,Achtes Kapitel

Michail kommt dazu

Mischa hält seinen Wagen inzwischen genau gegen die Nase von Rudis Toyota, der aber auf der linken Seite steht, nun also gegen Mischas Wagennase. Mischa ist beim Aussteigen sofort in der Mitte des lauten fröhlichen Wirbels, der ihn laut und ausgelassen begrüßt. Dennoch hat Mischa die Diane abseits schon vom Auto aus bemerkt und durchschaut sofort ihre Pose, was ihm kurzes Verwundern verursacht.

»Na, ihr alle!« ruft er jetzt, »Ist aber nett, euch gleich alle hier auf einem Haufen zu finden!« Er geht um Rudis Wagen und bemerkt nun erst den Grund ihrer Versammlung vor dem Hause.

»Oho! Das ist ja ein scharfes Ding! Hoffentlich bemerken sie auch das Kleingedruckte! – Sonst geht’s euch dreckig!«

»Darüber unterhalten wir uns gerade. Rudi kriegt auch Ärger, wenn sie’s bemerken.« sagt Bob, »Aber eigentlich kann er weder so noch so Ärger kriegen! Dies ist ein freies Land mit freier Meinungsäußerung, so frei, dass es niemand wahrnimmt! Wir werden ja täglich von solch Tonnen von Gemüll und Reklame und allen möglichen und besonders auch unmöglichen Gedanken und Kurzpredigten überschüttet, dass wir’s einfach nicht mehr wahrnehmen.«

»Ja, Bob, da hast du auch wieder recht.« sagt Mischa wie erwartet, denn das waren ja seine Gedanken beim ersten Treffen.

»Also meine Wette steht, zweimal Küchendienst, wenn’s einer merkt, das heißt, sich also irgendwie bemerkbar macht. Aber ich und wohl Mischa gewinnen, wenn gar nichts passiert, weil’s eben schon zu lang und vor allem, gedanklich viel zu kompliziert ist. Symbolisch für USA: Entweder dumm und brav bleiben – oder revoltieren mit Gewalt!«

»Mit Gewalt? Was ist, wenn sie vor Wut das Auto zerbeulen?« will Jim wissen.

»Das zählt als ›bemerkbar gemacht‹, also darauf reagiert! Und ihr gewinnt.«

»Schöner ›Gewinn‹! Und wer ist ›ihr‹?«

»Ja, wer setzt denn nun eigentlich dagegen?« fragt ebenso Bob.

»Na schön, zum Spaß, ich!« erwidert Sonya. Gleich meldet sich die inzwischen näher gekommene Diane:

»Und ich auch!« – Darauf Bob:

»Au ja, prima, die Girls als eine Partei. Da könnt ihr ja gleich zusammen zweimal kochen!«

»Ha, ha! Oder ihr! Wir setzen schließlich auf die ›Freiheit‹, Aufgewecktheit, Nachdenkekraft und Kritik von Mister Jedermann!«

»Da setzt ihr schön in die Tinte!« sagt bemerkenswerter Weise sogar Jim.

Dabei hat keiner bemerkt, dass ja Mischa gar nicht zum Haus gehört und eigentlich keine Wette mit Abwaschdienst eingehen kann oder höchstens ausnahmsweise mal, aber sie rechnen ihren Mischa eben gemütsmäßig als zugehörig, ein für mich soziologisch interessanter und erfolgreicher Punkt.

Fröhlich geht man jetzt ins Haus, die Mädchen links und rechts von Mischa, denn Sonya erinnert sich, dass sie versprochen hat, Mischa etwas zu fragen.

==========2==========

»Jim, was war das, was ich ihn fragen sollte?«

»Ich glaube, dass Gott nicht will, dass jemand verlorengehe.«

»Ach ja!« Nun schon drinnen, fragt sie also mehr förmlich, wo wieder alle zuhören,

»Es steht irgendwo geschrieben, dass Gott nicht will, dass einer verlorengehe, von Seiner Errettung offensichtlich. Aber das widerspricht doch der Vorherbestimmung, denn Er selber weiß doch schon ›seit Gründung der Welt‹, wer da gerettet wird und wer verlorengeht! Wenn Er nicht wollte, dann könnte und müsste Er es doch so machen, dass eben alle immer wirklich gerettet sind. Also, hier ist doch wieder des Menschen Wahl oder gar Verdienen im Spiel?«

»Na ja, eine schwierige Frage!« sagt der Gefragte, der sich diesmal, weil beizeiten, einen der bequemen Sessel im Wohnzimmer geschnappt hat, »Erstmal, wo steht das gleich? – Ach ja, im zweiten Petrusbrief.« Er ergreift eine der dort immer herumliegenden Bibeln und schlägt auf:

»Äh – zweiter Petrus, mhm, drei – ja, hier: ›. . . will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass sich jedermann zur Buße kehre,‹ Das ist Kapitel drei, Vers 9. – Wen meint Er damit? Mal den Zusammenhang sehn: ›Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es etliche für eine Verzögerung achten, sondern Er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass sich jedermann zur Buße kehre.‹

Ich habe schon das ›Euch‹ betont. Er redet nämlich hier zu seinen Schäflein, die schon die Verheißung haben, also Christen sind.«

»Und die können noch mal verlorengehen? Ich denk’, Er gibt beides, das Wollen und das Vollbringen?« sagt Sonya,

»Haha, wie bei der Uni im alten Europa anno dazumal, was? ›Inskribiert und nicht krepiert ist promoviert.‹? Aber so einfach liegt das hier nicht. In diesem ›Sprichwort‹ ist ja auch spaßhaft der ganze Zweck des Studiums, nämlich des gründlichen Lernens und Erfahrens, verleugnet oder verniedlicht.

Aber wie hier: Es ist offenbar Zeit nötig, denn denkt mal an Jesus, Der dem Vater dankt, ›dass keiner, den Du mir gegeben hast, verlorengegangen ist‹. Und dann sagt Er zu den Jüngern noch im Garten Getsemani, am Bach Kidron, kurz ehe sie Ihn verhaften, ›Wenn ihr euch dermaleinst bekehrt.‹ Das waren sie da demnach also noch nicht, und doch dankt Jesus schon also in die Zukunft weisend, für ihre Errettung, die Ihm ja schon feststeht. Sie hatten ja noch nicht einmal mitgekriegt, was für eine zentrale Stunde der ganzen Erdenzeit sie da miterlebten, wo der Heiland der Welt und aller Zeiten, der König der Könige, verhaftet und ermordet wird. Dabei hätten sie ja unmöglich schlafen können!

Ihr seht, ich weiß es auch nicht genau und argumentiere schon für die Gegenpartei!

