damit beweist Jeschua ganz genau, ein- für allemal, dass wirkliche menschliche Güte utopisch ist und auch für uns alle Güte immer nur aus Gott selber kommt, nicht als endliches Ergebnis unserer eigenen Anstrengungen. Und eine jede »Jihad« kommt auch nie zum Erfolg!

Oder, du magst es verstehen, dass Er den anderen ermahnt: Weißt du auch, mit wem du jetzt eigentlich sprichst? Ich bin nämlich Gott! Aber das bleibt sich gleich – abgesehen davon, dass Jeschua aus Prinzip nie mit Seiner Güte oder Größe auftrumpft – wir Menschen sind jedenfalls nie von allein gut! Und da wollen wir uns gleich dem Guten, dem einzigen Retter der Geschichte, zuordnen? Ich bevorzuge die erste Deutung, dass sich Jeschua als Mensch selber den nicht guten Menschen zuordnet eben wegen der Logik des Guten Samariers, wie ich zeigen will.

Also ordnen wir uns auch lieber einmal als den Sterbenden ein! Ist der erste mein Nächster zu lieben? Nein, er wendet sich ab, ebenso der zweite. Ich kann sie, menschlich gesehen, nicht lieben. Die Antworten in der weltlichen Missdeutung ebenso wie hier, bleiben sich gleich, der Dritte ist der Nächste zum Lieben! Nur ist die neue Richtung der Liebe so entscheidend!

Daher nun bezieht sich Jeschuas ›Desgleichen‹ nicht auf die Güte des Dritten, sondern nun eben auf die sterbende Hauptperson, und da wird nun alles anders. Was soll der sterbende Hauptheld ›desgleichen‹ denn nun tun? fragt ihr, ja, was kann er überhaupt in seinem Zustand tun? Nun, was war denn die Fragestellung, auf die sich das Desgleichen bezieht?

Jeschua hatte gesagt, was steht im Gesetz? Darauf antwortet der Gesetzeskundige mit Jeschuas eigener Zusammenfassung, liebe Gott aus ganzem Herzen und liebe deinen Nächsten! Er muss also schon von Ihm gehört haben. Gut, sagt Jeschua, immernoch absichtlich kurz angebunden, denn es kommt nun auf das Maß der Triebkraft in dem Gesetzeskenner an, das Er prüfen und stärken will, derselbe Grund, aus dem uns Mischa immer nicht die Antwort auf seine Rätselfragen geben will!

›Tu das, so wirst du leben! Auf Wiedersehn!‹ Tu also was? Jeschua der Seelenkenner, hat sich nicht getäuscht. Der andere hakt ein, ›um sich zu rechtfertigen‹, weil ihn doch Jeschua so kurz abgefertigt hat, und fragt: ›Wer ist denn nun mein Nächster?‹ – Und genau diese Kernfrage müssen auch wir stellen. Wer (von allen) ist nun mein Nächster, nämlich zu lieben! Nichts weiter. Darauf die Gleichnisgeschichte und am Ende der Bezug darauf: Tu desgleichen mit dem Nächsten! Und das heißt nun Nächster im Sinne von Nächstliegendem. Und was tue? ›Liebe deinen Nächsten!‹ Also liebe! Nicht tue! Unsere Unkultur hat uns schon so lange immer Sand in die Augen gestreut, Liebe sei gute Taten! Liebe sei busy, busy. Aber das ist nur bestenfalls ein Erweis der Liebe, nicht die Liebe selbst, und dazu, wie wir leider wissen, noch meistens Heuchelei! Sei ›gute Taten‹ und nichts anderes, also glitzernde Glasfrüchte am stachlig -schlechten Baum.

›Auf das Tun kommt es an‹, nicht wahr, Dale? Keineswegs, liebe Gemeinde! Aus der guten Wurzel des guten Baumes kommen endlich die Früchte – von alleine! Es wird ja sonst immer Heuchelei und ›eigene Leistung‹. Und was ist die gute Wurzel? Johannes sagt es uns in seinem ersten Brief: die Liebe! Ohne die man gar kein Christ sei.