Aber nun werde ich ganz besonders an diesen zweiten Petrusbrief erinnert, da steht im Kapitel eins, Vers 10 so etwas wie wendet Fleiß an, bemüht euch, strebt danach, also studiert, im besten wörtlichen Sinn, eure Berufung und Erwählung zu sichern, fest zu machen, [euch selbst] zu beweisen! Also die ›Erwählung‹, die doch rein Gottes Sache ist, die müssen wir uns doch selbst noch plausibel machen; denn vom Glauben hängt alles ab. Wie das bis ins kleinste Tüpfelchen der Logik passt, kann ich auch nicht sagen. Denn was ist, wenn wir uns die nun nicht fest klarmachen, aber doch vorherbestimmt sind? Dann waren wir’s also doch nicht? Und wenn doch, ja, dann muss auch der zu Gott kommen, der sich auf die faule Haut gelegt hat.

Aber, ich will mal so argumentieren: Hieße die Stelle hier ›alle Menschen, allgemein‹ will Er eigentlich erretten, wie unsere Baptisten argumentieren, dann wäre es nun einmal an solchen Baptisten, das zu beweisen! Dann wäre es doch ein krasser Widerspruch zu jenen Stellen der Bibel, wo es nun deutlich ganz nach Gottes Wahl und Vorherbestimmung geht.«

»Als da sind?« fragt Bob.

»Nun, wir reden ja schon dauernd über die Vorherbestimmung! Epheser eins, 4 und 5 verordnet uns vor Erschaffung der Welt Errettete, heilig und unsträflich zu sein – Matthäus 7, Bergpredigt, wo Gott die Übeltäter ›noch nie gekannt‹ und also nicht erwählt hat - den wichtigen Johannes 8: ›Ihr [Pharisäer] versteht meine Rede nicht, denn der Teufel ist euer Vater. Wer aus Gott stammt, hat ein Ohr für Gottes Wort.‹ - Hier liegt wohl der ganze Kern. Geboren werden wir alle erstmal unbekehrt, aber die Erretteten haben ein Ohr, daraus grübeln sie, da heraus suchen sie und finden. Und ohne Ermahnen und einige Qual geht das auch nicht. – Dann Römer acht, die Gott vorherbestimmt hat, die hat Er auch berufen. - Römer neun, wo das Schicksal und damit die endliche Bestimmung für Esau und Jakob vor ihrer Geburt feststehen - wo der alles auslösende Geist von Gott in den Menschen zieht ›als wir noch Sünder waren‹ und sein Denken lenkt, bis er betet, oder andersherum, Gott den Pharao verhärtet, denn er tut beides jeweils mit ›welchem Er will‹. Johannesbrief 5 verkündet, dass der ›aus Gott gezeugte‹ nicht mehr sündigt, Philipper 2, 13, Gott gibt beides, das Wollen und das Vollbringen. – Und ganz besonders gerade von unserer Fragestellung hier, Epheser zwei, Vers neun, (in mal anderer Übersetzung):

›Es ist tatsächlich reine Gnade, dass ihr gerettet seid. Ihr selbst könnt nichts dazu tun, als im Vertrauen anzunehmen, was Gott euch schenkt. Ihr habt es nicht durch irgendein Tun verdient; denn Gott will nicht, dass sich jemand vor Ihm auf seine eigenen Leistungen berufen kann.‹

In Römer 11 schreibt er ebenso, dass Israel nicht erlangte, was es suchte.

›Die [vorher] Auserwählten aber erlangten es. Die anderen sind verstockt, wie geschrieben steht (im Jesaja): Gott hat ihnen gegeben einen Geist der Betäubung, Augen, dass sie nicht sehen, und Ohren, dass sie nicht hören, bis auf den heutigen Tag.‹

Oder nehmt das Buch der Offenbarung, da ist mehrmals von einem ›Buch des Lebens‹ die Rede, . . « und er blättert eifrig ganz hinten in der Bibel, »ja hier:

›Und es werden sich verwundern, die auf Erden wohnen, deren Name nicht geschrieben steht von Anfang der Welt in dem Buch des Lebens, wenn sie sehen das Tier, dass es gewesen ist und nicht ist und wieder sein wird. Hier ist der Sinn, zu dem Weisheit gehört.‹«

Bob, der inzwischen eine Konkordanz ergriffen hat und darin unter »Buch« gesucht hat, sagt nun:

»Ja, im letzten Vers von Kapitel 20 heißt es auch: ›Und so jemand nicht gefunden ward geschrieben in dem Buch des Lebens, der ward geworfen in den feurigen Pfuhl.‹ Aber was ich sagen will, das bezieht sich alles auf die Verse davor. Da steht:

›Und ich sah die Toten, beide, groß und klein, stehen vor dem Thron, und Bücher wurden aufgetan. Und ein anderes Buch ward aufgetan, welches ist das Buch des Lebens. Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was geschrieben steht in den Büchern, nach ihren Werken.‹«

»Aha,« sagt wieder Mischa, »es gibt das ›Buch des Lebens‹, darin stehen unsere Namen von Anbeginn der Welt, wenn Gott uns erwählt hat, und dann ›die Bücher‹, also andere, darin stehen die Werke der Menschen, wonach sie gerichtet werden.«

»Da ist es wieder!« triumphiert Sonya, »Werke der Menschen! Danach werden wir gerichtet. Dann also doch nach unserem Fleiß und Anstrengung!«

Darauf Mischa:

»Langsam! Einmal sind und können jede Art Werke nur nach Art des ›Baumes‹ sein, der sie hervorbringt, wieder Matthäus sieben, also gut bei einem ›guten Baum‹. Bist du also einmal von Gott rein gemacht, dann bringst du nach einer Anlaufzeit Gutes hervor, notwendig so und ohne eigenen Schweiß und Anstrengung, weil du ein neues Wesen bist, ein Sklave der Gerechtigkeit. Dann steht dein Name sicher im Buch des Lebens. Und dann wollte ich ja gerade darauf hinweisen, dass es also zwei Arten Schriftstücke gibt, die Bücher der Werke und das (eine) Buch des Lebens. Vielleicht deutet die Mehrzahl im ersten Fall auf die überwiegende Menge der Namen im Vergleich zu dem nur einen Buch des Lebens.

Das ist, was der Prophet Jesus uns immer verkündigen will! Und wir verstehen’s immer nicht. Was wir in Seinem Wort als anderes Thema einordnen, bezieht sich meistens dann doch auf Sein Neues Testament, also Seine Erlösung. Da lehrt Er uns beten. Die letzte und eindringlichste Bitte ist für uns: Und führe uns nicht in ›Versuchung‹. Das scheint mir aus diesem Grunde ein Übersetzungs- oder Verständnisfehler. Es muss heißen: führe uns nicht ins Gericht. Unser englisches Wort Trial, was beides heißen kann, deutet darauf hin. Beweis: ›Sondern erlöse uns vom Bösen!‹ Das ›Sondern‹ ist unzweifelhaft eine Beziehung zum Vorigen, und zwar zum Gegenteiligen. Das Gericht Gottes richtet unsere Taten nach unseren eigenen Maßstäben, wie Gott sagt, und wehe uns! Wer kann denn in diesem Gericht bestehen? Wenn wir aber vom Bösen erlöst sind, steht unser Name im Lebensbuch, dann kommen wir gar nicht erst in dieses Gericht. Denn bekanntlich können wir überhaupt nichts zu unserer Güte tun, die kommt aus der Erlösung, die aus dem Glauben, welcher reines Gottesgeschenk ist, wenn wir noch Sünder sind.

Der ›Weihnachtschrist‹ wird nach seinen Werken, aus seinem Denken und Für-richtig-Halten, gerichtet werden, und diese Werke sind wegen ihrer Quelle immer unzureichend. Aber so hat er’s sich ja immer erträumt, dass es nach den Werken gehen sollte, und er so gut und stark, da zu bestehen, weil er doch ein kleiner ›Gott‹ war, der Gutes getan habe. Da wird ihn Gott endlich erniedrigen müssen, dass es selbst nach seinem höchsteigenen Maß nicht reicht! Die anderen, die von Anbeginn im ›Buch des Lebens‹ standen, sind aus ganz anderem Holz geschnitzt, das ist der wichtige Unterschied. Sie verlassen sich nicht auf ihre eigene Güte, es ist ihnen ja ohne Verdienst von Gott so gegeben, sie sind sich selber abgestorben. Aber siehe da, ihre Werke sind gut, eben weil sie sich selbst und ihre Größe vergessen haben, geistlich starben und nur Gottes Werkzeuge wurden und nur immer auf Ihn blickten. Ein Grenzfall wird etwa ein bekehrter Christ, der keine Zeit mehr hatte, auszuwirken, was Gott in ihn gesät hat. Beispiel der Verbrecher, der neben Jesus am Kreuz stirbt.

›Wahrlich, heute wirst du mit mir im Paradiese sein.‹

Gute Werke hat er nicht vorzuweisen, stirbt vielmehr nun ganz gerecht, wie er ja selbst gerade bezeugt, wegen seiner Verbrechen. Das ist die Sühne an die Menschen. Die an Gott ist etwas anderes und in diesem Fall also voll bezahlt durch Den, Der gerade neben ihm hingerichtet wird.

Das Buch des Lebens überstimmt alle anderen. Beweis, Jesus sagt von einem solchen: › . . kommt nicht ins Gericht‹, das heißt, ist schon anerkannter Jünger Jesu und Gutestuer – ob sich’s schon gezeigt hat oder nicht. – Gericht entfällt. Ein guter Apfelbaum ist ein edler Baum, auch schon im Januar. In einem anderen Bild wird so ein Erwählter mit einer weißen Robe überkleidet, die alle Sünden verdeckt, im Moment seiner Bekehrung, also auch, ehe er gute Taten vollbracht hat.«

»Das bringt mich zu Problem Nummer zwei,« sagt Sonya, »die Selbsterniedrigung! Ach, und gleich, ehe ich’s wieder vergesse, Problem drei ist die Gefahr oder Möglichkeit des Fatalismus, bei dem, der an Vorherbestimmung glaubt. Aber für gleich, ich habe Schwierigkeiten mit der Vorwahl Gottes vor Grundlegung der Welt.«

»Fröhliche Weihnachten, Sonya!«

»Was? wie?«

»Was singen die Engel da? ›Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und – was? – den Menschen ein Wohlgefallen?‹ Oder ›denen, die guten Willens sind.‹, klar, wohl wieder des eigenen. Ja, denn so plappern wir es seit Jahrhunderten den Katholiken nach. Bessere Übersetzung: Frieden schon hier auf Erden den Menschen des guten Willens oder des Wohlgefallens, nämlich Gottes! Da wird also gleich klargemacht, dass es keine allgemeine Amnestie geben wird, keine ›Allversöhnung‹. Auch wird es nicht mehr, wie scheinbar bisher im Alten Testament, nach guten Werken direkt, aus eigenem Fleiß, gehen. Sondern, und das ist so einmalig und überraschend, verglichen mit allen ›Religionen‹, allein nach Gottes Wahl! Und sagst du, dass sei ungerecht gegen all die Nichterwählten, dann antworte ich: Wer schon soviel weiß, das zu sagen, ist vielleicht doch selbst erwählt. Man kann es nur wahrnehmen, wenn man schon etwas von Gott weiß, mehr als die Traditionschris-ten, die nicht ungerecht behandelt werden. Aber dann sollte man sich die Wahrheiten über Gott klarmachen. Sie wissen ja nichts von Gott und wollen und können nichts wissen. Und wenn du durch den Geist soweit bist, dass du hineinkommen willst, bitte, keiner wird zurückgewiesen. Es muss nur strikt nach Gottes Bedingungen gehen.

Nichterlöste teilen sich ein in solche, die sich auch nicht um Gott bemühen. Die werden, allein durch die Tatsache, dass sie dann wirklich doch vor Gottes Gericht stehen, ihre Aburteilung nicht ungerecht finden können, und die Pharisäer, die sich stark um Gott bemühen, aber blind und falsch. Ihre ganze Auffassung über die Dinge Gottes ist grundverkehrt. Deren Ego ist nicht gebrochen. Das Gericht wird ihnen erst beweisen müssen, wie sündhaft ihr Ego in allem war. Sie wollten auf einem anderen Weg zu Gott als dem des Lammes, und das ist nur immer der Tod des Ego.«

==========3==========

»Gut, ich scheine hier ein zu befragender Guru geworden zu sein. Zuviel der Ehre! Haltet nur immer den einen Punkt fest: Wir erarbeiten uns, was Gott uns wissen lassen will, gemeinsam! Da ihr mich noch nicht kennt und ich so lange Gelegenheit hatte, Gottes Gedanken anzuhäufen ohne Ventil im Kommunismus, das weiterzugeben und damit selbst viel zu lernen, werde ich am Anfang vielleicht so viel reden, aber das soll und wird sich legen.

Ehe wir aber zur Selbsterniedrigung kommen, fällt mir noch was Witziges ein, was ich irgendwo mal gehört habe, ein Rätsel!

Also, wir alle sind uns einig, dass erstens Gott allmächtig ist, oft so bezeichnet in der Bibel: Etwa als Gott zu Jakob, der gerade aus Sichem geflohen kam, sagt: ›Du sollst nun Israel heißen. Ich bin der allmächtige Gott. Sei fruchtbar und mehre dich.‹ Oder: ›Unter dem Schatten des Allmächtigen‹, oder anfangs hier in der Offenbarung: ›Der da ist und Der da war, und Der da kommt, der Allmächtige.‹

Zweitens ist Gott gut. Das ist noch klarer. Psalm 106, ›Seine Güte währet ewiglich.‹ Das germanische Wort ›Gott‹ kommt von ›gut‹. Jesus sagt zu einem: Was nennst du mich gut? Gut ist nur Gott allein.