Das ist hier, als wollte man sagen, die moralische. humanistische Pflicht eines jeden gesunden Menschen sei, Geld zu verdienen. Nein! Sondern ist: arbeiten! Und hier nun ist die Pflicht einzig und allein: Liebe! denn daraus kommen die richtigen Taten von selbst. Taten sind nur die Folge der Liebe, sowie Geld die Folge der Arbeit ist. Die Pflicht ist, zu arbeiten! Denn sonst kann sich, hier wie da, etwas Fremdes einschmuggeln, Geld aus anderer, etwa unsauberer oder unehrlicher Quelle, wie die Weihnachtsglasäpfel. Andererseits bleibt Arbeit die moralische Pflicht, auch wenn sie mal nicht bezahlt wird, wie der bekennende Sünder neben Jeschua am Kreuz, der keine Zeit mehr hatte, seine Früchte, also eure erwarteten Taten, hervorzubringen.

Die Betonung liegt auf Liebe, nicht auf ihren Folgen oder Erfolgen. Und der Nächste, der Nächstliegende zu lieben ist derjenige, Der ihm so geholfen hat! Nichts weiter. Er beweist uns geradezu, wie leicht Sein Joch sei, alles fällt zum Richtigen zusammen, wenn wir nur den Glauben, das heißt, das Verständnis, haben. Also erst einmal ganz hingegeben zuzuhören! »Wer Ohren hat zu hören, der höre!« sagt Jeshau. Und in diesem Falle, wie übrigens auch sonst oft, ist Glaube Verständnis, wird’s ganz leicht, wir laufen ohne matt zu werden, fliegen wie auf Adlerflügeln bei Gott! Aber für uns in unserer verdorbenen Kultur, ist es so schwer! Na klar, liebt jeder Den, Der ihm aus dem Tode aufhilft! Und gar keine Spur von ›Tue, tue, tue ständig abgequält das Gute!‹ Ganz leicht und selbstverständlich wird das Evangelium, wenn wir nur den richtigen Ansatz zum Glauben, oder die richtigen Fragen haben! Und das muss auch so sein, wenn wir wirklich nur auf Jeschuas Mühe zu Ihm kommen wollen. Und die guten Werke, um die wir immer so bangen? Die kannst du vergessen, sie kommen von selbst als Früchte wie dem Apfelbaum, der im Januar doch so kahl aussieht, sagt Gott, wenn wir den richtigen Glauben haben!

Der vom Sterben Gerettete kommt in der Herberge zu sich.

He, Wirt, wo bin ich hier, wie komme ich hierher?

Na, mächtig zerschlagen warst du! Da hat dich dieser verachtete Samarier, an Dem gar kein Glanz oder Schönheit ist, da aufgesammelt und hergebracht, hat sogar im Voraus bezahlt für deine Gesundpflege. Er kommt wieder und zahlt, was noch fehlen sollte.

›Waas? Wo ist Er? Wann kommt Er? Ich will Ihm folgen, Ihm dienen! Mein Leben war ja schon verloren, ich habe also sonst keine Aufgabe mehr!‹

Also folgt er, also dient er dann, getrieben von diesem Geist, und hält sich dabei noch zu recht selbst für den Beschenkten. Und genau So ist es mit den Guten Werken. Denkt an die Frau, die viel liebt, weil ihr viel vergeben ist.

Und wer ist nun dieser Nächste? Ich habe es schon angedeutet, Der uns geistlich Sterbenden aufhilft, das Leben gibt, Jeschua selber! Warum?

==========8==========

 

Manchmal denken wir uns eine neue Version einer Bibelstelle aus, die sich ganz gut anhört, Aber ist sie richtig, oder auch nur besser als die allgemein geglaubte? Hier nun habe ich einmal einen Beweis aus der Bibel selber, dass die klassische Version, auch wenn schon jahrhundertelang so ausgelegte, falsch ist! Der Jeschua nämlich, der diese Universums-Zentralfrage der Menschheit – wie komme ich ins Reine mit Gott und in Seinen Himmel? – irgendwie anders beantwortet als mit Sich Selber, wird notgedrungen zum Lügner! Denn dazu allein ist Er doch gekommen! In Dales Fassung, zu Gott zu kommen, erscheint der Messias gar nicht, ist wohl wieder kein Platz für Ihn in der humanistischen Herberge?

Habt ihr alle, die ihr also durch eure Werke zum ewigen Leben kommen wollt, denn so schnell vergessen, was Er sagt? :

Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch Mich!

Und: Wer den Sohn hat, hat das Leben und kommt erst gar nicht ins Gericht.