Aber nun drittens, auch absolut ohne jeden Zweifel, ist Sünde in der Welt. Na, wir brauchen dazu nichtmal die Bibel! Sondern nur jede beliebige Zeitung aufzuschlagen.

Aber nun kommt’s! Alle drei Punkte bestehen nicht zusammen! Sie widersprechen einander! Denn wenn Gott gut ist, hasst Er die Sünde, ebenso liebt Er uns aus dieser Güte. Da Er nun ja auch alle Macht hat, müsste Er die Sünde nicht zulassen, also von uns fernhalten oder ganz abschaffen!

Ich hörte mal im Radio einen katholischen Priester uns angreifen, wegen der Prädestination könne unser Gott nicht gut sein, denn dann müsste Er ja selber das Böse geplant haben, die protestantische Lehre sei also falsch. Es war Radio! Leider konnte ich ihm deswegen nicht sofort die gehörige Antwort erteilen!

Nun also zur Frage der Selbsterniedrigung.«

»Halt! Was ist denn die ›gehörige‹ Antwort nun?«

»Na, ist doch klar! Ich dachte, in diesem illustren Kreise brauchte ich gar nicht darauf einzugehen – aber, wisst ihr was? Wenigstens was das Rätsel angeht, will ich euch für eine Weile schmoren lassen!

Aber die Antwort an den Priester ist doch dagegen einfach: ›Und dein Gott ist nicht allmächtig!

Denn Sünde in der Welt ist und bleibt doch eine Tatsache. Und der gute römische Gott sagt: Kinderchen, hier kann ich nun auch nicht helfen! Da müsst ihr nun (nach katholischem Glauben) selber so gut sein und mal kräftig mit anpacken, um die Sünde zu bekämpfen und möglichst zu besiegen! Er würde ja gerne, kann aber nicht! Und dabei glauben sie doch pro forma, dass Jeschua der Erlöser sei und selbst die Sünde besiegt habe! Aber Satan bleibt bei ihnen auch für Gott eine reale, offenbar kaum oder ganz unbezwingbare Macht. Ist also die katholische Lehre auch falsch! Aber wir können sie nicht richten! Sie sind ihrer Konstitution nach von der alten Klassik her, eine nahtlose Viele-Götter-Religion. Jesaja sagt in seinem Kapitel 50, also kurz vor dem uns allen bekannten Kapitel 52, wo Gott gerade Seinen ewigen Erretter ankündigt:

›Ihr denkt wohl, Ich sei zu schwach‹, sagt Gott, ›um euch zu helfen, mein Arm sei zu kurz um euch zu befreien.‹

Aber wo ist wohl eine schlimmere Sünde, als Gott nicht zu vertrauen und Ihn für schwach zu halten? –«

Wirft Rudi ein:

»Aber dann doch ebenso oder ähnlich, Ihn für grausam zu halten?!«

»Offenbar doch nicht. Rudi, du bist dichte dran! Mehr will ich nicht sagen.«

»Hm!« macht nun Sonya nach einem Moment,

»Dann ist also der Unterschied zwischen den beiden Hauptkonfessionen, die Katholiken tendieren zum lieben, schwachen Gott, und die Protestanten zum allmächtigen, grausamen?! Aber nur die Katholiken werden angeprangert, Gott so wenig zugetraut au haben! Ihn für grausam zu halten, ist nicht so schlimm?

Aber du gibst dich, als wüsstest du die Antwort auf dein eigenes Rätsel schon ganz sicher? Und bei dem Priester hättest du wirklich gleich ohne viel Überlegen antworten können?«

»Also nochmals. Erstens ist es nicht mein Rätsel, wenn die Antwort auch mir nicht genannt wurde, ich kam darauf Tage später nach einigem Grübeln, und zweitens, sollt und könnt ihr meine Lösung anzweifeln. Ein gutes Rätsel braucht keine Antwort. Sonst ist das wie in der Schule, man lernt auswendig die Aufgabe und was der Lehrer als Antwort haben will, lernt aber in den Tiefen der Seele nicht viel. Aber eine richtige Antwort bestätigt sich selbst, weil man’s in allen Richtungen durchdenkt, und am Ende findet man nirgends mehr Ungereimtheiten, sondern gar einen ausschließenden Beweis. Dann stimmt’s überall.

Die Frage mit der prompten Antwort an den Priester ist bedeutend! Ich meine, ja, denn ich hatte schon vorher über das Problem gehört und also die Frage gehörig ventiliert. Erinnert euch, was ich über eine Ideenpalette sagte, die mehr Freiheit ermöglicht, wenn man vorher schon einen Anstoß zum Nachdenken erhalten hat, sich also so eine Palette zu machen. Und mehr Nachdenken habt ihr alle hier nötig!«

»Das ist nicht fair, unterschwellig beschuldigst du dauernd die fortschrittlichste Nation der Welt, sie sei nicht mehr denkfähig!« schimpft Jim.

»Vor 1914 war das Verhältnis USA – Deutschland noch sehr gut. In amerikanischen Hirnen stand Deutschland für Wissenschaft, Fleiß, Moral und Theologie. Zu Frankreich waren ihre Beziehungen gespannter. Aber dann hatten sie die Entente cordial, und England, das sich in seinen Hegemonialabsichten durch das Reich gestört fühlte, arbeitete schon deutlich auf einen Krieg hin, verbündet mit den vor Rachegelüsten kochenden Franzosen und mit Usa zur Polsterung! Der gleichen Sprache wegen, das passte auch vortrefflich, übernahm England nun alle Nachrichten und Presseangelegenheiten zu Amerika, das hieß Hetze und Aufwiegelung gegen das Reich. Was soll man nun folgern, wenn die ganze Usa in wenigen Jahren so auf den Deutschenhass umgestimmt wurde? Das hat uns gründlich geschadet, wir mussten ja den Preis bezahlen. Ich sage: Denkunvermögen! Und dadurch große Schuld. Und auch nicht weit gedacht: Beide Weltkriege haben eigentlich keinem genützt.

»Also, auf die Antwort auf dein Rätsel bin ich aber gespannt!«

»Ich selber auch! Mal sehn, mit was ihr so kommt!

Und noch eins: Keine Wischi-waschi-Antworten! ›Für dich ist eben Gott grausam, für mich ist Er die Liebe selbst.‹ gilt nicht! ›Ein Gott und ein Glaube für uns alle!‹ Nur so kann sich ein Rätsel selber auflösen und wir an Wahrheit kommen, wenn’s eben überall stimmt. Es muss etwas Mathematisches an sich haben, in zwingender Logik. Denkt mal an ein rein physikalisches Rätsel.« Nach einem Augenblick Ruhe fährt er fort:

»Etwa wie dieses:

In einem kleinen Teich schwimmt ein Boot mit einem Mann und einem schweren Stein in diesem Boot. Wir merken uns den Stand des Wasserspiegels am Ufer des Teiches. Denn nun hebt der Mann den Stein und wirft ihn über Bord in den Teich. Der sinkt zu Boden, die Wellen beruhigen sich. Wo steht nun am Ende der Wasserspiegel am Ufer? Höher, ebenso hoch oder tiefer?

Hier kann es doch nur eine Lösung geben, das sieht jeder ein. Nur eines kann richtig sein. Der Spiegel kann nicht höher und zugleich tiefer oder wie vorher sein! Hütet euch vor …«

»Er müsste eigentlich genauso hoch wie vorher stehen!« unterbricht ihn Jim.

». . vor hastigen, unüberlegten Antworten! – wollte ich sagen! So einfach ist die Antwort nämlich nicht. Und hier mein Punkt, wir wollen lernen, gründlich und sauber nachzudenken. Aus-dem-Geist Wahrsagen ist etwas anderes! Und auch da muss es Sinn und Verstand haben, sagt Paulus, wenn es erbauen, das heißt, uns weiterhelfen soll. Daher hat mein Booträtsel mal nichts direkt mit Gott zu tun. Deine Bemerkung, Jim, hat ein ungeschriebenes Fragezeichen darin, mit dem Konjunktiv und ›eigentlich‹. Vergiss aber mich, ich habe nicht die persönliche Autorität. Bei manchen Pfingstlern mag sich einer durchboxen mit der Bemerkung: Aber mir hat es der Heilige Geist gesagt! Das macht für den anderen keinen Sinn, aber er muss kuschen, weil der Sprecher ein hohes Tier in der Gemeinde ist. Wir wissen alle, dass es so nicht unter Christen sein soll. Der mit der Autorität unter uns, Der ›Wahrheit‹ heißt, ist unsichtbar! Nur Den müsst ihr fragen. Nur ist die Kommunikation zu Ihm – ›im Geist und in der Wahrheit!‹ – so schwierig. Wir müssen sie alle noch gründlicher lernen.

==========4==========

 

Aber nun endgültig zur Selbsterniedrigung!

Hier ein Gedanke, den ich schon vorhin loswerden wollte. Erstmal ist klar, dass auch die echt sein muss und nicht pharisäerhaft auf Wunsch selbst herbeigezaubert werden kann, etwa wie die berühmte Asche auf dem Haupt am ›Aschermittwoch‹, genau nach Karneval, die bei uns nun bedeutet: Seht mal alle her, ich habe mich zum Karneval so richtig befriedigend in Suff und Sex ausgelebt! Darum kann ich nun ›zur rechten Zeit‹ ebenso gründlich auf fromm machen – und alles ist wieder gut! Sondern, wie wir auch Liebe für Gott auf Befehl weder bestellen noch abstellen können, muss Erniedrigung aus tiefer Einsicht kommen, aus Überzeugung, dass ich im Vergleich mit Gottes Allmacht wirklich ein Nichts bin. Soweit geht das, wenn echt, dass mir Zurücksetzung, ja bis zum Tod, nichts ausmacht, gar als Wahrheit recht ist.

Im Philipperbrief . . .« –

Hier vergeht wieder ein Moment, wo Mischa, aber auch die anderen sich Bibeln suchen und dann Philipper aufschlagen.

»Kapitel zwei, was hier treffend mit ›Leben nach dem Vorbild Christi‹ überschrieben ist, steht in Vers sechs:

[Jesus] ›welcher, ob Er wohl in göttlicher Gestalt war, . . .‹

Aha! Ich habe hier die Übersetzung erwischt, die ich wollte, nämlich ›King James‹, die genau wie Luthers folgenden Fehler macht:

. . nahm Er’s nicht als einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward gleich wie ein anderer Mensch und an Gebärden als ein Mensch erfunden. Sondern er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.

Der Übersetzungsfehler, der, weil er ja in so vielen der alten Bibeln gefunden wird, offenbar ein internationaler Denk- oder Gesinnungsfehler gewesen sein muss, denn sie waren alle noch vom römisch-katholischen Renaissancedenken beeinflusst – besteht im ›nahm Er’s nicht als einen Raub‹. Das heißt in unserer Sprache, dass es gar nicht verkehrt sei und keinen Raub bedeute, wie Gott zu sein, das könne man also ruhig so halten! Ja, Mensch, fällt denn keinem was auf? Das ist ja wie mein Gelächter zur richtigen Zeit in der Geschichte, das wir immer versäumen. Wie Gott Sein ist doch gerade die eigentlich einzige, die Ursünde vom Paradies, ›Raub‹, in diesem Sinne und unter diesem Namen mehrfach in der Bibel erwähnt, an dem so viel hängt, womit der Teufel unsere Kultur so erfolgreich und immer noch anhaltend darniederhält! Das kann es von Jesus einfach nicht heißen! Und soweit gekommen – die richtige Frage, wie bei unserem Rätsel, ist wichtiger als die Antwort, die, wenn wir vor Gott recht stehen und nach Seiner Wahrheit Tag und Nacht suchen, sich von selbst ergeben wird – sehen wir denn auch alsbald, dass es ja weitergeht: ›sondern erniedrigte sich selbst‹. Na, das ist doch wohl der größte Widerspruch! Wenn es ›sondern‹ heißt, muss doch kommen, was wir nicht erwartet haben, also das Gegenteil, wie bei ›erlöse uns vom Bösen‹. Hier hakt es an dem Nicht ein, ›nicht als einen Raub‹. Die Verneinung bezieht sich aber nicht auf den Raub, sondern auf das Nehmen, Seine Reaktion. Er hielt es also sehr wohl für einen Raub und nahm es also daher ›nicht‹, sondern eben das Gegenteil! Nun wird’s klar. Da steht auf Griechisch – ich habe es nicht gesehen, konnte es nur aus dem Inhalt folgern und bekam die Bestätigung durch die moderneren Übersetzungen. Auf Griechisch oder Latein (und auf Russisch) gibt’s keine Artikel –

›Hielt nicht Raub (Akkusativ) wie Gott sein (zu wollen)‹,

und die richtige Übersetzung heißt also:

›. . hielt gar nichts davon, hütete sich, vermied den Raub, wie Gott zu sein, sondern erniedrigte sich . .