Niemand! Außer durch Ihn! Und hier sollte Er auf dieselbe Frage die Achseln zucken und wieder nur aufs Gesetz verweisen? Gerade Der, Der uns das Neue bringt, nämlich dass unsere guten Werke nie vor Gott reichen? Gerade Dieser wird aus Gottes, diesmal auch für uns verständlichem Ratschluss, hier für uns alle gefragt. Und vergesst nicht, immer geht es um die Zentralfrage des Himmelreiches! Dass Er die einzige Rettung ist, sagt doch die ganze Bibel! Und dass man nicht durch eigenen Fleiß ins Himmelreich kommt! Und wir fallen alle so schnell wieder darauf herein! Gerade habe ich Jesaja 40 zitiert, ohne unseren Schweiß, mühelos wie auf Adlerflügeln. Altes Testament! Der mühelose Adler ist ein gutes Bild. Er segelt und gleitet elegant aus der Einsicht oder Intelligenz, wo nämlich ein guter Aufwind sei, erreicht ihn mit nur knappen Steuereinstellungen, das ist Glauben, und rudert nicht ständig aus eigener Kraft wie eine Ente im Flug! Und das Neue Testament sagt, ja, schreit es ebenso aus jeder Zeile! Also Zusammenfassung in Stichworten:

Wie kommt man in den Himmel?

Durch Glauben, ohne des Gesetzes Werke!

Durch Glauben an wen und was?

Allein und immer nur: An den Heiland und an das, was Er für uns vor Gott getan hat.

Jeder Mensch ist so verloren und sterbend wie der unter die Räuber Gefallene. Er liebt ganz natürlich Den, Der ihn rettet. Und das allein bringt ihn in diesem Fall zu Gott, Der in diesem Gleichnis von Sich Selber oder ebenso von Seinem Sohn redet.

Warum aber sagt Er selber es uns aber nicht direkt? Hier, Gesetzeskundiger, du fragst richtig! Die einzige Antwort auf diese Urfrage aller vergangener und zukünftiger Zeiten steht vor dir! Folge Mir nach, nimm Mich ein wie das Brot, so wirst du leben?

Warum also? Weil Er durch Sein eigenes Wort gebunden ist! Ich habe es schon im Webbhaus im Zusammenhang mit Weihnachten gesagt: Johannes 8, 54 oder ebenso 7, 18! ›Wenn Ich Mich selber ehre, so ist meine Ehre nichts!‹ Auch das hat wieder seinen Sinn, es bleibt wie bei Mischas Rätseln (oder Sokrates‘, der gern in Fragen predigte) immer Raum zum Suchen. Denn wir alle werden ja ohne das Wissen zuerst geboren, wer oder wo Gott sei und wie Ihn zu finden.«

Nach einer Weile des Schweigens und auch der eigenen Beschämung sagt Sonya:

»Wie bist du eigentlich selber darauf gekommen, Sam?«

»Ja, durch viel Gram! Ich hatte mich gerade bekehrt und war in meiner ›ersten Liebe‹ über Gottes Vergebung und Errettung ganz aus Ihm selber, als Geschenk! Da meinte ich, in solcher köstlichen Ruhe des Gelobten Landes zu sein, wie Er versprochen hat, und nur noch aus Liebe und nicht mehr aus dem Gesetz zu leben. Aber dann machten mich die christlichen Kirchen wild – ja, so wie heute wieder! Und ich dachte, dass ich was ganz falsch verstanden haben musste. Sie wiesen mich auf die Episteln und ihre vielen Gebote zum Gutestun. Und sie meinten durchaus aus Menschengüte, mit Qual und Zwang! Das sei christliche Selbstdisziplin, na, ihr kennt diese Platte ja selber, so denken ja alle Kirchen. Das ist ja wie mit der unvergebbaren Sünde, wo man schwindlig wird, wenn man sich, in dieser Logik bewegend an alle die Kirchen denkt. Und pfui, pfui, pfui über mich, meinte ich, dass ich so schnell aus der Guten-Werks-Gerechtigkeit wieder herausfallen konnte!

Und ich dachte auch, da muss ich in meiner Begeisterung übers Ziel geschossen sein und grübelte und betete in meiner furchtbaren Einsamkeit bei Tag und Nacht. Denn wenn ich nun auch die Kirchen verpatzte, so meinte ich, hätte ich gar nichts mehr! Reumütig nach Hause konnte ich dann ja auch nicht! Selbstmord wollte ich begehen, lacht mich nur aus! Mir ging’s ekelhaft nahe!