Versteht ihr, den Raub! Den unmöglichen! Sonst wird es doch im Inhalt genau das Gegenteil. Das Gleiche wird ebenso ausgesagt durch das ›Obwohl‹ im Bedingungssatz davor. Obwohl Er doch in göttlicher Gestalt war, es Ihm doch viel mehr als uns zugestanden hätte, hielt Er gar nichts von solchem Raub wie Gott zu sein. Jesus sagt einmal, ihr seid voll Raub und Mord. Das bezeichnet nach Seiner eigenen Kurzfassung des Gesetzes unsere ganze Sünde, erst gegen Gott, eben diesen Raub (Gebote 1 - 4) an Seiner Majestät, und dann die Sünde gegen den Nächsten, Mord. (Gebote 5 - 10)

Also, habt ihr eine andere Übersetzung? Gib mal her, oder lies vor!«

Sonya liest die Stelle, die durch angedeutetes Versmaß die Wichtigkeit und Gottesunmittelbarkeit ausdrücken will, so wie es im damaligen Israel aufgefasst wurde, in moderner Übersetzung.

Er war in allem Gott gleich,

und doch hielt Er nicht daran fest,

zu sein wie Gott.

Er gab es willig auf

und wurde einem Sklaven gleich.

Er wurde ein Mensch in dieser Welt

und teilte das Leben der Menschen.

Im Gehorsam gegen Gott

erniedrigte Er sich so tief,

dass Er sogar den Tod auf sich nahm,

ja, den Verbrechertod am Kreuz.

»Mensch, diese Übersetzung gefällt mir!« sagt Mischa,

»Auch wenn sie das wichtige Wort ›Raub‹ weglässt. Sie gibt auch gleich Klarheit über den wichtigen Punkt, dass Jesus ganz Mensch wurde und damit also in unserem sündigen Fleisch war. Denn entweder glauben wir immer nicht, dass Er Gott war, oder nicht, dass Er voll Mensch war, mit unserer vollen Anlage zu aller Sünde! Seine Sündlosigkeit – für Ihn, den von Natur aus und Seiner Anlage nach notwendig auch sündigen Menschen – ›nein, auch nicht einer (sei sündlos)‹ sagt die Bibel, und gerade sie kann doch den Menschen Messias im genauen Zentrum von Raum und Zeit, den König aller Könige, den Drehpunkt aller echt Heiligen Schriften, nicht vergessen haben! – Seine Sündlosigkeit kommt also allein aus Gottes Gnade wie eine Medizin von außerhalb, deswegen schiebt Er ja auch dauernd alle Ehre auf den Vater. Er brauchte auch durch Ihn nie zu sündigen, und wird nun ein Medium, eben weil Er Mensch war, für uns alle erreichbar und nachvollziehbar. Nur so kann man doch auch in dieser Frage, Gott alle Ehre geben.«

 

==========5==========

 

»Und dann noch ein Gedanke zur Selbsterniedrigung des Christen! Womit brüsten sich die Weihnachtschristen, die an den freien Willen und unsere moralische Stärke glauben, also sich höchstens äußerlich erniedrigen, wenn auch nicht so krass wie die mit der Zur-Schau-Stellungs-Asche auf der Stirn! Sie verteidigen ihre Größe und Wichtigkeit des Menschen biblisch mit der Tatsache, dass wir ›im Bilde Gottes‹ erschaffen seien und daher also jeder ein kleiner ›Gott‹ mit Verantwortung und der Macht dazu, mit Klugheit und List, aber auf sich selbst gestellt.

Dazu kam mir ein mitteiligungswürdiger Gedanke. Bitte, gleich noch einmal: Ich habe die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen. Ihr sollt es durchdenken, und gegebenenfalls mich korrigieren. Es sei nur eine Anregung. Wieder habe ich versucht, logisch aus dem Inhalt zu folgern. Wenn ›wie Gott sein‹ eine so große Sünde ist, ja die Ursünde schlechthin, dann würde doch Gott kaum so über die dann doch für uns so große Versuchung hinweggehen, ohne uns einengend zu warnen: Das heißt nun aber nicht, dass ihr euch überheben könnt, ihr bleibt doch lichtjahreweit unter Mir, meine Sklaven! Oder in der Art. Er liebt uns ja und lässt uns nicht allein. Und hier muss etwas darin sein, vielleicht wieder eine irreleitende Übersetzung, dass wir doch aufs richtige Gleis kämen.

Also, Gott habe uns ›in Seinem Bilde‹ oder Ähnlichkeit, Abbild, Plan oder dergleichen erschaffen, heißt es.

Plan?

Aha! So fiel mir also ein, Plan ist, was ein Architekt oder Ingenieur hat und sich vorher gemacht hat, nicht in der Kopierung eines fertigen Werkes! Das Haus oder die Brücke zeugen von ihm, sehen ihm doch aber nicht ähnlich! Hat doch die Brücke nicht Nase, Mund und Augen, sondern was sie immer braucht zu ihrem Zweck. Also, wo haben wir denn die spaßige Idee her, Gott habe den Plan, wie Er den Menschen baue, sozusagen vor einem Spiegel gemacht? ›Ante speculum‹ nenne ich das. Denn auch ein Spiegel und das auf ihn fallende und reflektierte Licht sind Gottes und folgen, wie sie sollen, in allem Ihm. Also was spricht gegen die Annahme, wir seien wohl nach Seinem Plan und genauer Absicht so geworden, wie wir sind, aber doch nicht als Abbild Seiner eigenen Person? Die es ja wohl auch gar nicht so gibt, denn Er ist Geist! Schön, Michelangelo malt Gott als alten Mann, wie kann er Ihn auch sonst darstellen, was ja eben genau aus diesem Grunde so gefährlich ist und im Zweiten Gebot ausgeschlossen wird, ein Bildnis oder Gleichnis zu machen dessen, was im Himmel ist! Aber das macht in der katholischen Kultur des Mittelalters nichts, wo wir alle, wenn wir uns nur zusammennehmen und ›gut‹ sind, kleine Götter sein können! Seht ihr den ganzen Zusammenhang? Die Renaissance lässt den Menschen in aller Pracht, Größe und damit Gottgleichheit wiedererstehen! Den Menschen im vollen Humanismus! Der nun also wie Gott sei, eine Demokratie mit allen Mitgliedern gleich, und Gott auch einbezogen! Ebenso der gegenstandslos gewordene Aschermittwoch, ebenso die Übersetzung, es mache gar nichts, wie Gott zu sein, (eher im Gegenteil!) ebenso das Verleugnen des Zweiten Gebotes! Sie sehen es einfach nicht! In solchen Geist passt keine Prädestination eines allmächtigen Gottes, der damit ja den kleinen Gott außer Kraft setzte. Ahnt ihr schon da die Anbahnung unseres späteren Sündenweges der Aufklärung und Gleichheit aller kleinen Götter? Die aus der Renaissance kam, der Wiedergeburt der Götter? Das ist Satans Triumphzug durch unsere letzten drei Jahrhunderte! Eigentlich ist das der Hauptinhalt unserer sündigen ›westlichen‹ Kultur seit den falschen Göttern der Griechen und dann ihrer Wiederbelebung. Seitdem hat ›der Westen‹ immer mehr eingebüßt, der einmal, noch unter Gott, am weitesten von allen Reichen der Erde entwickelt war.