Da half mir Gott, wie Er ja auch versprochen hat. Denn ich hungerte und dürstete unsäglich nach Seiner Wahrheit! Aber ich wagte erst nicht, Seine versprochene Hilfe einfach in Anspruch zu nehmen. Aber dann sprang ich eines Tages vor großem Glück aus der Dusche, unter der ich gerade gestanden und die Nacht gegrübelt und das nichtmal bewusst gemerkt hatte! Wirklich vor großem Glück! Wer das nie erlebt hat, mir fiel es nun schon zum zweiten Male wie Schuppen von den Augen. Ich wusste, und ich wusste mit Sicherheit! Und was ich wusste, war ganz neu und niemandem bekannt! Fühlt euch mal wie der Mann, der auf fremdem Acker gräbt und den Schatz findet! Er gräbt wieder zu, geht hin und kratzt alles Geld zusammen und kauft den Acker! Was ist biblisch immer ein Schatz oder Vermögen? Sammelt euch Schätze, wo weder Motten, Rost, noch Diebe ihn euch verderben, oder die ›Talente‹, mit denen die Diener wuchern sollen? Das sind solche Erkenntnisse aus Seinem Wort, praktisch zum Leben, und von da an ist es jedesmal ein geändertes Leben! Die klaut nicht nur keiner, sondern du hast sogar große Mühe, sie weiterzugeben. denn es muss von jedem so erhungert und erlitten sein bei Tag und Nacht.

Ich war zuerst darauf gekommen, dass ich an diesen Beziehungsfehler dachte, wo wir uns nicht mit dem Geschlagenen identifizieren. Na schön, dachte ich dann, wollen mal denken, ob und wie es also dann zusammenpasst. Und da fiel der ganze Sinn so herrlich zusammen wie ein Puzzlespiel, das sich selbst legt. Und danach erst dachte ich daran, dass Jeschua doch nicht lügen kann, dass wir nur durch Ihn allein zum Leben kommen können. Damit hatte ich den Beweis! Also ist Er nämlich selber der Gute Samarier, Der erst so keinen Glanz hat, an Dessen Herkunft und Familie wir zweifeln, und Der uns ohne ein Wort erst aus dem Sündendreck zieht! Er allein, und keine Spur unserer Werke, wir sind ja da noch tot! Und da sang ich und jubilierte, das tu ich darüber bis heute! Hatte mich dieser herrliche Jeschua, der Eckstein, den meine jüdische Familie so verwarf, schon wieder so herrlich erlöst von meiner einsamen Qual! Und wieviel mehr! Gut, ich habe sozusagen mit den Kirchen verspielt, aber dafür meinen Heiland gewonnen! Das ist wohl der einzig gangbare Weg für Juden, Jeschua als Heiland anerkennen, aber dennoch einen neuen, anderen Weg gehen als die bisherigen Christen. Und damit habe ich alle Kirchen wieder, denn Er ist doch viel mehr und der Herr über alles! Er schien zu sagen: Du hast nicht zu viel, sondern noch viel zu wenig von Meiner Gnade als wahr angenommen! Habe Ich einmal den Paulus schreiben lassen, dass der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben – so steht das in alle Ewigkeit als Mein Wort, unverbrüchlich und zuverlässig!

Ein Wort noch über Israel. Warum können sie sich nicht zu ihrem Heiland bekehren? Ich bin ein Jude, Gott hat es an mir getan. Und nun verstand ich, warum ich so bis fast zum Selbstmord ›allein‹ leiden musste. Ich musste über diesen Punkt hinweg. Bekehrte sich Israel, so wäre das für sie ein feiges Nachgeben gegenüber den übermächtig gewordenen Christen! Wer die Mittelöstler und eigentlich alle Menschen versteht, weiß das. Daher, in diesem Eigenstolz leben sie und überleben allein die Jahrtausende – und bleiben in Gottes Zorn! Alle anderen Völker sind vergangen, Kanaaniter, Jebusiter, Midianiter, Amalekiter, Moabiter und wie sie alle hießen, auch die Philister, woher der Name Palästina kommen soll. Irrtum, die Palästinier heute sind Araber, damit Söhne Ismaels, also Abrahams, daher ihr eigenes Überleben. Von diesen Söhnen Abrahams und Hagars sagt Gott:

„Ungezügelt wie ein Wildsel wird [Ismael] leben. Er wird gegen jeden kämpfen und jeder gegen ihn."

Den menschlichen Judenstolz aufzugeben um Gottes Willen, darum geht es Gott jetzt mit Seinem Volk. Dann wären sie wirklich wieder Sein Volk und Er gäbe ihnen endlich Frieden.«

Nach einem Straßenblock aus Villen und Gärten nachdenklichen Schweigens, wo alle marschierend auf ihre Füße gucken, sagt Sonya:

»Und deine Dusche wurde zu einer neuen Taufe?«