Außerdem, wir sind Ihm doch gar nicht ähnlich, wenn Er Geist, wir aber bloß Materie sind, Er ewig, wir sehr begrenzt, Er sündlos, wir von uns aus sehr schlecht, und so weiter. Also sowieso erhebt sich die Frage, die keiner beantworten kann, wie weit ginge dann unsere Ähnlichkeit mit unserem Schöpfer? Auch wird ihre Aussage, wir seien wie Gott selber, ja zu infinitiver Bedeutungslosigkeit; denn dass wir Ihm nicht ganz gleich sind, sehen ja alle selber ein. Also kann ich nun, je nach dem Bedarf des Zusammenhanges, das Ausmaß meiner Gottähnlichkeit mir jeweils selber zurecht schneidern! Es wird die ganze Annahme damit ja aussagelos, also im eigentlichen Sinne sinn-los, absurd.

Wenn wir aber annehmen, wir seien nur nach dem Zeichenplan gemacht, ›Gottes‹, also Genitiv, klar, alles ist doch Gottes, und niemand, der sich Christ nennt, bezweifelt, dass Gott unser Erschaffer und Baumeister ist und als solcher, in unserem Verständnis gesagt, uns erst oder auch gleichzeitig plant und dann nach diesem Plan baut – dann verflüchtigt sich unser Problem zwanglos, wo es hingehört, macht unsere Erniedrigung wirksam, denkbar und wahrscheinlich!

Und noch eine Tatsache spricht das sehr deutlich aus. Im Psalm 139, wie ich mich erinnere – Moment,«

und Mischa schlägt wieder in der Bibel nach,

». . . steht es fast ganz wörtlich! Hier, Vers 16, der Seher David redet Gott an:

In anderer Übersetzung:

Du sahst mich schon fertig, Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin.

Als ich noch ungeformt war. Wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.

Im Voraus hast Du alles aufgezeichnet; Es war dir mein Gebein nicht verborgen, als ich im

Es war dir mein Gebein nicht verborgen. Verborgenen gemacht wurde, als ich gebildet wurde

Im voraus hast du alles aufgeschrieben unten in der Erde. Deine Augen sahen mich, als ich

jeder meiner Tage war schon vorgezeichnet, noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein

noch ehe der erste begann. Buch geschrieben, die noch werden sollten, und von

denen keiner da war.

Manchmal fragt man sich, wie konnte ich nur so lange an der Bibel vorbeilesen, nicht wahr? Aufzeichnen, na das ist doch, was ich Plan nannte, und im Voraus! Dazu alle noch kommenden Tage. Das heißt, was er jetzt in mich einbaut, etwa den ›Guten Baum‹, der ich dann werde und ihn ausführen muss, wie Er wollte.«

Hier meldet sich Bob zu Wort:

»Es sagt, ›. .. alle deine Tage aufgezeichnet.‹ Da ist Er ja mit dem fertigen Sehen, als David noch ungeformt war, also dem Ante spe-, wie sagst du? Ante speculum, ist Er schon fertig und wendet sich nun zu den Taten im noch bevorstehenden Leben Davids, wo jeder Tag vorgezeichnet sei? Aber das sind doch zweierlei, wie er ›ante speculum‹ aussieht und was er dann im Leben alles tut!«

Dazu sagt Mischa:

»Der Meinung bin ich nicht. Wir reden doch hier immer vom Substrat in der Seele eines Menschen, wonach, wenn er es ausleben kann, sich sein Leben gestalten wird. Die erste Aussage in diesem Psalmvers wird mein bester Beweis, dass es also nicht mit dem allgemein geglaubten Kirchen-Speculum geht, dass er also wie Gott aussehe, sondern nach allem was Der in ihn eingebaut hat. Und auch das sieht Gott voraus, das wird symbolisch angedeutet in der Aussage, ›als ich noch ungeformt war‹, weil man der frühen Baustelle den Plan noch besser ansehen kann als nachher dem fertigen Hause. Symbolisch für unser Verständnis nur; Gott sieht selbstverständlich auch später genau in eine jede Seele.

Schimpfen wir also mal mit so einem Speculisten!

So, du kleiner Gernegroß, der du renaissancehaft Gott überlisten willst wie ›Halbgott‹ Herkules, dass du weißt, wo du hingehörst! Gott hat dich nach Seinem ›Abbild‹ bis aufs Molekül und i-Tüpfelchen so gemacht wie Er wollte, das heißt, weil alles so kommt wie Er will, genau, wie du jetzt bist! Meinst du wohl, auch nur etwas anderes denken zu können, als was dein Ingenieur ermöglicht, eingebaut und geplant hat? Meinst du, irgendwo frei zu sein, etwa gegen Gott zu trotzen, dass Er’s nicht merkte? ›Wo warst du denn als Ich die Welt erschuf?‹ fragt Er. Willst du dich im Bauch des Wales verstecken wie Jona? Ja, ein wunderbares Werkzeug bist du, sagt David, aber als dein eigener Gott – ein Nichts!

Na, das klingt doch fast genau wie die Zurechtsetzung, die Hiob von Gott erhält? Und beides ist in der Tat die Verweisung zurück in die Schranken, die dir gesetzt sind – an den Besucher, der sich beim Gastmahl zu hoch an die Tafel gesetzt hat!

Wie wundersam wäre doch solch eine liebevolle Zurechtsetzung in unserer Zeit an all die Demokraten und andere in die Richtung Verführte, auch nur solche Humanisten, die uns mit dem Freien Willen kommen!

Ich erinnere daran, dass Goethe und sein ganzes Zeitalter sich in diesen Renaissancebahnen bewegt haben. Er schreibt ein Trutzgedicht gegen Gott, traut es sich aber doch noch nicht ganz offen zu sagen, und nimmt ›die Götter‹, speziell Prometheus zum Vorwand, das macht sich nicht so blasphemisch nackt, sondern mehr märchenhaft großartig, etwa wie Hitler später Wagner sah, womit er gleich wie unbeabsichtigt seine Renaissancewurzel aus griechischem Denken zu erkennen gibt:

›Ich kenne nichts ärmeres unter der Sonn’, als euch, Götter!

Ihr nähret kümmerlich von Opfersteuern und Gebetshauch eure Majestät

Und darbtet, wären nicht Kinder und Bettler hoffnungsvolle Toren!‹

Der Hintergrund ist nach griechischem Glauben – übrigens ist der nicht so ein festes Dafürhalten wie beim wirklichen Gott, sondern ein Sich-hinein-Versetzen in eine prächtige Phantasiewelt wie Oper oder Theater, das ist gleich noch so ein Trick, womit Satan uns bis heute und aus dieser ›klassischen‹ Wurzel her betrügt, Glaube sei nicht so klotzig-unbedingt, sondern leichter, charmanter – wir sagen ja auch ›Renaissance‹ bis heute auf französisch, obgleich es doch in Italien entstand – also nach solchem ›Glauben‹ wollte Hauptgott Zeus die Menschheit vernichten, um etwas Neues zu erschaffen, also wieder Anklang ans Wirkliche, die Sintflut. Des einen Gottes widerstreitende Beweggründe werden auf zwei »Götter« übertragen. Der eine wünscht die Erhaltung von weigstens ein paar, der andere fordert ganze Vernichtung. Gott Prometheus widersteht dem Alleswürger und rettet die Menschen, nach anderer Lesart war es Prometheus selber, der die Menschen erschaffen haben sollte. Nun wird also Prometheus Gott der Erde, Zeus nur noch Gott des Himmels. In diesem Gedicht steckt die ganze Idee dieser verderbten Epoche, an der wir bis heute so leiden! Es fährt fort:

›Da ich ein Kind war, nicht wusste wo aus noch ein,

Kehrt ich mein verirrtes Aug‘ zur Sonne, als wenn drüber wär’

Ein Ohr zu hören meine Klage, ein Herz wie mein’s,

Sich des Bedrängten zu erbarmen.

 

Wer half mir wider der Titanen Übermut?

Wer rettete vom Tode mich, von Sklaverei?

Hast du nicht alles selbst vollendet, heilig glühend Herz?

Und glühtest, jung und gut, betrogen, Rettungsdank

Dem Schlafenden da droben?

Ich dich ehren? Wofür? . . . ‹

Na, und so weiter in diesem Sinne! Hier soll sich also Gott dem Menschen angleichen, geschaffen nach dem Bilde des Menschen – der jetzt Herr ist! Wer da spricht, ist also der Mensch selber oder Gott Prometheus, offenbar vereinigt im Widerstand gegen Gott Zeus, denn am Ende heißt es, er

›forme Menschen nach meinem Bilde, ein Geschlecht, das mir gleich sei, zu leiden, zu weinen, zu genießen und zu freuen sich, und dein nicht zu achten wie ich!‹

Die neuen Ideen der ›Aufklärung‹ haben ihren Ursprung in der Gottesleugnung nicht nur erst bei den Sozialisten. Ganz geschickt, dem kleinen ausgebeuteten Mann die Götter lecker zu machen: genießen und sich freuen und Dein nicht zu achten wie ich, ein anderer Gott! Und wenn ich das sage, kannst du ruhig auch so denken, sagt der Abgott. Und wir Christen sollten uns nicht einmal wehren dürfen! Wehe, wer heute gegen die Demokratie aufmupft! Na schön, macht es ehrlicher mit der Gottesabschaffung wie die Sowjetunion. Aber die Heuchelei, beides in einer unmöglichen Ehe halten zu wollen! Das ganze westliche Christentum wird zur Farce! Aber eben gleichzeitig die Renaissance-Demokratie schon längst ebenso!

Dabei scheint die Demokratie erstmal zu funktionieren! – Dies als Nebengedanke. – Ein ›president‹ verspricht, was auf den ersten Blick vernünftig und der gegenwärtigen Lage angemessen erscheint, und die Mehrheit stimmt ihm zu! Aber es ist nur Stroh ohne Tiefe, wie wir kleinen Männer eben denken, so geplant, eben weil es der Mehrheit gefallen soll. So hetzt er also zum Angriffskriege, weil sich seine Nation ›bedroht‹ fühle, auch wenn gerade sie selbst die aggressivste ist und mehr Kriegsmaterial angehäuft hat als alle anderen zusammengenommen und als jemals auf dem Globus vorhanden war.. Aber das ist gerade das Sündhafte, Falsche und Dumme. Wir erleben es auch heute immer weiter. Allerdings wird im Fühlen der anderen seine Nation mehr und mehr bedroht. Aber der Grund dazu ist eben gerade diese seine Arroganz und sein Säbelgerassel.

Es wäre doch zum Beispiel gar nicht zum Weltkrieg gekommen, wenn sich England nicht ›bedroht‹ oder angeblich so gefühlt hätte durch den deutschen Flottenbau! England, das doch selbst schon eine viel größere Flotte hatte! Wer fühlte sich denn andersherum dadurch bedroht? Spaßiger Weise nicht die Deutschen, die doch allen Grund gehabt hätten! Die liebten England da noch bis zu Hitlers Zeiten oder bis sie die Bomben ihres geliebten England auf Mütter und Kinder erlebten, und betrachteten es als im Geiste mit ihnen verbündet. Daher das basse Erstaunen, als England ihnen auf der falschen Seite plötzlich den Krieg eröffnet. Waren die Engländer so dumm, dass dem Volk als gerechten Kriegsgrund anzudrehen, oder planten sie einfach schon auf lange Hand die Vernichtung Deutschlands?«

Die »Vereinten Nationen« wurden nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet mit dem ausgesprochenen Ziel, die Welt vor zukünftigen Hitlern zu schützen! Warum bezieht das niemand auch einmal auf andere Nationen als die bösen Deutschen? Haben nicht gerade die Weltkriegssieger nach ihrem Zweiten viel mehr Angriffskriege angefangen aus angeblicher »Bedrohung« als alle anderen Nationen?

Aber zurück zu Goethe! Mischa fährt fort:

»Da habt ihr das ganze ›Enlightenment‹ zusammengefasst. Als er Kind war, das heißt in den vergangenen Zeiten, als wir noch so dumm waren, auf Gott zu hoffen, ›den Schlafenden dort droben‹, der auf unsere Klagen nicht hört. Dagegen nun unsere Menschenkraft. Und der Vorwurf an Gott, ganz griechische Renaissance, Gott sei kalt und stumm und nie hilfsbereit. Und nun im Zusammenhang unsere Sklaverei unter Gott! Nächste Zeile:

›Hast du nicht alles selbst vollendet, heilig glühend Herz?‹ – weist deutlich auf die Heldentat einer Revolution.

Versteht ihr den ganzen Geist? Ha! Damals betete mein Großvater nächtelang auf Knien, und seine kleine Tochter starb doch an Tuberkulose! Aber nun Wir! Unsere Wissenschaft erforscht diese Krankheit, wendet Hygiene an, schafft schließlich Tuberkulostatica, die Krankheit besiegende Chemikalien! Erfindet Dampf und Maschinen, vervielfacht Menschen - ja erfindet eine Ausnutzung hundertfacher Pferdekräfte, entwickelt sich immer höher!

Heißa, wir sind endlich frei von einer jeden unterdrückenden Autorität! Sind wir nicht trunken von uns selber, unserer Gottesgleichheit, bis heute? Bald ist uns nichts mehr unmöglich!

Klopf dir die Knie vom Staube frei, alter Tor! Wir brauchen keinen – und es gibt keinen – bevormundenden Gott mehr!